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Lesezeit: 6 Minuten

Schießgesellschaft in Vorchdorf: Bundesheer-Oberst mit Verbindungen

Die Ermitt­lun­gen zu jenen Per­so­nen, die letz­ten Sams­tag in Vorch­dorf mit einem Waf­fen­ar­se­nal ange­rückt waren, um Schieß­übun­gen ohne zu schie­ßen zu machen, hät­ten laut Ver­fas­sungs­schutz hin­sicht­lich Extre­mis­mus oder Staats­ver­wei­ge­rung kei­ne Ergeb­nis­se gebracht. Wir haben schon etwas gefunden.

15. Okt. 2025
Im Visier
Im Visier

Am Sams­tag, 11.10., wird die Poli­zei alar­miert, weil in einem Bau­ern­hof in Vorch­dorf (Bez. Gmun­den) Men­schen mit Lang­waf­fen her­um­lau­fen wür­den. Als die Poli­zei mit einem Groß­auf­ge­bot vor Ort ein­trifft, flüch­ten fünf­zehn Per­so­nen ins Inne­re des Bau­ern­hofs, fünf konn­ten von der Poli­zei außer­halb ange­hal­ten wer­den. Macht eigent­lich 20 Per­so­nen. Regis­triert wur­den dann aber nur 19 Per­so­nen mit ins­ge­samt 50 Schuss­waf­fen. Das ist bei wei­tem nicht die wich­tigs­te Unstim­mig­keit, die der Öffent­lich­keit bis­her erzählt wurde.

Gab es eine Schie­ße­rei auf dem Gelän­de? Sprich: Wur­den die Sturm­ge­weh­re und ande­re Waf­fen auch benutzt? Aus dem Kreis der Ver­an­stal­ter des omi­nö­sen Tref­fens hieß es, es sei nur eine „Tro­cken­übung“ gewe­sen, also kei­ne Schüsse.

Über­haupt, der Ver­an­stal­ter: “ laut „Kro­nen Zei­tung“ (14.10.25) der „Brauch­tums- und Tra­di­ti­ons­ver­ein“, kurz „BTV. Seit wann hält ein sol­cher Ver­ein Schieß­übun­gen ab? Und: War­um benö­ti­gen Ange­hö­ri­ge des Bun­des­hee­res, die unter den Teil­neh­men­den waren, Schieß- oder Ziel­übun­gen in einem selt­sa­men „BTV“?

Als der „Stan­dard“ (13.10.25) bei der Direk­ti­on Staats­schutz und Nach­rich­ten­dienst (DSN) nach­frag­te, ob es Ermitt­lun­gen in Rich­tung poli­ti­scher Extre­mis­mus oder Ter­ro­ris­mus gebe, hieß es aus dem Innen­mi­nis­te­ri­um, bis­her nicht: „Aktu­ell wür­den Erhe­bun­gen durch den Staats­schutz auch nicht erwar­tet.“ Tags dar­auf war die Aus­kunft schon etwas anders:

Am Diens­tag ließ die Poli­zei dann wis­sen, das ober­ös­ter­rei­chi­sche Lan­des­amt Staats­schutz und Extre­mis­mus­be­kämp­fung sei bereits am Wochen­en­de vor Ort gewe­sen. Ermitt­lun­gen hin­sicht­lich Extre­mis­mus oder Staats­ver­wei­ge­rung hät­ten aber „kei­ne Ergeb­nis­se“ gebracht. (derstandard.at, 14.10.25)

Der „Kro­ne“ (14.10.25) gegen­über ist man da – zeit­gleich! – ganz ande­rer Mei­nung: „Der Staats­schutz ermit­telt in Ober­ös­ter­reich auf Hoch­tou­ren“ Was nun?

Die „Ober­ös­ter­rei­chi­schen Nach­rich­ten“ hat­ten über die Betei­li­gung von Bun­des­heer­an­ge­hö­ri­gen bei der Schieß­sause in Vorch­dorf berich­tet. Bun­des­heer­an­ge­hö­ri­ge fah­ren auf einen pri­va­ten Bau­ern­hof, um in dubio­sem Rah­men Schieß­übun­gen zu machen, ohne Schüs­se abzugeben?

Der blaue Heeres-Oberst, ein Eklat und die Vereine

Die „Kro­nen Zei­tung“ titelt am 14. Okto­ber: „50 Waf­fen, 19 Fest­nah­men: Hee­res-Oberst im Visier“

Bei ihren Ermitt­lun­gen kon­zen­trie­ren sich die Beam­ten des Lan­des­am­tes für Staats­schutz und Extre­mis­mus­be­kämp­fung (LSE) jetzt aber auf einen Ange­hö­ri­gen des Bun­des­hee­res. Er wird als Rädels­füh­rer des Tref­fens ins Vorch­dorf ange­se­hen und soll sich beim Ein­satz auch mit der Poli­zei ange­legt haben. Wie die „Kro­ne“ erfuhr, soll der Oberst mit Dienst­ort Salz­burg her­um­ge­brüllt und nicht ein­ge­se­hen haben, war­um die Poli­zei auf­mar­schiert. (krone.at)

Wer ist der reni­ten­te Bun­des­heer-Oberst? Ein Blick ins Ver­eins­re­gis­ter hilft wei­ter: Beim „Brauch­tums- und Tra­di­ti­ons­ver­ein“ fehlt ein klei­nes, aber wei­ter­füh­ren­des Detail, denn der heißt kor­rekt „Brauch­tums­pfle­ge und Tra­di­ti­ons­schüt­zen Ver­ein (BTV)“. Da sich die Ver­eins­prä­si­den­tin Michae­la S. offen­bar um die „Sicher­heit für alle rechts­treu­en Bür­ger“ sorgt, hat sie im Juli einen wei­te­ren Ver­ein gegrün­det, den „Ziel.Sicher e.V. — Waf­fen­hand­ha­bung & Schieß­fer­tig­keit in Perfektion“.

Website Verein "Ziel.Sicher e.V": "Sicherheit für alle rechtstreuen Bürger" (Screenshot 15.10.25)
Web­site Ver­ein „Ziel.Sicher e.V”: „Sicher­heit für alle rechts­treu­en Bür­ger” (Screen­shot 15.10.25)

Ihr Vize­prä­si­dent ist, wie der Ver­eins­re­gis­ter­aus­zug zeigt, der Bun­des­heer-Oberst Tho­mas R.. Der hat­te im Jahr 2018 für einen ful­mi­nan­ten Eklat gesorgt. Der „Fal­ter“ (8.8.18) schrieb zum FPÖ-Oberst:

Oberst Tho­mas R. (…) woll­te im Juli Mili­tär­kom­man­dant von Salz­burg wer­den. R. (…) warn­te neben­her im Maga­zin der frei­heit­li­chen Hee­res-Per­so­nal­ver­tre­ter und einer Bro­schü­re der FPÖ Salz­burg vor dem „Ein­drin­gen kul­tur­frem­der Eth­ni­en in unse­re Hei­mat”. Im Jän­ner die­sen Jah­res hol­te Mario Kuna­sek Tho­mas R. vor­über­ge­hend als „Per­so­nal­aus­hil­fe” in sein Kabi­nett. Dass R. trotz­dem nicht Mili­tär­kom­man­dant wur­de, hat er einer Gast­re­de bei einem Kame­rad­schafts­bund­treffen im Inn­viert­ler Gerets­berg zu ver­dan­ken: „Dass das Bun­des­heer dazu da sei, um Krieg zu füh­ren, dass Öster­rei­cher aus­ster­ben wer­den und die Zukunft von ‚Frem­den’ gestal­tet wer­de, zäh­len zu den harm­lo­se­ren Aus­sa­gen”, schrie­ben die Ober­ös­ter­rei­chi­schen Nach­rich­ten über R.s Vor­trag, der sei­ne vor­über­ge­hen­de Sus­pen­die­rung zur Fol­ge hat­te. (Name von SdR abgekürzt)

Die Skan­dal­re­de des Bun­des­heer­of­fi­ziers hat­te beim Inn­viert­ler Kame­rad­schafts­bund für „Fas­sungs­lo­sig­keit“ gesorgt – und das ist ange­sichts des wohl kaum links ange­hauch­ten Publi­kums eine Leis­tung. „Eigent­lich hät­te der Gast­red­ner, ein hoch­ran­gi­ger Bun­des­heer-Offi­zier und Dop­pel­ma­gis­ter aus Salz­burg, einen Vor­trag über die Sicher­heits­la­ge und Lan­des­ver­tei­di­gung hal­ten sol­len, gewor­den ist es offen­bar eine ‚ras­sis­ti­sche Panik­ma­che mit Aus­drü­cken, die ich so noch nie gehört habe‘, sagt ein empör­ter Zuhö­rer“, schrie­ben die Ober­ös­ter­rei­chi­schen Nach­rich­ten (6.3.18, S. 23) Der „Kurier“ (6.3.18) zitier­te den Offi­zier: „Unse­re Bevöl­ke­rung wird aus­ge­tauscht, (…) bald wird es einen Anschlag geben und uns allen die Augen öffnen.“

Uns hat das Ver­eins­re­gis­ter die Augen geöff­net, denn Tho­mas R., der ver­hin­der­te Salz­bur­ger Mili­tär­kom­man­dant und War­ner vor dem „Bevöl­ke­rungs­aus­tausch”, pflegt noch wei­te­re Ver­eins­be­zie­hun­gen – etwa nach Kla­gen­furt, wo das im Febru­ar 2020 gegrün­de­te „Insti­tut für freie For­schung und För­de­rung der Men­schen­rech­te ‚IFM‘“ ihren Sitz hat. Dort ist Tho­mas R. eben­falls Vize­prä­si­dent. Der Prä­si­dent ist ein alter Bekann­ter: Karl­heinz Klement.

Wer ist Karl­heinz Klement?

Karl­heinz-Kle­ment (62) war zwi­schen 2006 und 2008 Natio­nal­rats­ab­ge­ord­ne­ter der FPÖ . zeit­wei­se auch deren Gene­ral­se­kre­tär, und wur­de 2008 bereits zum drit­ten Mal aus der FPÖ aus­ge­schlos­sen. Als Grund für den Aus­schluss wur­den damals auch abwer­ten­de bzw. het­ze­ri­sche Äuße­run­gen über Homo­se­xua­li­tät („Kul­tur des Todes“) und „Gen­der-Wahn­sinn“ ange­führt — mitt­ler­wei­le ziem­lich aner­kann­te Posi­tio­nen in der FPÖ.

2010 war Kle­ment Orga­ni­sa­tor eines Tref­fens mit dem mitt­ler­wei­le ver­stor­be­nen Grün­der der rechts­ter­ro­ris­ti­schen Neo­na­zi-Grup­pe „Euro­päi­sche Akti­on“, dem Holo­caust­leug­ner Bern­hard Schaub am Chris­tof­berg in Kärn­ten. Kle­ment „sam­mel­te vor dem Tref­fen am 9. Okto­ber 2010 die Han­dys und die dar­aus ent­fern­ten Sim-Kar­ten ein und ver­pack­te bei­des in Alu­fo­lie, um dann mit den ande­ren Teil­neh­me­rIn­nen, dar­un­ter dem erlauch­ten Füh­rungs­kreis der mitt­ler­wei­le ver­schie­de­nen Natio­na­len Volks­par­tei (NVP) und der „SS-Liesl“ dem ermü­den­den mehr­stün­di­gen Vor­trag von Schaub über die gera­de im Ent­ste­hen begrif­fe­ne Euro­päi­sche Akti­on und die euro­pä­isch-ari­sche Her­ren­ras­se zu lau­schen.“ (stopptdierechten.at, 12.12.20)

Nach den eher erfolg­lo­sen Gesprä­chen am Chris­tof­berg war es eine Zeit­lang eher still um Kle­ment. 2013 grün­de­te er eine Fir­ma, die sich mit alter­na­ti­ven Ener­gie­sys­te­men beschäf­tig­te und ihn in spä­te­ren Jah­ren auch wie­der mit dem Oberst Tho­mas R. als Gesell­schaf­ter zusammenführte.

2016 trat Kle­ment als Red­ner beim rechts­extre­men Ulrichs­berg­tref­fen auf – gemein­sam mit dem ver­stor­be­nen Nazi Her­bert Bell­schan von Mil­den­burg und vor ein­schlä­gi­gem Publikum.

Schließ­lich folg­te eine spä­te, aber sehr vom Unter­gang gepräg­te Kar­rie­re beim BZÖ bzw. dem, was davon noch übrig war, nach­dem fast alle die Par­tei ver­las­sen hat­ten. Eigent­lich woll­te er 2017 mit Mar­tin Rut­ter, der damals gera­de vom Team Stro­nach aus­ge­schlos­sen wor­den war, eine eige­ne Par­tei grün­den. Statt­des­sen wur­de er dann Gene­ral­se­kre­tär des Rest-BZÖ und woll­te Mar­tin Sell­ner als Spit­zen­kan­di­da­ten gewin­nen – eine hüb­sche Idee, aber Sell­ner roch den Bra­ten und ver­ließ das sin­ken­de Schiff, bevor er es so rich­tig betre­ten hat­te. Das BZÖ zer­fiel wegen die­ses geschei­ter­ten Kle­ment-Coups wei­ter und bekrieg­te sich heftig.

2022 wur­de Kle­ment noch ein­mal öffent­lich auf­fäl­lig, weil auf einer Stra­ße bei Moos­burg in Kärn­ten ein Pla­kat mit sei­ner Visa­ge und der Paro­le „Frei­staat Kärn­ten“ ange­bracht war. Kle­ment ein Staats­ver­wei­ge­rer? Oder ein­fach nur ein Freund vom Oberst?

Der Oberst, Klement und die Firma

Tho­mas R. ist mit Kle­ment nicht nur über das „Insti­tut für freie For­schung und För­de­rung der Men­schen­rech­te“ ver­bun­den, son­dern auch etwas hand­fes­ter über eine Fir­ma, die „ALTERION GmbH — Alter­na­ti­ve Ener­gie­sys­tem“, in die der Bun­des­heer-Oberst 2020 als Gesell­schaf­ter ein­ge­stie­gen ist. Haupt­ge­sell­schaf­ter und Geschäfts­füh­rer ist Karl­heinz Klement.

Alterion GmbH mit Kh. Klement und Thomas R. als Gesellschafter (Screenshot Firmenbuch 15.10.25)
Alter­ion GmbH mit Kh. Kle­ment und Tho­mas R. als Gesell­schaf­ter (Screen­shot Fir­men­buch 15.10.25)

Kann der Ver­fas­sungs­schutz noch immer kei­nen Bezug zu Extre­mis­mus fest­stel­len? Aber viel­leicht ver­brin­gen die bei­den, der Ex-Poli­ti­ker und der Bun­des­heer-Oberst, ihre Zeit mitt­ler­wei­le mit der För­de­rung von Menschenrechten …

➡️ Der Bun­des­heer-Oberst, ein Waf­fen­rechts­pam­phlet und noch ein rechts­extre­mer Verein

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Schlagwörter: Bundesheer | BZÖ | Europäische Aktion | FPÖ | Kärnten/Koroška | Oberösterreich | Rechtsextremismus | Salzburg

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