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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 4 Minuten

Stoppt die Rechten-Jahresrückblick 2025: Recherchen mit Nachhall

2025 war ein Jahr, in dem sich Öster­reichs extre­me Rech­te gleich­zei­tig rou­ti­nier­ter und hem­mungs­lo­ser denn je zeig­te: vie­le Ereig­nis­se, viel Insze­nie­rung, wenig Distan­zie­rung und immer wie­der der Ver­such, Skan­da­le als „Miss­ver­ständ­nis“ oder „Kul­tur­kampf“ umzu­deu­ten. Dass vie­le unse­rer meist­ge­le­se­nen Tex­te genau dort anset­zen, ist kein Zufall: Wer Struk­tu­ren sicht­bar macht, stört.

24. Dez. 2025
Stoppt die Rechten-Jahresrückblick 2025
Stoppt die Rechten-Jahresrückblick 2025

Bevor wir Monat für Monat zurück­schau­en, ein Blick auf jene Inhal­te, die bei Stoppt die Rech­ten das gan­ze Jahr über „Dau­er-High­lights“ sind: unse­re lau­fend aktua­li­sier­ten Über­blicks­sei­ten. Der FPÖ-Ein­zel­fall­zäh­ler bün­delt seit Kick­ls Obmann­schaft Vor­fäl­le inner­halb der FPÖ und ord­net sie sys­te­ma­tisch zum schnel­len Nach­schau­en. Wir hal­ten mitt­ler­wei­le bei 174 „Ein­zel­fäl­len“, der Zäh­ler schraubt sich immer schnel­ler nach oben.

Die Chro­no­lo­gie der Waf­fen­fun­de ab Juli 2019 lie­fert so nüch­tern wie not­wen­dig einen Über­blick über grö­ße­re Waf­fen- und Spreng­stoff­fun­de mit mut­maß­li­chem Bezug ins rechts­extre­me Milieu. 2025 ver­zeich­nen wir die höchs­te Anzahl an der­ar­ti­gen Fun­den. Und die Über­sicht Rechts­extre­me Medi­en in Öster­reich kar­tiert For­ma­te, Per­so­nal, Eigen­tü­mer­struk­tu­ren und Ideologie.

Die­se Sei­ten sind der Kern unse­rer Ser­vice­ori­en­tie­rung: doku­men­tie­ren, ein­ord­nen, auf­find­bar machen – und das immer am aktu­ells­ten Stand.

Jän­ner: Der Jah­res­auf­takt war – wie soll man sagen? – kuli­na­risch codiert: Aus Gän­sern­dorf und wei­te­ren Orten in Nie­der­ös­ter­reich doku­men­tier­ten wir rund um FPÖ-Kandidat*innen „Eiernockerl“-Chiffren, Gas­kam­mer-Kom­men­tar und ein­schlä­gi­ge Ver­wei­se bis hin zu Neo­na­zi-Musik und erstat­te­ten Anzei­ge. Alle von uns ange­zeig­ten Per­so­nen lan­de­ten vor Gericht, bei einem Ver­fah­ren gegen drei Ange­klag­te steht ein Urteil noch aus. Das Jahr hat mit wei­te­ren Anzei­gen gegen FPÖ-Funk­tio­nä­re, die in Ankla­gen und Ver­ur­tei­lun­gen mün­de­ten, gezeigt, was pas­siert, wenn man Pos­tings nicht ein­fach durch­winkt – und, so viel sei ver­ra­ten, wird es auch 2026 zeigen.

Febru­ar: René Schi­ma­nek wur­de zum Syn­onym dafür, wie nah sich par­la­men­ta­ri­sches Umfeld und rechts­extre­me Milieus kom­men kön­nen: Eine par­la­men­ta­ri­sche Anfra­ge mach­te E‑Mails, NS-Glo­ri­fi­zie­rung sowie anti­se­mi­ti­sche und ras­sis­ti­sche Bezü­ge zum The­ma. Schi­ma­nek muss­te als Büro­chef von Natio­nal­rats­prä­si­dent Rosen­kranz den Hut neh­men – ein sel­te­ner Moment, in dem poli­ti­sche Hygie­ne nicht nur behaup­tet, son­dern zumin­dest per­so­nell voll­zo­gen wur­de, bes­ser: voll­zo­gen wer­den musste.

März: Gesell­schaft­lich beson­ders rele­vant waren die Raz­zi­en gegen eine jun­ge, teils inter­na­tio­nal ver­netz­te „Hate Crime“-Szene samt Fest­nah­men und dem Blick auf Mus­ter, Radi­ka­li­sie­rung und Behör­den­re­ak­tio­nen. Par­al­lel dazu ord­ne­ten wir gewalt­be­rei­te Jung-Neo­na­zi-Grup­pen ein: als Milieu-Pro­jek­te mit Anschluss­fä­hig­keit für Selbst­jus­tiz­fan­ta­sien und als Warn­si­gnal, wie schnell Online-Het­ze in Off­line-Gewalt kip­pen kann.

April: Stoppt die Rech­ten macht öffent­lich, dass ein frisch nach dem Ver­bots­ge­setz ver­ur­teil­ter Neo­na­zi den­noch auf gleich meh­re­ren Wahl­lis­ten der Wie­ner FPÖ kan­di­dier­te. Die FPÖ will nichts gewusst haben und spiel­te wie immer das Opfer.

Mai: Wenn sich zwei Corps strei­ten, ist das kein Ope­ret­ten­stoff, son­dern ein Blick in eine Par­al­lel­welt aus Hier­ar­chie und anti­quier­ten Ritua­len. Das zei­gen die Re/Aktionen rund um einen angeb­li­chen anti­se­mi­ti­schen Vor­fall inklu­si­ve ana­chro­nis­ti­scher Droh­ku­lis­se. Unter­halt­sam ist dar­an ist wenigs­tens, wie ent­lar­vend inter­ne Schrei­ben sein können.

Juni: Nach dem Amok­lauf an einer Gra­zer Schu­le zeig­ten wir, wie Rechts­extre­me „über Lei­chen gehen“: Instru­men­ta­li­sie­rung für Abschie­be­for­de­run­gen und AUF1-Abgrün­de mit Tat­ort­vi­de­os bis hin zu Lei­chen­bil­dern. Man muss es so deut­lich sagen, wie es war: widerlich.

Juli: Die FPÖ baut ihre per­so­nel­le Schnitt­stel­le ins extrem rech­te Vor­feld wei­ter aus: Mit Ger­not Schmidt hol­te ein FPÖ-Abge­ord­ne­ter einen Iden­ti­tä­ren-Kader als Mit­ar­bei­ter in den Par­la­ments­klub. „Nor­ma­li­sie­rung“ ist hier kein ana­ly­ti­scher Begriff mehr, son­dern eine lau­fen­de Warnmeldung.

August: In Glogg­nitz muss­te ein FPÖ-Gemein­de­rat zurück­tre­ten – wegen anti­se­mi­ti­scher Dif­fa­mie­run­gen und Het­ze gegen all jene, die nicht in sein blau­es Welt­bild pas­sen. Die grö­ße­re Poin­te (lei­der ohne Humor): Die FPÖ hat­te mit ihm offen­kun­dig kein Pro­blem, bis Stoppt die Rech­ten sei­ne Face­book-Akti­vi­tä­ten öffent­lich mach­te und die Grü­nen eine Anzei­ge an die zustän­di­ge Staats­an­walt­schaft schick­ten. Mitt­ler­wei­le ist der Mann rechts­kräf­tig wegen Ver­het­zung verurteilt.

Sep­tem­ber: Das iden­ti­tä­re „Bun­des­la­ger 2025“ insze­nier­te sich als Out­door-Event, war aber in Bild­spra­che und Ritua­len ein poli­ti­sches Boot­camp: Drill, Uni­for­mie­rung, völ­ki­sche Sym­bo­lik und auf­fäl­li­ge staat­li­che Nicht-Inter­ven­ti­on. Unse­re Ana­ly­se war neben den oben ange­spro­che­nen Über­bli­cken der meist­ge­le­se­ne Bei­trag in die­sem Jahr.

Okto­ber: Mit einer Schieß­ge­sell­schaft im ober­ös­ter­rei­chi­schen Vorch­dorf ver­dich­te­te sich, was wir seit Jah­ren beob­ach­ten: Waf­fen­af­fi­ni­tät, Ver­eins­struk­tu­ren, Ver­net­zun­gen und ein Bun­des­heer-Oberst als öffent­li­che Figur im fal­schen Umfeld.

Novem­ber: Eine Raz­zia nach einem Neo­na­zikon­zert in Leo­ben för­der­te Waf­fen, NS-Pro­pa­gan­da und Sucht­mit­teln her­vor. Fürs Pro­to­koll: Stoppt die Rech­ten hat den Fall über­haupt ins Rol­len gebracht, als wir das klan­des­ti­ne Kon­zert offen­leg­ten.

Dezem­ber: Der Aula-Pro­zess ende­te am 3. Dezem­ber mit einem Urteil, das Maß­stä­be setzt.  Stoppt die Rech­ten beob­ach­te­te, doku­men­tier­te und ana­ly­sier­te die­sen Ver­hand­lungs­ma­ra­thon als ein­zi­ges Medi­um an allen 15 Ver­hand­lungs­ta­gen – und ja, so man­che „eta­blier­te“ Redak­ti­on hat dabei gern mitgelesen.

Das führt uns zu einem Wunsch: Wir freu­en uns, wenn Journalist:innen auf unse­re Recherchen/Dokumentationen zurück­grei­fen, aber noch mehr wür­den wir uns freu­en, wenn dann auch sau­ber zitiert würde.

Frohe Feiertage und danke für eure Unterstützung

Zum Schluss wün­schen wir Ihnen/euch ruhi­ge Fei­er­ta­ge, erhol­sa­me Tage zwi­schen den Jah­ren und einen Jah­res­wech­sel mit mög­lichst wenig Anlass für unse­re Chro­ni­ken und Zäh­ler (wir sind aber rea­lis­tisch genug und wer­den wach­sam bleiben).

Wenn Ihnen/euch unse­re Recher­chen, Pro­zess­be­rich­te und Doku­men­ta­tio­nen wich­tig sind: Bit­te unter­stützt Stoppt die Rech­ten mit einer Spen­de. Unab­hän­gi­ge anti­fa­schis­ti­sche Arbeit kos­tet Zeit, Rechts­be­ra­tung, Ser­ver – und manch­mal auch Ner­ven. Jeder Bei­trag hilft, damit wir 2026 wei­ter sicht­bar machen kön­nen, was ande­re gern unsicht­bar hätten.

Anders als in den letz­ten Jah­ren wer­den wir nach den Weih­nachts­fei­er­ta­gen nicht ruhen und eine Rei­he von Berich­ten über Pro­zes­se ver­öf­fent­li­chen: Allei­ne in der ver­gan­ge­nen Woche wur­den zehn Pro­zes­se nach dem Ver­bots­ge­setz und wei­te­re wegen Ver­het­zung abgewickelt.

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Schlagwörter: FPÖ | Identitäre | Illegaler Waffenbesitz/Waffenhandel | Neonazismus/Neofaschismus | Niederösterreich | Oberösterreich | Österreich | Steiermark | Verbotsgesetz | Verhetzung | Wien

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