Salzburg: Neonazi in den Gerichtssaal getragen

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53 Straf­ta­ten nach dem NS-Ver­bots­ge­setz wer­den dem Ange­klag­ten Björn Erik W. (40) zur Last gelegt. Über meh­re­re Jah­re hat­te er im Wind­schat­ten der bei­den jugend­li­chen Neo­na­zis, die Anfang 2015 für weit über 100 neo­na­zis­ti­sche Delik­te , dar­un­ter zahl­rei­che Stol­per­stein-Schmie­re­rei­en, ver­ur­teilt wur­den, sei­ne NS-Aktio­nen betrie­ben. Jetzt steht er vor Gericht – ange­zo­gen, was er eigent­lich ver­hin­dern wollte.

Zwi­schen Juni 2013 und Juni 2015 hat der Ange­klag­te sei­ne Delik­te gesetzt. Mehr­fa­che Beschmie­run­gen des Wider­stands­denk­mals am Kom­mu­nal­fried­hof, auch von Stol­per­stei­nen, NS-Paro­len auf die Par­tei­zen­tra­len von SPÖ und Grü­nen, auf das Inte­gra­ti­ons­haus und die Zer­stö­rung des Eutha­na­sie­denk­mals gehen auf sein Kon­to.


Poli­zei­fo­to NS Schmier­ak­ti­on Kom­mu­nal­fried­hof, Wie­ner Zeitung
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Es wird kei­ne ein­fa­che Ver­hand­lung wer­den – das zeig­te schon der Auf­takt am Don­ners­tag, 31.März. Der Ange­klag­te woll­te nackt oder nur mit einer Unter­ho­se beklei­det vor Gericht erschei­nen. Die Jus­tiz­wa­che konn­te ihn schließ­lich dazu ‚über­re­den‘, mit Jog­ging­be­klei­dung auf­zu­tre­ten, nach­dem er den für die Ver­hand­lung bereit­ge­stell­ten Anzug zer­stört hat­te. „Letzt­lich wur­de er im Jog­ging­an­zug von Jus­tiz­wa­che­be­am­ten in den Saal getra­gen“, beschreibt das die APA . Dann ver­wei­ger­te er sei­nen Pflicht­ver­tei­di­ger. Nach einer Beleh­rung durch die vor­sit­zen­de Rich­te­rin ließ er die­sen aber doch noch spre­chen. Aus des­sen Plä­doy­er wur­de dann ersicht­lich, dass sich der Ange­klag­te, der seit Jah­ren obdach­los ist, in ers­ter Linie selbst als Opfer sieht. Der „Stan­dard“ bringt eine erhel­len­de Zusam­men­fas­sung der Eigen- und Welt­sicht des Ange­klag­ten, der bis zum Alter von 26 noch Erkan hieß und sei­nem tür­ki­schen Vater vor­wirft: „Er hat mich um mei­ne deut­sche Her­kunft betrogen“.

Der Pro­zess wird – so der „Stan­dard“- nicht nur heu­te Frei­tag, son­dern auch nächs­te Woche noch fortgesetzt.