Wochenschau KW 21/20

Wir haben einen weit­eren Ein­trag in unserem Kuriositätenk­abi­nett: Aus Liebe zum (Nazi?)-Opa hängte sich Peter S., Ex-FPÖ-Mit­glied, der dann aber zum Islam kon­vertierte, eine Hak­enkreuz­fahne im Schlafz­im­mer auf. Sym­pa­thien zum Nation­al­sozial­is­mus hat(te) er keine – ange­blich. 

Wels: Hak­enkreuz­fahne als unendliche Geschichte
Wien/Ru­dolf­sheim-Fünfhausen: Bran­dan­schlag auf Moschee?
Sölden/Tirol: Hak­enkreuz auf Fel­swand prompt entfernt

Wels: Hak­enkreuz­fahne als unendliche Geschichte

Es war Ende 2017, als dem Welser FPÖ-Bürg­er­meis­ter Rabl ein brisantes Foto zugeschickt wurde. „Auf der Wand eine Hak­enkreuz­fahne, davor ein Bett, in dem ein Bedi­en­steter der Welser Stadtwache liegt. Dieses Foto wurde FPÖ-Bürg­er­meis­ter Andreas Rabl mit Begleitschreiben zuge­spielt. Er reagierte prompt: ‚Der Mitar­beit­er hat die Echtheit des Fotos nicht bestrit­ten!‘“ (krone.at, 31.12.2017) Danach ent­bran­nte sich eine Diskus­sion, ob der frist­los ent­lassene Stadtwächter FPÖ-Mit­glied gewe­sen sei oder nicht. Rabl hat­te die Mit­glied­schaft zurück­gewiesen – es habe außer­dem keine Mel­dun­gen über auf­fäl­liges Ver­hal­ten oder Beschw­er­den wegen Wieder­betä­ti­gung gegeben, so Rabl.

Welser Aktivis­ten weisen nun darauf hin, dass es sich bei dieser Darstel­lung nicht um die Wahrheit han­dle: Der Mitar­beit­er sei bei der FPÖ-nahen Gew­erkschaft Aktion­s­ge­mein­schaft Unab­hängiger und Frei­heitlich­er (AUF) aktiv. Bei den Per­son­alvertre­tungswahlen des Mag­is­trates Wels habe er 2014 an promi­nen­ter drit­ter Stelle für die FPÖ-Gew­erkschafter kan­di­diert, schreibt die Welser Antifa in ein­er Aussendung, die dama­lige Kan­di­daten­liste liegt bei. „Wun­dern tut die Hak­enkreuzaf­färe wohl nie­man­den. Leute wie dieser Mitar­beit­er meinen, sie hät­ten in Wels Nar­ren­frei­heit”, so Wern­er Ret­zl, Vor­sitzen­der der Welser Ini­tia­tive gegen Faschis­mus. (derstandard.at, 3.1.18)

Wenige Tage später bestätigte der Ex-Stadtwache-Mitar­beit­er Peter S. gegenüber der Kro­nen Zeitung allerd­ings seine Parteim­it­glied­schaft, die er 2017 jedoch zurück­gelegt hat­te, weil er – da musste die FPÖ wohl ganz stark sein – aus­gerech­net zum Islam kon­vertiert sei. (antifawels, 22.1.18)

Der Ober­ste Gericht­shof hob die Ent­las­sung von Peter S. auf, worauf die Stadt Wels eine Kündi­gung aussprach, die jedoch – nun­mehr dreiein­halb Jahre nach dem Vor­fall – vom Ober­lan­des­gericht Linz eben­falls aufge­hoben wurde.

Mein Man­dant hat wed­er das Foto veröf­fentlicht, noch ste­ht er der NS-Ide­olo­gie nahe. Diese Fahne hat­te er von seinem Groß­vater, der eine wichtige Per­son in seinem Leben war“, so Anwalt Hubert Nie­der­mayr. Die Stadt Wels kann nun vor den ober­sten Gericht­shof ziehen. (krone.at, 19.5.20)

Aus Groß­vater­liebe eine Hak­enkreuz­fahne im Schlafz­im­mer aufzuhän­gen, ist zweifels­frei ein Argu­men­tar­i­um, das wir in die Liste der kurios­es­ten „Erk­lärun­gen“ für ange­bliche oder ver­meintliche Nicht-Nähe zur NS-Ide­olo­gie aufnehmen.

Wien/Ru­dolf­sheim-Fünfhausen: Bran­dan­schlag auf Moschee?

Nach ein­er Schreck­sekunde, die einige Tage gedauert hat, gab’s am Dien­stag die ersten Medi­en­berichte über einen mut­maßlichen Bran­dan­schlag beim „Öster­re­ichisch-soma­lis­chen Kul­turvere­in Wien“ – der bere­its am vor­ange­gan­gen Sam­stag stattge­fun­den hat­te. Nötig waren dafür aber einige Berichte in den sozialen Medi­en und die Ver­wun­derung, dass bis dor­thin kein einziges Medi­um berichtet hat­te. 

Am Woch­enende gab es einen Brand in den Räum­lichkeit­en des Öster­re­ichisch-Soma­lis­chen Kul­turvere­ins im 15. Bezirk. Sowohl Büro- als auch Gebet­sräume bran­nten voll­ständig aus, wie Fotos auf Twit­ter zeigen. Der Vere­in war auf­grund der Coro­na-Bes­tim­mug­nen seit Monat­en geschlossen. Es beste­ht Tatver­dacht auf Brand­s­tiftung. Wie die Polizei bestätigte, sind bere­its Bran­der­mit­tler mit dem Fall betraut.“ (heute.at, 19.5.20)

Seit den weni­gen, kurzen Bericht­en ist es wieder still geworden.

Sölden/Tirol: Hak­enkreuz auf Fel­swand prompt entfernt

Das ging aber flott: Nach­dem der Tirol­er Polit­blog­ger und Aufdeck­er und Aufrührer Markus Wil­helm über ein Hak­enkreuz auf ein­er Fel­swand in Sölden berichtet hat­te, erhielt er eine Nachricht samt Fotos der Söld­ner Polizei:

Markus Wil­helm hat im Inter­net auf dietiwag.org auf das Hak­enkeuz gegenüber dem Hotel „Cen­tral“ am Granbichl aufmerk­sam gemacht. Der Sachver­halt wurde durch den Ver­fas­sungss­chutz an die Polizei Sölden weit­ergeleit­et. In weit­er­er Folge wurde das ca. 90 Jahre alte, schlecht (je nach Lichte­in­fall), aber doch erkennbare Hak­enkreuz durch die Alpin­polizei entfernt.
Ich habe mich dazu über den Granbichl abge­seilt und mit­tels Schremmham­mer mit Aggre­gat das Hak­enkreuz unken­ntlich gemacht. Wer das Hak­enkreuz vor 90 Jahren ange­bracht hat, wird sich wohl nicht mehr klären lassen, evtl. hat auch in der Ver­gan­gen­heit jemand ver­sucht, es zu übermalen.
Es erfol­gt ein Bericht an die Staat­san­waltschaft in Inns­bruck gegen unbekan­nte Täter.
Mfg Mar­tin Wieser, RI
Polizei Sölden (http://www.dietiwag.org/blog/index.php?datum=2020–05-24)