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Lesezeit: 6 Minuten

Rosenkranz hievt Bundesbruder Roland Weinert an die Parlamentsspitze

Wal­ter Rosen­kranz will Roland Wei­nert zum Par­la­ments­di­rek­tor machen. Der FPÖ-Natio­nal­rats­prä­si­dent bestellt damit einen FPÖ-nahen Beam­ten aus jenem deutsch­na­tio­na­len Kor­po­ra­ti­ons­mi­lieu, dem er selbst ange­hört. Was bis­her nicht bekannt ist: Wei­nert ist Mit­glied der­sel­ben Bur­schen­schaft wie Rosen­kranz – also Rosen­kranz‘ Bundesbruder.

28. Mai 2026
Wird das Parlament mit den Bundesbrüdern Walter Rosenkranz und Roland Weinert zur deutschnationalen Liberten-Dependance? (Originalbild: Commons Wikimedia Tsui; Burschenschafterband und -kappe KI-generiert)
Wird das Parlament mit den Bundesbrüdern Walter Rosenkranz und Roland Weinert zur deutschnationalen Liberten-Dependance? (Originalbild: Commons Wikimedia Tsui; Burschenschafterband und -kappe KI-generiert)

Burschenschafter unter sich

Die Par­la­ments­kor­re­spon­denz (22.5.26) mel­de­te die Ent­schei­dung in der Spra­che geord­ne­ter Ver­wal­tung: Elf Bewer­bun­gen sei­en ein­ge­langt, eine unab­hän­gi­ge Kom­mis­si­on gemäß Aus­schrei­bungs­ge­setz habe Roland Wei­nert als ein­zi­gen Bewer­ber „in höchs­tem Aus­maß“ geeig­net gese­hen, Rosen­kranz betraue ihn mit 1. August 2026 mit der Lei­tung der Par­la­ments­di­rek­ti­on. Wei­nert ist in der FPÖ-Poli­tik sozia­li­siert: Ein­stieg direkt nach dem Stu­di­um als Kabi­netts­mit­ar­bei­ter unter FPÖ-Vize­kanz­le­rin Susan­ne Riess-Pas­ser, unter Tür­kis-Blau Gene­ral­se­kre­tär und zeit­wei­se Kabi­netts­chef von Heinz-Chris­ti­an Stra­che, 2009 Grün­dungs­mit­glied der FPÖ Breitenfurt.

Gelei­tet wur­de die von Rosen­kranz ein­ge­rich­te­te Begut­ach­tungs­kom­mis­si­on von Andre­as Reich­hardt, selbst in drei Ver­bin­dun­gen kor­po­riert. Demo­kra­tie­po­li­tisch ist der Vor­gang schief: Ein Bur­schen­schaf­ter stellt einen Bur­schen­schaf­ter an die Spit­ze einer Kom­mis­si­on, die einem Bur­schen­schaf­ter die bes­te Qua­li­fi­ka­ti­on bescheinigt.

Öffent­lich bekannt ist Wei­nerts Mit­glied­schaft bei der aka­de­mi­schen Bur­schen­schaft Sue­via Inns­bruck. meineAbgeordneten.at führt ihn als Sue­ven-Obmann von 2007 bis 2014 und als stell­ver­tre­ten­den Vor­stand der Mit­tel­schul­ver­bin­dung Heim­dall Linz von 2008 bis 2010. Nach Stoppt die Rech­ten-Recher­chen kommt eine wei­te­re Ver­bin­dung hin­zu: Wei­nert ist auch Mit­glied der Wie­ner aka­de­mi­schen Bur­schen­schaft Gothia. Ent­spre­chen­de Bele­ge lie­gen Stoppt die Rech­ten vor.

Die­se Anga­be ver­än­dert die poli­ti­sche Ein­ord­nung erheb­lich, weil Gothia und Liber­tas, also Rosen­kranz’ eige­ne Bur­schen­schaft, im Novem­ber 2025 fusio­niert haben. Rosen­kranz beruft also einen Mann an die Ver­wal­tungs­spit­ze des Par­la­ments, der über die fusio­nier­te Gothia-Liber­tas-Linie sein Bun­des­bru­der ist.

Roland Weinert, Alter Herr der Gothia Wien (vor der Fusion), organisierte einen burschenschaftlichen Abend: "Bericht vom BA und der Maibowle AH XXX Am 10.05. fanden wir uns am Haus ein, da AH Weinert einen BA organisierte. Vbr. XXX (B! Suevia Innsbruck), YYY, referierte über die politische Parteienlandschaft in Österreich und die Aussichten auf die kommenden Wahlen im heurigen Jahr. Er ist Alter Herr der B! Suevia Innsbruck, mit der wir mittlerweile drei Doppelbandträger haben, und wohnt zwei Gassen weiter vom Gothenhaus. Ich bin sicher, daß er sich freuen würde, hier eine zweite Heimat finden zu können. Wir sollten also dankbar sein, derartige Verbandsbrüder in unserer Nähe zu wissen. AH Weinert hatte seinen Bb für diesen BA gewinnen können, obwohl sein Sohn gerade an diesem Abend seine erste Mensur in einer Hatz in Innsbruck fochte. Er hat die Teilnahme zugunsten des BAs an unserem Haus abgesagt… AH Weinert hat zu diesem Abend eingeladen und wir haben gemeinsam den entsprechenden Rahmen geschaffen. Es wurde geputzt, es gab eine Jause und eine Maibowle. Leider war der Abend viel zu spärlich besucht ..."
Roland Wei­nert, Alter Herr der Gothia Wien (vor der Fusi­on), orga­ni­sier­te einen bur­schen­schaft­li­chen Abend mit einem Ver­bands­bru­der von der Sue­via Innsbruck.

Suevia: QR-Code für einen Mörder

Wei­nerts Sue­via, die noch 1960 den Arier­pa­ra­gra­phen ver­tei­dig­te (1), kam wegen ihres Denk­mals am Inns­bru­cker West­fried­hof in die Kri­tik. Dort steht der Name Ger­hard Lau­seg­ger. Lau­seg­ger war Sue­via-Mit­glied, SS-Stu­den­ten­sturm­füh­rer und gehör­te zu den Haupt­tä­tern des Mor­des an Richard Ber­ger in der Inns­bru­cker Pogrom­nacht vom 9./10. Novem­ber 1938.

„Die Pres­se“ (17.1.19) frag­te Wei­nert, damals Gene­ral­se­kre­tär in Stra­ches Minis­te­ri­um, nach Lau­seg­ger. Er nann­te ihn einen „unsäg­li­chen Men­schen“, ver­tei­dig­te aber die Ent­schei­dung der Ver­bin­dung, den Namen am Denk­mal zu belas­sen und statt­des­sen einen QR-Code mit Erklä­rung und Distan­zie­rung anzu­brin­gen. Das Doku­men­ta­ti­ons­ar­chiv des öster­rei­chi­schen Wider­stan­des sah dar­in eine spä­te Aus­ein­an­der­set­zung, zugleich aber „von allen Mög­lich­kei­ten einer kri­ti­schen Kom­men­tie­rung frei­lich die denk­bar unauf­fäl­ligs­te“.

Die wis­sen­schaft­li­che Auf­ar­bei­tung des Sue­via-Denk­mals zeigt, dass es dabei nicht nur um einen ein­zel­nen Namen, son­dern gleich meh­re­re NS-belas­te­te Geehr­te geht. Die Inns­bru­cker Stadt­po­li­tik setz­te erst 2015 mit einer Ste­le für Richard Ber­ger einen Gegen­ak­zent, nach­dem die Ver­bin­dung Lau­seg­gers Namen am eige­nen Denk­mal beließ.

Gothia: Schönerer, Srbik und weitere Nazis

Auch Wei­nerts zwei­te rele­van­te Ver­bin­dung, die Gothia Wien, führt tief in völ­ki­sche Tra­di­ti­ons­pfle­ge. Chris­ti­an Neschwa­ra, Alte Herr der Gothia, schreibt 2025 auf der Web­site des Dach­ver­bands „Deut­sche Bur­schen­schaft“ qua­si als Nach­ruf auf sei­ne Ver­bin­dung, die Gothia habe Grund­sät­ze „radi­kal­deutsch­na­tio­na­ler Gesin­nung“ im Sin­ne Georg von Schö­ne­rers ver­tre­ten. Die „prak­ti­sche Umset­zung“ die­ser Hal­tung habe All­deutsch­tum, Anti­se­mi­tis­mus, Anti­sla­wis­mus und Anti­kle­ri­ka­lis­mus umfasst und zwi­schen 1892 und 1896 mehr­fach zu behörd­li­chen Auf­lö­sun­gen geführt.

Die neue Gothia, so Neschwa­ra wei­ter, habe nach 1952 „volks­tums­po­li­tisch“ der gesamt­deut­schen Geschichts­auf­fas­sung Hein­rich Srbiks ange­han­gen und dies sogar im Wap­pen fest­ge­hal­ten. Srbik war Gothia-Mit­glied, beju­bel­te 1938 den „Anschluss“, trat der NSDAP bei und gehör­te dem Reichs­tag an. Die Gothen führ­ten auf ihrer Web­site belas­te­te Figu­ren wie Schö­ne­rer, Srbik, Fritz Stü­ber, Mir­ko Jelu­sich oder Edu­ard Pichl als „berühm­te Gothen“, wäh­rend Anti­se­mi­tis­mus, NSDAP-Mit­glied­schaf­ten und NS-Funk­tio­nen in der Tra­di­ti­ons­pfle­ge aus­ge­spart blieben.

Parlament mit Rosenkranz und Roland Weinert als Libertas-Dependance?

Rosen­kranz ent­schei­det in die­ser Cau­sa aus einer Posi­ti­on dop­pel­ter Nähe. Er ist FPÖ-Poli­ti­ker und zugleich Liber­tas-Bur­schen­schaf­ter. Der Kan­di­dat, den er ab August an die Spit­ze der Par­la­ments­di­rek­ti­on set­zen will, ist eben­falls aus der FPÖ und über die Gothia Teil jenes Bun­des gewor­den, der inzwi­schen mit Rosen­kranz’ Liber­tas fusio­niert ist. Zwei­te­res führt in ein Milieu, des­sen Selbst­ver­ständ­nis auf Lebens­bund und Bun­des­bru­der-Loya­li­tät beruht.

Die­ser Befund wiegt schwe­rer als die übli­che Fra­ge nach Par­tei­buch­wirt­schaft. Die Par­la­ments­di­rek­ti­on führt die Ver­wal­tung des Hohen Hau­ses, hat allen Abge­ord­ne­ten und Frak­tio­nen zu die­nen und muss jene Distanz wah­ren, die eine par­la­men­ta­ri­sche Demo­kra­tie von pri­va­ten Loya­li­täts­ver­bän­den trennt. Wenn an der poli­ti­schen Spit­ze des Natio­nal­rats ein Liber­te steht und die Ver­wal­tungs­spit­ze künf­tig eben­falls von einem Liber­ten geführt wer­den soll, gera­ten zwei Ord­nun­gen anein­an­der: die repu­bli­ka­ni­sche Ord­nung öffent­li­cher Ämter und das bur­schen­schaft­li­che Prin­zip lebens­lan­ger Bun­des­brü­der­lich­keit. Der Hin­weis auf Wei­nerts Ver­wal­tungs­er­fah­rung räumt die­sen Kon­flikt nicht aus. Qua­li­fi­ka­ti­on ersetzt kei­ne Unabhängigkeit.

Der Fall Wei­nert ist ein Prüf­stein für das Par­la­ment. Es geht um die Fra­ge, ob die Ver­wal­tung eines demo­kra­ti­schen Ver­fas­sungs­or­gans nach außen und innen unab­hän­gig genug bleibt, wenn poli­ti­sche und kor­po­rier­te Loya­li­tä­ten der­art eng über­ein­an­der­lie­gen. Wer lebens­lan­ge Bun­des­brü­der­lich­keit zum Struk­tur­prin­zip eines pri­va­ten Män­ner­bun­des macht, kann an der Spit­ze der Par­la­ments­ver­wal­tung nur dann bestehen, wenn jede Ent­schei­dung, jede Befan­gen­heit und jede Ver­bin­dung radi­kal offen­ge­legt wird. Rosen­kranz’ Bestel­lung leis­tet das Gegen­teil: Sie zieht den Schat­ten der Bur­schen­schaf­ter­bu­de bis in die Ver­wal­tungs­spit­ze der Repu­blik – und dazu noch einen gro­ßen Sack voll mit kaum auf­ge­ar­bei­te­ten his­to­ri­schen Belas­tun­gen. Bei­de Ver­bin­dun­gen gehö­ren dem rechts­extre­men Dach­ver­band „Deut­sche Bur­schen­schaft“ und ihrem Rechts­au­ßen-Flü­gel „Bur­schen­schaft­li­che Gemein­schaft“ an.

Dazu kommt die poli­ti­sche Heu­che­lei. Die FPÖ empört sich seit Jah­ren über Pos­ten­netz­wer­ke ande­rer Par­tei­en und greift dabei mit „Sys­tem­par­tei­en“ zu einem Begriff, der aus dem ver­ächt­li­chen Arse­nal gegen die Wei­ma­rer Repu­blik stammt und spä­ter im Natio­nal­so­zia­lis­mus für poli­ti­sche Geg­ner ver­wen­det wur­de. Im Par­la­ment betreibt aus­ge­rech­net ihr Natio­nal­rats­prä­si­dent nun eine Bestel­lung, bei der Partei‑, Milieu- und Bun­des­bru­der-Nähe inein­an­der­grei­fen. Wer so han­delt, soll­te bezüg­lich Pos­ten­scha­cher ande­rer die Füße stillhalten!

Anfrage an Rosenkranz

Ob gegen­über der Begut­ach­tungs­kom­mis­si­on offen­ge­legt wur­de, dass Wei­nert so wie Rosen­kranz der Bur­schen­schaft Liber­tas ange­hört, will nun der Grü­ne Natio­nal­rats­ab­ge­ord­ne­te Lukas Ham­mer über eine par­la­men­ta­ri­sche Anfra­ge an Rosen­kranz in Erfah­rung brin­gen. Und eben­falls, ob durch gemein­sa­me bur­schen­schaft­li­che Mit­glied­schaf­ten Inter­es­sens­kon­flik­te ent­ste­hen könn­ten und war­um Wei­nerts Mit­glied­schaft bei der Liber­tas nicht öffent­lich kom­mu­ni­ziert wurde.

Ham­mer führt auch eine Kri­tik aus der FPÖ an, die im Jahr 2012 an der Par­la­ments­prä­si­den­tin Bar­ba­ra Pram­mer im Zuge der Bestel­lung von Harald Dos­si zum Par­la­ments­di­rek­tor geäu­ßert wur­de. Die dama­li­ge FPÖ-Natio­nal­rats­ab­ge­ord­ne­te Car­men Gar­tel­gru­ber beschwer­te sich in einer Anfra­ge: „Unge­ach­tet der Qua­li­fi­ka­ti­on des Dr. Dos­si fällt nega­tiv auf, dass mit die­ser Ent­schei­dung eine sel­te­ne Gele­gen­heit ver­passt wur­de erst­mals in der Geschich­te Öster­reichs eine Frau an die Spit­ze der Par­la­ments­di­rek­ti­on zu stel­len, zumal in der Par­la­ments­di­rek­ti­on aus­ge­zeich­net qua­li­fi­zier­te Frau­en tätig sind“ und stell­te die Fra­ge: „War­um haben Sie nicht eine Frau zur Par­la­ments­di­rek­to­rin ernannt?“ Die­sel­be Fra­ge muss nun Par­tei­kol­le­ge Rosen­kranz beantworten.

➡️ Auch der „Stan­dard” (28.5.26) berich­tet über unse­re Recher­che: Bis­lang nicht bekannt: Neu­er Par­la­ments­di­rek­tor sogar in sel­ber Bur­schen­schaft wie Rosenkranz

1 „Wir wol­len und kön­nen es von Nicht­deut­schen gar nicht ver­lan­gen, daß sie sich zum Deutsch­tum beken­nen und ste­hen auf dem allein bur­schen­schaft­li­chen Stand­punkt, daß somit auch der Jude in der Bur­schen­schaft kei­nen Platz hat.“ (zit. nach Horst Schrei­ber, Gais­mair Kalen­der 2017)

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Schlagwörter: Antisemitismus | Burschen-/Mädelschaften/Korporationen | FPÖ | Rechtsextremismus | Wien

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