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Lesezeit: 5 Minuten

Mélange KW 15–16/26: Hafeneckers Herumgeheule

Der FPÖ-Gene­ral­se­kre­tär Hafenecker schäumt über eine ORF-Doku und bla­miert sich zur Ungarn-Wahl mit Ruf­mord-Geheu­le. Die Blau­en kas­sie­ren neue Straf­an­zei­gen wegen ste­hen gelas­se­ner Gewalt­auf­ru­fe, und in Graz gra­ben die Maul­wür­fe wei­ter: mit immer mehr Dreck und angeb­li­chen Mitwissern.

19. Apr. 2026
Rückblick FPÖ
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Inhalt

Togg­le
  • FPÖ-Hafenecker schäumt über ORF-Doku
  • 9 Blaue als Zeug:innen für Orbáns Demon­ta­ge und ein „Ruf­mord“
  • Zwei wei­te­re Straf­an­zei­gen gegen die FPÖ
  • Die Maul­wür­fe aus der FPÖ Graz

FPÖ-Hafenecker schäumt über ORF-Doku

Der ORF pro­du­ziert eine Doku über „70 Jah­re FPÖ- Auf­stieg des Drit­ten Lagers“, und die FPÖ kann sich vor lau­ter Empö­rung über die­se „Pseu­do-Doku“ des „Sys­tem­pro­pa­gan­da­funk“ gar nicht mehr ein­krie­gen. In sei­ner Pres­se­aus­sendung vom 7.4.26 geht Chris­ti­an Hafenecker, der FPÖ- Gene­ral­se­kre­tär, sogar so weit, dass er die gan­ze Sen­dung als „Skan­dal von der ers­ten bis zur letz­ten Minu­te“ bezeich­net.

Das ist Majes­täts­be­lei­di­gung! Denn sein Chef Her­bert Kickl kommt in der 37-minü­ti­gen Doku unge­fähr zwölf Minu­ten zu Wort. Nach Hafenecker wäre sein Chef damit für ein Drit­tel des Skan­dals zustän­dig. Aber natür­lich meint Hafenecker eigent­lich, dass der Skan­dal der Doku dar­in besteht, dass die FPÖ, ihre Obers­ten und ihre Hof­schran­zen nicht die gan­ze Sen­dung hin­durch reden durf­ten – wie es Blaue eben von FPÖ-TV gewohnt sind. Der ORF hat auch eine Lang­fas­sung vom Inter­view mit Kickl online gestellt. Dau­er: fast 42 Minu­ten. Offen­bar ist hier der ORF gut genug, um das Video auf Kick­ls Face­book-Sei­te zu bewerben.

In der Doku darf Kickl die schwer deutsch­na­tio­na­le FPÖ von ihrem Beginn an zu einer Öster­reich-Par­tei und den Par­tei­grün­der Anton Reinth­al­ler, einen frü­he­ren ille­ga­len Nazi und hohen Funk­tio­när des NS-Regimes, zu einem „lupen­rei­nen Demo­kra­ten“ umfär­ben. – übri­gens widerspruchslos!

Während Hafenecker über die ORF-Doku zur Geschichte der FPÖ schäumt, bewirbt Kickl auf seiner FB-Seite das ORF-Interview mit Kickl (Screenshot FB 9.4.26)
Wäh­rend Hafenecker über die ORF-Doku zur Geschich­te der FPÖ schäumt, bewirbt Kickl auf sei­ner FB-Sei­te das ORF-Inter­view mit Kickl (Screen­shot FB 9.4.26)

9 Blaue als Zeug:innen für Orbáns Demontage und ein „Rufmord“

Der Wahl­tag dürf­te für jene neun FPÖ-Mandatar:innen, die ins hei­li­ge Orba­ni­stan gepil­gert waren, um die Wahl zu beob­ach­ten, eher uner­quick­lich geen­det haben. Bekann­ter­ma­ßen muss­te Orbán eine her­be Nie­der­la­ge hin­neh­men. Schon ein Vor­be­richt durch den ORF, der the­ma­ti­sier­te, dass aus Öster­reich je ein/e Vertreter:in von ÖVP, SPÖ, Neos und dem Innen­mi­nis­te­ri­um nach Ungarn zur Wahl­be­ob­ach­tung gereist waren, aber gleich neun von der FPÖ, erreg­te den Unmut von Chris­ti­an Hafenecker.

Der öffent­lich-recht­li­che Rund­funk habe in einem Bei­trag über die inter­na­tio­na­le Wahl­be­ob­ach­tungs­mis­si­on in Ungarn sen­si­ble, nicht für die Öffent­lich­keit bestimm­te Per­so­nen­da­ten von Beob­ach­tern unge­schwärzt aus­ge­strahlt. Das sei ein sicher­heits­re­le­van­ter Vor­fall mit kla­rem poli­ti­schem Fin­ger­ab­druck – und wer­fe eine zen­tra­le Fra­ge auf: Woher hat der ORF die­se Daten?

„Der Zwangs­ge­büh­ren­funk strahlt sen­si­ble Daten von Wahl­be­ob­ach­tern unge­schwärzt einem Mil­lio­nen­pu­bli­kum aus – und nie­mand fragt, wer die­se Daten gelie­fert hat. Das ist kein Redak­ti­ons­feh­ler, das ist poli­tisch moti­vier­ter Ruf­mord auf Kos­ten der Sicher­heit von Per­so­nen.“ (ots.at, 12.4.26)

Woher hat­te der ORF die Daten?, raun­te Hafenecker also. Die Ant­wort ist sim­pel: von einer Web­site der unga­ri­schen Regie­rung, die die Namen aller Wahlbeobachter:innen ent­hielt und damit für den „Ruf­mord“ ver­ant­wort­lich ist. Das ver­an­lass­te Armin Wolf ange­mes­sen zu reagie­ren: „Den ‚poli­tisch moti­vier­ten Ruf­mord‘ an den FPÖ-Wahl­be­ob­ach­tern hat übr. die unga­ri­sche Wahl­be­hör­de ver­übt, eine bekannt links­extre­me Orga­ni­sa­ti­on. 😵‍💫“

Die Namen der blau­en Wahlbeobachter:innen: Eli­sa­beth Dier­in­ger, Petra Ste­ger, Harald Vilims­ky (Euro­päi­sches Par­la­ment), Axel Kas­seg­ger (Natio­nal­rat), Tho­mas Karac­so­ny, Andre­as Span­ring (Bun­des­rat), Ste­phan Wil­le­nig (Bezirks­rat Land­stra­ße) Tho­mas Gri­scha­ny (Bezirks­rat Donau­stadt) und Carl Gus­taf Ströhm (FPÖ-Pres­se­spre­cher im EP)

Zwei weitere Strafanzeigen gegen die FPÖ

Bereits Anfang April hat­te „SOS Mit­mensch“ eine Straf­an­zei­ge gegen die FPÖ Wien erstat­tet, weil auf der Face­book-Sei­te von Domi­nik Nepp Hass­kom­men­ta­re mit Mord­auf­ru­fen gegen Mus­li­me nicht gelöscht wor­den waren. Jetzt knöpf­te sich „SOS Mit­mensch“ die Face­book-Sei­ten von Her­bert Kickl und Petra Ste­ger vor; bei Kickl war ein Auf­ruf zur Erschie­ßung von Bun­des­kanz­ler Sto­cker nicht gelöscht wor­den, bei Ste­ger wur­de zur mas­sen­haf­ten Ermor­dung von Muslim:innen auf­ge­ru­fen.

„Wenn eine Par­tei Gewalt­auf­ru­fe sys­te­ma­tisch unge­löscht lässt, dann kann das ein Indiz dafür sein, dass sie Gewalt als poli­ti­sches Mit­tel befür­wor­tet. Dann ist das nicht nur ein Fall für die Jus­tiz, son­dern auch ein drin­gen­der Fall für den Ver­fas­sungs­schutz“ (sos­mit­mensch, 8.4.26), so Alex­an­der Poll­ak, Spre­cher von „SOS Mitmensch“.

Die Maulwürfe aus der FPÖ Graz

Die FPÖ Graz kann man sich bild­lich als einen gro­ßen unter­ir­di­schen (man­che sagen auch: jen­sei­ti­gen) Bau vor­stel­len, in dem vie­le Maul­wür­fe ihre Gän­ge gra­ben und manch­mal auch etwas brau­ne Erde an die Ober­flä­che trans­por­tie­ren. Meh­re­re Maul­wür­fe waren es, die 2021 die Finanz­af­fä­re der Gra­zer FPÖ ans Tages­licht beför­dert hat­ten. In den Erd­hau­fen fand man dann auch Nazi-Dreck und kin­der­por­no­gra­fi­sche Bil­der, wobei letz­te­re zur Ver­ur­tei­lung eines EX-FPÖ-Gemein­de­rats führten.

Die stei­ri­sche FPÖ, die seit 2021 fie­ber­haft auf der Suche nach den flei­ßi­gen Maul­wür­fen war und als Sofort­maß­nah­me gegen die Unter­höh­lung ihrer Bau­ten durch die Wei­ter­lei­tung von Excel-Datei­en eini­ge Funk­tio­nä­re aus­ge­schlos­sen hat­te, ist jetzt durch eine Aus­sa­ge des aus­ge­schlos­se­nen Man­da­tars Alexis Pas­cut­ti­ni bei der Staats­an­walt­schaft damit kon­fron­tiert, dass der zwar mitt­ler­wei­le zugibt, die mut­maß­li­che Ver­un­treu­ung 2021 auf­ge­deckt zu haben, aber „enge Ver­trau­te des heu­ti­gen blau­en Lan­des­haupt­man­nes Mario Kuna­sek sol­len ihm dabei gehol­fen haben“ (profil.at, 10.4.26).

Bei­de nun angeb­lich ent­tarn­ten Maul­wür­fe, der eine ist Pres­se­spre­cher bei der FPÖ-Lan­des­rä­tin Clau­dia Hol­zer, der ande­re mitt­ler­wei­le sogar blau­er Land­tags­ab­ge­ord­ne­ter, wol­len von einer Tätig­keit als Maul­wurf nichts wis­sen. Der Pres­se­spre­cher Domi­nik Haus­jell lässt über die Gra­zer FPÖ dem „Stan­dard“ (10.4.26) aus­rich­ten, dass er recht­li­che Schrit­te gegen den Maul­wurf Pas­cut­ti­ni prü­fen las­se, der Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Phil­ipp König­ho­fer teil dem „Stan­dard“ (17.4.26) mit: „An der Erstel­lung oder media­len Wei­ter­ga­be von anony­men Straf­an­zei­gen gegen­über akti­ven oder ehe­ma­li­gen FPÖ-Funk­tio­nä­ren habe ich nie­mals wis­sent­lich mitgewirkt.”

Maul­wurf Pas­cut­ti­ni hat aber noch wei­ter­ge­gra­ben und sei­nen Bau bis zur Gra­zer Staats­an­walt­schaft ver­län­gert. Dort sei eine Schlä­ge­rei von einem der­zeit sus­pen­dier­ten Staats­an­walt, der mit dem durch die Maul­wurfs­ar­bei­ten hin­weg­ge­feg­ten Ex-Vize­bür­ger­meis­ter Mario Eustac­chio eng befreun­det gewe­sen sei, „gere­gelt“ worden.

Aber Pas­cut­ti­ni erzählt in sei­ner Ein­ver­nah­me auch von einem ehe­ma­li­gen Kol­le­gen, der ihm von einem schwe­ren sexu­el­len Über­griff eines Poli­ti­kers berich­tet habe. Das Gespräch habe Pas­cut­ti­ni auf­ge­nom­men. Die mut­maß­lich betrof­fe­ne Frau habe „Schwei­ge­geld” erhal­ten. Dazu heißt es von der StA Kla­gen­furt, dem sei schon vor eini­ger Zeit nach­ge­gan­gen wor­den. (derstandard.at, 17.4.26)

So bleibt von der Gra­zer FPÖ vor­erst das Bild eines unter­höhl­ten Sys­tems. Die Par­tei hat jah­re­lang nach dem einen Maul­wurf gesucht. Inzwi­schen spricht mehr dafür, dass es meh­re­re Gän­ge gab, meh­re­re Mit­wis­ser und mehr als einen Grund, war­um die Affä­re über­haupt öffent­lich wer­den konn­te. Das Pro­blem der FPÖ Graz ist damit längst nicht mehr nur der Ver­rat. Das Pro­blem ist der nahe­lie­gen­de Ver­dacht, dass es intern eini­ges zu ver­ra­ten gab.

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