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Lesezeit: 3 Minuten

Roland Weinert: „Heimdall“ und Passer

Roland Wei­nerts Kar­rie­re begann im deutsch­na­tio­na­len Ver­bin­dungs­we­sen: von der pen­na­len „Heim­dall“ über die Sue­via Inns­bruck (und Gothia Wien) bis zum FPÖ-Kabi­nett. Am Anfang stand ein anti­se­mi­ti­sches Prin­zip und womög­lich schon früh ein Netz­werk, das bis ins Vize­kanz­ler­amt reichte.

29. Mai 2026
"Renommierbummel" (um 1900), Gemälde von Georg Mühlberg
"Renommierbummel" (um 1900), Gemälde von Georg Mühlberg

Roland Wei­nert ist Alter Herr der deutsch­na­tio­na­len Bur­schen­schaf­ten Sue­via Inns­bruck und der Gothia Wien, die in der eben­so deutsch­na­tio­na­len Bur­schen­schaft Liber­tas auf­ge­gan­gen ist. Ges­tern war unser The­ma, dass der Bun­des­bru­der Rosen­kranz sei­nem Bun­des­bru­der Wei­nert zur Bestel­lung als Par­la­ments­di­rek­tor ver­hilft. Heu­te beschäf­ti­gen wir uns mit den Anfän­gen sei­ner beruf­li­chen und poli­ti­schen Karriere.

Zu Beginn sei­ner poli­ti­schen Ambi­tio­nen stand der Ein­tritt in die pen­na­le Ver­bin­dung Heim­dall in Linz, wo Wei­nert das Bun­des­re­al­gym­na­si­um Fadin­ger­stra­ße besuch­te. Dass sich Wei­nert aus­ge­rech­net eine deutsch­na­tio­na­le Schü­ler­ver­bin­dung aus­such­te, ist wohl kein Zufall.

Die „Heimdall“

Heim­dall ist eine Figur der ger­ma­ni­schen Mytho­lo­gie. „Heim­dall ist eine rät­sel­haf­te Gestalt“, heißt es über ihn im Stan­dard­werk von Wolf­gang Gol­ther über ger­ma­ni­sche Mytho­lo­gie. Das gilt so ähn­lich auch für die Ver­bin­dung „Heim­dall“, über die es kei­ne öffent­lich zugäng­li­chen Quel­len gibt. Die „Heim­dall“ hat auch kei­ne Home­page, ist nicht in neu­en Medi­en ver­tre­ten, es ist nicht ein­mal sicher, dass sie aktu­ell einen Akti­ven­be­trieb hat. Wei­nert war um die frü­hen 90er Jah­re bei der „Heim­dall“ aktiv. Von 2008 bis 2009 war der „Alte Herr“ Wei­nert im Ver­eins­re­gis­ter als stell­ver­tre­ten­der Vor­stand eingetragen.

Sei­nen Schmiss im Gesicht hat sich Wei­nert nicht bei der „Heim­dall“ geholt. Pen­na­le Ver­bin­dun­gen schla­gen nur mit stump­fen Waf­fen – aller­dings nach der „Lin­zer Pau­k­ord­nung“. Über die­se Pau­k­ord­nung, die bis ins aller­kleins­te Detail die Men­su­ren regelt, reden die Bur­schen­schaf­ter nicht ger­ne – vor allem nicht, seit wir sie zu einem öffent­li­chen The­ma gemacht haben.

Die antisemitische „Linzer Paukordnung“

Was ist das Beson­de­re an die­ser „Lin­zer Pau­k­ord­nung“ (LPO) – neben ihren ana­chro­nis­ti­schen Regeln? Die Vor­be­stim­mung Nr. 3: „Für die der LPO unter­wor­fe­nen Per­so­nen gel­ten die Bestim­mun­gen des Waid­hof­ner Abkom­mens.“

Was kurz mit der Gel­tung des „Waid­hof­ner Abkom­mens“ (auch: „Waid­hof­ner Prin­zip“) ange­deu­tet wird, ist die Ein­füh­rung des anti­se­mi­ti­schen Prin­zips bei „Ehren­hän­deln“ bzw. Men­su­ren Ende des 19. Jahr­hun­derts. Juden sind nicht satis­fak­ti­ons­fä­hig, weil ihnen die Ehre feh­le. Nicht alle Bur­schen­schaf­ten haben sich Ende des 19. Jahr­hun­derts die­sem Abkom­men unter­wor­fen, aber 1958, also eini­ge Jah­re nach dem Holo­caust, haben vier­zehn deutsch­na­tio­na­le pen­na­le Ver­bin­dun­gen Ober­ös­ter­reichs die erneu­er­te Fas­sung der LPO mit dem Waid­hof­ner Abkom­men unterzeichnet.

Ende des 19. Jahr­hun­derts exis­tier­ten noch (schla­gen­de) jüdi­sche Stu­den­ten­ver­bin­dun­gen. Zum Zeit­punkt der Beschluss­fas­sung der LPO, aber auch zu Wei­nerts akti­ver Zeit in der „Heim­dall“, waren sie inexis­tent – man könn­te auch sagen, aus­ge­rot­tet, ver­nich­tet durch die brau­ne Ideo­lo­gie des Ras­sen­an­ti­se­mi­tis­mus. Aber die pen­na­len deutsch­na­tio­na­len Ver­bin­dun­gen bewah­ren sich das anti­se­mi­ti­sche Prinzip.

Um Bur­sche wer­den zu kön­nen, müs­sen die Regeln und Prin­zi­pi­en stu­diert wer­den. Ob man die Vor­be­stim­mung 3 der LPO bei der „Heim­dall“ nur ober­fläch­lich gestreift hat, ohne das „Waid­hof­ner Abkom­men“ näher aus­zu­füh­ren, wis­sen wir nicht. Es ist auch uner­heb­lich – die Regel gilt trotz­dem. Auch für Roland Wei­nert, selbst dann, wenn er unwis­send war.

Passer, Riess-Passer und Weinert

Nach dem Gym­na­si­um in Linz folg­ten das Stu­di­um in Inns­bruck und die Inkor­po­ra­ti­on bei der aka­de­mi­schen Bur­schen­schaft Sue­via, Mit­glieds­bund der Deut­schen Bur­schen­schaft und ihres rechts­extre­men Flü­gels, der „Bur­schen­schaft­li­chen Gemein­schaft“. Am 19.5.2001 schloss Wei­nert sein Stu­di­um in Inns­bruck mit der Spon­si­on zum Mag. jur. ab und wur­de vom Stand weg für das Kabi­nett der dama­li­gen Vize­kanz­le­rin Susan­ne Riess-Pas­ser (jetzt Riess-Hahn) in Wien engagiert.

„Da kam ich frisch von der Uni und war völ­lig über­for­dert”, erzähl­te Wei­nert Jah­re spä­ter einer „Presse“-Redakteurin (17.1.19). Was er in die­sem Gespräch nicht erzählt hat: Wie kommt die FPÖ-Vize­kanz­le­rin Riess-Pas­ser zu der Infor­ma­ti­on, dass in Inns­bruck gera­de ein Roland Wei­nert zum Mag. jur. erklärt wur­de und ger­ne einen Job im poli­ti­schen Zen­trum der Repu­blik hätte?

Wir haben eine mög­li­che Erklä­rung: Susan­ne Riess-Hahn war damals mit Micha­el Pas­ser ver­hei­ra­tet. Der war ein „Alter Herr“ der Sue­via – und zu den Auf­ga­ben der Alten Her­ren einer Bur­schen­schaft gehört es nicht nur, für die üppi­ge Bier­zu­fuhr in die Buden zu sor­gen, son­dern auch – nach Mög­lich­keit – die Bur­schen mit Jobs zu versorgen.

Schon am Beginn der beruf­li­chen Akti­vi­tä­ten des Roland Wei­nert stand ver­mut­lich ein Prin­zip, das ihm auch jetzt zu sei­nem Job als Par­la­ments­di­rek­tor ver­hol­fen hat. In die­sem Fall war es nicht das „Waid­hof­ner Prinzip“.

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