Wels/OÖ: Gedenken als „Vergnügungsveranstaltung“
In Wels fanden anlässlich des Gedenkens an Novemberpogrome 1938 wie bereits seit Jahren zwei getrennte Veranstaltungen statt: die traditionelle, breit getragene Gedenkfeier der Antifa Wels im Pollheimerpark und ein deutlich kleineres, separates Gedenken des FPÖ-Bürgermeisters Andreas Rabl, an der der Bürgermeister in diesem Jahr nicht einmal teilgenommen habe, schreibt der „Standard“ (11.11.25). Für Empörung sorgte heuer aber vor allem der offizielle Online-Veranstaltungskalender der Stadt Wels: Dort war nicht eine Gedenkfeier eingetragen, sondern die „Reichspogromnacht“ selbst und das in der Kategorie Vergnügungsveranstaltung“.

Die Welser Initiative gegen Faschismus spricht von einer völlig inakzeptablen Verharmlosung nationalsozialistischer Verbrechen. Der nationale Massenmord sei keine „Gaudi“, die man auf der Werbeplattform einer Stadt so ankündigen dürfe. „Bürgermeister Rabl trägt jedenfalls die politische Verantwortung. Nach seinen vielen bisherigen ‚Einzelfällen’ ist das ein weiterer Rücktrittsgrund!” (mkoe.at, 11.11.25) MKÖ-Vorsitzender Willi Mernyi bezeichnet Rabls Verhalten als „Heuchelei“: Während die FPÖ im Parlament mit dem Dinghofer-Symposium einen Antisemiten ehrt, inszeniere sich der FPÖ-Bürgermeister bei einem Holocaust-Gedenken und lasse zugleich zu, dass die Pogromnacht auf einer städtischen Seite derart entstellt werde.
Klagenfurt: Künstlerischer Gedenkstein verunstaltet
Vor dem kärnten.museum in Klagenfurt/Celovec ist in der Nacht auf Freitag das Kunstwerk „Von Partisanen“ der Künstler*innengruppe „zweintopf“ angegriffen worden. Unbekannte verhüllten den Gedenkstein, der am 8. Mai, also am Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus, im Rahmen der vielbeachteten Ausstellung „Hinschaun! Poglejmo. Kärnten und der Nationalsozialismus“ aufgestellt wurde, mit einem Transparent mit der Aufschrift „Die Kunst der Partisanen ist Mord“ und schmierten blutige Handabdrücke darauf. Das Landesmuseum spricht von einem „geschichtsblinden Rückfall“ (derstandard.at, 14.11.25) mit rechtsextremem Gehalt.
Die Ausstellung erinnerte an NS-Terror in Kärnten/Koroška und würdigte explizit den slowenischen Partisan*innenwiderstand als wichtigen Beitrag zur Befreiung vom NS-Regime und zur Entstehung der Zweiten Republik. Parallel lief bis Sonntag die Schau „Partizanke Art. Die Kunst des weiblichen Widerstands in Jugoslawien und Kärnten“.
Die Initiative „Domplatz – Koroška/Kärnten gemeinsam erinnern“ verurteilt in einer Erklärung den Angriff als weiteren Versuch der Täter-Opfer-Umkehr, die die Erinnerungspolitik in Kärnten seit Jahrzehnten präge. Der Übergriff ziele darauf ab, den antifaschistischen Partisan*innenwiderstand zu diffamieren und seine historische Notwendigkeit für ein demokratisches Österreich zu bestreiten. Die dahinterstehende Umdeutung – Partisan*innen als Täter, Nazis und ihre Mitläufer als Opfer – sei rechtsextreme Propaganda, die schon kurz nach 1945 eingesetzt habe und lange bis in die gesellschaftliche Mitte hinein wirksam gewesen sei. Das zweintopf-Kunstwerk breche diesen Mythos, der bisher am Domplatz „in Stein gemeißelt“ stand, und habe eine überfällige Debatte über Erinnerung, Verantwortung und demokratische Kultur ausgelöst.
Die Initiative fordert als Ausgangspunkt für einen offenen Dialog über widersprüchliche Geschichtsnarrative in Kärnten/Koroška, das Kunstwerk dauerhaft neben dem geschichtsrevisionistischen Domplatz-Gedenkstein aufzustellen und vor Ort eine wissenschaftlich fundierte Kontextualisierung zu schaffen, die auch frühere Interventionen und Reaktionen dokumentiert.
Matzen/NÖ: Nazi-Schmierereien
In Matzen setzt sich eine Serie von Vandalismus fort: Nach mehrfach aufgestochenen Reifen und eingeschlagenen Autoscheiben wurden nun Nazi-Symbole wie „SS“, „88“ und das Keltenkreuz auf die Stützmauer des Schlossberges geschmiert. Das Keltenkreuz gilt in rechtsextremen Kreisen als Symbol der vermeintlichen Überlegenheit der weißen Rasse.
SPÖ-Bürgermeister Alfred Redlich zeigt sich empört über die Vorfälle, bezeichnet sie als Skandal und berichtet, bereits die Polizei um verstärkte Präsenz gebeten zu haben, woraufhin ein Planquadrat am Hauptplatz eingerichtet wurde. Redlich betont seine rechtlichen Grenzen im Umgang mit der Situation und äußert Sorge, dass sich aus diesen Vorfällen Bürgerinitiativen entwickeln könnten.
(Quelle: noen.at, 14.11.25)
Waidhofen an der Ybbs/NÖ: „Ka gschissene Nazi-Sau wie du“
Im niederösterreichischen Waidhofen ist ein öffentlich ausgetragener Streit zwischen einem Stadtrat der Liste FUFU und der FPÖ ausgebrochen. Der vordergründige Anlass: eine Plakatüberklebung der FPÖ. Die hatte Ankündigungsplakate des Kulturvereins Frikulum mit Werbung für eine eigene Veranstaltung überklebt. ´
Das rief den FUFU-Stadtrat Martin Dowalil auf den Plan, der mit einem Video reagierte, in dem er der FPÖ Doppelmoral vorwarf: Die FPÖ beklage einerseits die Beschädigung eigener Plakate, überklebe aber selbst fremde.
Dowalil nennt die FPÖ in dem Video eine „Dodelpartei“ und verabschiedet sich, indem er neben dem Attwenger-Lied „Kaklakariada“ auch aus dem Song „Ned wie du“ der Band Heckspoiler die Zeile „Wenigstens bin i ka gschissene Nazi-Sau wie du“ zitiert. (NÖN, 12.11.25, S. 14)
Dowalils Video blieb nicht ohne empörte Reaktionen. Der Unternehmer Franz Stressler kritisierte Dowalils Verhalten als unangemessen für einen Stadtrat und forderte mehr Respekt im politischen Umgang. Der lokale FPÖ-Obmann Josef Gschwandegger beantragte daraufhin vor der Gemeinderatssitzung die Abberufung Dowalils, was jedoch aus rechtlichen Gründen nicht auf die Tagesordnung genommen wurde.
In einem zweiten Video führte Dowalil Beispiele aus den vielen niederösterreichischen „Einzelfällen“ an, darunter Gschwandeggers Angabe bei einem Interview, zuletzt „Mein Kampf“ gelesen zu haben, sowie den Auftritt des rechtsextremen Verschwörungspropagandisten Martin Rutter in einem von Stressler betriebenen Lokal.
„Ich wollte mit diesen zwei Videos die Doppelmoral der FPÖ aufzeigen und dem Rechtsruck etwas entgegensetzen“, sagt FUFU-Stadtrat Martin Dowalil. „Meine Absicht war es, den Protestwählern der FPÖ einmal mit ein wenig Schmäh vor Augen zu führen, ob es wirklich das ist, was sie wollen.“ Die Sache sei für ihn nun erledigt, hält Dowalil fest, er wolle sich nun wieder anderen wichtigen Dingen widmen. (NÖN, 12.11.25, S. 14)
Gschwandegger lehnte eine weitere Kommentierung ab und erklärte, man habe wichtigere Aufgaben. Die könnten darin bestehen, Dowalil zu klagen.
Bez. Freistadt/OÖ: Hakenkreuz und „Sieg heil“
Im Bezirk Freistadt ermittelt die Polizei in zwei Fällen von Wiederbetätigung. In Bad Zell wurde am Fahrradabstellplatz der Neuen Mittelschule ein 40 mal 40 Zentimeter großes Hakenkreuz auf dem Asphalt entdeckt, das von einem bislang unbekannten Täter angebracht wurde. Schüler bemerkten die Schmiererei am 5. November vor Schulbeginn und informierten das Lehrpersonal, das den Vorfall bei der Polizei anzeigte. Das Hakenkreuz wurde inzwischen entfernt.
In Freistadt rief am 8. November ein amtsbekannter Mann auf offener Straße lautstark „Sieg heil!“. Eine Zeugin nahm den Vorfall wahr und konnte den Mann identifizieren, der jedoch vor Ort nicht mehr angetroffen wurde. Die Polizei führt weitere Ermittlungen durch, eine Anzeige wird erstattet.
(Quelle: meinbezirk.at, 12.11.25)
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