Wiener Akademikerbund (Teil 2): Coronaleugner, homophob, antisemitisch und islamfeindlich

Der Wiener Akademikerbund (WAB), der vor wenigen Tagen mediale Aufmerksamkeit erlangt hat, weil er trotz Lockdown in seine Räumlichkeiten in der Schlösselgasse zu einem öffentlichen Vortrag eingeladen hat, wird üblicherweise als eine etwas rechte, konservative Organisation eingeschätzt. Blickt man etwas genauer hin, dann wird man feststellen, dass sich der WAB – nicht nur wegen seiner Nähe zur FPÖ – mittlerweile ganz rechtsaußen positioniert hat.

Der WAB hat sich in den Jahren nach der Trennung von der ÖVP ziemlich eindeutig zu einer rechtsoffenen Gruppierung entwickelt, also einer, die keine Abgrenzung zum offenen Rechtsextremismus vornimmt. Das wird schon allein durch die öffentlichen Aktionen klar, zu denen der WAB aufruft, teilnimmt oder Vertreter – zumeist Christian Zeitz – entsendet.

Bei der Corona-Demo der rechtsextremen Initiative „Heimat & Umwelt“ am 26.9. war der WAB durch Christian Zeitz als Redner vertreten. Zeitz verbreitete dort in seiner Rede schon längst widerlegte Fake-News über angeblich gefälschte Bilder von Corona-Toten. Das war aber nicht die einzige Aktion des WAB: Am 12.9. veranstaltete er heuer eine „Feier der erfolgreichen Abwehr der islamischen Osmanen 1683“ am Kahlenberg – gemeinsam mit Abtreibungsgegnern um den Verein „Pro Vita“ und dem Verein „Okzident“ von Georg Nagel. „Ultrakonservative Christen, Monarchisten, Burschenschafter und rechtsextreme Identitäre“, fasst der „Kurier“ zusammen und lässt Bernhard Weidinger vom DÖW analysieren: „Im Grunde ist das eine Identitäre Veranstaltung mit einer katholisch-fundamentalistischen Note.“ Auch 2019 und 2018 war der WAB bei dieser identitären Melange am Kahlenberg dabei.

Beim eher einsamen „Marsch der Patrioten“ am 26.10. ist der WAB in Person von Christian Zeitz auch seit 2018 dabei. Seit Jahren ist der WAB auch Mitveranstalter beim „Marsch für die Familie“ und vermengt sich dort zu einer sehr ähnlichen Melange wie am Kahlenberg und am 26.10. mit Abtreibungsgegner*innen, christlichen Fundis und offen Rechtsextremen.

Marsch für die Familie 2020 mit Zeitz als Redner (und u.a. Stenzel/FPÖ als Rednerin)

Marsch für die Familie 2020 mit Zeitz als Redner (und u.a. Stenzel/FPÖ als Rednerin)

Gegen die Erosion von patriarchaler Familie und gegen die angebliche Homosexualisierung der Gesellschaft gehen die Aktivist*innen des WAB auf die Straße, wettern in Diskussionsveranstaltungen gegen die angebliche „Homo-Politik“ der katholischen Kirche und beschwören als Gegenmodell ein christliches Abendland, in dem es keine Europäische Union, sondern ein christliches Kerneuropa geben sollte, in dem – neben den Visegrád-Staaten – auch Österreich vertreten sein sollte, „sofern es ihm gelingt, sich bürgerlich zu erneuern“.

WAB im November 2018: Monarchistenkongress, Marsch für das Leben, "Nein zu Masseneinwanderung und Bevölkerungsausstausch"

WAB im November 2018: Monarchistenkongress, Marsch für das Leben, „Nein zu Masseneinwanderung und Bevölkerungsausstausch“

Homophobie und Muslimfeindlichkeit bilden bei Christian Zeitz, dem Ideologen des WAB, eine besonders krude Allianz. Der islamischen Glaubensgemeinschaft warf er sogar vor, dass sie sich nicht offen gegen Homosexualität wende, keine Aggression zeige, obwohl sie eigentlich, so Zeitz, durch Koran und Sunna dazu verpflichtet sei:

Zu den Themenbereichen Homosexualität, schwuler Lebensstil und die Inbesitznahme des öffentlichen Raumes durch Protagonisten des aggressivsten Sexualhedonismus gibt es seit Jahr und Tag keine Stellungnahme der Islamischen Glaubensgemeinschaft oder ihrer Präsidenten Annas Schakfeh oder Fuat Sanac, keine Kommentare des ansonsten ubiquitären Ehepaars Tarafa und Carla Amina Baghajati und keine Drohgebärden der in anderen Belangen so kampfstarken Jung-Muslimin Dudu Cückükgöl.“ (Christian Zeitz, Conchita, Islam und die Homosexualisierung der Gesellschaft)

Zeitz schwurbelt dann sogar etwas von einer gemeinsamen islamisch-kulturrevolutionären Agenda, die in dem „für die sexualhedonistische Revolutionsbewegung beschriebenen Wunsch nach Überwindung und dauerhafter Beseitigung der auf dem Christentum fußenden Kultur des Westens“ bestünde.

So homophob der WAB auch ist, so wenig Probleme hat er mit der Pädophile von Hans Hermann Groer, dem verstorbenen Erzbischof von Wien, dessen sexuelle Übergriffe in eine „Affäre“ mit Anführungszeichen umgedeutet werden. Groer, „der vernichtete Kardinal“, sei durch eine „gezielte Medienkampagne“ „linkslastiger“ Medien, aber auch durch eine „konzertierte“ Mitwirkung der Kirche ins Abseits gedrängt, und so sei die Kirche in Österreich umgepolt worden.

WAB feiert Groers 100. Geburtstag

WAB feiert Groers 100. Geburtstag

Der WAB scheut sich aber auch nicht, mit Behauptungen über George Soros an einer modernen Variante der antisemitischen Verschwörungslegenden, im Besonderen der „Protokolle der Weisen von Zion“ zu stricken. Soros finanziere, so der WAB auf Facebook am 16.9.2020, die „Abtreibungsindustrie, die „von Soros getriebenen Agitatoren“ und die Jesuiten. Am 19.6.20 wird in einem abenteuerlich hetzerischen Kommentar Soros „als internationaler Verbrecher“ für Black Lives Matter, „die Mordtruppen der Antifa“ und die angebliche Bezahlung von Protestierenden für Ausschreitungen in den USA verantwortlich gemacht.

In einem ungezeichneten Facebook-Kommentar aus 2017 fragt der WAB scheinheilig, „Was macht Sebastian Kurz im ECFR von George Soros?“, und stellt dazu einen Screenshot des antisemitischen Postings der Facebook-Seite „Die Wahrheit über Sebastian Kurz“, in dem Soros als Einflüsterer von Sebastian Kurz bezeichnet wird, der über den von ihm gesteuerten „European Council of Foreign Relations“ (ECFR) „so manchen blutigen Putsch angezettelt“ habe.

Am 10. Jänner 20 veröffentlicht der WAB ein (undatiertes) Foto, das Soros mit Kurz zeigt, verlinkt auf einen antisemitischen slowakischen bzw. ungarischen Blog, wo Soros mit anderen Politikern aus anderen Ländern zu sehen ist und schreibt dazu: „… und weitere Bilder von den Treffen des Soros und seiner Netzwerke“. Soros finanziere aber nicht nur die Abtreibungsindustrie, Jesuiten, den Papst und blutige Aufstände in aller Welt, sondern fördere auch die Migrations- und Fluchtbewegungen:

Für mich klar ist, daß der jetzige Papst die „Soros-Anliegen“, wie die Masseneinwanderung von kulturfremden Analphabeten aus Afrika, tatkräftigst unterstützt“, heißt es in einem nicht gezeichneten Vorspann zu einem geteilten Facebook-Posting des weit rechts angesiedelten Blogs „Philosophia perennis“ über die angebliche „Verwicklung des Papstes in das Soros-Netzwerk“.

Auch der Migrationsforscher Gerald Knaus bekommt in der antisemitischen Soros-Erzählung des WAB sein Fett ab: „Es ist unfassbar und grotesk, was sich selbsternannte, Soros-finanzierte ‚Migrationsexperten‘ alles erlauben dürfen, und welch breite öffentliche Bühne sie dafür von den gleichgeschalteten Massenmedien bekommen.

Das ist das Stichwort für den Folgebeitrag zum WAB: Der selbsternannte Experte!

➡️ Wiener Akademikerbund (Teil 1): Vortragserlebnis der Sonderklasse?
➡️ Wiener Akademikerbund (Teil 3): Holocaustleugner, Rechtsextreme und der Verfassungsschutzchef als Vortragende

WAB Soros als Einfüsterer von Kurz

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WAB-Vortrag: Wolfram Schrems u.a. zur "Homo-Politik" der Kirche

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WAB teilt Wahlaufruf von Petra Steger (FPÖ)

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