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Lesezeit: 3 Minuten

Verbotene „Artgemeinschaft“: Neonazi-Sekte mit österreichischer Beihilfe

Seit Ende April ist es end­gül­tig ent­schie­den: Das deut­sche Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig hat das Ver­bot der „Art­ge­mein­schaft“, die sich im Zusatz „Ger­ma­ni­sche Glau­bens-Gemein­schaft wesens­ge­mä­ßer Lebens­ge­stal­tung e.V.“ nann­te, als recht­mä­ßig beur­teilt. War­um wir über die­ses Ver­bot einer deut­schen Neo­na­zi-Sek­te berich­ten? Weil Öster­rei­cher in ihr stark ver­tre­ten waren und einer von ihnen noch in dem Ver­fah­ren beim Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt als Zeu­ge der Klä­ge­rin Art­ge­mein­schaft auf­ge­tre­ten ist.

19. Mai 2026
Aufkleber Artgemeinschaft (7.10.17)
Aufkleber Artgemeinschaft (7.10.17)

Ende Sep­tem­ber 2023 hat die dama­li­ge Bun­des­in­nen­mi­nis­te­rin Nan­cy Fae­ser den Ver­ein „Art­ge­mein­schaft“ und sei­ne Teil- bzw. Tarn­or­ga­ni­sa­tio­nen auf­ge­löst. Die „Art­ge­mein­schaft“ hat gegen ihre Auf­lö­sung Kla­ge ein­ge­reicht, über die mona­te­lang vor dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt wur­de. Die­se Ver­hand­lung war nicht frei von Kuriositäten.

Wäh­rend eines Ver­hand­lungs­ta­ges im Jän­ner fand auf einem Hof im Bur­gen­land­kreis (Sach­sen-Anhalt) eine Raz­zia durch Poli­zei­kräf­te statt. Der Hof steht im Besitz der Fami­lie W. Vater Mar­cel W. war zu die­sem Zeit­punkt beim Pro­zess in Leip­zig, „bei dem Ver­däch­ti­gen [am Hof; Anmk. SdR] han­delt es sich nach taz-Infor­ma­tio­nen um einen Sohn von Mar­cel W., Mit­glied der Art­ge­mein­schaft“, berich­te­te damals die „taz“ (2.2.26 zit. nach dokmz).

Die umfang­rei­chen Fun­de, dar­un­ter spreng­fä­hi­ges Mate­ri­al im zwei­stel­li­gen Kilobe­reich, waren nach Ansicht der Poli­zei so gefähr­lich, dass sie noch vor Ort gesprengt wur­den, aber als Belas­tungs­ma­te­ri­al in das Ver­fah­ren vor dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt neu ein­ge­führt wurden.

Die Waf­fen­fun­de, die Spreng­stof­fe, aber auch die ideo­lo­gi­schen Grund­la­gen der „Art­ge­mein­schaft“ und ihre Mit­glie­der und Sympathisant:innen pas­sen so gar nicht zu dem Bild eines „klei­nen, reli­giö­sen Kul­tur­ver­eins“, das der rechts­extre­me Video­ka­nal Auf1 in sei­ner Bericht­erstat­tung über das Ver­bot der „Art­ge­mein­schaft“ zeich­nen woll­te. Ste­fan Magnet per­sön­lich bejam­mer­te das bru­ta­le Vor­ge­hen des Sys­tems gegen „Anders­den­ken­de“ und lud sich als Zeu­gen einen frü­he­ren Lei­ter der „Art­ge­mein­schaft“ und Mar­tin Sell­ner in sein Studio.

Magnet zum Verbot der neonazistischen "Artgemeinschaft": "Deutsches Leben kaputt schlagen!" (Screenshot AUF1, 6.10.23)
Magnet zum Ver­bot der neo­na­zis­ti­schen „Art­ge­mein­schaft”: „Deut­sches Leben kaputt schla­gen!” (Screen­shot AUF1, 6.10.23)

 

Magnet über den "Kulturverein" Artgemeinschaft: "wie brutal das System mittlerweile gegen Andersdenkende vorgeht" (Screenshot Report24, 8.10.23)
Magnet über den „Kul­tur­ver­ein” Art­ge­mein­schaft: „wie bru­tal das Sys­tem mitt­ler­wei­le gegen Anders­den­ken­de vor­geht” (Screen­shot Report24, 8.10.23)

Zu den bejam­mer­ten „Anders­den­ken­den“, die in der „Art­ge­mein­schaft“ Unter­schlupf fan­den, zäh­len nicht nur eini­ge aus Öster­reich nach Deutsch­land migrier­te Neo­na­zis wie Sepp Biber (†), sei­ne Toch­ter Edda Schmidt, die Fami­lie Bach­mann um Rai­mund Bach­mann (†) , der als Wan­der­ge­sel­le in Deutsch­land täti­ge Gün­ther A., der sich „Gün­ther Schwei­ger“ genannt hat, sowie zeit­wei­se die „Anders­den­ken­den“ Ste­phan Ernst (Mör­der von Wal­ter Lüb­cke), Bea­te Zsch­ä­pe und ande­re aus dem Kreis um den Natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Unter­grund (NSU), wie auch aus der Anfra­ge von Mar­ti­na Ren­ner im Deut­schen Bun­des­tag hervorgeht.

Die beson­de­re Deli­ka­tes­se oder Absur­di­tät im Pro­zess am Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt stell­te aber der Auf­tritt von Harald Schmidt dar, dem wir schon etli­che Bei­trä­ge gewid­met haben, auch weil er über sei­ne wie­der­keh­ren­den Akti­vi­tä­ten in der rechts­extre­men und neo­na­zis­ti­schen Sze­ne hin­aus seit eini­gen Jah­ren im Immo­bi­li­en­sumpf als Ent­sor­ger tätig ist. Seit Schmidts Auf­tritt als Zeu­ge des Klä­gers „Art­ge­mein­schaft“ wis­sen wir nicht nur, dass auch er zum erle­se­nen Kreis der „Anders­den­ken­den“ der Neo­na­zi-Sek­te „Art­ge­mein­schaft“ zählt.

Zeu­ge Schmidt schaff­te es mit sei­ner Aus­sa­ge, jeden im Saal davon zu über­zeu­gen, dass die „Art­ge­mein­schaft“ mit Sicher­heit nicht der „locke­re Hau­fen“ von Eso­te­ri­kern war, als den ihn Schmidt dem Gericht ver­kau­fen wollte:

Nach lan­gem Über­le­gen brach­te er dann noch ein Detail zum Vor­schein, das im Saal für ein all­ge­mei­nes Ver­stum­men sorg­te: Wer denn der Mann gewe­sen sei, der einem Art­ge­mein­schafts­tref­fen über die Atlan­tis-Theo­rie refe­riert habe, woll­ten die Anwäl­te wis­sen. Schmidt muss­te lan­ge über­le­gen, dann platz­te es aus ihm her­aus: Thors­ten Hei­se sei es gewe­sen, der bekann­te Neo­na­zi aus Thü­rin­gen, der vor weni­gen Wochen gemein­sam mit sei­nem Sohn ein TV-Team in sei­nem Hei­mat­ort ange­grif­fen haben soll. (endstation-rechts.de, 24.4.26)

Jetzt sind wir natür­lich gespannt, wie Auf1 auf die­se Ent­hül­lung reagie­ren wird. Kommt ein Inter­view mit dem „Anders­den­ken­den“ Thors­ten Hei­se, dem schwer kri­mi­nel­len Neo­na­zi, oder schafft es Ste­fan Magnet gar, Ste­phan Ernst oder Bea­te Zsch­ä­pe in der Zel­le über das „bru­ta­le Vor­ge­hen des Sys­tems“ zu befragen?

➡️ Wiki­pe­dia über die „Art­ge­mein­schaft“
➡️ Pres­se­aus­sendung Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt zum Ver­bot der „Art­ge­mein­schaft“ (29.4.26)
➡️ Klei­ne Anfra­ge Mar­ti­na Ren­ner zur „Art­ge­mein­schaft“ und Ant­wort (8.10.24)

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Schlagwörter: AUF1 | Neonazismus/Neofaschismus | report24 | Weite Welt

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