Identitäres Dreieck oder: Alte Liebe rostet nicht!

Ern­te­helfer sucht nun das Aula-Nach­fol­gemagazin „Freilich“, denn „[d]er Aus­fall von tausenden Ern­te­helfern und Saisonar­beit­ern stellt die heimis­chen Bauern in den näch­sten Monat­en jedoch vor riesige Prob­leme“. Logis­tisch abgewick­elt würde der Ein­satz über die Burschen­schaft „Marko-Ger­ma­nia“. Dahin­ter steckt ein altes Dreieck von Iden­titären, Burschen­schaften und FPÖ.

Die Sit­u­a­tion für Teile der heimis­chen Land­wirtschaft ist in der Tat prekär, vor allem für jene, deren Erträge nun zu ern­ten sind. Bis­lang reis­ten Tausende von Arbeit­skräften aus dem Aus­land an, um hierzu­lande oft mit min­i­malen Löh­nen den Spargel und andere bäuer­liche Pro­duk­te einzubrin­gen. Die fall­en nun wegen der Gren­zsper­ren aus. Hier tritt nun die Graz­er Burschen­schaft „Marko Ger­ma­nia“ auf den Plan und ruft Frei­willige zum Ern­teein­satz auf. Das Mag­a­zin des frei­heitlichen Akademik­erver­bands (FAV) „Freilich“ ver­bre­it­et den Aufruf, und dabei ist auch das iden­titären­na­he Onlinemagazin „Tagesstimme“. Dass nun kein Getrei­de geern­tet wird, wie das Beitrags­bild sug­geriert, sollte irgend­je­mand den Aufrufend­en mitteilen.

Sickl und "Freilich" suchen Erntehelfer

Sickl und „Freilich” suchen Ern­te­helfer mit Getreidefoto

Diese „Hil­f­s­ge­mein­schaft“ ist kein Zufall. Ganz nach dem Mot­to „Alte Liebe ros­tet nicht“, ste­hen als Scharnier dahin­ter der Graz­er FPÖ-Gemein­der­atsab­ge­ord­nete und Freilich-Geschäfts­führer Hein­rich Sickl und der Marko-Ger­mane Ste­fan Juritz. Die Querverbindun­gen zwis­chen Iden­titären, Juritz und Sickl sowie deren Medi­en­pro­jek­te hat die antifaschis­tis­che Recherche im April 2019 ein­drück­lich dargestellt. Dass „Freilich“ ein neurecht­es Mag­a­zin mit iden­titär­er Zuar­beit ist, haben auch wir bere­its mehrfach aufgezeigt.

Die Grazer Burschenschaft Marko-Germania ruft mit "Freilich" und "Tagesstimme" zum Ernteeinsatz auf.

Die Graz­er Burschen­schaft Marko-Ger­ma­nia ruft mit „Freilich” und „Tagesstimme” zum Ern­teein­satz auf.

Der IBÖ-Aktivist Juritz ist Obmann des „AK Nau­tilus“, der „Die Tagesstimme“ betreibt – nach Selb­st­de­f­i­n­i­tion ein Nachricht­en­por­tal für „patri­o­tis­chen Qual­ität­sjour­nal­is­mus“. Chefredak­teur ist Ste­fan Juritz. Bei­de Pro­jek­te agieren im Dun­stkreis der Iden­titären. Wie verzah­nt Juritz mit den Iden­titären ist, zeigt auch seine let­zte Reise nach Griechen­land. Dort focht er noch vor weni­gen Wochen beim iden­titären Abwehrkampf gegen Flüch­t­ende auf Les­bos – er nach Eigen­darstel­lung nur, um über die dor­tige Lage zu bericht­en. 

Juritz sucht mit der "Tagesstimme" Erntehelfer

Juritz sucht mit der „Tagesstimme” Erntehelfer

Zurück zum Ern­teein­satz: Wer, wo unter welchen – vor allem auch rechtlichen – Bedin­gun­gen einge­set­zt wer­den soll, darüber schweigen sich die Beteiligten aus, auch darüber, wie viele sich – nun­mehr immer­hin bere­its zwei Wochen nach dem Aufruf – für den frei­willi­gen Ern­teein­satz gemeldet haben. 

Die steirischen Burschen­schaften übernehmen „Koor­di­na­tion und Organ­i­sa­tion“; ob deren Mit­glieder auch selb­st zur Arbeit aus­rück­en, ob Juritz und Kam­er­aden den Säbel statt auf der Bude nun im Spargelfeld schwin­gen, ob der Burschen­schafter Sickl und seine „Freilich“-Autoren selb­st Hand anle­gen, wurde bis­lang noch nicht kundgetan.

"Koordination und Organisation" übernehmen die steirischen Burschenschaften

„Koor­di­na­tion und Organ­i­sa­tion” übernehmen die steirischen Burschenschaften

Die Aktion knüpft jeden­falls naht­los an eine beson­ders auch von den Iden­titären einge­set­zte Pro­pa­gandaform an: So war in einem inter­nen iden­titären Papi­er unter „Basisak­tivis­mus“ zwis­chen Fly­ern und Freizeitak­tiv­itäten wie Selb­stvertei­di­gung auch das Sam­meln von Spenden für Bedürftige angeführt.

Während unzäh­lige Organ­i­sa­tio­nen und Fir­men darunter mas­siv lei­den, dass die aus­ländis­chen Arbeit­skräfte nicht mehr ein­reisen kön­nen, das ger­ade jet­zt immens wichtige Gesund­heits- und Pflegesys­tem vor einem Kol­laps ste­ht, set­zen FPÖ und rechte Grup­pierun­gen pro­pa­gan­dis­tisch auf heimis­che Arbeit­skräfte. Woher die nun zu Aber­tausenden kom­men sollen, sagen sie freilich nicht dazu. Der Aufruf zu frei­willi­gen Ern­teein­sätzen wird mit Sicher­heit keine Lösung sein. Bess­er wäre es jenen unzäh­li­gen Nicht-Öster­re­icherIn­nen Wertschätzung ent­ge­gen zu brin­gen, die wesentliche Teile unseres Sys­tems am Laufen hal­ten. Aber vielle­icht sehen wir ja Kunasek & Co zukün­ftig wild „entschlosse­nen“ auf den Feldern, am Bau, in der Gas­tronomie und in den Pflege­heimen. Das blaue Öster­re­ich zuerst!

Die FPÖ will den Fachkräftemangel durch Österreicher ausgleichen – "Österreich zuerst"

Die FPÖ will den Fachkräfte­man­gel durch Öster­re­ich­er aus­gle­ichen – „Öster­re­ich zuerst”