Wolfgang Haberler — Zwischen Spritzentrauma und Horst Wessel –Lied (II)

Die poli­tis­chen und per­sön­lichen Affären des Wolf­gang Haber­ler sind so zahlre­ich und heftig, dass man sich nur mehr die Frage stellen kann, wie es möglich ist, dass dieser Men­sch nach wie vor poli­tisch aktiv ist und in der aktuellen Kon­stel­la­tion in Wiener Neustadt sog­ar zum Zün­glein an der Waage wer­den kann.

Schon zu Beginn sein­er poli­tis­chen Kar­riere hat sich Haber­ler am recht­en Rand posi­tion­iert. Das deutschna­tionale Lager in der FPÖ hat ihm dann jahre­lang die Mauer gemacht, ihn unter­stützt – bis zum jähen Fall im Jahre 2002. 

Rechtsextreme Burschenschaft und Horst Wessel-Lied

Im Jahr 2000 titelte „profil“(Nr. 44 /2000) einen aus­führlichen Bericht über Haber­ler mit „Ein echter Kam­er­ad“. Kam­er­ad Haber­ler, so ‚pro­fil‘, habe „bei diversen Anlässen, zu vorg­erück­ter Stunde und in wein­seliger Stim­mung, auch gerne seinem Sanges­drang“ nachgegeben und dabei auch Nazi-Lieder geträllert. Als Zeu­gen benan­nte ‚pro­fil‘ den Haber­ler-Kon­tra­hen­ten Fab­sits und die ehe­ma­lige Bezirk­sobfrau der FPÖ, Elfriede Klimt. „Na freilich haben sie Nazilieder gesun­gen. Ich habe gehört, wie Wolf­gang Haber­ler das Horst-Wes­sel-Lied gesun­gen hat”, wird Klimt zitiert. Haber­ler sprach von Ver­leum­dung und kündigte damals rechtliche Schritte an (zu denen es aber allem Anschein nach nicht gekom­men ist). In der NÖN wartete er jeden­falls mit einem ganz beson­deren Zeu­gen auf, Bern­hard Blochberg­er: „Das kann ich unter Eid aus­sagen, dass solche Lieder dort nicht gesun­gen wor­den sind“ (NÖN,31.10.2000)

Unwider­sprochen blieb jeden­falls, dass Haber­ler Mitte der 80er Jahre ein­er der Aktivis­ten der Europaburschen­schaft Tafel­runde zu Wien war, die sog­ar den Mit­glieds­bün­den der Deutschen Burschen­schaft in Öster­re­ich als zu weit rechtsste­hend galt. Gemein­sam mit Haber­ler werk­te dort der Neon­azi Georg Gasser, dessen „SS-Kampfge­mein­schaft Prinz Eugen“ dann 2002 aufge­flo­gen ist.


„SS-Kampfge­mein­schaft Prinz Eugen“: „Genug für eine Kom­panie: Ein klein­er Teil der gefun­de­nen Waf­fen”, berichtete der Kuri­er. Foto: APA_Bmfi ”
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Mit dem früheren NDP-Mann und Gen­dar­men Bern­hard Blochberg­er ver­band Haber­ler über die Jahre hin­weg vieles, vor allem die recht­sex­treme Ide­olo­gie. Blochberg­er, der 1988 für die NDP-Tarn­liste „Ein Herz für Inlän­der“ kan­di­dierte, stieß in den 90ern zur FPÖ NÖ und traf dort auf Haber­ler. Die bei­den blieben ver­bün­det bis über ihren Parteiaus­tritt hin­aus und starteten 2006 noch einen Kar­ri­ere­ver­such beim BZÖ. Im Sep­tem­ber 2002 ver­ließ Wolf­gang Haber­ler, damals immer­hin stel­lvertre­tender Parteiob­mann der FPÖ NÖ, die Partei – im Jän­ner 2003 fol­gte Blochberg­er nach.

Vaterschaft, Spritzentrauma und schwerer Betrug

Aber warum ver­ließ Haber­ler die Partei ? Nach eige­nen Angaben, weil es ihm nicht gelun­gen ist, „die Partei in die richtige Rich­tung zu drehen“ (APA, 24.9.2002). Tat­säch­lich aber, weil die Ermit­tlun­gen zu sein­er Vater­schaft bei A.P. schon längst einen kri­tis­chen Punkt über­schrit­ten hatten.

Im Mai 2000 hat­te Chr. P., eine frühere Gemein­der­atskol­le­gin (eben­falls FPÖ), eine Vater­schaft­sklage gegen Haber­ler einge­bracht. Nach­dem die NÖN (16.5.2000) zunächst berichtete, dass Haber­ler in den Vater­schaft­stest ein­willi­gen würde, gab sein Anwalt Wochen später (NÖN, die Parole aus, dass es keine Vater­schaft­sklage gegen Haber­ler gäbe.

Im April 2001 schien alles gek­lärt. Die NÖN (30.4.2001) berichtete, dass das Ergeb­nis eines pri­vat­en Vater­schaft­stests die Kindesmut­ter Chr.P. wie ein „Keu­len­schlag“ getrof­fen habe: “Nach einem Test wurde ein­deutig fest­gestellt, dass Wolf­gang Haber­ler nicht der Vater ihres kleinen Buben sein kann“ (NÖN). Die Kindesmut­ter bezweifelte das Ergeb­nis, während Haber­ler davon sprach, dass vor rund einem Jahr die „Kam­pagne“ gegen ihn begonnen habe.

Im Herb­st 2001 sprach Haber­ler von einem neuer­lichen „poli­tis­chen Ein­griff“ (NÖN, 26.11.2001), weil das Jugen­damt Wiener Neustadt den Fall neu aufrol­lte und einen neuen Vater­schaft­stest beantragte.

Im Sommer2002 veröf­fentlichte die NÖN dann ein Schreiben des zuständi­gen Unter­suchungsrichters, aus dem her­vorge­ht, welchen Ver­dacht die Ermit­tlun­gen mit­tler­weile ergeben hatten:

„Der Beschuldigte ste­ht im Ver­dacht, zu einem noch festzustel­len­dem Zeit­punkt an einem noch festzustel­len­dem Ort, einen noch auszu­forschen­den Täter dazu gebracht zu haben, dass dieser am 27. März 2001 in Wien an sein­er Stelle eine Blut­probe beim Sachver­ständi­gen Univ. Prof. Dr. Ger­not Tilz abgegeben hat. Dadurch soll dem Sachver­ständi­gen eine nicht von Haber­ler stam­mende Blut­probe für die Befun­dauf­nahme und Gutacht­en­er­stat­tung zur Fest­stel­lung der Vater­schaft des min­der­jähri­gen P. (geboren 1998) im Ver­fahren 17 C 148/00d vor dem Bezirks­gericht Wiener Neustadt ver­schafft wor­den sein. Auf­grund dieser Blut­probe soll der Sachver­ständi­ge am 3. April 2001 ein falsches Gutacht­en erstat­tet haben, indem er zu dem Schluss gekom­men ist, dass Haber­ler als Vater des P. auszuschließen ist.” (NÖN, 3.6.2002)

Haber­ler sprach von ein­er „Schmutzkü­belkam­pagne“ und davon, dass er alles gemacht habe, was zumut­bar sei. Die Zeitschrift „For­mat“ fasste das Zwis­ch­en­ergeb­nis fol­gen­der­maßen zusammen:

„Die Fre­unde lagen einst gemein­sam im kroat­is­chen Schützen­graben. Dann begann der eine mit der Frau des anderen ein Ver­hält­nis, sie tren­nte sich von ihrem Mann und zeugte mit dem anderen ein Kind. Der Kinds­vater will jedoch nichts mehr von ihr und seinem Kind wis­sen. Sie verk­lagt ihn auf Zahlung der Ali­mente und ver­langt einen Vater­schaft­stest. Der mögliche Kinds­vater ist aber schlau: Er schickt einen anderen zum Test, der sich für ihn aus­gibt. Dafür wird er nun von der Staat­san­waltschaft ver­fol­gt“ (For­mat Nr. 25 vom 14.6.2002)

Einen weit­eren Vater­schaft­stest ver­weigerte Haber­ler, der zu diesem Zeit­punkt auch noch Land­tagsab­ge­ord­neter der FPÖ war, mit der Begrün­dung, er habe seit sein­er Kind­heit ein Spritzen­trau­ma. Einen Spe­ichel­test ver­weigerte er eben­so wie eine Unter­schriften­probe. Im Sep­tem­ber 2002 dann- wenige Tage vor der Entschei­dung des Land­tags über die Aufhe­bung sein­er Immu­nität – der Parteiaus­tritt und Rück­tritt vom Man­dat als Abgeordneter.


Spritzen­trau­ma seit der Kindheit
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Im Okto­ber 2003 entsch­ied das Bezirks­gericht Wiener Neustadt , dass Haber­ler über ein DNA-Gutacht­en ein­deutig als Vater fest­gestellt wer­den kon­nte. Gegen die vom Gericht ver­fügte Nachzahlung der Ali­mente für seinen mit­tler­weile fün­fjähri­gen Sohn ging Haber­ler in Beru­fung. Zu dem Gutacht­en hat­te er nur den zynis­chen Kom­men­tar übrig: „Es wäre alles bere­its vor fünf Jahren klär­bar gewe­sen, wenn die Frau P. nicht alle paar Monate vor Gericht andere Män­ner als Vater für ihren Sohn angegeben hätte!” (NÖN, 14.8.2003). Ende August 2004 urteilte das Lan­des­gericht Wiener Neustadt, dass Haber­ler, der mit­tler­weile Stad­trat in Wiener Neustadt war, schw­eren Betrug began­gen habe, und ver­don­nerte ihn zu zwei Jahren bed­ingter Haft.

Nur wenig später eröffnete Haber­ler mit sein­er Liste „Wiener Neustadt Aktiv“ den Wahlkampf für die Gemein­der­atswahlen 2005 mit abso­lut het­zerischen Tönen. „Aktion Mit­men­sch“ ortete „blanken Aus­län­der­hass“ und die Grü­nen über­legten eine Klage wegen Ver­het­zung. Nicht zum ersten Mal übrigens.

Fort­set­zung folgt!

Bish­er: Wolf­gang Haber­ler – der Recht­saußen von Wiener Neustadt (I)