Wiener Akademikerbund (Teil 4): Der wissenschaftliche Direktor des Hirngespinstes

Mit der Ide­olo­gie und eini­gen Vor­tra­gen­den des Wiener Akademiker­bun­des (WAB) haben wir uns schon in den bish­eri­gen Beiträ­gen auseinan­derge­set­zt. Aber wer sind die Per­so­n­en, die den Vere­in repräsen­tieren, die die Öffentlichkeit­sar­beit machen, die Vor­tra­gen­den ein­laden, als Red­ner des WAB bei recht­sex­tremen Kundge­bun­gen auftreten? Das Vere­in­sreg­is­ter gibt da nur bed­ingt Auskun­ft, denn die Per­son, die den WAB nicht nur repräsen­tiert, son­dern auch betreibt, wird da nicht genan­nt: Chris­t­ian Zeitz.

Im aktuell­sten Vere­in­sreg­is­ter­auszug wer­den für den Wiener Akademiker­bund Per­so­n­en genan­nt, deren Funk­tion­spe­ri­ode eigentlich schon längst abge­laufen ist. Aber das ist nicht unser Prob­lem. Karl Bohatsch, der sich aber lieber „Charles“ nen­nt, wird da als Obmann genan­nt. Bohatsch, der früher ein­mal Redak­teur bei ORF und pro­fil und dann Mitar­beit­er im Büro von Lan­deshaupt­mann Erwin Pröll war, darf manch­mal bei Ver­anstal­tun­gen des WAB begrüßen, eröff­nen und auch die Diskus­sion mod­erieren. Seinen ide­ol­o­gis­chen Kos­mos, der geprägt ist vom Ver­dacht der Umw­er­tung aller Werte, hat das DÖW mit einem Zitat aus dem „Eckart“ ziem­lich gut umrissen.

Seine erste Stel­lvertreterin ist Elis­a­beth Saba­ditsch-Wolff. Sie hät­ten wir eher bei der FPÖ bzw. beim Frei­heitlichen Bil­dungsin­sti­tut (FBI) ver­mutet, wo sie als Ref­er­entin auf­trat und wegen ihrer Aus­sagen dort zum Islam in einem Strafver­fahren verurteilt wurde (wegen Her­ab­würdi­gung religiös­er Lehren). Von „Stoppt die Recht­en“ hat sie wegen ihrer Beziehung zum Blog „save free speech“, den der recht­sex­treme Ter­ror­ist und Massen­mörder Breivik lobend erwäh­nt hat, eine Gegen­darstel­lung ver­langt, auf die wir heute noch stolz sind. Im Dezem­ber 2017 durfte sie beim WAB referieren zum The­ma „Der Kampf um die Wahrheit und die Lügen der OSZE“. Da sprach sie als Vertreterin des Vere­ins „Bürg­er­be­we­gung Pax Europa“, der von seinem Grün­der, dem mit­tler­weile ver­stor­be­nen sehr recht­en Pub­lizis­ten Udo Ulfkotte, wegen dessen zunehmend extrem­istis­chen Kurs­es ver­lassen wurde. Sie passt also ganz gut zum WAB.

So auch der rang­mäßig als zweit­er Stel­lvertreter nachgerei­hte Markus Franz, der sich aber lieber Mar­cus schreibt und auf eine kurze und wech­sel­hafte poli­tisch-par­la­men­tarische Kar­riere ver­weisen kann, die ihn vom Team Stronach zur ÖVP führte und nach seinem Auss­chei­den dort kurz zum wilden Abge­ord­neten machte. Im Juli 2020 sprach er beim WAB über Coro­na. Ob er dem doch etwas älteren Pub­likum auch seine begeis­terten Aus­las­sun­gen über die Triage vor­ge­tra­gen hat? Der homo­phobe Pri­mararzt im Ruh­e­s­tand passt jeden­falls auch son­st bestens zum WAB.

Die restlichen im Vere­in­sreg­is­ter erwäh­n­ten Vor­standsmit­glieder ers­paren wir uns. Der wichtig­ste Mann ist nicht dabei: Chris­t­ian Zeitz. Er hat gemein­sam mit dem mit­tler­weile ver­stor­be­nen Obmann Josef Müller die Auseinan­der­set­zun­gen mit der früheren Mut­ter­partei ÖVP geprägt – und sei­ther den WAB. Fast alle (eigen­ständi­gen) Kom­mentare auf der FB-Seite des WAB wer­den von ihm geze­ich­net, fast alle öffentlichen Auftritte und Reden für den WAB wer­den von ihm bestrit­ten. Fast immer beze­ich­net er sich dabei als „wis­senschaftlich­er Direk­tor des Insti­tuts für ange­wandte poli­tis­che Ökonomie“. 2015 war er in dieser Funk­tion von der FPÖ sog­ar als „Experte“ für die Beratun­gen zum Islamge­setz in den Jus­ti­zauss­chuss des Nation­al­rats geladen.

Das klingt beein­druck­end – darum haben wir uns kundig gemacht. Das „Insti­tut für ange­wandte poli­tis­che Ökonomie“ gibt es tat­säch­lich – wenn auch zunächst ein­mal nur virtuell. Die Web­seite wirkt etwas alt­back­en. Das Insti­tut hat offen­sichtlich wenig Geld. Gut, das trifft auch für uns zu. Allerd­ings pro­duzieren wir in einem Monat mehr eigen­recher­chierte Arbeit­en als das Insti­tut des wis­senschaftlichen Direk­tors seit seinem Beste­hen. Nur um die 30 Beiträge, darunter derbe Polemiken wie die über die ange­bliche Homo­sex­u­al­isierung unser­er Gesellschaft, sind auf der Web­seite zu find­en. Wobei: Nicht alles ist ein Beitrag! Hans Wern­er Sinn liefert nur den Titel „Ist die Bankenkrise vor­bei?“ und darunter viel leeren Platz zum Nach­denken. Gab’s da vielle­icht ein Prob­lem mit dem Copyright?

Hans Werner Sinn liefert Platz zum Nachdenken: kein Text

Hans Wern­er Sinn liefert Platz zum Nach­denken: : kein Text

Aber seit wann beste­ht das Insti­tut für ange­wandte poli­tis­che Ökonomie des wis­senschaftlichen Direk­tors Zeitz eigentlich? 2009 wurde die Grün­dung des namensgeben­den Vere­ins von der Bezirk­shaupt­mannschaft Mödling bewil­ligt, heißt es auf der Web­seite des Vere­ins. Da find­et man auch die aus­ge­feil­ten Vere­insstatuten, die alles regeln und auch den Vere­in­szweck ganz klar bestimmen:

Dem Insti­tut muss es um eine Remo­bil­isierung ana­lytis­ch­er und wis­senschaftlich­er Vital­ität im Bere­ich der Wirtschafts- und Sozial­wis­senschaften gehen. Unter VÖLLIGER UNABHÄNGIGKEIT und Aus­rich­tung an den Notwendigkeit­en der Bewahrung der inter­na­tionalen Wirtschafts­ge­sellschaft vor dem dro­hen­den Totalzusam­men­bruch ori­en­tiert. Die bish­er vielfach der Beschwich­ti­gung, Ver­schleierung und kurzfristiger Beruhi­gung dienen­den ten­den­z­iösen Auf­tragsar­beit­en und Gefäl­ligkeitsgutacht­en sollen und müssen durch solide, inter­na­tion­al ver­net­zte Forschungs- und Sen­si­bil­isierungsak­tiv­itäten entza­ubert wer­den. Es geht um wis­senschaftliche Redlichkeit, voll­ständi­ge Unab­hängigkeit und per­spek­tivis­chen Mut.

Das Insti­tut des Vere­ins entwick­elt anhand gründlich­er Struk­tu­r­analyse tragfähige Konzepte sowie geeignete Maß­nah­men der bre­it­en Bewusst­seins­bil­dung zur Mitein­beziehung von poten­tiellen Ver­bün­de­ten in den Bere­ichen von Poli­tik und Wirtschaft. Das „INSTITUT FÜR ANGEWANDTE POLITISCHE ÖKONOMIE“ soll die geplante Ver­wurzelung in der notwendi­gen Rein­te­gra­tion von ökonomisch-wis­senschaftlich­er Meth­ode und poli­tisch-real­is­tis­chem Denken sowie die geplante App­lika­tions­fähigkeit der zu erar­bei­t­en­den Konzepte und ihre Oper­a­tional­isierung garantieren.

Vor­stand und Vere­ins­mit­glieder sind der Überzeu­gung, dass die Method­olo­gie und die reich­halti­gen sowie leben­sna­hen Forschungsar­beit­en der ÖSTERREICHISCHEN SCHULE DER NATIONALÖKONOMIE eine (sic!) wertvolles, ja unverzicht­bares par­a­dig­ma­tis­ches Fun­da­ment des hier betriebe­nen Unter­fan­gens bietet. Das Beste in der momen­ta­nen Not find­en, nicht alles neu erfinden.

Auf­bauend auf den Ein­sicht­en der „Aus­tri­an School” ist die gegen­wär­tige Krise über­wiegend eine solche des Geldes und sein­er falschen Bewirtschaf­tung. Eine erste — und schlicht DIE vor­dringliche — Auf­gabe des neu zu grün­den­den Vere­insin­sti­tutes wird die tiefen­schichtige Bloßle­gung der Kon­struk­tion­s­män­gel des gegen­wär­ti­gen Geld- und Finanzsys­tems und der Ursachen der gegen­wär­ti­gen Krise sowie ihrer dro­hen­den Ausweitung sein. 

Unmit­tel­bar ver­bun­den damit ist die Bes­tim­mung der Grund­prinzip­i­en eines dauer­haft funk­tions­fähi­gen mon­etären Sek­tors und die Entwick­lung ein­er Gel­dart und ihrer Schöp­fungsmodal­ität, die dem Wun­sch nach ein­er pros­perieren­den und gerecht­en Weltwirtschaft­sor­d­nung dient.

Alles klar? Mit Ver­laub, Herr wis­senschaftlich­er Direk­tor Zeitz, aber da wird doch ziem­lich viel und noch dazu in grot­ten­schlechtem Deutsch geschwafelt? Wo find­et sich da auch nur ein Hauch von Wissenschaft?

Insti­tut als Hirngespinst

Wir sind beun­ruhigt und fol­gen den Vere­insstatuten, rufen zunächst den Namen des Vere­ins, dann die ZVR-Num­mer im Online-Reg­is­ter des Innen­min­is­teri­ums ab: Kein Tre­f­fer, Vere­in nicht bekannt.

Abfrage Vereinsregister: kein Treffer für "Institut für angewandte politische Ökonomie"

Abfrage Vere­in­sreg­is­ter: kein Tre­f­fer für „Insti­tut für ange­wandte poli­tis­che Ökonomie”

Dann die Recherche bei der Bezirk­shaupt­mannschaft Mödling: Die dauert, bringt aber ein ein­deutiges Ergeb­nis: Den Vere­in „Insti­tut für ange­wandte poli­tis­che Ökonomie“ gibt es schon lange nicht mehr. Mit 14.9.2012 hat der Vere­in seine frei­willige Selb­stau­flö­sung beschlossen. Was da noch im Inter­net als Web­seite herum­gondelt, ist eigentlich eine Schimäre, ein Hirnge­spinst – so, wie der Titel eines wis­senschaftlichen Direk­tors für ange­wandte poli­tis­che Ökonomie. Wobei: Der Titel hat schon was! Die FPÖ kon­nte man damit immer­hin beein­druck­en. Offen­sichtlich auch den früheren Präsi­den­ten des Rech­nung­shofs, Franz Fiedler, der dem WAB und damit Zeitz als Ehren­präsi­dent dient.

Zeitz beim Aula-Nachfolger "Freilich" als Direktor

Zeitz beim Aula-Nach­fol­ger „Freilich” als Direktor

Wir haben natür­lich noch weit­er recher­chiert: Vielle­icht wurde das „Insti­tut für ange­wandte poli­tis­che Ökonomie“ ja in ein­er anderen Rechts­form weit­erge­führt? Niente. Nada. Es gibt kein Insti­tut für ange­wandte poli­tis­che Ökonomie, das „tragfähige Konzepte sowie geeignete Maß­nah­men der bre­it­en Bewusst­seins­bil­dung zur Mitein­beziehung von poten­tiellen Ver­bün­de­ten in den Bere­ichen von Poli­tik und Wirtschaft“… blabla… entwick­eln würde.

Presseaussendung 29.10.20: Zeitz als Direktor

Presseaussendung 29.10.20: Zeitz als Direktor

Es gibt nur einen wis­senschaftlichen Direk­tor, der sich vor sein­er steilen wis­senschaftlichen Kar­riere in der Schimäre tat­säch­lich in der ange­wandten Ökonomie ver­sucht hat. Aber das wäre wieder eine andere Geschichte. Uns reicht das, was wir über den WAB und Chris­t­ian Zeitz wis­sen, schon mehr als genug!

Der "wissenschaftliche Direktor" Zeitz teilt SdR

Der „wis­senschaftliche Direk­tor” Zeitz teilt SdR

WAB teilt 2020 Eintrag des Institut, das es nicht gibt

WAB teilt 2020 Ein­trag des Insti­tut, das es nicht gibt

➡️ Wiener Akademiker­bund (Teil 1): Vor­tragser­leb­nis der Sonderklasse?
➡️ Wiener Akademiker­bund (Teil 2): Coro­naleugn­er, homo­phob, anti­semi­tisch und islamfeindlich
➡️ Wiener Akademiker­bund (Teil 3): Holo­caustleugn­er, Recht­sex­treme und der Ver­fas­sungss­chutzchef als Vortragende