Sachsen/D‑Wien: Anklagen gegen „Sächsische Separatisten“
Die Generalbundesanwaltschaft hat Anklage gegen acht Aktivisten der rechtsterroristischen Gruppierung „Sächsische Separatisten“ erhoben, teilte sie in einer Presseaussendung vom 10.9.25 mit. Von der Anklage erfasst sind auch zwei Söhne von Hans Jörg Schimanek jun., der seinerseits von der Staatsanwaltschaft Wien nach dem NS-Verbotsgesetz angeklagt wurde. „In Schimaneks Wohnung in Wien wurden laut den Akten unter anderem NS-Devotionalien, militärische Uniformteile sowie NS-Literatur gefunden.“ (kurier.at, 11.9.25) Beide Anklagen sind noch nicht rechtskräftig.
Laut Generalbundesanwaltschaft laufen die Ermittlungen „gegen weitere, nicht in Haft befindliche, Mitglieder oder Unterstützer der Vereinigung“ weiter. Diese Anmerkung ist deshalb wichtig, weil das im März 23 begonnene Ermittlungsverfahren ursprünglich nur gegen sechs Verdächtige geführt wurde – unter ihnen auch der dritte Sohn von Hans Jörg Schimanek jun..
Der Haftbefehl vom November 24 umfasste acht Verdächtige, die sich nach Angaben der Bundesanwaltschaft noch immer in U‑Haft befinden. In der Anklage wird den Beschuldigten die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung (§ 129a, Abs.1, Nr. 1 StGB) vorgeworfen. Für den als Rädelsführer beschuldigten Jörg S. erhöht sich die Strafandrohung nach § 129a auf mindestens drei Jahre Freiheitsstrafe. Dem Beschuldigten Kurt Hättasch, Ex-AfD-Stadtrat in Grimma, wird außerdem versuchter Mord aus niedrigen Beweggründen und noch einiges mehr vorgeworfen.
Die „Sächsischen Separatisten“, unter denen mindestens drei AfD-Mitglieder waren, haben sich laut Anklage im Februar 2020 gegründet und in paramilitärischen Trainings auf den „Tag X“ vorbereitet. Insgesamt könnte die Gruppe an die 20 Mitglieder umfasst haben. (taz.de, 10.9.25)
Ob es im Zusammenhang mit den „Sächsischen Separatisten“ in Österreich noch weitere Anklagen gibt, ist derzeit unklar. Immerhin wurden im Forsthaus der Familie Schimanek an die 30 kg Munition gefunden. Das Forsthaus war in den Plänen der „Sächsischen Separatisten“ als Rückzugsort gedacht.
Griechenland: Frühzeitige Haftentlassung des Neonazi-Chefs
Der Gründer der neonazistischen Partei Goldene Morgenröte, Nikos Michaloliakos, der 2020 zu einer Haftstrafe von 13 Jahren und sechs Monaten verurteilt worden ist, wird jetzt unter Auflagen aus der Haft entlassen: „Die griechische Justiz habe dem Antrag auf Freilassung des 67-Jährigen Nikos Michaloliakos aus gesundheitlichen Gründen stattgegeben, berichtete die griechische Nachrichtenagentur ANA am Freitag. Michaloliakos wurde unter Hausarrest gestellt.“ (APA via sn.at, 13.9.25)
Es ist dies die bereits zweite Freilassung des Neonazi-Chefs aus der Haft. Eine erste Haftentlassung im Vorjahr wurde nach einem Monat wieder widerrufen.
Der Holocaust-Leugner Michaloliakos war 2020 nach einem Mammutprozess gegen die Goldene Morgenröte zu 13 Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden. Weitere führende Parteimitglieder wurden ebenfalls mit Gefängnisstrafen belangt. Mitglieder der Partei sind unter anderem für den Mord am linksgerichteten Rapper Pavlos Fyssas im Jahr 2013 verantwortlich — sowie für den Mord an einem pakistanischen Migranten im gleichen Jahr und für Prügelattacken auf ägyptische Fischer und kommunistische Gewerkschafter. (APA)
2020 wurde die gesamte Führungsspitze der „Goldenen Morgenröte“ zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Mittlerweile ist die Neonazi-Partei in etliche Nachfolgeorganisationen zersplittert, unter denen vor allem die Partei „Spartiates“relevant ist. Bei den Parlamentswahlen 2023 erreichten drei rechtsextreme Parteien insgesamt 13 Prozent der Stimmen.
Australien: Eingewanderter Neonazi hetzt gegen Migration
In einem ausführlichen Bericht widmet sich derstandard.at am 13.9.25 den jüngsten Eskapaden des Neonazi Thomas Sewell, Kapo des „National Socialist Network“ und der „European Australian Movement“. Am 2. September wurde Sewell verhaftet, nachdem er aus einer Gruppe heraus Aborigenes des Camp Sovereignty attackiert hatte.
Der aus Neuseeland zugewanderte Nazi hetzt nicht nur gegen Migrant*innen, sondern mit Vorliebe auch gegen die autochthone Urbevölkerung. In einer von über 140.000 Personen unterschriebenen Petition wird die Abschiebung von Thomas Sewell nach Neuseeland gefordert, was dort nicht auf Zustimmung stößt: „Neuseeland Premierminister Christopher Luxon erklärte zu der Angelegenheit jedoch, Sewell sei Australier. Er dürfte ‚ein ziemlich schreckliches menschliches Wesen sein‘, sagte Luxon. ‚Er ist australischer Staatsbürger, also lasse ich das einfach seinen Weg nehmen.‘“ (derstandard.at)
Am 12.9. ist Sewell zu 200 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt worden, weil er einen Polizeibeamten bedroht hatte. Sewell, der sich derzeit noch in Haft befindet und vor weiteren Anklagen steht, muss die gemeinnützige Arbeit nach Beendigung seiner Haftstrafen ableisten.
D: Correctiv-Recherche zum Potsdamer Treffen bestätigt
Nachdem die Recherche-Plattform Correctiv Anfang 2024 den Deportations-Masterplan von Rechtsextremen enthüllt hatte, die sich 2023 in einer Potsdamer Villa versammelt hatten (neben Martin Sellner war auch ein Kärntner Ehepaar vertreten), setzte nicht nur bei am Treffen Beteiligten, sondern auch bei einigen Medien und der AfD die große Distanzierung ein. „Dreckige Lüge“, nannte Beatrix von Stoch die Enthüllungen, die „Neue Zürcher Zeitung“ äußerte starke Zweifel an der Recherche und kritisierte jene Medien, die sie bestätigten, und schließlich stellte „Die Zeit“ nach einem Jahr Anfang 2025 mit vielen Fragen die Correctiv-Recherche so in Frage, dass sich die Rechten in ihren Dementis der Enthüllungen noch einmal bestätigt sahen.
Nun hat ein Teilnehmer des Potsdamer Treffens, Erik Ahrens, in einer eidesstattlichen Erklärung bestätigt, dass bei dem Treffen über die massenhafte Deportation, auch von Staatsbürger*innen, gesprochen worden sei:
Ahrens, früher Social-Media-Berater von AfD-Politiker Maximilian Krah, gab an, dass Sellner in Potsdam sehr wohl über deutsche Staatsbürger gesprochen habe. Diese „nicht-assimilierten” Personen seien „das größte Problem”, so Sellner laut Ahrens. Diese müsse man durch „maßgeschneiderte Gesetze” und hohen Assimilations- und Anpassungsdruck dazu bewegen, das Land zu verlassen. Die Remigration sei ein „Jahrzehnte-Projekt”, soll Sellner laut Ahrens gesagt haben. (derstandard.at, 10.9.25)
Brasilien: 327 Monate Haft für den rechtsextremen Ex-Präsidenten
Vier von fünf Richtern des obersten Gerichtshofes haben den früheren Präsidenten Brasiliens, Jair Bolsonaro, am 11. September für schuldig befunden, einen Staatsstreich geplant zu haben. Der Schuldspruch ist mit einer Haftstrafe von 27 Jahren und drei Monaten verbunden, kann allerdings noch beeinsprucht werden.
Es ist das erste Mal in der Geschichte des südamerikanischen Landes, dass ein Ex-Präsident wegen eines mutmaßlichen Umsturzversuchs verurteilt wird. Anhänger des Rechtspopulisten hatten im Januar 2023 den Regierungssitz in Brasília gestürmt, um einen Militärputsch auszulösen. Ziel sei es gewesen, einen Ausnahmezustand zu verhängen und Neuwahlen durchzusetzen – allerdings habe Bolsonaro die Unterstützung der Militärführung nicht gewonnen. (spiegel.de, 12.9.25)
Mit dem Staatsstreich sollte der Amtsantritt des neu gewählten linken Präsidenten Lula da Silva, auf den mit Bolsonaros Wissen ein Attentat geplant gewesen sei, verhindert werden.
Neben Bolsonaro wurden mehrere hochrangige Militärs und ehemalige Kabinettsmitglieder verurteilt, darunter Ex-Verteidigungsminister Paulo Sérgio Nogueira, Marinechef Almir Garnier und Bolsonaros damaliger Sicherheitsberater Augusto Heleno. Ihnen wurden unter anderem versuchter Staatsstreich, Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung und die Beschädigung denkmalgeschützter Gebäude zur Last gelegt. (spiegel.de)
Auch die Strafzölle und die massiven Drohungen des US-Präsidenten Trump konnten den Schuldspruch nicht verhindern:
Der US-Präsident zog Parallelen zu den Gerichtsverfahren, die in den vergangenen Jahren gegen ihn geführt worden waren. »Das ist so ähnlich, wie sie es mit mir versucht haben, aber sie sind nicht damit durchgekommen«, sagte er. In Wahrheit gab es bei den Vorgängen in Brasília durchaus Parallelen zum Sturm auf das US-Kapitol zwei Jahre und zwei Tage zuvor. (spiegel.de)
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