Die braunen Ränder der Identitären (I)

7. October 2012

Die Provokation von vermummten Wiener “Identitären“ bei einem Workshop der Caritas am Schlingermarkt in Wien Floridsdorf hinterlässt Fragen: wer sind die Wiener Identitären , woher kommen sie ? Eine Spurensuche..

Als im Herbst 2011 die Burschen vom Siegfriedskopf ihren Blog auflösten, verabschiedeten sie sich etwas gekränkt mit der Begründung:

“Unser Fazit aus den Beiträgen die, in einer Argwohn erweckenden, zeitlichen Abstimmung, auf stopptdierechten, news und einem nagelneuen Blog erschienen sind: Der antifaschistische Beißreflex schnappt wieder einmal zu. Uns kann es nur recht sein, dass diese Kreise, ideologisch abgestumpft, längst nicht mehr in der Lage sind, eine Trennlinie zwischen identitären, ethnopluralistischen Positionen, Rechtspopulismus oder Neonazismus zu ziehen sondern stets mit der gleichen stumpfen Nazikeule ausholen“.

Ein besonderer Gruß der gekränkten Burschen galt zum Abschied dem “Funken” und der identitären Bewegung: „Wir wünschen der erwachenden identitären Bewegung im ganzen deutschen Sprachraum viel Erfolg, vor allem Block-Identität und unseren Freunden vom Funken.”

Dass die braunen Burschen vom „Siegfriedskopf“ nicht gut auf uns zu sprechen waren, verstanden wir ideologisch Abgestumpften gerade noch. Warum aber die Kränkung durch „News“ und den damals neuen Antifa- Blog Küssels Kameraden?

Küssels Kameraden berichteten damals über die zahlreichen Überschneidungen zwischen der Neonazi-Szene um Küssel und Co., dem burschenschaftlichen Umfeld und der FPÖ sowie einigen „schnell aufgezogenen Blogs“. Der Siegfriedskopf wurde dabei gar nicht erwähnt, sondern der Funke, über den Küssels Kameraden urteilte:

„Während man sich bei Alpen-Donau.Info eher an das alteingesessene Nazi-Publikum wendet, versucht es Der-Funke.Info mit einem “intellektuellen” Anstrich, gemischt mit Neofolk Ästhetik. Die Betreiber stammen aber auch hier aus dem nächsten Küssel- und Alpen-Donau-Umfeld.“


Nowotny-Gedenken 2009. Bild und Text von kuesselskameraden.blogsport.eu: “Martin S. und Wolfgang L.: Beide engagieren sich besonders intensiv für Der-Funke. Und beide standen in Kontakt mit Gottfried Küssel, Felix Budin und anderen einschlägigen Neonazi-Kadern”

Beleidigt durch diese Einschätzung gab sich aber nicht Der Funke, sondern die Burschenschafter vom Siegfriedskopf, die ihre Auflösung so begründeten:“Wir ziehen uns aus dem grell- verzerrenden Licht der linken Medienwelt zurück“. Eine grundvernünftige Entscheidung zwar, aber ziemlich halbherzig!


Problem mit der Identität? Der “Funke” war gemeint, “Siegfriedskopf” verabschiedete sich.

Denn schon zuvor war klar, dass Siegfriedskopf und Funke personell und politisch weitgehend ident waren. Im April 2011 versuchten sie, ein gemeinsames Flugblatt unter das studentische Publikum zu bringen, in dem sie nach dem Muster der „Publikumsbeschimpfung“ zunächst einmal losschimpften: „Du bist eine Konsumschleuse im Schaltkreis des Systems! Leute wie Du öden uns an. Du bist uns egal. Trotzdem geben wir Dir hiermit eine letzte Chance, Dein Leben zu überdenken. Sind wir nicht gut zu Dir?“


“Sowilo”, alias Wolfgang L., über den Bau von “netten Autobomben” und seine Fragen zu Sprengstoff und Kontakte nach Sachsen

Wohin die Reise mit Funken und Siegfriedskopf gehen könnte, wurde nur an einer Stelle des Flyers etwas klarer: „Du (….) verziehst aber keine Miene, wenn hier Leute für ihre Meinung in Haft kommen“. In U- Haft waren damals gerade die jetzt die nach dem NS-Verbotsgesetz Angeklagten Küssel und Co. gekommen!

Zunächst aber reisten die Burschen vom Funken im Sommer 2011 nach Italien, zur Casa Pound, dem Vorzeigeprojekt des italienischen Neofaschismus und zeigten sich schwer beeindruckt. Vermutlich dürfte zwecks guter Laune die für Neonazis und Neofaschisten gleichermaßen heikle Südtirol-Problematik dabei ausgespart worden sein.

Zugegeben, die Burschen vom Funken berufen sich lieber auf Friedrich Nietzsche, Ezra Pound und den ideologischen Vater der „Identitären“, Pierre Krebs als auf Adolf Hitler und den Nationalsozialismus. Doch am Beispiel Pierre Krebs, der schon vor etlichen Jahren bei der im Neonazi-Bereich angesiedelten AFP als Referent auftrat, lässt sich das ideologische Fundament der „Neuen Rechten“ bzw. „Identitären“ ganz gut vermessen. Krebs referierte bei der AFP unter anderem zum Thema „Deutschland, unser inneres Reich“. Das war vor vielen Jahren. Dazwischen lag einiges Geschwurbel über „kulturelle Wiedergeburt“, „Mut zur Identität“ oder „Im Kampf um das Wesen“, bis Krebs in den letzten Jahren tatsächlich wieder beim Wesentlichen ankam, beim Kampf „gegen die Rassenvermischung“, „gegen die amerikanisch-zionistische Hegemonie“ und für den „Vorrang der Gesetze des Blutes“ (Quelle: Europäische Aktion). Die Europäische Aktion, von der die Zitate von Krebs stammen, ist eine Vereinigung von Holocaust-Leugnern, alten und neuen Nazis und Revisionisten, die die Wiederherstellung des Deutschen Reichs fordern und die Rettung Europas unter dem Schlachtruf „Reconquista -oder Requiem“ anpeilen. Womit wir fast schon bei den heutigen Wiener Identitären gelandet wären.

Die braunen Ränder der Identitären (II)