Bevor wir Monat für Monat zurückschauen, ein Blick auf jene Inhalte, die bei Stoppt die Rechten das ganze Jahr über „Dauer-Highlights“ sind: unsere laufend aktualisierten Überblicksseiten. Der FPÖ-Einzelfallzähler bündelt seit Kickls Obmannschaft Vorfälle innerhalb der FPÖ und ordnet sie systematisch zum schnellen Nachschauen. Wir halten mittlerweile bei 174 „Einzelfällen“, der Zähler schraubt sich immer schneller nach oben.
Die Chronologie der Waffenfunde ab Juli 2019 liefert so nüchtern wie notwendig einen Überblick über größere Waffen- und Sprengstofffunde mit mutmaßlichem Bezug ins rechtsextreme Milieu. 2025 verzeichnen wir die höchste Anzahl an derartigen Funden. Und die Übersicht Rechtsextreme Medien in Österreich kartiert Formate, Personal, Eigentümerstrukturen und Ideologie.
Diese Seiten sind der Kern unserer Serviceorientierung: dokumentieren, einordnen, auffindbar machen – und das immer am aktuellsten Stand.
Jänner: Der Jahresauftakt war – wie soll man sagen? – kulinarisch codiert: Aus Gänserndorf und weiteren Orten in Niederösterreich dokumentierten wir rund um FPÖ-Kandidat*innen „Eiernockerl“-Chiffren, Gaskammer-Kommentar und einschlägige Verweise bis hin zu Neonazi-Musik und erstatteten Anzeige. Alle von uns angezeigten Personen landeten vor Gericht, bei einem Verfahren gegen drei Angeklagte steht ein Urteil noch aus. Das Jahr hat mit weiteren Anzeigen gegen FPÖ-Funktionäre, die in Anklagen und Verurteilungen mündeten, gezeigt, was passiert, wenn man Postings nicht einfach durchwinkt – und, so viel sei verraten, wird es auch 2026 zeigen.
Februar: René Schimanek wurde zum Synonym dafür, wie nah sich parlamentarisches Umfeld und rechtsextreme Milieus kommen können: Eine parlamentarische Anfrage machte E‑Mails, NS-Glorifizierung sowie antisemitische und rassistische Bezüge zum Thema. Schimanek musste als Bürochef von Nationalratspräsident Rosenkranz den Hut nehmen – ein seltener Moment, in dem politische Hygiene nicht nur behauptet, sondern zumindest personell vollzogen wurde, besser: vollzogen werden musste.
März: Gesellschaftlich besonders relevant waren die Razzien gegen eine junge, teils international vernetzte „Hate Crime“-Szene samt Festnahmen und dem Blick auf Muster, Radikalisierung und Behördenreaktionen. Parallel dazu ordneten wir gewaltbereite Jung-Neonazi-Gruppen ein: als Milieu-Projekte mit Anschlussfähigkeit für Selbstjustizfantasien und als Warnsignal, wie schnell Online-Hetze in Offline-Gewalt kippen kann.
April: Stoppt die Rechten macht öffentlich, dass ein frisch nach dem Verbotsgesetz verurteilter Neonazi dennoch auf gleich mehreren Wahllisten der Wiener FPÖ kandidierte. Die FPÖ will nichts gewusst haben und spielte wie immer das Opfer.
Mai: Wenn sich zwei Corps streiten, ist das kein Operettenstoff, sondern ein Blick in eine Parallelwelt aus Hierarchie und antiquierten Ritualen. Das zeigen die Re/Aktionen rund um einen angeblichen antisemitischen Vorfall inklusive anachronistischer Drohkulisse. Unterhaltsam ist daran ist wenigstens, wie entlarvend interne Schreiben sein können.
Juni: Nach dem Amoklauf an einer Grazer Schule zeigten wir, wie Rechtsextreme „über Leichen gehen“: Instrumentalisierung für Abschiebeforderungen und AUF1-Abgründe mit Tatortvideos bis hin zu Leichenbildern. Man muss es so deutlich sagen, wie es war: widerlich.
Juli: Die FPÖ baut ihre personelle Schnittstelle ins extrem rechte Vorfeld weiter aus: Mit Gernot Schmidt holte ein FPÖ-Abgeordneter einen Identitären-Kader als Mitarbeiter in den Parlamentsklub. „Normalisierung“ ist hier kein analytischer Begriff mehr, sondern eine laufende Warnmeldung.
August: In Gloggnitz musste ein FPÖ-Gemeinderat zurücktreten – wegen antisemitischer Diffamierungen und Hetze gegen all jene, die nicht in sein blaues Weltbild passen. Die größere Pointe (leider ohne Humor): Die FPÖ hatte mit ihm offenkundig kein Problem, bis Stoppt die Rechten seine Facebook-Aktivitäten öffentlich machte und die Grünen eine Anzeige an die zuständige Staatsanwaltschaft schickten. Mittlerweile ist der Mann rechtskräftig wegen Verhetzung verurteilt.
September: Das identitäre „Bundeslager 2025“ inszenierte sich als Outdoor-Event, war aber in Bildsprache und Ritualen ein politisches Bootcamp: Drill, Uniformierung, völkische Symbolik und auffällige staatliche Nicht-Intervention. Unsere Analyse war neben den oben angesprochenen Überblicken der meistgelesene Beitrag in diesem Jahr.
Oktober: Mit einer Schießgesellschaft im oberösterreichischen Vorchdorf verdichtete sich, was wir seit Jahren beobachten: Waffenaffinität, Vereinsstrukturen, Vernetzungen und ein Bundesheer-Oberst als öffentliche Figur im falschen Umfeld.
November: Eine Razzia nach einem Neonazikonzert in Leoben förderte Waffen, NS-Propaganda und Suchtmitteln hervor. Fürs Protokoll: Stoppt die Rechten hat den Fall überhaupt ins Rollen gebracht, als wir das klandestine Konzert offenlegten.
Dezember: Der Aula-Prozess endete am 3. Dezember mit einem Urteil, das Maßstäbe setzt. Stoppt die Rechten beobachtete, dokumentierte und analysierte diesen Verhandlungsmarathon als einziges Medium an allen 15 Verhandlungstagen – und ja, so manche „etablierte“ Redaktion hat dabei gern mitgelesen.
Das führt uns zu einem Wunsch: Wir freuen uns, wenn Journalist:innen auf unsere Recherchen/Dokumentationen zurückgreifen, aber noch mehr würden wir uns freuen, wenn dann auch sauber zitiert würde.
Frohe Feiertage und danke für eure Unterstützung
Zum Schluss wünschen wir Ihnen/euch ruhige Feiertage, erholsame Tage zwischen den Jahren und einen Jahreswechsel mit möglichst wenig Anlass für unsere Chroniken und Zähler (wir sind aber realistisch genug und werden wachsam bleiben).
Wenn Ihnen/euch unsere Recherchen, Prozessberichte und Dokumentationen wichtig sind: Bitte unterstützt Stoppt die Rechten mit einer Spende. Unabhängige antifaschistische Arbeit kostet Zeit, Rechtsberatung, Server – und manchmal auch Nerven. Jeder Beitrag hilft, damit wir 2026 weiter sichtbar machen können, was andere gern unsichtbar hätten.
Anders als in den letzten Jahren werden wir nach den Weihnachtsfeiertagen nicht ruhen und eine Reihe von Berichten über Prozesse veröffentlichen: Alleine in der vergangenen Woche wurden zehn Prozesse nach dem Verbotsgesetz und weitere wegen Verhetzung abgewickelt.
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