Altbekanntes in der „Neuen Aula“: Geschichtsrevisionismus, NS-Relativierung, Antisemitismus

Die Anfang Okto­ber erschienene „Neue Aula“ knüpft inhaltlich und per­son­ell an die alte an. Sog­ar, was die Dif­famierun­gen der KZ-Häftlinge bet­rifft. Im Gegen­satz zum ersten Aula-Nach­fol­gemagazin „Freilich“ wird hier erst gar nicht ver­sucht, sich in „neurechter“ Zurück­hal­tung zu üben. Ein erster Streifzug durch das neue Alte.

Mit der Grün­dung der „Neuen Aula“ erscheint nun der zweite Erb­fol­ger der „Aula“ (1952 — 2018). Das erste Nach­fol­ge­pro­jekt „Freilich“ zeigt sich „neurechts“ ori­en­tiert und sieht bis­lang von ein­er pos­i­tiv­en Bezug­nahme auf den NS, offen­em Ras­sis­mus und Anti­semitismus, sowie grobem Geschicht­sre­vi­sion­is­mus ab. Dass diese Entwick­lung einen großen Teil der alten Ziel­gruppe zurück­lässt, dürfte den geschas­sten let­zten „Schriftleit­er“ der alten „Aula“, Mar­tin Pfeif­fer, nun zu der Neu­grün­dung des Mag­a­zins ver­an­lasst haben. Diese wurde in ein­er Aussendung bere­its im Som­mer angekündigt und ist nun erfolgt.

Weit­er­hin in blauen Händen

Ver­ant­wortlich für das Monats­magazin sind zwei frei­heitliche Funk­tionäre: Neben dem Her­aus­ge­ber Pfeif­fer, der Graz­er FPÖ-Poli­tik­er ist (bzw. noch vor weni­gen Tagen war?), fungiert als Medi­en­in­hab­er der oberöster­re­ichis­che FPÖ-Poli­tik­er Albert Engel­mann, der auch die rechts-katholis­che Zeitschrift „Der 13.“ her­aus­gibt. 

In einem Edi­to­r­i­al zur aktuellen Aus­gabe des „13.“ verkün­det Engel­mann die Grün­dung der „Neuen Aula“ in seinem „Ver­lagshaus“ und richtet bei der Gele­gen­heit auch ein Wort an „den beobach­t­en­den Ver­fas­sungss­chutz“. Darin gren­zt sich der katholis­che Fun­da­men­tal­ist von Hitler ab, indem er allen Ern­stes behauptet, dass der Nation­al­sozial­is­mus und der Stal­in­is­mus bei­de „links“ gewe­sen seien: 

Ich lasse mir von linken inter­na­tionalen Sozial­is­ten nicht erk­lären, dass Nation­al­sozial­is­ten ‚Rechte‘ sind. Das ist eine Lüge: Sozial­is­ten sind Sozial­is­ten, sie zer­stören die Fam­i­lie, die freie Wirtschaft, sie zer­stören den Rechtsstaat und vor allem darf es im Sozial­is­mus keine freie Rede geben. Das sind die ‚Glob­al­isier­er‘, gegen die wir antreten.“ (1)

Diese hanebüch­ene Umdeu­tung des Rechts-Links-Schemas und die Gle­ich­set­zung von Sozial­is­mus mit Nation­al­sozial­is­mus sind nichts anderes grobe Ver­harm­lo­sun­gen des Let­zteren (2). 

Aller­lei Bekan­ntes: Von Opfer­n­posen, „Sys­temme­di­en“ und „Homolob­by“

Die Aus­gabe bietet einen „Schw­er­punkt“ zur Wahl, der sich u.a. Täter-Opfer-Umkehr bezüglich der frei­heitlichen Skan­dale ausze­ich­net. Her­aus­ge­ber Pfeif­fer behauptet etwa, dass es seit­ens der Medi­en in Mode sei, „kurz vor den Wahlen den Frei­heitlichen ein Ei zu leg­en“ (S. 4), als Beispiele nen­nt er neben den Stra­che-Skan­dalen (Ibiza und Spe­sen) aus­gerech­net die Lieder­buch-Affäre. Zudem gibt es viel Lob für Her­bert Kickl (der auch das Cov­er ziert) und Unter­griffe gegen Sebas­t­ian Kurz (3). 

Anson­sten wer­den die Iden­titären vertei­digt (S. 9), es geht gegen „Sys­temme­di­en“ (ebd.) und eine ange­bliche „Homolob­by“ (S. 11), es gibt Lob für den völkischen Burschi-Kün­stler Odin Wiesinger (S. 32–34), und ein Recht­saußen der AfD, Jörg Urban, wird wohlwol­lend inter­viewt (S. 18). 

„Neue Rechte“ aus der Sicht eines „Nation­al­rev­o­lu­tionär“

In einem Artikel von Jür­gen Schwab (S. 21) geht es um den Unter­schied zwis­chen soge­nan­nten „Neuen Recht­en“ und der alten. Schwab, der seine Lauf­bahn in den 90er Jahren im organ­isierten Neon­azis­mus startete und lange als NPD-Ide­ologe in Erschei­n­ung trat, ist ein mil­i­tan­ter Anti­demokrat, der sich als „Nation­al­rev­o­lu­tionär“ ver­ste­ht und noch 2011 in einem Inter­view mit der NPD-Parteizeitung „Deutsche Stimme“ erk­lärte, dass „physis­che Gewal­tan­wen­dung zum Instru­men­tar­i­um der Poli­tik“ gehöre.

In der „Neuen Aula“ gren­zt sich Schwab erstaunlich selb­stre­flex­iv von der soge­nan­nten „Neuen Recht­en“ ab, wobei er en pas­sant das erste Aula-Nach­fol­gemagazin „Freilich“ tre­f­fend charakterisiert:

Es ver­ste­ht sich von selb­st, dass die Pro­tag­o­nis­ten der ”Neuen Recht­en” sich vom Geschicht­sre­vi­sion­is­mus fern­hal­ten, sich auch mit den Ver­fol­gten dieses Spek­trums nicht sol­i­darisieren. Einen Artikel über die Ungereimtheit­en im heuti­gen Muse­um des Lagers von Mau­thausen wie von Fred Duswald, der ein­mal in der alten ‚Aula‘ erschienen war, wird man in dem neurecht­en Mag­a­zin ‚Freilich‘ verge­blich suchen. Die Nicht­in­fragestel­lung des derzeit­i­gen poli­tis­chen Sys­tems ist eine wichtige Grund­vo­raus­set­zung, um als Rechter in Deutsch­land und Öster­re­ich zur ‚Neuen Recht­en‘ gehören zu kön­nen.

Schwab rech­net sich selb­st fol­gerichtig ins Lager der „alten“ Recht­en mit ihren Geschicht­sre­vi­sion­is­ten und Holo­caustleugn­ern. Und da gehört der manch­mal als „intellek­tueller NPD-Quer­denker“ ver­harm­loste Recht­sex­treme auch hin. Denn Quer­denker ist Schwab nur insofern, als ihm die NPD nicht extrem genug ist, wie er in einem Text von 2005 glasklar for­muliert: Vor dem Hin­ter­grund schlechter NPD-Wahlergeb­nisse plädiert er dafür die „Lebenslüge der ver­fas­sungstreuen Recht­en“ zu bewälti­gen, und diese Lebenslüge beste­ht Schwab zufolge darin zu glauben, dass „so etwas wie ‚Volks­ge­mein­schaft‘ bzw. die Organ­i­sa­tion des Gemein­wohls des deutschen Volkes (…) in ein­er ‚par­la­men­tarischen Demokratie‘ möglich“ sei (4). Schwab hält sich selb­st nicht für einen Neon­azi, erfüllt aber die wesentlichen ana­lytis­chen Bes­tim­mungen dazu: Zu der evi­den­ten recht­sex­tremen Ide­olo­gie (ein­schließlich Anti­semitismus) kommt eine offene Fasz­i­na­tion für (sys­temüber­windende) Gewalt, das Selb­stver­ständ­nis als Rev­o­lu­tionär und die ganz dezi­dierte Ablehnung von Ver­fas­sung, Par­la­ment und Rechtsstaat. Kurzum: Schwab kann etwas bess­er for­mulieren als seine gewalt­täti­gen Kam­er­aden. 

Ibiza-Ver­schwörungs­the­o­rie von bekan­ntem Antisemiten

In einem Artikel mit dem klin­gen­den Titel „Die Ibiza-Ver­schwörung“ (S. 10) fan­tasiert Ger­hoch Reiseg­ger den Ibiza-Skan­dal als von Geheim­di­en­sten orchestri­erte Ver­schwörung, die ver­mut­lich von Georg Soros finanziert wurde. Dem Artikel ist ein graues Kästchen beige­fügt, das den Begriff ‚Ver­schwörungs­the­o­rie’ allen Ern­stes als das Pro­dukt ein­er CIA-Ver­schwörung deutet. Man freut sich darüber, dass dieser „Totschlag­be­griff“ und seine Anwen­dung in den Medi­en heute „dank Inter­net bei den Men­schen nicht mehr ver­fängt. 

Dieses skur­rile Aus­maß an Kri­tik­ab­wehr und Real­itätsverz­er­rung über­rascht nicht son­der­lich, denn bei dem Oberöster­re­ich­er Reiseg­ger han­delt es sich um einen bekan­nten anti­semi­tis­chen Ver­schwörungs­the­o­retik­er, der neben sein­er umtriebi­gen Schreibtätigkeit im recht­sex­tremen Par­al­lelu­ni­ver­sum („Aula“, „Eckart­bote“, „fak­ten“, „Neue Ord­nung“, „Deutsche Stimme“) offen Kon­tak­te zu Neon­azis pflegt und als Red­ner bei Neon­azi-Ver­anstalun­gen auftritt. 

Auch in der alten „Aula“ war er Stam­mau­tor. Das DÖW hat ihn in dem lesenswerten Text „Die Aula 2017: Gegen „Ostküste”, „Blutsver­mis­chung” und „par­a­sitäres Großkap­i­tal”“ mehrmals zitiert: Reiseg­ger warnt etwa davor, dass die Ver­schwör­er planten „die Völk­er und Rassen abzuschaf­fen“ (Feb­ru­ar 2017); außer­dem behauptet er, dass hin­ter dem Protes­tantismus „die ‚Syn­a­goge des Satans‘ und deren Helfer­shelfer, die freimau­rerischen Logen“ stün­den (März 2017). Eben­so in der „Aula“ (2008) befürchtet Reiseg­ger, dass mit der Wahl Barak Oba­mas – der eine „Schöp­fung der Logen, Zion­is­ten, Sozial­is­ten und Lib­eralen“ sei – eine „weit­ere Judaisierung“ auf die Welt zukomme, schließlich sei Oba­ma von Juden „finanziert und posi­tion­iert“ wor­den (Zitate nach DÖW). Reiseg­gers Wahn geht so weit, dass auch Naturkatas­tro­phen in die anti­semi­tis­che Ver­schwörungserzäh­lung einge­woben wer­den. So wird etwa der ver­heerende Tsuna­mi von 2004 als geplanter Anschlag hal­luziniert: Die jüdis­chen und amerikanis­chen Welt­be­herrsch­er hät­ten einen atom­aren Sprengsatz im Suma­tra-Graben gezün­det.  

Vor diesem Hin­ter­grund dürfte klar sein, auf wen Reiseg­ger anspielt, wenn er nun in der „Neuen Aula“ von „höheren Stellen“ spricht, die den Geheim­di­en­sten die Aus­führung der „Ibiza-Ver­schwörung“ genehmigt hät­ten.  

Geschicht­sre­vi­sion­is­mus und NS-Apolo­gie: Dreimal Duswald, zweimal Pfeiffer

Auch Fred Duswald (Danu­bia, München) schreibt für die „Neue Aula“. Im Jahr 2015 hat­te dieser in einem „Aula“-Artikel befre­ite Insassen des KZ Mau­thausen als „Land­plage“ und „Massen­mörder“ beze­ich­net. Die alte „Aula“ wurde dafür zivil­rechtlich zu einem Ver­gle­ich gezwun­gen. Jus­tizmin­is­ter Jablon­er kündigte an, bei der Gen­ral­prokuar­tur anzure­gen, das medi­en­rechtliche Ver­fahren nach der Verurteilung Öster­re­ichs durch den EGMR wieder neu aufzurollen. Hat die „Neue Aula“ daraus gel­ernt? Mit­nicht­en, wir find­en in ihr nicht nur den Autor der Dif­famierun­gen wieder, son­dern auch einen Leser­brief, in dem die ver­het­zen­den Pas­sagen gegen die KZ-Häftlinge fast wort­gle­ich wieder­holt wer­den. Das kön­nte nun ein Nach­spiel haben, denn die „Aula“ musste sich in einem Ver­gle­ich dazu verpflicht­en, wort- oder sin­nidente Wieder­hol­un­gen der inkri­m­inierten Pas­sagen zu unter­lassen. Ob das nun auch für die Nach­folge „Neue Aula“ gilt, kön­nen wir nicht ein­schätzen, das wird juris­tisch zu klären sein.

Ausschnitt aus dem Leserbrief: fast wortgleiche Wiederholung der Diffamierungen gegen KZ-Häftlinge

Auss­chnitt aus dem Leser­brief: fast wort­gle­iche Wieder­hol­ung der Dif­famierun­gen gegen KZ-Häftlinge

Vergleich mit der Aula aus dem zivilrechtlichen Verfahren (Febr. 2017)

Ver­gle­ich mit der Aula aus dem zivil­rechtlichen Ver­fahren (Febr. 2017)

Duswald selb­st steuert der „Neuen Aula“ gle­ich drei Artikel bei. Der heftig­ste trägt den Titel „Das Nar­ra­tiv vom ‚Über­fall’“ (S. 22–23), darin rel­a­tiviert er die Schuld von Nazi-Deutsch­land am Aus­bruch des 2. Weltkrieg. Der Über­fall auf Polen vom 1. Sep­tem­ber 1939 wird umgedeutet in die Reak­tion auf eine pol­nis­che „Pro­voka­tion“. Duswald ratio­nal­isiert das Ver­brechen fol­gen­der­maßen: Die Ver­sailler Verträge nach dem 1. Weltkrieg hät­ten durch die Abtren­nung Danzigs von Deutsch­land einen „kriegsträchti­gen Krisen­herd“ geschaf­fen. Auf die Schuldzuweisung an den Ver­sailler Ver­trag (ein beliebtes Motiv der extremen Recht­en um die deutsche Kriegss­chuld abzuwehren) fol­gt eine Ratio­nal­isierung von Hitlers Aggres­sion ver­bun­den mit ein­er Schuldzuschrei­bung an Polen: 

Obwohl Hitler als Gegen­leis­tung den Verzicht auf alle Gebi­ete bot, die Polen dem Deutschen Reich entris­sen hat­te, weigerte sich Warschau behar­rlich, über die Besei­t­i­gung der unhalt­baren Zustände zu ver­han­deln.“ Polen habe „den Kon­flikt auf die Spitze“ getrieben, der „Ter­ror gegen die deutsche Volks­gruppe“ sei unerträglich gewor­den.  

Aus der geplanten Eskala­tion von Nazi-Deutsch­land, dessen impe­ri­ale Kriegsab­sicht kein­er weit­eren Erk­lärung bedarf ob des geschichtlichen Ver­laufs, kon­stru­iert Duswald einen an „Ver­hand­lun­gen“ inter­essierten Staat mit legit­i­men ter­ri­to­ri­alen Inter­essen. Für den Aus­bruch des 2. Weltkrieg wird die Schuld dann Frankre­ich und Eng­land gegeben – mit deren Kriegserk­lärun­gen habe der Krieg begonnen, obwohl Deutsch­land „zu einem sofor­ti­gen Waf­fen­still­stand bere­it war“.   

Duswald bezieht sich selb­stre­dend nicht auf ser­iöse Quellen, son­dern auf recht­sex­treme Autoren, so zitiert er etwa den US-His­torik­er und Holo­caustleugn­er David L. Hog­gan. Außer­dem wird Man­fred Kleine-Hart­lage, ein Schreiber in Götz Kubitscheks Antaios-Ver­lag, zitiert. Mit seinem rel­a­tiv unver­hohle­nen Ver­ständ­nis für Hitler erge­ht sich Duswald in Revi­sion­is­mus und NS-Apologie.

In dem geschicht­sre­vi­sion­is­tis­chen Text ist außer­dem in bekan­nter recht­sex­tremer Manier von „Schuld­kult“ und „Schuld­getue“ die Rede; das heurige Gedenken an den Nazi-Über­fall auf Polen sei für den deutschen Präsi­den­ten Stein­meier ein „Buß- und Bück­tag“ gewe­sen; zudem beze­ich­net Duswald ihn als „der Vater­land­slose“.   

In einem weit­eren Artikel (S. 38) vertei­digt Duswald die NS-Bom­bardierung der kleinen pol­nis­chen Stadt Wielun gegen die „Ter­ror­bom­barde­ment-These“, die er im Rah­men des „ten­den­z­iösen Gedenkens“ am Werk sieht. Er recht­fer­tigt: „Von einem bewussten Angriff auf zivile Ziele kann keine Rede mehr sein, da wegen des dicht­en Boden­nebels die gesamte Stadt qua­si unsicht­bar gewe­sen sein muss.“ Vielmehr seien die Angriffe auf Wielun „also legit­ime mil­itärische Oper­a­tio­nen“ gewe­sen. Der Angriff auf die „qua­si unsicht­bare Stadt“ war in Wahrheit das erste Kriegsver­brechen der Nazis; die meis­ten His­torik­erIn­nen gehen heute davon aus, dass der Ter­ror gezielt gegen die Zivil­bevölkerung gerichtet war, da es in der Prov­inzs­tadt wed­er kriegsrel­e­vante Indus­trie noch Trup­pen gab (siehe aktuelle etwa Spiegel oder Focus).   

Dass der Nazi-Ver­ste­her Duswald in einem drit­ten Text (S. 15) die Äußerung von Wolf­gang Klinger (FPÖ Oberöster­re­ich) vertei­digt, wonach „Mis­chkul­turen“ bewiesen hät­ten, dass sie „nicht vorteil­haft“ seien, über­rascht vor diesem Hin­ter­grund nicht weit­er. Duswald vertei­digt nicht nur den an NS-Dik­tion erin­nern­den Sprech, son­dern moniert auch, dass in der ganzen Debat­te kein­er der „Wider­sach­er“ von Klinger erk­lärt hätte, worin „denn die Vorteile der Ver­mis­chung“ bestün­den. (Klinger selb­st hat sich übri­gens später für seine Äußerung entschuldigt.) 

Neben Duswald liefern auch andere Autoren teil­weise Revi­sion­is­tis­ches bzw. NS-Rel­a­tivieren­des. So etwa Her­aus­ge­ber Pfeif­fer (S. 25) wenn er zum revi­sion­is­tis­chen His­torik­er Alfred Schick­el schreibt: „1980 bezweifelte er in kon­ser­v­a­tiv­en Pub­lika­tio­nen gewisse Opfer­zahlen, was heute (…) straf­bar wäre.“ Pfeif­fer lobt den deutschen Innen­min­is­ter Horst See­hofer (um den sich der Artikel eigentlich dreht) dafür, sich für Schick­el posi­tion­iert zu haben und schmäht ihn dafür, dies heute nicht mehr zu tun: „Heute jedoch heult See­hofer mit den Wölfen (und Merkel) und will von Schick­els Erken­nt­nis­sen nichts mehr wis­sen.“ Kommt hier nur wenig ver­hohlen zum Aus­druck, dass Pfeif­fer diesen „Erken­nt­nis­sen“ über „gewisse Opfer­zahlen“ auch zus­tim­men würde, wäre da nicht eine strafrechtliche Bar­riere? 

Eben­so von Pfeif­fer ver­fasst (S. 36): Ein Artikel, der Wal­ter Mari­novic zum 90. Geburt­stag grat­uliert. Bei dem Grat­u­lanten han­delt es sich um einen bekan­nten recht­sex­tremen Pub­lizis­ten und langjähri­gen Schreiber bei der alten „Aula“. Mari­novic hat laut DÖW „kaum Berührungsäng­ste zum deutschen Nation­al­sozial­is­mus“, er pub­lizierte für die NPD-Zeitung „Deutsche Stimme“ und hat sich dieser gegenüber in einem Inter­view als „Ost­märk­er“ beze­ich­net, außer­dem war er 2004 ein­er der Erstun­terze­ich­n­er eines neon­azis­tis­chen Pam­phlets, des soge­nan­nten „Würt­tem­berg­er Appells“ (nachzule­sen in einem offe­nen Brief von Har­ald Walser anlässlich ein­er Ein­ladung von Mari­novic in den Par­la­mentsklub der FPÖ durch Mar­tin Graf). Pfeif­fer lobt diesen Braunen, dessen „uner­schrock­en­er Ein­satz im Kampf gegen die poli­tisch kor­rek­ten Gut­men­schen und alle linken Kul­turverder­ber unge­brochen ist“, in den höch­sten Tönen.

Zulet­zt noch zu Mario Kandil, Autor bei der recht­sex­tremen „Neuen Ord­nung”. Dieser beze­ich­net in einem Artikel mit dem Titel „Haupt­sache Wider­stand“ (S. 20) das gegen­wär­tige Deutsch­land in expliziter Analo­gie zum 3. Reich als „Herrschaft des Unrechts“. Er schreibt: „Immer mehr Bun­des­bürg­er empfind­en das von Merkel und den Ihren verkör­perte Sys­tem eben­falls ”unmen­schlich”.“ Diese infame und NS-rel­a­tivierende Behaup­tung bezieht sich aus­gerech­net auf eine Rede von Angela Merkel zum Gedenken an den Wider­stand gegen das NS-Regime. Dafür hat Kandil nur unter­grif­fi­gen Spott übrig (er nen­nt Merkel ein­mal sin­n­frei sal­badernde Pas­toren­tochter). 

Faz­it

Die „Neue Aula“ ist also die alte. Im Gegen­satz zum „neurecht­en“ „Freilich“ hält dieses zweite Nach­folge-Mag­a­zin der alten „Aula“ inhaltlich an ihr fest. Bere­its in der ersten Aus­gabe lässt sich dies leicht bele­gen: Geschicht­sre­vi­sion­is­mus, NS-Rel­a­tivierung und anti­semi­tis­che Ver­schwörungs­the­o­rie. Span­nend wird, inwieweit sich die „Neue Aula“ mit „Freilich“ um die über­schaubar große Schar von Abon­nen­ten und Inser­enten matchen wird. „Freilich“ wird von den alten Aula-Finanziers, den Frei­heitlichen Akademik­erver­bän­den, weit­er­be­trieben und hat Inser­enten und sicher­lich auch Leser mitgenom­men. Ob die nun zur „Neuen Aula“ wech­seln, wird sich zeigen. Jeden­falls füt­tert die Graz­er Hausver­wal­tung Strohmeier vor­erst sowohl „Freilich” als auch die „Neue Aula“ mit Inseraten.

Die Inserate in der "Neuen Aula": "Zuerst", Deutscher Buchdienst, Deutsche Militärzeitschrift, Hausvrwaltung Strohmeier

Die Inser­ate in der „Neuen Aula”: „Zuerst”, Deutsch­er Buch­di­enst, Deutsche Mil­itärzeitschrift, Hausver­wal­tung Strohmeier (nicht abge­bildet: Inser­at der neon­azis­tis­chen „Unab­hängige Nachricht­en”)

Erst im Juni 2018 hat Nor­bert Hofer, inzwis­chen FPÖ-Parte­ichef, seinen Partei-Fre­un­den via eines „Österreich“-Interviews mit­geteilt, dass jemand, der in der „Aula“ pub­liziere „die Chance auf eine weit­ere Kar­riere in der FPÖ ver­wirkt“ habe (APA via derstandard.at, 9.7.18). Vor dem Hin­ter­grund der völ­lig offenkundi­gen Kon­ti­nu­ität der Neuau­flage des Blattes sollte zu erwarten sein, dass Hofer sein­er deut­lichen Ansage nun Tat­en fol­gen lässt. Die Macht dazu hätte er. Bis jet­zt ist allerd­ings noch nichts passiert.     

Update 23. Oktober

Nach­dem die FPÖ ver­laut­baren ließ, dass sowohl Mar­tin Pfeif­fer als auch Albert Engel­mann aus der Partei aus­ge­treten seien, gab man bekan­nt, dass die „Neue Aula“ nach der ersten Num­mer wieder eingestellt wird. Manch­mal zahlt es sich doch aus, hart­näck­ig zu bleiben.

Quellen

Alle Zitate die nicht anders aus­gewiesen sind stam­men aus: Neue Aula, Okt. 2019, Nr. 1, Jg. 1

Fußnoten

1 Web­site von „Der 13.“, zulet­zt einge­se­hen am 21.10.2019
2 Auch in der „Neuen Aula“ (S. 24) bedi­ent Engel­mann dieses Argu­men­ta­tion­s­muster: Er echauffiert sich darüber, dass die bayrische „Löwen­bräu AG“ kurzfristig ihre Räum­lichkeit­en für den Jahreskongress der recht­sex­tremen „Gesellschaft für freie Pub­lizis­tik“ (GfP) doch nicht zur Ver­fü­gung gestellt hat­te. Er behauptet: Die Löwen­bräu AG sei „schon immer linkslastig“ gewe­sen, denn ab 1933 habe dort „der linke nationale Sozial­ist Adolf Hitler“ seine Reden gehalten.
3 Ein Text ohne Autore­nangabe (S. 6) bezieht sich auf Kurz’ Zeit als JVP-Chef und seine pein­liche PR-Kam­pagne „Geilo­mo­bil“: „Immer war er umgeben von leicht bek­lei­de­ten jun­gen Damen aus dem Rotlicht­m­i­lieu. Manche SPÖ-Funk­tionäre meinen zu wis­sen, dass sich Kurz um 2005, also 19-jährig, im Rotlicht­m­i­lieu bewegt habe, seine eige­nar­tige Wer­bekam­pagne also nicht von irgend­woher gekom­men sei.
4 Zitiert nach dem Blog „sachedesvolkes“, zulet­zt einge­se­hen am 21.10.2019