Das Corona-Protestbusiness: Konstruktionen zwischen Spenden, Schenkungen und Gadgets (Teil 2)

Die Kon­struk­tio­nen, über die bei den Coro­na-Protesten Gelder gesam­melt wer­den, haben eines gemein­sam: Sie geben an, parteipoli­tisch unab­hängig bzw. über­haupt gle­ich unpoli­tisch zu sein, sie sind undurch­sichtig und machen – wenn über­haupt – höch­stens grobe Ziele der Sam­me­lak­tio­nen bekan­nt. Es sind Vere­ine, die schnell gegrün­det wur­den, Fir­men, die genützt wer­den, Pri­vat­per­so­n­en, die ein­fach meinen, für ihre Aktiv­itäten Geld zu benöti­gen – und sei es, um den eige­nen Leben­sun­ter­halt finanzieren zu lassen. Rechen­schafts­berichte über die Ver­wen­dung von gesam­melten Geldern gibt es (noch?) keine.

Teil 2: Gold­gräber­stim­mung in der Szene – Vere­ine, Anwälte und Ärzte

Die rechte bzw. recht­sex­treme Szene nützt die Coro­na-Proteste nicht nur dazu, um mit ihren alten Inhal­ten und Zie­len anzu­dock­en, son­dern auch, um Ein­nah­men zu lukri­eren. Auf der Ein­nah­me­front geht’s jedoch hart her, denn da sind auch jede Menge Einzelper­so­n­en und Grüp­pchen an Bord, die eine Art von Gold­gräber­stim­mung aus­nützen, um zu Geld zu kom­men – alle­samt natür­lich nur, um „das Volk“ aus den mul­ti­plen Fes­seln der „Coro­na-Dik­tatur“ zu befreien. Auf ein­er öster­re­ichis­chen Ver­net­zungsweb­site sind alleine in der Rubrik „Telegram Grup­pen“ bis­lang 73 Grup­pen und Einzelper­so­n­en gelis­tet – die meis­ten aus Öster­re­ich, aber auch einige der Ver­schwörungs­granden aus dem restlichen deutschsprachi­gen Raum.

Auszug von 73 Gruppen beim "Coronatreff": Rutter, Sellner, Ehrlich, Wochenblick

Auszug von 73 Grup­pen beim „Coro­na­tr­e­ff”: Rut­ter, Sell­ner, Ehrlich, Wochenblick

Da find­en sich dann die Iden­titären friedlich neben QAnon, den „Recht­san­wäl­ten für Grun­drechte“ oder den Eltern, die „auf­ste­hen“. Spenden (oder auch Schenkun­gen) sam­meln sie fast alle – freilich unter ver­schiede­nen Kon­struk­tio­nen. Hier einige der Mod­elle exemplarisch.

Der Vere­in

Haben Sie schon ein­mal von der „nature-culture.academy“ gehört? Die wurde mit Adresse in Bre­genz und dem Unter­ti­tel „Kul­turvere­in zur Förderung der natür­lichen Gesund­heit­spflege“ 2020 gegrün­det und hat die „Forschung“ und „Bil­dung“ zum Ziel: Die möglichst Natur-nahe Gesund­heits­förderung wird erforscht; es ist die Bemühung um neue nachvol­lziehbare Erken­nt­nis.“, heißt es auf der Web­site. Und wie wird „geforscht“? „Die Forschungsergeb­nisse aus den Erleb­nis­sen und Erfahrun­gen soll allen Inter­essierten zur Ver­fü­gung gestellt wer­den.“ – aus den Erleb­nis­sen und Erfahrun­gen also! Forschungsergeb­nisse sind auf der acad­e­my-Web­site noch nicht zu find­en, aber vielle­icht hat das damit zu tun, dass auch kein einziges der Sem­i­nare, die als Vere­in­sak­tiv­ität stat­tfind­en sollen, auf der Web­site zu find­en ist.

nature-culture.academy: Forschung, Bildung, Natur-nahe Gesundheitsförderung ...

nature-culture.academy: Forschung, Bil­dung, Natur-nahe Gesundheitsförderung …

Dafür wird bre­it­er aus­ge­führt, was für Vere­ins­mit­glieder geboten wird: Mit ein­er „Basis-Mit­glied­schaft“ um 45€/Jahr kann man bei „inter­nen Sem­i­naren“ kosten­los dabei sein, mit der „Stan­dard-Mit­glied­schaft“ um 90€ gibt’s dann eine Ermäßi­gung bei „beitragspflichti­gen Sem­i­naren und Pro­jek­ten“. „Die Kosten­er­mäßi­gun­gen sind spez­i­fisch“, ist auf der Web­site noch zu erfahren.

Mitgliedschaft in der nature-culture.academy: Basis, Standard und Mitgliedsausweis

Mit­glied­schaft in der nature-culture.academy: Basis, Stan­dard und Mitgliedsausweis

Her­vorge­gan­gen ist der Vere­in aus „Quer­denken in Öster­re­ich“, da von der Vorarl­berg­er Abteilung. Nach­dem Michael Ball­weg „Quer­denken“ marken­rechtlich schützen ließ, war es möglicher­weise notwendig, auf eine andere Kon­struk­tion auszuwe­ichen, um selb­st Spenden sam­meln zu können.

Spendenaufruf für "Querdenken" an die "nature-culture.academy"

Spende­naufruf für „Quer­denken” an die „nature-culture.academy”

Die Anwälte

Schon sehr früh bei den Coro­na-Protesten trat­en diverse Juris­ten, darunter auch Anwälte aufs Spielfeld – die spie­len im Rah­men der Proteste auch eine zen­trale Rolle; bei der sog. „Coro­na-Quer­front“, um die sich die Küs­sel-Jünger scharen, ist über den im Hin­ter­grund ste­hen­den Vere­in Iuvalex der Jurist und ehe­ma­lige Recht­san­walt Har­ald Schmidt Obmann – seine Vorgeschicht­en wür­den ein eigenes Buch füllen. „Recht­shil­fe“, für die naturgemäß auch Spenden gesam­melt wer­den, war vom Anfang weg ein wesentlich­er Punkt der Front von Recht­saußen – zumin­d­est auf deren Website.

"Iuvalex" sammelt Spenden

„Iuvalex” sam­melt Spenden

„Soll­ten Sie im Zusam­men­hang mit den Coro­n­aver­fü­gun­gen der Bun­desregierung eine Strafver­fü­gung bekom­men haben, dann bezahlen Sie nicht, son­dern set­zen sich mit uns in Verbindung. Erfahrene Juris­ten wer­den Ihnen bera­tend kosten­frei zur Seite ste­hen!“, ver­laut­baren die Rechts­frontler auf ihrer Website.

Erfahrene Juristen" beraten bei "Corona-Querfront"

Erfahrene Juris­ten” berat­en bei „Coro­na-Quer­front”

Das kosten­freie Ange­bot durch „erfahrene Juris­ten“ scheint sich jedoch nur mar­gin­al herum gesprochen zu haben, denn son­st wäre es kaum zu erk­lären, dass Per­so­n­en aus den Demo-Grup­pen, die eine Strafe kassiert haben, für Anwalt­skosten Geld sammeln.

Schenkungen für Elias M.: "Getroffen hat es einen, aber gemeint sind wir alle"; "Schenkungen" per Überweisung oder "bar vor Ort§ (Aufruf auf Telegram Martin Rutter)

Schenkun­gen für Elias M.: „Getrof­fen hat es einen, aber gemeint sind wir alle”; „Schenkun­gen” per Über­weisung oder „bar vor Ort§ (Aufruf auf Telegram Mar­tin Rutter)

Auf der juris­tis­chen Seite tum­meln sich weit­ere Grup­pen: „Schadenser­satzk­la­gen Öster­re­ich“ für Unternehmer, die Klage gegen die Repub­lik ein­re­ichen wollen und deren Telegram Kanal fast auss­chließlich aus Mel­dun­gen aus der Gruppe „Recht­san­wälte für Grun­drechte“ gespeist ist. Auch die Mit­glieder der Gruppe „Außer­par­la­men­tarisch­er Coro­na Unter­suchungsauss­chuss (ACU)“ sind vielfach deck­ungs­gle­ich mit den Recht­san­wäl­ten für Grun­drechte. ACU bietet ein For­mu­lar für die Beteili­gung an ein­er Amt­shaf­tungsklage gegen die Repub­lik an. Genaueres ist nicht zu lesen, nur: Wenn Sie sich als Geschädigte oder Geschädigter an ein­er solch­er Klage beteili­gen möcht­en, bieten wir Ihnen an, sich in das nach­ste­hen­den [sic!] For­mu­lar (unverbindlich) einzu­tra­gen. Wir wer­den Sie dann zur gegebe­nen Zeit kontaktieren.“

ACU ruft zur Sammelklage auf

ACU ruft zur Sam­melk­lage auf

Ihre deutsche juris­tis­che Kol­le­gen­schaft, die etwa unter „Klagepat­en“ fir­miert und der Recht­san­walt Fuellmich sind bere­its ins Kreuzfeuer der Plat­tform netzpolitik.org ger­at­en, die selt­same, intrans­par­ente Geld­flüsse und frag­würdi­ge Spenden­tricks ortet.

Der Arzt und das Attest-Geschäftsmodell

Leg­endär gewor­den ist bere­its der inzwis­chen unfrei­willig nicht mehr prak­tizierende Arzt Peer Eifler: Der hat­te rei­hen­weise Blanko-Atteste aus­gestellt, die eine Befreiung von der Pflicht, einen Mund-Nasen-Schutz zu tra­gen, bewirken sollte. 30 Euro pro Befreiung hat­te Eifler dafür ver­langt, zehn seien es nach Eiflers Aus­sage gewe­sen – wie viel er darüber ein­genom­men hat, darüber schweigt sich der medi­zinis­che Super­star der öster­re­ichis­chen Pandemieleugner*innen aus. Er habe „mehrere hun­dert Atteste pro Woche“ (steiermark.orf.at , 3.9.20) aus­gestellt, woraus zu schließen ist, dass er auch mehrere Tausend Euro pro Woche ein­genom­men hat.

Peer Eifler: "Ich war ein Guru"

Peer Eifler: „Ich war ein Guru”

Der „Guru“, über den die Ärztekam­mer ein Berufsver­bot ver­hängt hat, sam­melt für sich Spenden bzw. lässt für sich sam­meln – organ­isiert etwa von Recht­san­walt Gerold Bened­er, der fed­er- und wort­führend bei den „Anwäl­ten für Grun­drechte“ tätig und als Pan­demieleugn­er („wir haben eine Test­pan­demie“) gern gese­hen­er Gast bei diversen Protestver­anstal­tun­gen ist.
Herr Dr. Eifler ist Mikrobenkri­tik­er der ersten Stunde.
Für seinen juris­tis­chen Kampf benötigt er nun drin­gend Ihre Unterstützung!
Es möge die Wahrheit und das Licht siegen.“,
ist auf der Kam­pag­nen­seite für Eifler zu lesen. Fast 16.000€ sind bere­its für den „Mikrobenkri­tik­er“ nur über diese Spenden­seite geflossen.

"Hilfe für Dr. Eifler", organisiert von RA Beneder

„Hil­fe für Dr. Eifler”, organ­isiert von RA Beneder

Eifler lässt jedoch nicht nur Bened­er sam­meln, son­dern organ­isiert auch selb­st eine Kam­pagne für eine „Sam­melk­lage gegen Maskenpflicht plus Klage ÄK“. Da wer­den Kla­gen gegen alles und alle angekündigt: „Maskenpflicht und Fes­ti­gung des Recht­es auf freie Entschei­dung bez.Impfen inkl, Erar­beitung eines juridisch halt­baren Imp­fun­verträglichkeit­sat­testes. Wir wollen auch weit­er gehen und die Ver­ant­wortlichen zur Rechen­schaft ziehen
Ärztkam­mer, Poli­tik­er, Mit­täter = Mitläufer“ (Fehler im Original)

Beneder/Eifler: "Sammelklage Maskenpflicht plus Klage ÄK"

Beneder/Eifler: „Sam­melk­lage Maskenpflicht plus Klage ÄK”

Ein ein­träglich­es Geschäft: Mehr als 40.000€ sind hier bere­its reingekom­men. Wie viel von den gesamt fast 57.000 Euro Eifler erhält, wie viel Bened­er (oder andere), ist – wenig erstaunlich – nicht angeführt.

Teil 3 wird sich mit dem Mod­ell des Einzelkämpfers beschäfti­gen, der unter einem ver­meintlichen Grup­pen­na­men um Spenden keilt.

➡️ Das Coro­na-Protest­busi­ness: Kon­struk­tio­nen zwis­chen Spenden, Schenkun­gen und Gad­gets. Teil 1: Der Friede und das Busgewerbe
➡️ Das Coro­na-Protest­busi­ness (Teil 3): Der Einzelkämpfer von QAnon Austria
➡️ Das Coro­na-Protest­busi­ness (Teil 4): eine Fir­ma für Selbstmarketing