Dornbirn/Feldkirch: Der Führer kam nicht, stattdessen das Gericht

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Am Frei­tag, 12. Dezem­ber, wur­de in Feld­kirch vor einem Geschwo­re­nen­ge­richt wegen NS-Wie­der­be­tä­ti­gung gegen einen 35-jäh­ri­gen Dorn­bir­ner ver­han­delt. Der schon fünf­mal Vor­be­straf­te hat­te am 8. März im Rohrbach(Dornbirn) beim tra­di­tio­nel­len „Fun­ken“ zwei Frau­en mit Nazi­sprü­chen beschimpft. Sei­ne Nazi-Sprü­che wie­der­hol­te er auch bei der Ein­ver­nah­me durch Poli­zei und Staatsanwaltschaft.

Vor dem Geschwo­re­nen­ge­richt in Feld­kirch war der Ange­klag­te „hand­zahm“, wie die „Vor­arl­ber­ger Nach­rich­ten“ anmerk­ten. Als ihn der Rich­ter zu Ver­hand­lungs­be­ginn anblafft („Neh­men Sie Ihr Käpp­chen run­ter, sonst haben wir hier ein Pro­blem“), fügt er sich brav mit der ent­schul­di­gen­den Erklä­rung: “Aber die Fri­sur passt nicht“ .

Im März beim Fun­ken tön­te der Neo­na­zi noch anders. Zwei Frau­en, die als „aus­län­disch“ beschrie­ben wer­den, beschimpf­te er mit „Ihr Scheiß Zigeu­ner. Ihr gehört ins KZ“. Der Vor­fall wur­de ange­zeigt und als es zur poli­zei­li­chen Ein­ver­nah­me kam, leg­te er wie­der mit Nazi-Sprü­chen los. Die Poli­zei pro­to­kol­lier­te: “Bei­de Hexen soll­ten auf den Schei­ter­hau­fen! Hit­ler wür­de sich dar­über freu­en! Es wäre wohl bes­ser, wenn der Hit­ler noch da wäre. Das habe ich nicht laut gesagt . .“.(Vol.at).


Fun­ken­feu­er: Bren­nen­der Fun­ken in Form eines Holz­turms; Quel­le: Böh­rin­ger Fried­rich; CC
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Wei­ter ging’s bei der Ein­ver­nah­me durch den Staats­an­walt. Da soll­te dem Neo­na­zi eigent­lich schon gedäm­mert haben, dass es ernst wer­den könn­te mit einer Ankla­ge, aber er gab auch dort noch ein Glau­bens­be­kennt­nis ab: „Ich will, dass ein neu­er Füh­rer kommt, der auf­räumt!“.

Der Füh­rer kam nicht, aber eine Haus­durch­su­chung und jetzt die Ver­hand­lung vor den Geschwo­re­nen, bei der er ziem­lich klein­laut ein­ge­stand: „Ich habe damals nicht nach­ge­dacht“.

Mit „damals“ war das Fun­ken­feu­er gemeint, Dass er auch bei den nach­fol­gen­den Ter­mi­nen mit Poli­zei und Staats­an­walt­schaft nicht „nach­ge­dacht“ hat­te, fiel ihm nicht so wirk­lich auf. Sei­ne Ver­tei­di­gungs­stra­te­gie war näm­lich – da dürf­te er echt scharf nach­ge­dacht haben – der Alkohol:

„Ich war eben betrun­ken. Und ich habe nicht gewusst, dass das alles so ein Thea­ter nach sich zieht. Ich wer­de mich zukünf­tig nie mehr der­ar­tig äußern. Ich bin jetzt auf­ge­wacht.“ (Vor­arl­ber­ger Nach­rich­ten, 13.12.14).

Bemer­kens­wert an die­ser Erklä­rung ist die Ein­schät­zung mit dem „Thea­ter“ – die lässt ver­mu­ten, dass der Mann trotz gegen­tei­li­gem Ver­spre­chen und Erwe­ckungs­phan­ta­sien eine ziem­lich ungüns­ti­ge Pro­gno­se hat.

Die Geschwo­re­nen haben kei­ne Schwie­rig­kei­ten mit der Ein­schät­zung und erken­nen ein­stim­mig auf „schul­dig“. Das Straf­aus­maß: 330 Tages­sät­ze zu 6 Euro und 12 Mona­te Haft bedingt auf drei Jah­re. Die „Vor­arl­ber­ger Nach­rich­ten“ mer­ken im Schluss­satz an: “Es hät­te schlim­mer für den Ange­klag­ten aus­ge­hen kön­nen“.

Wer sagt denn, dass das letz­te Wort schon gespro­chen ist? Ein User im Forum von vol.at hat eine eher pes­si­mis­ti­sche Pro­gno­se: „Der Typ wird wie­der sau­fen und sich wie­der so auf­füh­ren, dann geht er hof­fent­lich sit­zen.…“.