Das Corona-Protestbusiness (Teil 3): Der Einzelkämpfer von QAnon Austria

K.K. erk­lärte auf seinen mit „QAnon Aus­tria“ betitel­ten Kanälen immer wieder treuherzig, er sei ohne Einkom­men – sprich: Er geht kein­er Beschäf­ti­gung nach – und lebe von den Spenden, die ihm seine-Anhänger*innen zukom­men lassen. Dann hat­te er auch noch einen Prozess am Hals – weil er als QAnon Gesicht gezeigt habe, wie er meinte. Tat­säch­lich war alles ganz anders.

Seit er mit all seinen Accounts von Face­book raus­ge­flo­gen ist, postet „Anon K.“ wie so viele Rechte und Irren auf Telegram. Über den ganzen Tag hin­weg ver­sorgt er seine Abonnent*innen – das sind immer­hin knapp 11.500 – fast auss­chließlich mit zusam­menkopierten oder aus anderen ver­schwörungside­ol­o­gis­chen und recht­sex­tremen Kanälen (wie etwa Wochen­blick, Info-Direkt) weit­ergeleit­eten Nachricht­en. Sein Marken­ze­ichen: jede Menge Emo­jis. Und er sam­melt Spenden. Weil er, der in Öster­re­ich geborene Kroate, sich nun für Öster­re­ich opfert.

QAnon Austria FB-Seite mit 7.192 Fans und 9.5.82 Abonnent*innen (August 2020)

QAnon Aus­tria FB-Seite mit 7.192 Fans und 9.582 Abonnent*innen (August 2020)

Seinen aufopfer­ungsvollen Kampf führt er seit Beginn der Coro­na-Maß­nah­men­proteste. Vorher – noch einige Monate fern von QAnon und Coro­na – hat­te er unter dem Pseu­do­nym Kiki K. auf YouTube mar­tialisch angekündigt, endlich seinen Mund aufzu­machen: „Also abon­niert meinen Kanal und ver­bre­it­et die Scheiße!“ Das dürfte nicht so geklappt haben, denn ganze 31 Abon­nen­ten sind Kikis Aufruf gefolgt.

Realtalk auf YouTube mit Kiki K.

Realtalk auf YouTube mit Kiki K.

In der ersten Folge seines „Realtalks“ erzählt Kiki seine „Knast­sto­ry“, von sein­er Flucht, die ihn zwei Jahre lang von Niederöster­re­ich bis nach Her­nals geführt habe, von der Ver­haf­tung nach einem Ver­rat und seinen Aben­teuern im „Häfn“, vor allem jenes mit dem „Rotlichtkönig“, dem „kor­rek­testen Men­schen dieser Welt“. Der Sinn seines Talks, so Kiki, sei den Men­schen zu helfen, indem er, der geläuterte Ex-Hooli­gan, der niemals eine Frau schla­gen würde (was Kiki verdächtig oft betont), erzählt, wie das Leben so ist. In ein­er Folge ver­rät Kiki auch, dass er einen Brud­er hat­te, der 2016 in Suben ver­stor­ben sei. Und dass sein Vater 2005 ver­stor­ben sei, als er, Kiki, ger­ade in Haft war. Diese Ver­sion hat er später doch deut­lich abgewandelt.

Realtalk mit Kiki K.: Zum Schluss 31 Abonnenten und 0 Kommentare

Realtalk mit Kiki K.: Zum Schluss 31 Abon­nen­ten und 0 Kommentare

Nach nur drei Fol­gen und kein­er Res­o­nanz war Kikis Realtalk schon wieder vor­bei, und er hat sich eine neue Mis­sion gesucht, näm­lich über „QAnon Aus­tria“ als „Anon K.“ die Wahrheit zu ver­bre­it­en und Öster­re­ich vor dem Krieg zu ret­ten. Und um Geld zu keilen. Das ist ihm über eine Face­book-Bekan­ntschaft auch gelun­gen: Eine Frau hat­te ihm Geld geliehen. Da er die Rück­zahlung nur teil­weise geleis­tet hat­te, stand er wegen Betrugs am 29. Jän­ner vor Gericht. Auch wegen eines Face­book-Post­ings und wegen ille­galen Waf­fenbe­sitzes. Er hat­te einen Schlag­stock („Totschläger“) erstanden, obwohl gegen ihn auf­grund sein­er Vorstrafen ein Waf­fen­ver­bot aufrecht war. Seine Aktiv­itäten als „QAnon Aus­tria“ waren ein nicht prozess­rel­e­vantes Randthema.

Verhandlungskalender Wr. Neustadt: "Vergehen der Gutheißung mit Strafe bedrohter Handlungen nach § 282 Abs 2 StGB u.a. Del.

Ver­hand­lungskalen­der Wr. Neustadt: „Verge­hen der Gutheißung mit Strafe bedro­hter Hand­lun­gen nach § 282 Abs 2 StGB u.a. Del.”

Im Vor­feld hat­te K. einige Spende­naufrufe getätigt:

📢 Liebe Kämpferin­nen & Kämpfer für die #WAHRHEIT für das #GUTE, das Jahre­sende rückt immer näher und alles wird ver­rück­ter & ver­rück­ter
(…) Ich hab mich dazu entsch­ieden ein Mach­er zu sein und deswe­gen tue ich das was ich tue
✊✊
Ich hab durch meine Aufk­lärungsar­beit Prob­leme mit dem Ver­fas­sungss­chutz und Ter­ror­is­mus­bekämp­fung bekom­men und habe die Hauptver­hand­lung am Fre­itag, 8. Jän­ner 2021 um 14 Uhr im Lan­des­gericht Wiener Neustadt [Ver­hand­lung fand dann tat­säch­lich am 29.1. statt; SdR].
Der Strafantrag der Staat­san­waltschaft Wiener Neustadt begin­nt so:
„ZUR LAST: K.K. hat am 12.7.2020 in Gun­trams­dorf dadurch, dass er als Betreiber der Face­book Telegram Gruppe „Qanon Aus­tria“ für zumin­d­est 4.460 Per­so­n­en als Mit­glieder und eine weit­ere unbes­timmte Anzahl sämtlich­er Facebooknutzer … ”
Ich muss meinen Anwalt bezahlen für die weit­eren Schritte, jedoch bin ich Coro­na bed­ingt Arbeit­s­los und Rück­la­gen sind für die Beerdi­gung meines Vaters, 3/4 Jahr später, für die Beerdi­gung meines Brud­ers drauf gegangen.
Er möchte, zurecht, entschädigt wer­den für seine Arbeit und dafür brauche ich euch
🙏✊

Schade, dass „Anon K.“ nur den Anfang des Strafantrags veröf­fentlicht hat und nicht die Fort­set­zung, wo es um das Post­ing und dessen ev. Strafge­halt, um Betrug und um ille­galen Waf­fenbe­sitz gegan­gen ist. Das hätte aber nicht so gut in K.s Erzäh­lung gepasst, auch nicht, dass er bei seinen früheren Spende­naufrufen noch nichts von ein­er „Coro­na bed­ingten“ Arbeit­slosigkeit erzählt hat, son­dern nur, dass er beschäf­ti­gungs­los sei. Aber wer gegen die Coro­na-Dik­tatur in den Krieg zieht, muss auch deren Opfer sein, das verkauft sich bess­er. Zwei Beerdi­gun­gen sind auch noch flugs hinzu gekom­men, die, wie er in seinem Kiki-„Realtalk“ ver­rat­en hat­te, aber bere­its 2005 und 2016 stattge­fun­den haben müssten.

K. hat für den Betrug und den Waf­fenbe­sitz drei Monate bed­ingt erhal­ten, für sein Post­ing wurde er, weil es nach dem § 282 angeklagt war, der der Rich­terin wenig geläu­fig und aus ihrer Sicht nicht zutr­e­f­fend war, freigesprochen.

Und nun postet K. alias „QAnon Aus­tria“ glück­licher­weise fleißig weit­er, denn son­st wür­den wir doch nie erfahren, dass George Soros und Hillary Clin­ton hin­ter dem jüng­sten Mil­itär­putsch in Myan­mar steck­en oder dass deutsche Non­nen in Köln Waisenkinder an Geschäft­sleute für Sex­orgien ver­mi­eten würden.

QAnon Austria: Militärputsch Myanmar: Verbindungen zu Soros und Clinton

QAnon Aus­tria: Mil­itär­putsch Myan­mar: Verbindun­gen zu Soros und Clinton

QAnon Ausria: Deutsche Nonnen vermieten Waisenkinder

QAnon Aus­ria: Deutsche Non­nen ver­mi­eten Waisenkinder

Ob K. selb­st an seine via Social Media ver­bre­it­eten Wahnsin­nigkeit­en glaubt oder nur ein Geschäftsmod­ell daraus gemacht hat, kön­nen wir nicht sagen. Das jedoch schon: Noch wahnsin­niger sind jene, die ihn als ver­meintlich­es poli­tis­che Opfer ernst nehmen und Geld überweisen.

P.S.: K.s Anwalt war ein­er jen­er, der auch gegen die Coro­na-Dik­tatur kämpft und für diese Mis­sion – was son­st? – Spenden keilt …

Danke an Markus Sulzbach­er für die Recherchehilfen!

K. bedankt sich bei Spender*innen

K. bedankt sich bei Spender*innen

➡️ Das Coro­na-Protest­busi­ness: Kon­struk­tio­nen zwis­chen Spenden, Schenkun­gen und Gad­gets. Teil 1: Der Friede und das Busgewerbe
➡️ Das Coro­na-Protest­busi­ness: Kon­struk­tio­nen zwis­chen Spenden, Schenkun­gen und Gad­gets. Teil 2: Gold­gräber­stim­mung in der Szene – Vere­ine, Anwälte und Ärzte
➡️ Das Coro­na-Protest­busi­ness (Teil 4): eine Fir­ma für Selbstmarketing

K. faket den Grund für seinen Prozess: "Ich hab durch meine Aufklärungsarbeit Probleme mit dem Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung bekommen ..." (TG 4.1.21)

K. faket den Grund für seinen Prozess: „Ich hab durch meine Aufk­lärungsar­beit Prob­leme mit dem Ver­fas­sungss­chutz und Ter­ror­is­mus­bekämp­fung bekom­men …” (TG 4.1.21)

K. erklärt, warum er vor Gericht steht: "Weil ich QAnon Austria bin und mein Gesicht zeige"

K. erk­lärt, warum er vor Gericht ste­ht: „Weil ich QAnon Aus­tria bin und mein Gesicht zeige”