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Lesezeit: 5 Minuten

Mélange KW 46/25: Und wieder die FPÖ Wels

Die „Reichs­po­grom­nacht“ als „Ver­gnü­gungs­ver­an­stal­tung? Die Stadt Wels kün­dig­te so eine Gedenk­ver­an­stal­tung zu den Novem­ber­po­gro­men an. Auf rechts­extre­men Van­da­lis­mus in Kla­gen­furt, der sich gegen die Kärnt­ner Partisan*innen rich­te­te, folg­ten empör­te Reak­tio­nen. In Waidhofen/Ybbs ging ein Gemein­de­po­li­ti­ker fron­tal auf die FPÖ, die er u.a. als „Dodel­par­tei“ titu­lier­te, los.

20. Nov. 2025
Rückblick
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Inhalt

Togg­le
  • Wels/OÖ: Geden­ken als „Ver­gnü­gungs­ver­an­stal­tung“
  • Kla­gen­furt: Künst­le­ri­scher Gedenk­stein verunstaltet
  • Matzen/NÖ: Nazi-Schmie­re­rei­en
  • Waid­ho­fen an der Ybbs/NÖ: „Ka gschis­se­ne Nazi-Sau wie du“
  • Bez. Freistadt/OÖ: Haken­kreuz und „Sieg heil“

Wels/OÖ: Gedenken als „Vergnügungsveranstaltung“

In Wels fan­den anläss­lich des Geden­kens an Novem­ber­po­gro­me 1938 wie bereits seit Jah­ren zwei getrenn­te Ver­an­stal­tun­gen statt: die tra­di­tio­nel­le, breit getra­ge­ne Gedenk­fei­er der Anti­fa Wels im Poll­hei­mer­park und ein deut­lich klei­ne­res, sepa­ra­tes Geden­ken des FPÖ-Bür­ger­meis­ters Andre­as Rabl, an der der Bür­ger­meis­ter in die­sem Jahr nicht ein­mal teil­ge­nom­men habe, schreibt der „Stan­dard“ (11.11.25). Für Empö­rung sorg­te heu­er aber vor allem der offi­zi­el­le Online-Ver­an­stal­tungs­ka­len­der der Stadt Wels: Dort war nicht eine Gedenk­fei­er ein­ge­tra­gen, son­dern die „Reichs­po­grom­nacht“ selbst und das in der Kate­go­rie Vergnügungsveranstaltung“.

Kalender der Stadt Wels zur "Reichspogromnacht" (Screenshot MKÖ, 7.11.25)
Kalen­der der Stadt Wels zur „Reichs­po­grom­nacht” (Screen­shot MKÖ, 7.11.25)

Die Wel­ser Initia­ti­ve gegen Faschis­mus spricht von einer völ­lig inak­zep­ta­blen Ver­harm­lo­sung natio­nal­so­zia­lis­ti­scher Ver­bre­chen. Der natio­na­le Mas­sen­mord sei kei­ne „Gau­di“, die man auf der Wer­be­platt­form einer Stadt so ankün­di­gen dür­fe. „Bür­ger­meis­ter Rabl trägt jeden­falls die poli­ti­sche Ver­ant­wor­tung. Nach sei­nen vie­len bis­he­ri­gen ‚Ein­zel­fäl­len’ ist das ein wei­te­rer Rück­tritts­grund!” (mkoe.at, 11.11.25) MKÖ-Vor­sit­zen­der Wil­li Mer­nyi bezeich­net Rabls Ver­hal­ten als „Heu­che­lei“: Wäh­rend die FPÖ im Par­la­ment mit dem Ding­ho­fer-Sym­po­si­um einen Anti­se­mi­ten ehrt, insze­nie­re sich der FPÖ-Bür­ger­meis­ter bei einem Holo­caust-Geden­ken und las­se zugleich zu, dass die Pogrom­nacht auf einer städ­ti­schen Sei­te der­art ent­stellt werde.

Klagenfurt: Künstlerischer Gedenkstein verunstaltet

Vor dem kärnten.museum in Klagenfurt/Celovec ist in der Nacht auf Frei­tag das Kunst­werk „Von Par­ti­sa­nen“ der Künst­ler*innen­grup­pe „zwein­topf“ ange­grif­fen wor­den. Unbe­kann­te ver­hüll­ten den Gedenk­stein, der am 8. Mai, also am Tag der Befrei­ung vom Natio­nal­so­zia­lis­mus, im Rah­men der viel­be­ach­te­ten Aus­stel­lung „Hin­schaun! Pog­lej­mo. Kärn­ten und der Natio­nal­so­zia­lis­mus“ auf­ge­stellt wur­de, mit einem Trans­pa­rent mit der Auf­schrift „Die Kunst der Par­ti­sa­nen ist Mord“ und schmier­ten blu­ti­ge Hand­ab­drü­cke dar­auf. Das Lan­des­mu­se­um spricht von einem „geschichts­blin­den Rück­fall“ (derstandard.at, 14.11.25) mit rechts­extre­mem Gehalt.

Die Aus­stel­lung erin­ner­te an NS-Ter­ror in Kärnten/Koroška und wür­dig­te expli­zit den slo­we­ni­schen Partisan*innenwiderstand als wich­ti­gen Bei­trag zur Befrei­ung vom NS-Regime und zur Ent­ste­hung der Zwei­ten Repu­blik. Par­al­lel lief bis Sonn­tag die Schau „Par­tizan­ke Art. Die Kunst des weib­li­chen Wider­stands in Jugo­sla­wi­en und Kärnten“.

Die Initia­ti­ve „Dom­platz – Koroška/Kärnten gemein­sam erin­nern“ ver­ur­teilt in einer Erklä­rung den Angriff als wei­te­ren Ver­such der Täter-Opfer-Umkehr, die die Erin­ne­rungs­po­li­tik in Kärn­ten seit Jahr­zehn­ten prä­ge. Der Über­griff zie­le dar­auf ab, den anti­fa­schis­ti­schen Partisan*innenwiderstand zu dif­fa­mie­ren und sei­ne his­to­ri­sche Not­wen­dig­keit für ein demo­kra­ti­sches Öster­reich zu bestrei­ten. Die dahin­ter­ste­hen­de Umdeu­tung – Partisan*innen als Täter, Nazis und ihre Mit­läu­fer als Opfer – sei rechts­extre­me Pro­pa­gan­da, die schon kurz nach 1945 ein­ge­setzt habe und lan­ge bis in die gesell­schaft­li­che Mit­te hin­ein wirk­sam gewe­sen sei. Das zwein­topf-Kunst­werk bre­che die­sen Mythos, der bis­her am Dom­platz „in Stein gemei­ßelt“ stand, und habe eine über­fäl­li­ge Debat­te über Erin­ne­rung, Ver­ant­wor­tung und demo­kra­ti­sche Kul­tur ausgelöst.

Die Initia­ti­ve for­dert als Aus­gangs­punkt für einen offe­nen Dia­log über wider­sprüch­li­che Geschichts­nar­ra­ti­ve in Kärnten/Koroška, das Kunst­werk dau­er­haft neben dem geschichts­re­vi­sio­nis­ti­schen Dom­platz-Gedenk­stein auf­zu­stel­len und vor Ort eine wis­sen­schaft­lich fun­dier­te Kon­tex­tua­li­sie­rung zu schaf­fen, die auch frü­he­re Inter­ven­tio­nen und Reak­tio­nen dokumentiert.

Matzen/NÖ: Nazi-Schmierereien

In Mat­zen setzt sich eine Serie von Van­da­lis­mus fort: Nach mehr­fach auf­ge­sto­che­nen Rei­fen und ein­ge­schla­ge­nen Auto­schei­ben wur­den nun Nazi-Sym­bo­le wie „SS“, „88“ und das Kel­ten­kreuz auf die Stütz­mau­er des Schloss­ber­ges geschmiert. Das Kel­ten­kreuz gilt in rechts­extre­men Krei­sen als Sym­bol der ver­meint­li­chen Über­le­gen­heit der wei­ßen Rasse.

SPÖ-Bür­ger­meis­ter Alfred Red­lich zeigt sich empört über die Vor­fäl­le, bezeich­net sie als Skan­dal und berich­tet, bereits die Poli­zei um ver­stärk­te Prä­senz gebe­ten zu haben, wor­auf­hin ein Plan­qua­drat am Haupt­platz ein­ge­rich­tet wur­de. Red­lich betont sei­ne recht­li­chen Gren­zen im Umgang mit der Situa­ti­on und äußert Sor­ge, dass sich aus die­sen Vor­fäl­len Bür­ger­initia­ti­ven ent­wi­ckeln könnten.

(Quel­le: noen.at, 14.11.25)

Waidhofen an der Ybbs/NÖ: „Ka gschissene Nazi-Sau wie du“

Im nie­der­ös­ter­rei­chi­schen Waid­ho­fen ist ein öffent­lich aus­ge­tra­ge­ner Streit zwi­schen einem Stadt­rat der Lis­te FUFU und der FPÖ aus­ge­bro­chen. Der vor­der­grün­di­ge Anlass: eine Pla­kat­über­kle­bung der FPÖ. Die hat­te Ankün­di­gungs­pla­ka­te des Kul­tur­ver­eins Fri­ku­lum mit Wer­bung für eine eige­ne Ver­an­stal­tung überklebt. ´

Das rief den FUFU-Stadt­rat Mar­tin Dowa­lil auf den Plan, der mit einem Video reagier­te, in dem er der FPÖ Dop­pel­mo­ral vor­warf: Die FPÖ bekla­ge einer­seits die Beschä­di­gung eige­ner Pla­ka­te, über­kle­be aber selbst fremde.

Dowa­lil nennt die FPÖ in dem Video eine „Dodel­par­tei“ und ver­ab­schie­det sich, indem er neben dem Att­wen­ger-Lied „Kaklak­a­ria­da“ auch aus dem Song „Ned wie du“ der Band Heck­spoi­ler die Zei­le „Wenigs­tens bin i ka gschis­se­ne Nazi-Sau wie du“ zitiert. (NÖN, 12.11.25, S. 14)

Dowa­lils Video blieb nicht ohne empör­te Reak­tio­nen. Der Unter­neh­mer Franz Stress­ler kri­ti­sier­te Dowa­lils Ver­hal­ten als unan­ge­mes­sen für einen Stadt­rat und for­der­te mehr Respekt im poli­ti­schen Umgang. Der loka­le FPÖ-Obmann Josef Gschwand­eg­ger bean­trag­te dar­auf­hin vor der Gemein­de­rats­sit­zung die Abbe­ru­fung Dowa­lils, was jedoch aus recht­li­chen Grün­den nicht auf die Tages­ord­nung genom­men wurde.

In einem zwei­ten Video führ­te Dowa­lil Bei­spie­le aus den vie­len nie­der­ös­ter­rei­chi­schen „Ein­zel­fäl­len“ an, dar­un­ter Gschwand­eg­gers Anga­be bei einem Inter­view, zuletzt „Mein Kampf“ gele­sen zu haben, sowie den Auf­tritt des rechts­extre­men Ver­schwö­rungs­pro­pa­gan­dis­ten Mar­tin Rut­ter in einem von Stress­ler betrie­be­nen Lokal.

„Ich woll­te mit die­sen zwei Vide­os die Dop­pel­mo­ral der FPÖ auf­zei­gen und dem Rechts­ruck etwas ent­ge­gen­set­zen“, sagt FUFU-Stadt­rat Mar­tin Dowa­lil. „Mei­ne Absicht war es, den Pro­test­wäh­lern der FPÖ ein­mal mit ein wenig Schmäh vor Augen zu füh­ren, ob es wirk­lich das ist, was sie wol­len.“ Die Sache sei für ihn nun erle­digt, hält Dowa­lil fest, er wol­le sich nun wie­der ande­ren wich­ti­gen Din­gen wid­men. (NÖN, 12.11.25, S. 14)

Gschwand­eg­ger lehn­te eine wei­te­re Kom­men­tie­rung ab und erklär­te, man habe wich­ti­ge­re Auf­ga­ben. Die könn­ten dar­in bestehen, Dowa­lil zu klagen.

Bez. Freistadt/OÖ: Hakenkreuz und „Sieg heil“

Im Bezirk Frei­stadt ermit­telt die Poli­zei in zwei Fäl­len von Wie­der­be­tä­ti­gung. In Bad Zell wur­de am Fahr­rad­ab­stell­platz der Neu­en Mit­tel­schu­le ein 40 mal 40 Zen­ti­me­ter gro­ßes Haken­kreuz auf dem Asphalt ent­deckt, das von einem bis­lang unbe­kann­ten Täter ange­bracht wur­de. Schü­ler bemerk­ten die Schmie­re­rei am 5. Novem­ber vor Schul­be­ginn und infor­mier­ten das Lehr­per­so­nal, das den Vor­fall bei der Poli­zei anzeig­te. Das Haken­kreuz wur­de inzwi­schen entfernt.

In Frei­stadt rief am 8. Novem­ber ein amts­be­kann­ter Mann auf offe­ner Stra­ße laut­stark „Sieg heil!“. Eine Zeu­gin nahm den Vor­fall wahr und konn­te den Mann iden­ti­fi­zie­ren, der jedoch vor Ort nicht mehr ange­trof­fen wur­de. Die Poli­zei führt wei­te­re Ermitt­lun­gen durch, eine Anzei­ge wird erstattet.

(Quel­le: meinbezirk.at, 12.11.25)

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