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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 6 Minuten

Mélange KW 20/26 (Teil 1): Rechte Gewalt mit Österreich-Spur in Prag und München

Ein Isra­el-Café wäh­rend des ESC soll­te für Poli­zei­schutz zah­len, wäh­rend anti­se­mi­ti­sche und rechts­extre­me Auf­mär­sche kos­ten­los abge­si­chert wer­den. In Tirol und Wien häu­fen sich NS-Vor­fäl­le; in Mün­chen und Prag füh­ren Spu­ren gewalt­tä­ti­ger Angrif­fe zu öster­rei­chi­schen Täter- und Neonazi-Kreisen.

20. Mai 2026
Rückblick
Rückblick

Inhalt

Togg­le
  • Wien: Rech­nung für den Schutz des Israel-Cafés
  • T: NS-Paro­len, Hass­wel­le und Verdächtige
  • Wien-Döb­ling: Motor­sä­ge, Alko­hol und NS-Parolen
  • Inns­bruck-Pfund­s/T: NS-Samm­lung nach Floh­markt-Auf­tritt entdeckt
  • Mün­chen: Gewalt­tä­ti­ger Über­fall auf Arbei­ter­un­ter­kunft mit öster­rei­chi­scher Beteiligung?
  • Prag: Neo­na­zi-Angrif­fe mit Wie­ner Beteiligung
  • Bristol/GB: Neo­na­zi-Angriff mit Axt

Wien: Rechnung für den Schutz des Israel-Cafés

Der ESC ist geschla­gen – beglei­tet von anti­se­mi­ti­schen Pro­tes­ten gegen die Teil­nah­me Isra­els, die mit gro­ßen Poli­zei­ein­sät­zen beglei­tet waren. Das Isra­el-Fan­ca­fé zur Euro­vi­si­on in der MQ-Kan­ti­ne wäre aber fast zum Deba­kel gewor­den. Nach­dem sich zunächst kaum ein Wie­ner Kaf­fee­haus für Isra­el gefun­den hat­te, stell­te Betrei­be­rin Lisa Wegen­stein ihre Kan­ti­ne im Muse­ums­quar­tier zur Ver­fü­gung und muss­te wegen der Bedro­hungs­la­ge ein Sicher­heits­kon­zept aus­ar­bei­ten. Dann kam der Bescheid der Lan­des­po­li­zei­di­rek­ti­on: Der Poli­zei­schutz soll­te nach tat­säch­li­chem Ein­satz­um­fang ver­rech­net wer­den. Wegen­stein rech­ne­te laut „pro­fil“ (12.5.26) mit 10.000 bis 12.000 Euro – Kos­ten, die sie in finan­zi­el­le Schwie­rig­kei­ten hät­ten brin­gen kön­nen. Erst nach öffent­li­cher Empö­rung sprang das Echo-Medi­en­haus ein und erklär­te sich bereit, die Rech­nung zu übernehmen.

Der Fall wirft eine poli­ti­sche Fra­ge auf, die weit über die MQ-Kan­ti­ne hin­aus­geht: War­um soll ein Isra­el-Café für Poli­zei­schutz zah­len, wäh­rend rechts­extre­me Auf­mär­sche – etwa jene der Iden­ti­tä­ren – regel­mä­ßig von der Poli­zei abge­si­chert wer­den, ohne dass den Ver­an­stal­tern Schutz­kos­ten vor­ge­schrie­ben wer­den? „pro­fil“ ver­weist auf die Rechts­la­ge: Bei Ver­an­stal­tun­gen mit Erwerbs­in­ter­es­sen kön­nen Gebüh­ren ein­ge­ho­ben wer­den, Ver­samm­lun­gen und Demons­tra­tio­nen wer­den in der Regel nicht ver­rech­net. For­mal mag das erklär­bar sein, poli­tisch bleibt es absurd: Aus­ge­rech­net ein Café, das wegen anti­se­mi­ti­scher Bedro­hun­gen Schutz braucht, soll zur Kas­se gebe­ten wer­den, wäh­rend Rechts­extre­me und Neo­na­zis durch Wien zie­hen und ihre Ver­an­stal­tun­gen unter Poli­zei­schutz abhalten.

Beson­ders schief wirkt die­se Kos­ten­lo­gik vor dem Hin­ter­grund der aktu­el­len Anti­se­mi­tis­mus­zah­len: Die IKG regis­trier­te für 2025 ins­ge­samt 1.532 anti­se­mi­ti­sche Vor­fäl­le in Öster­reich – einen Höchst­stand seit Beginn der Auf­zeich­nun­gen. Das sind rech­ne­risch mehr als vier gemel­de­te Vor­fäl­le pro Tag. In die­ser Lage Schutz für eine israel­be­zo­ge­ne Ein­rich­tung als ver­re­chen­ba­re Zusatz­leis­tung zu behan­deln, ist ein poli­ti­sches Signal zur völ­lig fal­schen Zeit.

T: NS-Parolen, Hasswelle und Verdächtige

Nach dem Bekannt­wer­den der neo­na­zis­ti­schen Vor­fäl­le rund um das Gau­der Fest im Zil­ler­tal berich­te­te der ORF (13.5.26) auch über die Reak­ti­on dar­auf: Unter dem Video auf Social Media sam­mel­ten sich zahl­rei­che anti­se­mi­ti­sche, ras­sis­ti­sche, homo­pho­be und teils straf­recht­lich rele­van­te Kom­men­ta­re. Der Inns­bru­cker Medi­en­recht­ler Mat­thi­as Ket­te­mann sprach von kla­ren Fäl­len mög­li­cher Ver­het­zung und Wiederbetätigung.

Einen Tag spä­ter gab die Poli­zei bekannt, dass nach der Ver­öf­fent­li­chung von Fahn­dungs­fo­tos drei jun­ge Ver­däch­ti­ge aus Öster­reich, die in der Zil­ler­tal­bahn Hit­ler­grü­ße und „Sieg Heil“ dar­ge­bo­ten hat­ten, aus­ge­forscht wur­den. Ermit­telt wird nun wegen des Ver­dachts der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Wiederbetätigung.

Wien-Döbling: Motorsäge, Alkohol und NS-Parolen

In Wien-Döb­ling soll ein 40-jäh­ri­ger Öster­rei­cher in der Nacht auf den 16. Mai bei einer Tank­stel­le auf der Hei­li­gen­städ­ter Stra­ße mit einer Per­so­nen­grup­pe in Streit gera­ten sein. Laut Poli­zei zück­te der Mann dabei eine Motor­sä­ge und bedroh­te sein Gegen­über. Zudem soll er mehr­fach „Heil Hit­ler!“ geru­fen haben.

Die Poli­zei nahm den Mann vor­läu­fig fest; im Kof­fer­raum wur­de die Motor­sä­ge gefun­den. Ein Alko­hol­test ergab rund zwei Pro­mil­le, außer­dem soll der Mann zuvor ein Fahr­zeug gelenkt haben, wes­halb ihm der Füh­rer­schein vor­läu­fig abge­nom­men wur­de. Ver­letzt wur­de nie­mand. Der 40-Jäh­ri­ge wur­de nach dem Ver­bots­ge­setz und wegen des Ver­dachts der gefähr­li­chen Dro­hung auf frei­em Fuß angezeigt.

(Quel­le: wien.orf.at, 16.5.26)

Innsbruck-Pfunds/T: NS-Sammlung nach Flohmarkt-Auftritt entdeckt

Ein 67-jäh­ri­ger Öster­rei­cher fiel am 16. Mai auf einem Inns­bru­cker Floh­markt auf, weil er öffent­lich einen Pull­over mit natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Sym­bo­len trug. Die her­bei­ge­ru­fe­ne Poli­zei stell­te den Mann und lei­te­te Ermitt­lun­gen ein. Die­se führ­ten noch am sel­ben Tag zu einer Haus­durch­su­chung in Pfunds im Bezirk Landeck.

Dort fan­den die Ermitt­ler eine Samm­lung mit NS-Devo­tio­na­li­en: unter ande­rem eine Hit­ler-Büs­te, Bro­schen, Rin­ge, Jacken und wei­te­re ein­schlä­gi­ge Gegen­stän­de. Der 67-Jäh­ri­ge wird wegen Ver­dachts des Ver­bre­chens nach dem Ver­bots­ge­setz auf frei­em Fuß angezeigt.

(Quel­le: tirol.orf.at, 16.5.26)

München: Gewalttätiger Überfall auf Arbeiterunterkunft mit österreichischer Beteiligung?

In Mün­chen-Moos­ach stürm­ten am Frei­tag­abend, dem 15. Mai, zehn bis 15 mas­kier­te und bewaff­ne­te Per­so­nen eine Unter­kunft, die von bul­ga­ri­schen Arbei­tern bewohnt wird. Die Täter sol­len mit Mes­sern und Eisen­stan­gen auf Bewoh­ner los­ge­gan­gen sein; vier bul­ga­ri­sche Män­ner im Alter von 29 bis 36 Jah­ren wur­den ver­letzt, einer davon schwer. Meh­re­re Bewoh­ner flüch­te­ten sei­en aus dem Gebäu­de, teils durch Sprün­ge aus Fens­tern, geflüch­tet. Trotz eines Groß­ein­sat­zes der Poli­zei konn­ten die Täter entkommen.

Es wird nun wegen gefähr­li­cher Kör­per­ver­let­zung und schwe­ren Land­frie­dens­bruchs ermit­telt. Ein ras­sis­ti­sches Motiv liegt nahe. zumal einer der Täter „Schnapp Dir den Zig***r!“ geru­fen haben soll. „Die Täter wer­den von Zeu­gen, soweit erkenn­bar, als hell­häu­tig beschrie­ben, mit teil­wei­se öster­rei­chi­schem Akzent.“ (abendzeitung-muenchen.de, 17.5.26)

Prag: Neonazi-Angriffe mit Wiener Beteiligung

Am 1. Mai mobi­li­sier­ten nach Recher­chen des Anti­fa­schis­ti­schen Info­blatts (AIB) (10.5.26) bis zu 60 Neo­na­zis nach Prag, um gegen das anti­fa­schis­ti­sche „AFA-Fest“ und das Kul­tur­zen­trum „Eter­nia“ vor­zu­ge­hen. Ange­mel­det und ange­heizt wur­de die Akti­on vom tsche­chi­schen Neo­na­zi Filip Váv­ra, der anti­fa­schis­ti­sche Grup­pen als „Ter­ro­ris­ten“ („Find and kill the ter­ro­rist“) mar­kier­te. Vor Ort kam es zu Angriffs­ver­su­chen auf das Kul­tur­zen­trum, zu Ein­schüch­te­run­gen ent­lang der anti­fa­schis­ti­schen Demons­tra­ti­on und spä­ter zu einem schwe­ren Angriff auf Besucher:innen des Fes­ti­vals: Auf der Vyšeh­rad-Brü­cke sol­len Neo­na­zis einem Anti­fa­schis­ten auf­ge­lau­ert und ihn schwer ver­letzt haben.

Die Bil­der des Schwer­ver­letz­ten, der u.a. Musi­ker der deut­schen Punk-Band „Abbruch“ ist, kur­sier­ten schnell in den sozia­len Netz­wer­ken. Auch die Neo­na­zis ver­brei­te­ten die Bil­der, sowie ein Video von dem Angriff, in dem die Sil­hou­et­ten der Angrei­fer zu sehen und die Hil­fe­schreie des Ange­grif­fe­nen. Die Ver­brei­tung des Vide­os dien­te vor allem der Ernied­ri­gung. (AIB)

Laut AIB betei­lig­ten sich rund zehn Neo­na­zis aus Öster­reich an den Aktio­nen in Prag. Genannt wer­den unter ande­rem Bern­hard B. („Tanz­bri­ga­de Wien“) sowie Per­so­nen aus deren Nach­wuchs­struk­tur „Divi­si­on Wien“. Von Öster­rei­chern ver­öf­fent­lich­tes Bild­ma­te­ri­al zeigt eine Auf­nah­me ver­mumm­ter Neo­na­zis am Auf­gang zur Vyšeh­rad-Brü­cke, also in jenem Bereich, in dem spä­ter der schwe­re Angriff erfolg­te. Auf einem wei­te­ren Bild sind B. und wei­te­re öster­rei­chi­sche Neo­na­zis gemein­sam mit dem tsche­chi­schen Neo­na­zi Vla­s­ti­mil Pechan­ec zu sehen, der wegen des Mor­des an einem Ange­hö­ri­gen der Sin­tiz­ze und Romnja-Min­der­heit jah­re­lang in Haft war.

Das AIB ord­net die Vor­gän­ge als Aus­druck gut gepfleg­ter trans­na­tio­na­ler Neo­na­zi-Ver­bin­dun­gen ein: Wie­ner Neo­na­zis, Hoo­li­gan-Milieus, Kampf­sport­struk­tu­ren und tsche­chi­sche Alt-Kader grei­fen inein­an­der. Schon 2025 sind rund 20 Neo­na­zis aus Öster­reich zum kon­spi­ra­ti­ven Kampf­sport­event „Vir­tus et Honor“ ins tsche­chi­sche Olo­mouc gereist sein, um das Team „Alpen-Donau Boxing“ zu supporten.

Bristol/GB: Neonazi-Angriff mit Axt

Eine erst 19-jäh­ri­ge Neo­na­zi-Anhän­ge­rin ist in Bris­tol zu einer lan­gen Haft­stra­fe ver­ur­teilt wor­den, nach­dem sie am 2. August 2025 ver­sucht hat­te, den kur­di­schen Bar­ber­shop-Mit­ar­bei­ter Moham­med Mah­moo­di mit einer Axt zu ent­haup­ten. Die Täte­rin griff den 27-Jäh­ri­gen vor einem Geschäft in Bedmins­ter von hin­ten an und ziel­te auf sei­nen Hals; Mah­moo­di konn­te ihr die Axt ent­rei­ßen und über­leb­te mit Verletzungen.

Das Gericht wer­te­te die Tat als ter­ro­ris­tisch moti­viert. Die ange­klag­te A.B. hat­te sich in rechts­extre­men Online-Räu­men bewegt, Kon­takt zur bri­ti­schen Grup­pe „Patrio­tic Alter­na­ti­ve“ gehabt und in Nach­rich­ten davon geschrie­ben, Jüd:innen und Muslim:innen töten zu wol­len. Die Ankla­ge beschrieb ein Welt­bild, in dem Jüd:innen und Muslim:innen ermor­det und Nicht­wei­ße aus Groß­bri­tan­ni­en ver­trie­ben wer­den sollten.

B. bekann­te sich des ver­such­ten Mor­des und des Besit­zes meh­re­rer Waf­fen – dar­un­ter Axt, Skal­pell und Wurf­pfei­le – schul­dig. Die Rich­te­rin stuf­te sie als gefähr­li­che Täte­rin ein, die wei­ter tief in ihrem extre­mis­ti­schen Welt­bild ver­an­kert sei. Ver­hängt wur­de eine Stra­fe von 15 Jah­ren und sechs Mona­ten Haft sowie eine anschlie­ßen­de vier­jäh­ri­ge Aufsichtszeit.

(Quel­le: theguardian.com, 16.5.26)

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