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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 6 Minuten

FPÖ-Gemeinderat Thomas Hardteck angezeigt

Der Glogg­nit­zer FPÖ-Gemein­de­rat Tho­mas Hardteck fällt schon lan­ge mit sei­nen Face­book-Pos­tings auf. Er dif­fa­miert vor­ran­gig Juden und Jüdin­nen, hetzt aber auch gegen alle, die sei­nem blau­en Welt­bild nicht ent­spre­chen. Nun wur­de er bei der Staats­an­walt­schaft Wie­ner Neu­stadt ange­zeigt. Die FPÖ hat mit ihm jedoch kein Problem.

26. Aug. 2025
Sachverhaltsdarstellung gegen Thomas Hardteck
Sachverhaltsdarstellung gegen Thomas Hardteck

Bereits im Mai 2024 hat­te Stoppt die Rech­ten auf anti­se­mi­ti­sche Hetz­pos­tings des Glogg­nit­zer FPÖ-Gemein­de­rats Tho­mas Hardteck auf­merk­sam gemacht. Das hin­der­te sei­ne Par­tei nicht dar­an, Hardteck als Spit­zen­kan­di­dat in die Gemein­de­rats­wahl im Jän­ner 2025 zu schi­cken. Auch seit­her sind anti­se­mi­ti­sche Äuße­run­gen von Hardteck auf des­sen Face­book-Pro­fil an der Tages­ord­nung. Dazu kom­men Het­ze gegen Geflüch­te­te, gegen Homo­se­xu­el­le, Belei­di­gun­gen gegen ande­re Poli­ti­ker (Finanz­mi­nis­ter Mar­ter­bau­er beschimpf­te Hardteck als „Dreck Sack”, Andre­as Babler als „rote Filz­laus”, Lan­des­haupt­frau Mikl-Leit­ner als „Bums Dame”) und auch Geschichtsrevisionismus.

Thomas Hardteck zu FM Marterbauer: "Das kann nur ein Dreck Sack sagen der in seinem Leben noch nichts gearbeitet hat, aber leider wollten es die meisten Menschen so" (Screenshot FB 22.6.25)
Tho­mas Hardteck zu FM Mar­ter­bau­er: „Das kann nur ein Dreck Sack sagen der in sei­nem Leben noch nichts gear­bei­tet hat, aber lei­der woll­ten es die meis­ten Men­schen so” (Screen­shot FB 22.6.25)

Noch ges­tern teil­te Hardteck einen Arti­kel zu einem Vor­fall in Deutsch­land über einen afgha­ni­schen Staats­bür­ger, der ver­sucht haben soll, einen Zwölf­jäh­ri­gen, auf ein Zugs­ge­lei­se zu sto­ßen. Hardteck dazu: „Der gehört Stand­recht­lich Erschos­sen und sonst nichts“ Zu jenem mitt­ler­wei­le ehe­ma­li­gen ORF-Redak­teur, der ein anti­se­mi­ti­sches Pos­ting ver­öf­fent­licht hat­te, mein­te Hardteck am 23. August: „So endet es wenn man die Wahr­heit sagt, also auf zum Arbeits­amt und nie wie­der was Arbei­ten weil man könn­te ja wider mal die Wahr­heit sagen“

Mit Hardtecks Äuße­run­gen kon­fron­tiert, mein­te die FPÖ Nie­der­ös­ter­reich auf Nach­fra­ge des „Kurier“ (26.8.25, S. 4):

Die FPÖ hat mit den Pos­tings kein gro­ßes Pro­blem. Vom KURIER auf die Inhal­te hin­ge­wie­sen, wird nur ein Pos­ting pro­ble­ma­ti­siert, in dem der FPÖ-Gemein­de­rat zum Erschie­ßen eines mög­li­chen Straf­tä­ters auf­ge­ru­fen hat.
Im kon­kre­ten Fall woll­te ein Afgha­ne ein Kind vor den Zug sto­ßen. Das war der Aus­lö­ser für das emo­tio­na­le Pos­ting”, erklärt ein Spre­cher der Lan­des-FPO dem KURIER.
Der Auf­ruf zur Selbst­jus­tiz sei „unbe­dacht und falsch”. „Dafür ent­schul­digt er (Hardteck, Anm.) sich.” Das ände­re aber nichts dar­an, dass Öster­reich ein mas­si­ves Pro­blem mit Mas­sen­zu­wan­de­rung habe.

Stoppt die Rech­ten hat eini­ge sei­ner Pos­tings gesam­melt, der Grü­ne Natio­nal­rats­ab­ge­ord­ne­te Lukas Ham­mer hat sie vor zwei Wochen zur Anzei­ge gebracht: Ver­dacht auf Ver­het­zung und Ver­stoß gegen das Verbotsgesetz.

„Die Pos­tings von Tho­mas Hardteck sind an Wider­lich­keit kaum zu über­bie­ten”, sagt Ham­mer zum KURIER. Hardtecks Face­book-Pro­fil sei öffent­lich, durch die The­ma­ti­sie­rung der Platt­form „Stoppt die Rech­ten” hät­te die FPÖ Bescheid gewusst, wen sie zum Spit­zen­kan­di­da­ten bei der Gemein­de­rats­wahl mache. Aus die­sem Grund müs­se man davon aus­ge­hen, „dass der­ar­tig absto­ßen­de Geis­tes­hal­tun­gen in der FPÖ nicht nur akzep­tiert, son­dern sogar mit einem Man­dat im Gemein­de­rat belohnt werden”. 

Nun ist die Staats­an­walt­schaft Wie­ner Neu­stadt am Wort.

Die angezeigten Postings

1. Video Isra­el von der Land­kar­te gelöscht, 1.8.25

Am 1.8.25 teil­te Hardteck ein Video von „Iran Mili­ta­ry“, in dem Isra­el von der Land­kar­te gelöscht wird. Bei­gefügt wur­de der Text: „So soll­te es sein“

2. Isra­el Para­si­ten 20.5.25

Am 20.5.25 teil­te Hardteck ein Foto eines Zei­tungs­ar­ti­kels mit dem Titel „Isra­el will Gaza beset­zen“. Pos­ting­text: „So sans die eth­ni­sche Min­der­heit oder anders gesagt die Para­si­ten, und alle schau­en tepert zu [zwei Wein-Emo­jis]“

3. „J Kin­der“ – Juden­kin­der 11.3.24

Am 11.3.24 teil­te Hardteck das Foto eines Zei­tungs­ar­ti­kels zum Besuch von Bun­des­prä­si­dent Van der Bel­len in Ams­ter­dam, wo er ein Holo­caust­mu­se­um eröff­ne­te. Pos­ting­text: „Und wider gewin­nen die J Kin­der und das Volk lest sich das gefallen“

4. Video „J Kin­der“ Jeru­sa­lem 22.10.23

Am 22.10.23 teil­te Hardteck ein Video über den Besuch einer Jour­na­lis­tin in Jeru­sa­lem, in dem zu sehen ist, dass sich jüdi­sche Kin­der aggres­siv ver­hal­ten. Pos­ting­text: „So sans die j Kinder“

5. Ras­sis­ti­sches Video 27.7.25

Am 27.7.25 teil­te Hardteck ein Video, in dem zu sehen und zu hören ist, wie ein Mann mit dunk­ler Haut­far­be von einem Bay­ern wüst beschimpft wird, weil er angeb­lich eine Zugs­fahrt auf­hält. Pos­ting­text: „Brauchst nur die Haut­far­be anschauen“

Thomas Hardteck über einen POC: "Brauchst nur die Hautfarbe anschauen" (Screenshot FB 27.7.25)
Tho­mas Hardteck über einen POC: „Brauchst nur die Haut­far­be anschau­en” (Screen­shot FB 27.7.25)

6. Ukrai­ner als Para­si­ten 21.6.25

Am 21.6.25 teil­te Hardteck das Foto eines Zei­tungs­ar­ti­kels mit dem Titel „Ukrai­ne-Klau­sel“ lockt Groß­fa­mi­li­en an. Pos­ting­text: „Damit alle Öster­rei­cher wis­sen das sie spa­ren müs­sen, für die Parasiten“

7. Flücht­lin­ge Ver­ge­wal­ti­ger und Mör­der 15.5.25

Am 15.5.25 teil­te Hardteck ein Foto eines Zei­tungs­ar­ti­kels mit dem Titel „Recht­li­che Kri­tik an Aus für die Fami­li­en­zu­sam­men­füh­rung“. Pos­ting­text: „Wol­len leicht die Gut­men­schen noch mehr Ver­ge­wal­ti­ger und Mör­der Impor­tie­ren, oder sind noch zuwe­nig da die die Chris­ten da hin Mor­den und Ver­gwal­ti­gen, das ist zum [Kotz- und Zorn-Emo­jis]“

8. Flücht­lin­ge ter­ro­ri­sie­ren Euro­pa … 16.1.25

Am 16.1.25 teil­te Hardteck ein Bild mit dem Text: „Was stimmt nicht mit euch? Eure Flücht­lin­ge ter­ro­ri­sie­ren Euro­pa, ran­da­lie­ren in Frei­bä­dern, prü­geln in Schu­len, ver­ti­cken Dro­gen, plün­dern die Sozi­al­hil­fe und wer­fen Men­schen vor Züge. Und wer das nicht akzep­tie­ren will, nennt ihr Nazi? #Was­stimmt­nicht­miteuch?“

9. Homo­se­xu­el­le als Para­si­ten 18.8.24

Am 18.8.24 kom­men­tier­te Hardteck zu einem Pos­ting von Ste­fan L., der eine ÖBB-Wer­bung für die Vor­teilscard Fami­liy mit dem Bild von zwei Män­nern (einer davon dun­kel­häu­tig) mit einem Baby teil­te: „Und für die­se Para­si­ten zahlt der Steu­er­zah­ler und das fin­de ich Traurig“

10. Trau­er-Emo­ji für Adolf Eich­mann im Gefäng­nis 29.4.25

Am 29.4.25 reagier­te Hardteck auf ein Pos­ting von „Der Rote Palast“, das ein Foto von Adolf Eich­mann im Gefäng­nis in Isra­el zeigt, mit einem Trauer-Emoji.

11. Video Geschichts­re­vi­sio­nis­mus Rhein­wie­sen­la­ger 23.2.25

Am 23.2.25 teil­te Hardteck ein geschichts­re­vi­sio­nis­ti­sches Video zu den Rheinwiesenlagern.

Erklä­rung: Ab April 1945 hat­ten die Alli­ier­ten unter US-ame­ri­ka­ni­scher Bewa­chung ent­lang des Rhein 23 Lager für deut­sche Kriegs­ge­fan­ge­ne (Pri­soner of War Tem­po­ra­ry Enclo­sure, PWTE) errich­tet, zuerst vor­wie­gend, um zu ver­hin­dern, dass Deut­sche auf die Sei­te der noch nicht besieg­ten Tei­le von Nazi-Deutsch­land wech­seln. Rechts­extre­me stri­cken aus den Lagern gräu­el­pro­pa­gan­dis­ti­sche Erzäh­lun­gen und ver­brei­ten, es sei­en Hun­dert­tau­sen­de bis zu einer Mil­li­on Häft­lin­ge gezielt umge­bracht wor­den. Schon allei­ne die im gepos­te­ten Video getä­tig­te Behaup­tung, die Lager sei­en bis 1948 betrie­ben wor­den, ist falsch – sie wur­den im Herbst 1945 auf­ge­löst (1). Daher ist die Aus­sa­ge, es sei zum „einem mör­de­ri­schen Höhe­punkt im April 1946“ gekom­men, schon allei­ne auf­grund des Datums eine Geschichts­fäl­schung. Der Ver­gleich mit Kon­zen­tra­ti­ons­la­gern kommt einer geschichts­re­vi­sio­nis­ti­schen Aus­sa­ge gleich.

12. Hul­di­gung an Rom­mel und an die Sol­da­ten­pflicht im 2. Welt­krieg 27.7.24

Am 27.7.24 teil­te Hardteck ein Foto, das das Grab des NS-Offi­ziers Erwin Rom­mel zeigt, mit dem Zei­len: „Am Grab von Erwin Rommel…
‚Das Vater­land rief uns in gröss­ter Not, wir zogen mutig aus zum frü­hen Tod.
Wir taten unse­re Pflicht, ver­gesst uns nicht!’ ”

13. Über BP Van der Bel­len 28.7.25

Am 28.7.25 teil­te Hardteck ein Video einer Ver­an­stal­tung mit BP Alex­an­der Van der Bel­len im Jahr 2017 (2). Pos­ting­text: „Der ist ziem­lich hin in der Birn“

Update 26.8.25, 12:00: Der FPÖ NÖ ist die Cau­sa nun doch zu heiß gewor­den. Sie gibt in einer Pres­se­aus­sendung an: „Das Mit­glied – das von sich aus die FPÖ nicht infor­miert hat – wur­de mit sofor­ti­ger Wir­kung aus der Par­tei aus­ge­schlos­sen und all sei­ner Funk­tio­nen ent­ho­ben.” Zuvor habe man das Aus­maß der Vor­fäl­le nicht gekannt. Hardteck hat sei­nen Man­dats­ver­zicht erklärt.

1 https://de.wikipedia.org/wiki/Rheinwiesenlager
2 https://www.derstandard.at/story/2000056579232/van-der-bellen-sorgt-mit-statement-zu-kopftuch-fuer-aufregung

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