Rechtsextreme Störaktion bei Bauman-Vortrag

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Am 8. April wur­de der Vor­trag des inter­na­tio­nal bekann­ten Sozio­lo­gen Zyg­munt Bau­man im Wien ‑Muse­um am Karls­platz durch Akti­vis­ten der rechts­extre­men pol­ni­schen Grup­pe Wie­dens­ka Inic­ja­ty­wa Naro­do­wa (W.I.N.) mit Sprech­chö­ren unter­bro­chen bzw. gestört. Die Wie­ner Grup­pe, die auch als Ver­ein regis­triert ist, ist schon in der Ver­gan­gen­heit durch ein­deu­tig rechts­extre­me Aktio­nen auf­ge­fal­len.

Die Akti­on von W.I.N. rich­tet sich nicht zufäl­lig gegen Zyg­munt Bau­man, der auf Ein­la­dung des Insti­tuts für die Wis­sen­schaf­ten vom Men­schen (IWM) sei­nen Vor­trag über ‚Dia­spo­ric Ter­ro­rism‘ im Wien Muse­um hielt. Weni­ge Minu­ten nach Beginn des Vor­trags brüll­ten die Akti­vis­ten von W.I.N. auf pol­nisch Paro­len, die in der Über­set­zung lau­ten: „Wir geden­ken der Hel­den, wir las­sen Kom­mu­nis­ten nicht leben, weg mit Kom­mu­nis­mus“.


Stör­ak­ti­on der Wie­dens­ka Inic­ja­ty­wa Naro­do­wa (W.I.N.)
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Schon in der Ver­gan­gen­heit wur­den Vor­trä­ge von Bau­man in Polen durch Rechts­extre­me auf eine sehr ähn­li­che Art und Wei­se gestört bzw. unter­bro­chen. Dabei ist es auch zumin­dest in einem Fall zur Ver­ur­tei­lung eines Anstif­ters gekom­men. Die­ses Urteil in Wro­claw (Bres­lau) wur­de auch in einem Trans­pa­rent, das in der Vene­di­ger Au ange­bracht war und auf dem Face­book-Kon­to von W.I.N. ver­öf­fent­licht wur­de, hef­tig als „pseu­do-demo­kra­ti­sches Gerichts­ur­teil“ kritisiert.

Nur vor­der­grün­dig rich­tet sich der Pro­test gegen eine angeb­lich kom­mu­nis­ti­sche Ein­stel­lung Bau­mans. Dem jüdi­schen Sozio­lo­gen, der1939 vor den Nazis aus Polen flüch­ten muss­te, wird viel­mehr vor­ge­wor­fen, dass er zwi­schen 1945 und 1953 als poli­ti­scher Offi­zier an der Bekämp­fung des pol­ni­schen anti­kom­mu­nis­ti­schen Wider­stands betei­ligt war. Bau­man, der aus die­ser Epi­so­de sei­ner Bio­gra­phie kein Geheim­nis gemacht hat­te, war im Jahr 2006 von dem rech­ten His­to­ri­ker Bog­dan Musi­al als sta­li­nis­ti­scher Ideo­lo­ge ange­grif­fen worden.

Die Kri­tik an Bau­man und ihre Wie­der­ho­lung in den Fol­ge­jah­ren ist aller­dings unred­lich, weil sich Bau­man sowohl in sei­ner Bio­gra­phie als auch in sei­nen Wer­ken deut­lich von kom­mu­nis­ti­scher Herr­schaft und Sta­li­nis­mus distan­ziert hat. Viel eher darf ver­mu­tet wer­den, dass bei den Stör­ak­tio­nen gegen Bau­man eine gehö­ri­ge Por­ti­on Anti­se­mi­tis­mus – ein wich­ti­ges Merk­mal des pol­ni­schen Rechts­extre­mis­mus – mitspielt.

Nach dem Brül­len ihrer Paro­len zogen sich die Akti­vis­ten wie­der aus dem Wien-Muse­um zurück. Ob sie auch bei den nächs­ten Vor­trä­gen des welt­be­kann­ten Sozio­lo­gen wie­der stö­ren, wird nicht zuletzt auch vom Ein­satz des Ver­fas­sungs­schut­zes bzw. der Poli­zei abhän­gen, die im Wien-Muse­um offen­sicht­lich nicht prä­sent waren.

Spä­tes­tens bei den rech­ten Gegen­de­mons­tra­tio­nen zur Regen­bo­gen­pa­ra­de wer­den die rechts­extre­men Wie­ner Polen aber wie­der in der Öffent­lich­keit auf­tre­ten wollen.

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