Doch nicht durchgerutscht: Anklage gegen FPÖ-Pressesprecher

Wie der „Fal­ter“ (Nr. 4 vom 22.1.13) berichtet, hat die Staat­san­waltschaft Wien nun doch Anklage gegen den früheren Press­esprech­er des Wiener FPÖ-Klubob­manns Johann Gude­nus, Ste­fan Gotschacher, wegen des Ver­dachts der NS-Wieder­betä­ti­gung erhoben. Die Ver­hand­lung wird voraus­sichtlich im März am Wiener Lan­des­gericht stattfinden.


Ste­fan Gotschacher gegen „Deutschfeindlichkeit”

Die Staat­san­waltschaft Wien hat­te im Som­mer 2013 ihre Ermit­tlun­gen gegen Gotschacher eingestellt, nach ein­er Weisung aus dem Jus­tizmin­is­teri­um aber wieder aufgenom­men. Der „Fal­ter“ hat­te im April 2013 über die Zitate berichtet, die Gotschacher auf sein­er Face­book-Seite veröffentlichte:

Wer auf Face­book auf die „Lieblingsz­i­tate“ von Ste­fan Gotschacher klickt, find­et mar­tialis­che Sprüche. „Meine Knochen kön­nt ihr brechen, meinen Glauben nicht“, ste­ht da zum Beispiel, ein Song von Stahlge­wit­ter, ein­er Band aus dem recht­sex­tremen Milieu. Daneben: „Und wenn sich die Rei­hen auch licht­en, für uns gibt es nie ein Zurück.“ Dies stammt aus dem Lied „SS marschiert im Fein­des­land“, einem Kampflied der Waf­fen-SS. Im sel­ben Lied heißt es etwa auch: „Wir kämpfen für Deutsch­land, wir kämpfen für Hitler, der Rote kommt nie mehr zur Ruh. (Fal­ter Nr. 15/2013)

Gotschacher recht­fer­tigte sich damit, dass ihm die Herkun­ft dieser Zitate unbekan­nt gewe­sen sei: „durchgerutscht“ sozusagen.

„Durchgerutscht“ waren ihm vorher schon die Face­book-Fre­und­schaften zu Ger­hard Ittner und Meinolf Schön­born. Bei­de dur­chaus bekan­nte und schwere Neon­azis aus der BRD. Befre­un­det waren die bei­den jeden­falls mit etlichen frei­heitlichen Funk­tionären und Man­dataren, die erst nach einigem Zögern und medi­aler Berichter­stat­tung ihre FB-Fre­und­schaften aufkündigten. Bit­tere Ironie für Gotschacher: Auch Hans-Jörg Jenewein, damals Lan­desparteisekretär und jet­zt Nation­al­ratsab­ge­ord­neter der FPÖ, der die Tren­nung von Gotschacher bekan­nt­gab, war mit Meinolf Schön­born befreundet.

Schon zuvor war Gotschacher etwas „durchgerutscht“: Im Dezem­ber 2011 stellte Gotschacher als seine „Mei­n­ung zur gestri­gen Gemein­der­atssitzung“ das „Neue Lied“ von „Tan­zorch­ester Immer­voll“ auf seine FB-Pin­nwand. „Tan­zorch­ester Immer­voll“ war der Alias-Name der Neon­azi-Band „Landser“, die von den deutschen Behör­den zur krim­inellen Vere­ini­gung erk­lärt wor­den war. Dem „Kuri­er“ (21.9. 2012) erk­lärte Gotschacher, dass ihm dieser Zusam­men­hang unbekan­nt war und er den Link gelöscht hat, nach­dem ihn ein Fre­und darauf aufmerk­sam gemacht hatte.

„Durchgerutscht“ ist Gotschacher so manch­es: etwa die dur­chaus ver­leumderische Behaup­tun­gen über die ehe­ma­lige Jus­tizmin­is­terin Beat­rix Karl „Diese Per­son (ÖVP) schützt Kinder­schän­der“ oder über die Grü­nen, „die laut Parteipro­gramm für Kinder-Sex sind. Über die roten Kinder­schän­der wis­sen wir ja nach dem Hor­ror in den Heimen des roten Wiens Bescheid.“

Worauf sich die Anklage gegen Gotschacher im Detail stützt, ist uns nicht bekannt.

Unsere Berichte zu Gotschacher:
Selt­same Entscheidungen
Durchgerutscht: Ste­fan Gotschacher
Die Öster-”Reichsbürger”-Freunde des Meinolf Schönborn
Ittners öster­re­ichis­che Fre­unde (II): Neon­azi durchgerutscht!