Freiheitliche Arbeitnehmer OÖ (II): Weitere „Ausrutscher“

Den freiheitlichen Arbeitnehmern Oberösterreich ist bei der Erstellung ihrer KandidatInnenliste für die Arbeiterkammerwahlen angeblich ein Irrtum passiert: ein wegen NS-Wiederbetätigung verurteilter und aus der FPÖ ausgetretener Funktionär wurde „versehentlich“ auf die Liste genommen. Hineingerutscht sozusagen – so ein Pech! Da stellt sich die Frage, ob es noch andere „Ausrutscher“ auf der Liste gibt.

Bleiben wir noch einen Moment bei der „versehentlichen“ Auswahl von Michael Gruber aus Aurolzmünster. Nach Auskunft von Manfred Pühringer, dem Listenersten und Landesobmann der FA, geht das „Versehen“ gar nicht auf das Konto der FA, sondern der Bezirkspartei FPÖ. Warum fragt und bestimmt die FPÖ- Bezirkspartei Kandidaten, wenn doch eigentlich die „Freiheitlichen Arbeitnehmer“ dafür zuständig sind?

Dankenswerterweise hat der Spitzenkandidat Pühringer zumindest teilweise offengelegt, wie die KandidatInnen der FA ausgewählt werden: die Plätze 1 -30 werden vom Präsidium der FA bestimmt, die Plätze 31 -50 werden von Pühringer selbst festgelegt, und der stolze Rest von 100 KandidatInnen wird halt irgendwie über die Partei aufgefüllt bzw. bestimmt.

Jetzt gehen wir einmal davon aus, dass das Präsidium der FA genau kontrolliert hat, dass unter seinen 30 KandidatInnen keine mit braunen Flecken auftauchen. So ganz sicher kann man sich da ja nicht sein, wenn man den Ausführungen des Basisdemokratischen Webkollektivs (Bawekoll) folgt: „Dabei ist das Problem ja eigentlich der Listenerste…“.

Der hat doch, als sein Bauch-Tattoo 2011 öffentlich bekannt und bewundert wurde, versichert: „In Verbindung mit dem österreichischen Bundesadler ist der Spruch ‚Ehre, Treue, Vaterland‘ für mich ein klares Bekenntnis zu Patriotismus und Demokratie sowie eine klare Absage an das ‚Dritte Reich“.

Warum verlinkt er dann zu den „Patrioten Deutschland“? Warum hatte er so deutlich einschlägige FB- Freunde? Einfach „durchgerutscht“?

So wie der ebenfalls aus Aurolzmünster stammende Michael Lindner? Der kandidiert auf Platz 32 der FA-Liste, ist also von Manfred Pühringer persönlich bestimmt worden. Lindner ist noch immer Gemeinderat. Gegen ihn liefen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Ried wegen des Verdachts der NS- Wiederbetätigung, weil er anlässlich der „Wintersonnwende“ auf Facebook Auszüge aus dem HJ-Gedicht „Sonnenwende“ veröffentlicht hatte. Dem „Kurier“ erklärte er damals:

„Ich habe nicht gewusst, dass das Gedicht aus der NS-Zeit stammt…“.

Die Verse sind dem Ahnungslosen einfach durchgerutscht! So ein Pech aber auch! Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen gegen ihn im Frühjahr 2013 eingestellt – das qualifiziert offensichtlich schon für eine FA-Kandidatur und die „Bestimmung“ durch den Spitzenkandidaten.

Harald Haas ist der nächste Bekannte auf der Liste. Der Kandidat für Platz 59, der sich für Facebook eine Fotomontage gebastelt hat, in der ihm der iranische Ex-Präsident Ahmadinedschad das Haupt küsst, hatte beste Kontakte zum neonazistischen Bund freier Jugend (BfJ), war 2005 bei dessen „Tag der volkstreuen Jugend“ auf Schloss Hochscharten und 2007 dann in St. Johann im Pongau:

„Das Treffen war so geheim, dass nur zwei der 56 Neonazis wussten, wo es stattfinden soll“, berichtete damals „Österreich“ (19.3.2007).

Harald Haas fand damals den Weg nach St. Johann und die Polizei in seinem Auto eine schwarzweißrote Fahne mit dem Aufdruck „Nationaler Widerstand“, die aber laut Haas einem anderen seiner Mitfahrer gehörte. Haas fand auch, dass es keinen Unterschied zwischen dem BfJ und dem Ring Freiheitlicher Jugend (RFJ) gebe – was insofern seine Berechtigung hatte, weil etliche Aktivisten des BfJ damals auch Funktionäre des RFJ waren.

Jetzt könnte man natürlich – so wie manchmal die FPÖ – argumentieren, das alles sei doch schon sechs oder sieben Jahre her und Harald Haas ein geläuterter und gestandener freiheitlicher Arbeitnehmer, wäre da nicht die Facebook-Gruppe „Freiheit für Gottfried Küssel“ gewesen, bei der auch Harald Haas in der Gästeliste war. Von der FB-Freundschaft mit dem Braunen von Wels, Ludwig Reinthaler, ganz zu schweigen.

Auf Platz 71 kandidiert Franz Hager. Auf Facebook präsentiert er einen breiten Freundeskreis, Auch bei ihm ist Reinthaler dabei. 2011 war er noch mit einem anderen sehr bekannten Braunen befreundet: Karl Heinz Hoffmann, Neonazi und früher Chef der Wehrsportgruppe Hoffmann. Mit Hoffmann waren damals etliche Freiheitliche und auch bekennende Nationalsozialisten befreundet, bevor dieser die Reißleine zog und aus Facebook wieder verschwand.

Vermutlich ist der Hoffmann dem Hager Franz einfach „durchgerutscht“ – man kennt das ja bereits. Aber es gab da auch noch andere Postings des Franz Hager aus einem angeregten Dialog mit Mani Fellner ,auch ein alter Bekannter, doch das ist eine andere Geschichte. Der freiheitliche Arbeitnehmer Hager hetzt da gegen die „Murln“, von denen es nur so wimmle bei den Krankenkassen („Zum Kotzen“) , und gegen die „Ratten in der Regierung“. Da passt sein öffentlicher Kommentar auf Facebook nicht so ganz dazu: „Eines möchte ich klarstellen: Wir sind nicht ausländerfeindlich , sondern INLÄNDER – FREUNDLICH !!!!!“.

Florian Meilinger war 2010 noch ein Funktionär des RFJ, als er auf Facebook anlässlich einer Debatte über das NS-Verbotsgesetz über die „Strolchen“republik herzog und den Nazi-Vers „Volk ans Gewehr!“ zitierte. Wie bei allen anderen Freiheitlichen, die Nazi-Verse zitieren, war auch ihm sicher unbekannt, dass der Spruch aus dem Lied „Siehst du im Osten das Morgenrot“ von Arno Pardun stammt, der das Lied Joseph Goebbels gewidmet hatte. Jetzt kandidiert er auf Platz 88 für die FA OÖ. Sein Zitierpech kann er vielleicht gelegentlich mit Michael Lindner in der Gruppe besprechen.

Ein völlig anderes Pech ereilte den Kandidaten für Platz 14, Dietmar Reitbauer. Die „Oberösterreichischen Nachrichten“ berichteten erst vor wenigen Tagen, dass der blaue Betriebsrat von seinem Unternehmen BMW entlassen wurde, weil er falsche Zeitabrechnungen gelegt habe. In diesem Fall gibt es wenigstens klare Konsequenzen: der Streit um die Zeit wird von einem Arbeitsgericht geklärt – bei allen anderen hier vorgestellten Kandidaten wird es keine Klärung geben, ist zu befürchten.

kurier.at – Blauer Kandidat für AK-Wahl fand „Murln zum Kotzen“