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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 5 Minuten

Mélange KW 20/26 (Teil 2): Blaue Sicherheitslücken, blauer Machtkampf und blaue Autofahrt

Im Par­la­ment blei­ben FPÖ-Mit­ar­bei­ter aus dem iden­ti­tä­ren Umfeld ohne Sicher­heits­über­prü­fung. In Tirol wehrt sich ein Foto­graf gegen ein KI-mani­pu­lier­tes FPÖ-Bild, in Graz eska­liert der blaue Macht­kampf, und in Nie­der­ös­ter­reich ver­liert ein FPÖ-Natio­nal­rat erneut den Führerschein.

21. Mai 2026
Rückblick FPÖ
Rückblick FPÖ

Inhalt

Togg­le
  • Par­la­ment: Sicher­heits­loch durch Hausausweis
  • Tirol: Foto­graf wehrt sich gegen KI-Mani­pu­la­ti­on durch FPÖ
  • Macht­kampf in der Gra­zer FPÖ
  • Guntrams/NÖ: Blau­er Schmied­lech­ner lan­det mit PKW in der Böschung und schämt sich

Parlament: Sicherheitsloch durch Hausausweis

Der Wider­spruch ist kaum noch zu über­bie­ten: Mehr als zehn Mit­ar­bei­ter von FPÖ-Abge­ord­ne­ten ste­hen laut Recher­chen von ORF-„Report“ und „Stan­dard“ unter Beob­ach­tung des Ver­fas­sungs­schut­zes, weil sie im Umfeld der rechts­extre­men Iden­ti­tä­ren aktiv sind – eine ver­pflich­ten­de Sicher­heits­über­prü­fung für par­la­men­ta­ri­sche Mitarbeiter:innen gibt es trotz­dem wei­ter­hin nicht. Nach einer Sit­zung der Prä­si­dia­le kün­dig­te Natio­nal­rats­prä­si­dent Wal­ter Rosen­kranz (FPÖ) ledig­lich an, sich mit der Direk­ti­on Staats­schutz und Nach­rich­ten­dienst bera­ten zu wol­len. „Zei­tungs­be­rich­te allei­ne sind mir zu wenig“, zitiert der ORF (13.5.26) Rosen­kranz dazu.

Wäh­rend sich ÖVP und SPÖ nach den Berich­ten von ORF und „Stan­dard“ noch „besorgt“ zeig­ten („‚Das Par­la­ment als eines der sen­si­bels­ten Orga­ne von rechts­extre­men Maul­wür­fen unter­gra­ben zu las­sen, ist ein kla­rer Angriff auf die Inte­gri­tät staat­li­cher Insti­tu­tio­nen‘, mein­te Mar­chet­ti. Die FPÖ ‚öff­net rechts­extre­men Ver­fas­sungs- und Demo­kra­tie­fein­den Tür und Tor zu zen­tra­len Schalt­stel­len der Demo­kra­tie‘, hieß es von Sel­ten­heim.“ – derstandard.at, 29.4.26), hat­te die ÖVP nach der Prä­si­dia­le nichts zu sagen, und auch die Drit­te Natio­nal­rats­prä­si­den­tin Doris Bures (SPÖ) stieg aufs Brems­pe­dal, was die Mög­lich­keit eines Beschlus­ses im Natio­nal­rat zu einer ver­pflich­ten­den Sicher­heits­über­prü­fung von par­la­men­ta­ri­schen Mitarbeiter:innen betrifft: Sie „lehnt das vor­erst ab und sieht die FPÖ am Zug: Es gehe um einen ‚Selbst­schutz des Par­la­men­ta­ris­mus und der Demo­kra­tie‘. ‚Ich hof­fe, dass die FPÖ demo­kra­tisch genug ist, dass sie von sich aus die rich­ti­gen Schlüs­se zieht.‘“(orf.at)

Nicht nur Stoppt die Rech­ten hat bereits ab 2025 wie­der­holt doku­men­tiert, wie die FPÖ sys­te­ma­tisch Iden­ti­tä­re in den Par­la­ments­be­trieb hol­te. Bures müss­te eigent­lich schon längst gese­hen haben, wel­che Schlüs­se die FPÖ dar­aus gezo­gen hat. Aber viel­leicht will sie gar nichts sehen?

Tirol: Fotograf wehrt sich gegen KI-Manipulation durch FPÖ

Der Tiro­ler Foto­graf Tobi­as Klein­ler­cher geht gegen die FPÖ vor, nach­dem die Par­tei eines sei­ner Por­träts des Inns­bru­cker Bür­ger­meis­ters Johan­nes Anzen­gru­ber (ÖVP) mit Künst­li­cher Intel­li­genz zum Nach­teil Anzen­gru­bers ver­än­dert und in sozia­len Medi­en ver­brei­tet hat­te. Klein­ler­cher stellt sei­ne Fotos hob­by­mä­ßig auf Wiki­pe­dia zur Ver­fü­gung; sie dür­fen unter Ein­hal­tung des Urhe­ber­nach­wei­ses wei­ter­ver­wen­det wer­den. Eine KI-Ver­frem­dung für par­tei­po­li­ti­sche Zwe­cke will er aber nicht hinnehmen.

In einem Schrei­ben for­dert Klein­ler­cher von der FPÖ, das mani­pu­lier­te Bild über­all zu löschen, es künf­tig nicht mehr zu ver­wen­den und nach­träg­lich eine Lizenz­ge­bühr als Ent­schä­di­gung zu bezah­len. Die FPÖ hat auf Klein­ler­chers Schrei­ben zunächst nicht reagiert; auf Anfra­ge hieß es, der Fall sei an den Par­tei­an­walt wei­ter­ge­lei­tet worden.

(Quel­le: tt.com, 11.5.26)

Machtkampf in der Grazer FPÖ

Kurz vor dem Wahl­kampf­auf­takt der Gra­zer FPÖ eska­lier­te ein inter­ner Kon­flikt der Stadt­par­tei. Per Not­ver­ord­nungs­recht wur­den die bei­den stell­ver­tre­ten­den Obleu­te Bern­hard Dohr und Fabi­an Gut­schrei­ter aus der Par­tei aus­ge­schlos­sen. Dafür braucht es mas­si­ves par­tei­schä­di­gen­des Ver­hal­ten und Gefahr in Ver­zug. Lan­des­par­tei­chef Mario Kuna­sek und der Lan­des­par­tei­vor­stand gaben grü­nes Licht. Dohr ver­lor damit auch sei­nen drit­ten Platz auf der Lis­te für die Gra­zer Gemein­de­rats­wahl am 28. Juni – ein Man­dat wäre ihm damit prak­tisch sicher gewesen.

Die FPÖ nennt als Begrün­dung „sys­te­ma­ti­sche Illoya­li­tät“ und eine Gefähr­dung des Zusam­men­halts, bleibt aber inhalt­lich vage. Laut „Klei­ne Zei­tung“ geht es in der Gerüch­te­kü­che um gele­ak­te Chat­nach­rich­ten. In die­sen soll eine Grup­pe der Gra­zer FPÖ ihre Unzu­frie­den­heit mit dem von Kuna­sek instal­lier­ten Stadt­par­tei­ob­mann Axel Kas­seg­ger ven­ti­liert und über einen Putsch nach der Wahl gespro­chen haben. Auch Kri­tik an Kuna­sek soll The­ma gewe­sen sein. Die Lan­des­par­tei habe die „Not­aus­schlüs­se“ gesetzt, um ein Wider­stands­nest vor dem Wahl­kampf­auf­takt aus­zu­räu­men. Wei­te­re Aus­schlüs­se nach der Wahl wer­den laut Bericht nicht ausgeschlossen.

Der Kon­flikt steht in einer län­ge­ren Zer­falls­ge­schich­te der Gra­zer FPÖ. Seit dem Finanz­skan­dal von 2021, den Rück­trit­ten von Mario Eustac­chio und Armin Sip­pel sowie den Par­tei­aus­schlüs­sen von Clau­dia Schön­ba­cher, Alexis Pas­cut­ti­ni und ande­ren liegt die Stadt­par­tei weit­ge­hend unter Kon­trol­le der stei­ri­schen Lan­des-FPÖ. Spit­zen­kan­di­dat René Apfel­knab gilt als Kan­di­dat von Kuna­seks Gna­den, die Wahl­lis­te sei stark von der Lan­des­par­tei domi­niert. Dazu kommt Unge­mach um Domi­nik Haus­jell, der als mög­li­cher Infor­mant im Zusam­men­hang mit dem Finanz­skan­dal genannt wur­de, was er bestrei­tet. Wäh­rend in Umfra­gen die FPÖ in Bund und Land Stei­er­mark über 30 Pro­zent liegt, bleibt die Gra­zer FPÖ deut­lich unter der 20-Pro­zent-Mar­ke hängen.

(Quel­len: kleinezeitung.at, 16.5.26 und kleinezeitung.at, 19.5.26)

Guntrams/NÖ: Blauer Schmiedlechner landet mit PKW in der Böschung und schämt sich

FPÖ-Natio­nal­rat Peter Schmied­lech­ner ist nach einer Alkofahrt im Bezirk Neun­kir­chen erneut sei­nen Füh­rer­schein los. Der 43-jäh­ri­ge FPÖ-Mulit­funk­tio­när war letz­te Woche näch­tens in Gun­trams mit dem Auto unter­wegs, als er bei einem Wen­de­ma­nö­ver auf einer Böschung hän­gen blieb, sodass die Feu­er­wehr Schwarz­au am Stein­feld sein Auto raus­zie­hen muss­te. Bei der anschlie­ßen­den Amts­hand­lung stell­te die Poli­zei sei­ne Alko­ho­li­sie­rung fest.

Schmied­lech­ner ließ über die Pres­se­stel­le erklä­ren, er sei sich der „Dumm­heit“ sei­nes Fehl­ver­hal­tens bewusst, bedaue­re die­ses zutiefst und schä­me sich dafür. Der Ver­lust des Füh­rer­scheins sei die gerech­te Konsequenz.

Es ist jedoch nicht der ers­te ein­schlä­gi­ge Vor­fall: Bereits 2014 war Schmied­lech­ner, damals „nur“ FPÖ-Bezirks­par­tei­ob­mann und Gemein­de­rat, alko­ho­li­siert mit sei­nem Auto in einem Bach gelan­det und beging anschlie­ßend Fahrerflucht.

Poli­ti­sche Kon­se­quen­zen will Schmied­lech­ner den­noch nicht zie­hen: Der ers­te Vor­fall lie­ge zwölf Jah­re zurück und sei noch vor sei­ner Zeit als Abge­ord­ne­ter pas­siert, ein wei­te­res Mal wer­de es nicht geben. SDie SPÖ sieht das anders: Bun­des­ge­schäfts­füh­rer Klaus Sel­ten­heim erklär­te Schmied­lech­ner nach der erneu­ten Alkofahrt als Natio­nal­rats­ab­ge­ord­ne­ten für „untrag­bar“ und for­der­te FPÖ-Chef Her­bert Kickl auf, für des­sen Man­dats­ver­zicht zu sorgen.

(Quel­len: noen.at, 15.5.26 und kurier.at, 15.5.26)

➡️ Alko­hol am Steu­er: Die Lis­te der blau­en Blauen

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