Roland Weinert ist Alter Herr der deutschnationalen Burschenschaften Suevia Innsbruck und der Gothia Wien, die in der ebenso deutschnationalen Burschenschaft Libertas aufgegangen ist. Gestern war unser Thema, dass der Bundesbruder Rosenkranz seinem Bundesbruder Weinert zur Bestellung als Parlamentsdirektor verhilft. Heute beschäftigen wir uns mit den Anfängen seiner beruflichen und politischen Karriere.
Zu Beginn seiner politischen Ambitionen stand der Eintritt in die pennale Verbindung Heimdall in Linz, wo Weinert das Bundesrealgymnasium Fadingerstraße besuchte. Dass sich Weinert ausgerechnet eine deutschnationale Schülerverbindung aussuchte, ist wohl kein Zufall.
Die „Heimdall“
Heimdall ist eine Figur der germanischen Mythologie. „Heimdall ist eine rätselhafte Gestalt“, heißt es über ihn im Standardwerk von Wolfgang Golther über germanische Mythologie. Das gilt so ähnlich auch für die Verbindung „Heimdall“, über die es keine öffentlich zugänglichen Quellen gibt. Die „Heimdall“ hat auch keine Homepage, ist nicht in neuen Medien vertreten, es ist nicht einmal sicher, dass sie aktuell einen Aktivenbetrieb hat. Weinert war um die frühen 90er Jahre bei der „Heimdall“ aktiv. Von 2008 bis 2009 war der „Alte Herr“ Weinert im Vereinsregister als stellvertretender Vorstand eingetragen.
Seinen Schmiss im Gesicht hat sich Weinert nicht bei der „Heimdall“ geholt. Pennale Verbindungen schlagen nur mit stumpfen Waffen – allerdings nach der „Linzer Paukordnung“. Über diese Paukordnung, die bis ins allerkleinste Detail die Mensuren regelt, reden die Burschenschafter nicht gerne – vor allem nicht, seit wir sie zu einem öffentlichen Thema gemacht haben.
Die antisemitische „Linzer Paukordnung“
Was ist das Besondere an dieser „Linzer Paukordnung“ (LPO) – neben ihren anachronistischen Regeln? Die Vorbestimmung Nr. 3: „Für die der LPO unterworfenen Personen gelten die Bestimmungen des Waidhofner Abkommens.“
Was kurz mit der Geltung des „Waidhofner Abkommens“ (auch: „Waidhofner Prinzip“) angedeutet wird, ist die Einführung des antisemitischen Prinzips bei „Ehrenhändeln“ bzw. Mensuren Ende des 19. Jahrhunderts. Juden sind nicht satisfaktionsfähig, weil ihnen die Ehre fehle. Nicht alle Burschenschaften haben sich Ende des 19. Jahrhunderts diesem Abkommen unterworfen, aber 1958, also einige Jahre nach dem Holocaust, haben vierzehn deutschnationale pennale Verbindungen Oberösterreichs die erneuerte Fassung der LPO mit dem Waidhofner Abkommen unterzeichnet.
Ende des 19. Jahrhunderts existierten noch (schlagende) jüdische Studentenverbindungen. Zum Zeitpunkt der Beschlussfassung der LPO, aber auch zu Weinerts aktiver Zeit in der „Heimdall“, waren sie inexistent – man könnte auch sagen, ausgerottet, vernichtet durch die braune Ideologie des Rassenantisemitismus. Aber die pennalen deutschnationalen Verbindungen bewahren sich das antisemitische Prinzip.
Um Bursche werden zu können, müssen die Regeln und Prinzipien studiert werden. Ob man die Vorbestimmung 3 der LPO bei der „Heimdall“ nur oberflächlich gestreift hat, ohne das „Waidhofner Abkommen“ näher auszuführen, wissen wir nicht. Es ist auch unerheblich – die Regel gilt trotzdem. Auch für Roland Weinert, selbst dann, wenn er unwissend war.
Passer, Riess-Passer und Weinert
Nach dem Gymnasium in Linz folgten das Studium in Innsbruck und die Inkorporation bei der akademischen Burschenschaft Suevia, Mitgliedsbund der Deutschen Burschenschaft und ihres rechtsextremen Flügels, der „Burschenschaftlichen Gemeinschaft“. Am 19.5.2001 schloss Weinert sein Studium in Innsbruck mit der Sponsion zum Mag. jur. ab und wurde vom Stand weg für das Kabinett der damaligen Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer (jetzt Riess-Hahn) in Wien engagiert.
„Da kam ich frisch von der Uni und war völlig überfordert”, erzählte Weinert Jahre später einer „Presse“-Redakteurin (17.1.19). Was er in diesem Gespräch nicht erzählt hat: Wie kommt die FPÖ-Vizekanzlerin Riess-Passer zu der Information, dass in Innsbruck gerade ein Roland Weinert zum Mag. jur. erklärt wurde und gerne einen Job im politischen Zentrum der Republik hätte?
Wir haben eine mögliche Erklärung: Susanne Riess-Hahn war damals mit Michael Passer verheiratet. Der war ein „Alter Herr“ der Suevia – und zu den Aufgaben der Alten Herren einer Burschenschaft gehört es nicht nur, für die üppige Bierzufuhr in die Buden zu sorgen, sondern auch – nach Möglichkeit – die Burschen mit Jobs zu versorgen.
Schon am Beginn der beruflichen Aktivitäten des Roland Weinert stand vermutlich ein Prinzip, das ihm auch jetzt zu seinem Job als Parlamentsdirektor verholfen hat. In diesem Fall war es nicht das „Waidhofner Prinzip“.
Unabhängige Recherche ermöglichen...
Jetzt unterstützen »
