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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 5 Minuten

Graz-Wahl: Drei FPÖ-Kandidaten angezeigt

„Stoppt die Rech­ten“ hat in den ver­gan­ge­nen sechs Mona­ten drei Sach­ver­halts­dar­stel­lun­gen gegen FPÖ-Kan­di­da­ten für die kom­men­de Wahl in Graz bei der Staats­an­walt­schaft Graz ein­ge­bracht. Die Vor­wür­fe rei­chen einer ras­sis­ti­schen Kam­pa­gne gegen Volksschüler:innen über Anti-LGBTIQ-Gewalt­fan­ta­sien bis zu wüs­tes­tem Antisemitismus.

23. Juni 2026
Parteizentrale FPÖ Graz und Landesgeschäftsstelle
Parteizentrale FPÖ Graz und Landesgeschäftsstelle

„Bevölkerungsaustausch“ vor einer Grazer Volksschule

Bereits im Dezem­ber erging an die Staats­an­walt­schaft Graz eine Sach­ver­halts­dar­stel­lung zur FPÖ Graz und Noah Straß­bau­er, Vor­sit­zen­der der Frei­heit­li­chen Jugend Stei­er­mark, par­la­men­ta­ri­scher Mit­ar­bei­ter bei der FPÖ-Abg. Michae­la Schar­tel und Kan­di­dat auf Platz 4 für den Bezirks­rat in St. Leon­hard. Auf den Social-Media-Kanä­len der FPÖ Graz erschien im Dezem­ber ein Video, das vor der Volks­schu­le St. Andrä-Gries auf­ge­nom­men wur­de. Im Hin­ter­grund waren unver­pi­xel­te Kin­der zu sehen. Straß­bau­er sprach dar­in von „Ausländerkinder[n]“, die in Gra­zer Schu­len die Mehr­heit stel­len wür­den, nann­te die Schu­le ein „Sinn­bild für den Bevöl­ke­rungs­aus­tausch“ und ver­knüpf­te die Erzäh­lung mit „Gewalt, Unsi­cher­heit und fehlende[r] Dis­zi­plin“. Am Ende for­der­te er „Remi­gra­ti­on“ und den „Schutz der öster­rei­chi­schen Kin­der“.

Noah Straßbauer vor der Grazer Volksschule St. Andrä-Gries (Screenshot 16.12.26)
Noah Straß­bau­er vor der Gra­zer Volks­schu­le St. Andrä-Gries (Screen­shot 16.12.26)

Stoppt die Rech­ten sieht dar­in einen mög­li­chen Ver­stoß gegen § 283 StGB (Ver­het­zung). „Aus­län­der­kin­der“ wer­den „öster­rei­chi­schen“ bezie­hungs­wei­se „auto­chtho­nen“ Kin­dern gegen­über­ge­stellt und mit Gewalt, Unsi­cher­heit und feh­len­der Dis­zi­plin ver­bun­den. Der rechts­extre­me Kampf­be­griff „Bevöl­ke­rungs­aus­tausch“ ver­schärft die­se Erzäh­lung, weil er Migra­ti­on als gesteu­er­ten Angriff auf eine angeb­lich ver­dräng­te Mehr­heits­be­völ­ke­rung rahmt. Das Video war zumin­dest sechs Tage online und wur­de danach von der FPÖ Graz geräusch­los gelöscht.

Selenskyj als Inbegriff des bösen Juden

Robert Spörk kan­di­diert für die FPÖ auf Platz 13 der Gemein­de­rats­lis­te und auf Platz 2 für den Bezirk Gries, wo er auch Bezirks­par­tei­ob­mann ist. Am 2. April 2026 teil­te Spörk auf Face­book gleich drei­mal ein Sujet mit dem Text: „Wenn ille­ga­le Migran­ten bereit sind, das Gesetz zu bre­chen um in dein Land ein­zu­rei­sen was soll sie davon abhal­ten, in dei­nem Land wei­te­re Geset­ze zu bre­chen?“ Dazu kam ein Begleit­text über eine „ille­ga­le, kri­mi­nel­le Völ­ker­wan­de­rung“, die vie­le reich gemacht habe, Steuerzahler:innen aus­beu­te, Län­der rui­nie­re und die Wirt­schaft „gegen die Wand“ gefah­ren habe.

Die pau­scha­le Zuschrei­bung von Kri­mi­na­li­tät, Schäd­lich­keit und Bedro­hung gegen­über einer über Her­kunft und Auf­ent­halts­sta­tus mar­kier­ten Per­so­nen­grup­pe erscheint genau­so prü­fungs­wür­dig wie ein wei­te­rer geteil­ter Bei­trag über Muslim:innen: „Der Koran ver­bie­tet Mos­lems, sich in Gesell­schaft von Ungläu­bi­gen zu inte­grie­ren (Sure 5,51).“ Die Aus­sa­ge ist inhalt­lich falsch, weil dar­aus ein gene­rel­ler Inte­gra­ti­ons­boy­kott von Muslim:innen kon­stru­iert wird.

In einem von Spörk geteil­ten Video wird der ukrai­ni­sche Prä­si­dent Wolo­dym­yr Selen­skyj als horn­be­wehr­tes, schlei­mi­ges, wurm- oder lar­ven­ar­ti­ges Unwe­sen zwi­schen Grab­kreu­zen und Dol­lar­bün­deln dar­ge­stellt. Wegen Selen­sky­js öffent­lich bekann­ter jüdi­scher Her­kunft liegt der Ver­dacht nahe, dass das Video mit anti­se­mi­ti­schen Codes arbei­tet: Geld­gier, Para­si­ten­tum, dämo­ni­sche Kör­per­lich­keit, Tod und Ver­der­ben. Straf­recht­lich ist zu prü­fen, ob damit eine grup­pen­be­zo­ge­ne men­schen­wür­de­ver­let­zen­de Beschimp­fung vorliegt.

Robert Spörk gegen "Kiew" (Screenshot FB 6.3.26)"Szijjártó Péter : Wir fordern von Kiew unverzüglich Antworten bezüglich der großen Bargeldtransporte, die durch Ungarn passieren und ernsthafte Zweifel an einer möglichen Verbindung zur ukrainischen Kriegsmafia aufkommen lassen. Seit Januar wurden 900 Millionen US-Dollar und 420 Millionen € in bar sowie 146 Kilogramm Gold durch Ungarn transportiert. Wenn es sich tatsächlich um eine Transaktion zwischen Banken handelt, warum wurde sie nicht per Überweisung abgewickelt? Warum wurden solch enorme Bargeldsummen durch unser Land geschleust? Nach Angaben der Nationalen Steuer- und Zollverwaltung wurde die jüngste Lieferung von einem ehemaligen General des ukrainischen Geheimdienstes begleitet. Solange Kiew keine klaren Erklärungen über Herkunft und Zweck der Gelder liefert, werden die ungarischen Behörden eine gründliche Untersuchung durchführen."
Robert Spörk gegen „Kiew” (Screen­shot FB 6.3.26)

Juden als Weltverschwörung, Täter-Opfer-Umkehr und Anti-Pride-Gewalt

Liviu Cris­ti­an Apos­tol kan­di­diert auf Platz 45 für den Gemein­de­rat und auf Platz 3 für den Bezirk Gries. Die Anzei­ge gegen ihn umfasst neun Face­book-Pos­tings. Im Mai 2025 teil­te der Account ein GIF mit einer ste­reo­typ anti­se­mi­ti­schen Kari­ka­tur in Stür­mer-Manier. Jüdin­nen und Juden wer­den dar­in für 9/11, die bei­den Welt­krie­ge, Kom­mu­nis­mus, die Por­no­in­dus­trie, ISIS, Frei­mau­re­rei, Welt­ban­ken, LGBTQ, Medi­en­in­dus­trie und latein­ame­ri­ka­ni­sche Kar­tel­le ver­ant­wort­lich gemacht. Die dahin­ter inten­dier­te Aus­sa­ge: „Juden ste­cken hin­ter allem.“

Am 22. Febru­ar 2026 teil­te Apos­tol ein Video mit dem bekann­ten US-ame­ri­ka­ni­schen Holo­caust­re­la­ti­vie­rer Nor­man Fin­kel­stein, in dem die­ser den Hamas-Ter­ror­an­griff vom 7. Okto­ber 2023 recht­fer­tigt: „I won’t con­demn Hamas. I refu­se to do that, becau­se I don’t belie­ve they had any choice except to die as it were a slave“ („Ich wer­de die Hamas nicht ver­ur­tei­len. Das wei­ge­re ich mich zu tun, denn ich glau­be nicht, dass sie eine ande­re Wahl hat­ten, als sozu­sa­gen wie Skla­ven zu ster­ben“). Das Mas­sa­ker mit mehr als 1.100 ermor­de­ten Zivilist:innen wird als alter­na­tiv­los hin­ge­stellt und gerechtfertigt.

Am 1. Juni 2026 teil­te der Account ein beson­ders per­fi­des Sujet eines Fotos aus dem Mai 1945 mit aus dem KZ Eben­see befrei­ten Häft­lin­gen. Dar­über stand „Befo­re (Refu­gee)“, dar­un­ter ein Foto israe­li­scher Sol­da­ten mit „Then (Cri­mi­nal)“. Jüdi­sche NS-Opfer, Jüdin­nen und Juden bezie­hungs­wei­se Israe­lis wer­den pau­schal in eine Täter­rol­le ver­scho­ben und als „Kri­mi­nel­le“ dif­fa­miert. Wegen der Instru­men­ta­li­sie­rung der Sho­ah wird hier auch um die Prü­fung eines Ver­sto­ßes gegen § 3h Ver­bots­ge­setz gebeten.

Liviu Cristian Apostol: oben Befreite aus dem KZ Ebensee, unten israelische Soldaten (Screenshot FB 1.6.26)
Liviu Cris­ti­an Apos­tol: oben Befrei­te aus dem KZ Eben­see, unten israe­li­sche Sol­da­ten (Screen­shot FB 1.6.26)

Eine wei­te­re Foto­mon­ta­ge zeigt John F. Ken­ne­dy und Robert F. Ken­ne­dy mit dem Text: „isra­el kil­led us becau­se we tried to shut down AIPAC and dimo­na. Finish our work“. Dem liegt eine anti­se­mi­ti­sche Ver­schwö­rungs­er­zäh­lung über eine angeb­li­che israe­lisch-jüdi­sche Ver­ant­wor­tung für die Ermor­dung der Ken­ne­dy-Brü­der zugrunde.

Hin­zu kommt das Pos­ting eines ver­meint­li­chen Zitats von Alex­an­der Sol­sche­ni­zyn über „jüdi­sche Bol­sche­wis­ten“, die 66 Mil­lio­nen rus­si­scher Chris­ten ermor­det hät­ten. Das Solz­he­nit­syn Cen­ter weist die zen­tra­le Behaup­tung über „66 Mil­lio­nen“ Opfer als Fäl­schung zurück, das US Holo­caust Memo­ri­al Muse­um beschreibt „Judeo-Bols­he­vism“ als anti­se­mi­ti­sche Verschwörungstheorie.

Am 5. Juni 2026 teil­te Apos­tol ein Sujet, auf dem eine Figur eine ande­re in Regen­bo­gen­far­ben gehal­te­ne Figur tritt; der Text dazu: „STOLZ STATT PRIDE“. Das könn­te als Befür­wor­tung oder Ver­herr­li­chung gewalt­sa­men Vor­ge­hens gegen LGBTIQ-Per­so­nen inter­pre­tiert werden.

Liviu Cristian Apostol: "Stolz statt Pride" (Screenshot FB 5.6.26)
Liviu Cris­ti­an Apos­tol: „Stolz statt Pri­de” (Screen­shot FB 5.6.26)

Für alle genann­ten Per­so­nen gilt die Unschuldsvermutung!

➡️ Der Stan­dard (23.6.26) hat die stei­ri­sche FPÖ um eine Stel­lung­nah­me gebe­ten: „Die stei­ri­sche FPÖ reagier­te auf eine STAN­DARD-Anfra­ge am Diens­tag mit einer ‚Sofort­maß­nah­me’: Zwei Män­ner wur­den mit einem ‚Funk­ti­ons­ver­bot’ belegt, wei­te­re Maß­nah­men wol­le man ‚in den ent­spre­chen­den Gre­mi­en’ prü­fen. Die FPÖ leh­ne ‚Anti­se­mi­tis­mus jeg­li­cher Art’ ab.”

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Schlagwörter: Antisemitismus | Anzeige | FPÖ | Hetze | Holocaustleugnung/-verharmlosung | LGBTQIA+-Feindlichkeit | Rassismus/Antimuslimischer Rassismus | RFJ | Steiermark | Wiederbetätigung

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