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Identitäres Dreieck oder: Alte Liebe rostet nicht!Lesezeit: 3 Minuten

Ern­te­hel­fer sucht nun das Aula-Nach­­fol­­ge­­ma­­ga­­zin „Frei­lich“, denn „[d]er Aus­fall von tau­sen­den Ern­te­hel­fern und Sai­son­ar­bei­tern stellt die hei­mi­schen Bau­ern in den nächs­ten Mona­ten jedoch vor rie­si­ge Pro­ble­me“. Logis­tisch abge­wi­ckelt wür­de der Ein­satz über die Bur­schen­schaft „Mar­­ko-Ger­­ma­­nia“. Dahin­ter steckt ein altes Drei­eck von Iden­ti­tä­ren, Bur­schen­schaf­ten und FPÖ. Die Situa­ti­on für Tei­le der hei­mi­schen Land­wirt­schaft ist in der Tat […]

3. Apr 2020

Die Situa­ti­on für Tei­le der hei­mi­schen Land­wirt­schaft ist in der Tat pre­kär, vor allem für jene, deren Erträ­ge nun zu ern­ten sind. Bis­lang reis­ten Tau­sen­de von Arbeits­kräf­ten aus dem Aus­land an, um hier­zu­lan­de oft mit mini­ma­len Löh­nen den Spar­gel und ande­re bäu­er­li­che Pro­duk­te ein­zu­brin­gen. Die fal­len nun wegen der Grenz­sper­ren aus. Hier tritt nun die Gra­zer Bur­schen­schaft „Mar­ko Ger­ma­nia“ auf den Plan und ruft Frei­wil­li­ge zum Ern­te­ein­satz auf. Das Maga­zin des frei­heit­li­chen Aka­de­mi­ker­ver­bands (FAV) „Frei­lich“ ver­brei­tet den Auf­ruf, und dabei ist auch das iden­ti­tä­ren­na­he Online­ma­ga­zin „Tages­stim­me“. Dass nun kein Getrei­de geern­tet wird, wie das Bei­trags­bild sug­ge­riert, soll­te irgend­je­mand den Auf­ru­fen­den mitteilen.

Sickl und "Freilich" suchen Erntehelfer
Sickl und „Frei­lich” suchen Ern­te­hel­fer mit Getreidefoto

Die­se „Hilfs­ge­mein­schaft“ ist kein Zufall. Ganz nach dem Mot­to „Alte Lie­be ros­tet nicht“, ste­hen als Schar­nier dahin­ter der Gra­zer FPÖ-Gemein­de­rats­ab­ge­ord­ne­te und Frei­lich-Geschäfts­füh­rer Hein­rich Sickl und der Mar­ko-Ger­ma­ne Ste­fan Juritz. Die Quer­ver­bin­dun­gen zwi­schen Iden­ti­tä­ren, Juritz und Sickl sowie deren Medi­en­pro­jek­te hat die anti­fa­schis­ti­sche Recher­che im April 2019 ein­drück­lich dar­ge­stellt. Dass „Frei­lich“ ein neu­rech­tes Maga­zin mit iden­ti­tä­rer Zuar­beit ist, haben auch wir bereits mehr­fach auf­ge­zeigt.

Die Grazer Burschenschaft Marko-Germania ruft mit "Freilich" und "Tagesstimme" zum Ernteeinsatz auf.
Die Gra­zer Bur­schen­schaft Mar­ko-Ger­ma­nia ruft mit „Frei­lich” und „Tages­stim­me” zum Ern­te­ein­satz auf.

Der IBÖ-Akti­vist Juritz ist Obmann des „AK Nau­ti­lus“, der „Die Tages­stim­me“ betreibt – nach Selbst­de­fi­ni­ti­on ein Nach­rich­ten­por­tal für „patrio­ti­schen Qua­li­täts­jour­na­lis­mus“. Chef­re­dak­teur ist Ste­fan Juritz. Bei­de Pro­jek­te agie­ren im Dunst­kreis der Iden­ti­tä­ren. Wie ver­zahnt Juritz mit den Iden­ti­tä­ren ist, zeigt auch sei­ne letz­te Rei­se nach Grie­chen­land. Dort focht er noch vor weni­gen Wochen beim iden­ti­tä­ren Abwehr­kampf gegen Flüch­ten­de auf Les­bos – er nach Eigen­dar­stel­lung nur, um über die dor­ti­ge Lage zu berich­ten. 

Juritz sucht mit der "Tagesstimme" Erntehelfer
Juritz sucht mit der „Tages­stim­me” Erntehelfer

Zurück zum Ern­te­ein­satz: Wer, wo unter wel­chen – vor allem auch recht­li­chen – Bedin­gun­gen ein­ge­setzt wer­den soll, dar­über schwei­gen sich die Betei­lig­ten aus, auch dar­über, wie vie­le sich – nun­mehr immer­hin bereits zwei Wochen nach dem Auf­ruf – für den frei­wil­li­gen Ern­te­ein­satz gemel­det haben. 

Die stei­ri­schen Bur­schen­schaf­ten über­neh­men „Koor­di­na­ti­on und Orga­ni­sa­ti­on“; ob deren Mit­glie­der auch selbst zur Arbeit aus­rü­cken, ob Juritz und Kame­ra­den den Säbel statt auf der Bude nun im Spar­gel­feld schwin­gen, ob der Bur­schen­schaf­ter Sickl und sei­ne „Freilich“-Autoren selbst Hand anle­gen, wur­de bis­lang noch nicht kundgetan.

"Koordination und Organisation" übernehmen die steirischen Burschenschaften
„Koor­di­na­ti­on und Orga­ni­sa­ti­on” über­neh­men die stei­ri­schen Burschenschaften

Die Akti­on knüpft jeden­falls naht­los an eine beson­ders auch von den Iden­ti­tä­ren ein­ge­setz­te Pro­pa­gan­da­form an: So war in einem inter­nen iden­ti­tä­ren Papier unter „Basis­ak­ti­vis­mus“ zwi­schen Fly­ern und Frei­zeit­ak­ti­vi­tä­ten wie Selbst­ver­tei­di­gung auch das Sam­meln von Spen­den für Bedürf­ti­ge angeführt.

Wäh­rend unzäh­li­ge Orga­ni­sa­tio­nen und Fir­men dar­un­ter mas­siv lei­den, dass die aus­län­di­schen Arbeits­kräf­te nicht mehr ein­rei­sen kön­nen, das gera­de jetzt immens wich­ti­ge Gesund­heits- und Pfle­ge­sys­tem vor einem Kol­laps steht, set­zen FPÖ und rech­te Grup­pie­run­gen pro­pa­gan­dis­tisch auf hei­mi­sche Arbeits­kräf­te. Woher die nun zu Aber­tau­sen­den kom­men sol­len, sagen sie frei­lich nicht dazu. Der Auf­ruf zu frei­wil­li­gen Ern­te­ein­sät­zen wird mit Sicher­heit kei­ne Lösung sein. Bes­ser wäre es jenen unzäh­li­gen Nicht-Öster­rei­che­rIn­nen Wert­schät­zung ent­ge­gen zu brin­gen, die wesent­li­che Tei­le unse­res Sys­tems am Lau­fen hal­ten. Aber viel­leicht sehen wir ja Kuna­sek & Co zukünf­tig wild „ent­schlos­sen“ auf den Fel­dern, am Bau, in der Gas­tro­no­mie und in den Pfle­ge­hei­men. Das blaue Öster­reich zuerst!

Die FPÖ will den Fachkräftemangel durch Österreicher ausgleichen – "Österreich zuerst"
Die FPÖ will den Fach­kräf­te­man­gel durch Öster­rei­cher aus­glei­chen – „Öster­reich zuerst”

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