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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 4 Minuten

FPÖ NÖ (Teil II): Eine rechte Vorgeschichte

Die FPÖ NÖ hat in den ver­gan­ge­nen Jah­ren schon eini­ges an kri­mi­nel­len und rechts­extre­men Akti­vi­tä­ten in ihren Rei­hen erlebt. Eine Lis­te wie die für die Land­tags­wahl 2023, die nur so strotzt vor Kandidat*innen, die in der Ver­gan­gen­heit schon deut­lich auf­fäl­lig gewor­den sind, ist jedoch ein Novum. Es lohnt sich trotz­dem, zunächst einen Blick zurück zu machen.

19. Jan. 2023

Blauer Mandatar im Häfn 

Der nie­der­ös­ter­rei­chi­sche Land­tag hat schon zwei blau­en Klub­ob­leu­ten das Aus­kom­men trotz Ver­ur­tei­lung gesi­chert. Der ers­te war Bern­hard Grat­zer, Lan­des­par­tei­ob­mann der FPÖ NÖ zwi­schen 1992 und 1998. Er war ab 1993 auch Klub­ob­mann der FPÖ im Land­tag, trat im Gefol­ge der FPÖ-Affä­re Rosen­stingl von sei­nem Man­dat zurück, wur­de ver­haf­tet, nach zwei Wochen frei­ge­las­sen, trat von sei­nem Man­dats­ver­zicht zurück, wur­de aus der FPÖ aus­ge­schlos­sen und übte nach sei­ner Ver­ur­tei­lung (drei Jah­re teil­be­dingt) sein Man­dat als wil­der Abge­ord­ne­ter bis 2003 als Frei­gän­ger aus der Zel­le der Jus­tiz­an­stalt Sim­me­ring aus.

Doppelt blauer Mandatar mit Wiederbetätigung

In Nie­der­ös­ter­reich geht es auch, dass Mar­tin Huber, eben­falls FPÖ-Klub­ob­mann im Land­tag, aller­dings nur zwi­schen März 2018 und Sep­tem­ber 2019, sein Man­dat trotz Ver­ur­tei­lung wegen NS-Wie­der­be­tä­ti­gung bis zum Ende der Legis­la­tur­pe­ri­ode, also bis jetzt, aus­üben kann. Gegen das Urteil (zwölf Mona­te bedingt) im August 2020 leg­te Huber zwar Beru­fung und Nich­tig­keits­be­schwer­de ein, das Urteil wur­de also nicht sofort rechts­kräf­tig, wir haben aller­dings bis heu­te kei­nen Hin­weis dar­auf gefun­den, dass Huber mit sei­nen Ein­sprü­chen Erfolg gehabt hät­te. Der nie­der­ös­ter­rei­chi­sche Land­tag hat sich allem Anschein nach ohne Pro­test damit abge­fun­den, dass ein wegen NS-Wie­der­be­tä­ti­gung Ver­ur­teil­ter in sei­nen Rei­hen tätig ist.

Dass Huber nach der Teil­nah­me an einer Coro­na-Demo im März 2021 mit über einer Pro­mil­le Alko­hol im Blut am Steu­er erwischt wur­de und den Füh­rer­schein abge­ben muss­te, war dann auch nur mehr ein blau­er Drüberstreuer.

Blauer Mandatar mit zwei Jahren bedingt

Wolf­gang Haber­ler war annä­hernd zehn Jah­re FPÖ-Land­tags­ab­ge­ord­ne­ter in NÖ, aller­dings nicht Klub­ob­mann. Sowohl vor sei­ner Tätig­keit im Land­tag als auch danach war Haber­ler rechts­extrem auf­fäl­lig . Wäh­rend er im Land­tag werk­te, bas­tel­te er sich einen gefälsch­ten Vater­schafts­test, wodurch er im Zug der Ermitt­lun­gen gegen ihn im Herbst 2002 sein Man­dat und die FPÖ-Mit­glied­schaft zurück­leg­te und 2004 bzw. 2005 rechts­kräf­tig zu zwei Jah­ren beding­ter Haft (wegen ver­such­ten schwe­ren Betrugs) ver­ur­teilt wurde.

Blaue Mandatar*innen als Rechtsausleger

Neben den schon genann­ten Man­da­ta­ren der FPÖ sei noch an Ilse Hans und Hans Jörg Schi­ma­nek sen. erin­nert, die bei­de nicht nur im nie­der­ös­ter­rei­chi­schem Land­tag die FPÖ ver­tra­ten, son­dern sich im Ver­ein „Forum für ein huma­nes und demo­kra­ti­sches Straf­recht und zur Erhal­tung der Men­schen­rech­te (FSM)“ auf­op­fernd um die inhaf­tier­ten Neo­na­zis der VAPO des Gott­fried Küs­sel geküm­mert haben.

Alo­is Preiszler (Woh­nungs­nach­bar von Peter Bin­der) und Edwin Ram­bos­sek küm­mer­ten sich um die rechts­extre­me Kame­rad­schafts­sze­ne (K IV, Kame­rad­schaft Prinz Eugen) und Bar­ba­ra Rosen­kranz, die für zwei Jah­re (2000–2002) als FPÖ-Klub­ob­frau im NÖ-Land­tag fun­gier­te, haben wir in zahl­rei­chen Bei­trä­gen wegen ihrer rechts­extre­men Posi­tio­nen hin­läng­lich beschrieben.

Das ist ein Blick in die Ver­gan­gen­heit der FPÖ Nie­der­ös­ter­reich. Da sich die FPÖ aber angeb­lich per­ma­nent häu­tet und neu erfin­det, reicht das nicht. Wir müs­sen uns wohl noch etwas inten­si­ver mit der „neu­en“ FPÖ NÖ, ihrem Wahl­vor­schlag für die Land­tags­wahl 2023 befas­sen. Wobei der nicht wirk­lich neu ist, denn von den bis­he­ri­gen Mandatar*innen ver­las­sen nur drei den FPÖ-Klub. Dass zwei davon die ein­zi­gen Frau­en des alten Klubs sind, passt per­fekt zum viri­len Selbstverständnis.

Einfach blau!

Der drit­te Man­da­tar, der nicht mehr im neu­en Klub ver­tre­ten sein wird, ist der stell­ver­tre­ten­de Klub­ob­mann, Erich Königs­ber­ger.

Nach einer Kon­fe­renz der frei­heit­li­chen Klub­ob­leu­te, an der auch Bun­des­par­tei­ob­mann Stra­che teil­ge­nom­men hat, wur­de, so „heu­te“ vom 30.9., das eine oder ande­re Glas geho­ben. Ver­mut­lich nicht nur von Erich Königs­ber­ger, aber der hat­te jeden­falls ziem­lich voll getankt. Das fiel einer Poli­zei­strei­fe auf, die ihn stopp­te und ins Röhr­chen bla­sen ließ: „Der Vor­test ließ die Zwei-Pro­mil­le-Gren­ze hin­ter sich, einen wei­te­ren Test ver­wei­ger­te der Man­da­tar“ (heu­te, 30.9.2016). Der blaue Ver­kehrs- und Sicher­heits­spre­cher war zuvor durch merk­wür­di­ge Fahr­be­we­gun­gen auf­ge­fal­len: „Auf der Donau­brü­cke bei Krems erwisch­te Königs­ber­ger die rich­ti­ge Fahr­bahn nicht mehr und ver­such­te die Brü­cke mit dem Auto auf dem schma­len Rad­weg zu über­que­ren. („Der Stan­dard“, 1.10.2016)

Hat ihm nicht wirk­lich gescha­det, bloß sei­ne Funk­ti­on als Sicher­heits- und Ver­kehrs­spre­cher war weg. Stell­ver­tre­ten­der Klub­ob­mann durf­te er bis zuletzt blei­ben – und jetzt ist sowie­so Schluss mit jeg­li­cher Distan­zie­re­rei. Dazu bald mehr in Teil III.

➡️ FPÖ NÖ (Teil I): Viel Exe­ku­ti­ve, kaum Frauen
➡️ FPÖ NÖ (Teil III): Eine sehr extre­me Liste

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