Perg (OÖ): Der Terror eines recht fiesen Jugendlichen

Rund ein Jahr ter­ror­isierte der Jugendliche seine Umge­bung. In erster Lin­ie Frauen. Anfang April stand er vor Gericht. Nicht zum ersten Mal. Im Jän­ner war er bere­its zu drei Monat­en bed­ingt verurteilt wor­den. Jet­zt warf ihm die Staat­san­waltschaft Ver­het­zung und gefährliche Dro­hung vor. Von seinen guten Kon­tak­ten zum RFJ war nicht die Rede.

Über das Ver­fahren im Jän­ner gab es keine Medi­en­berichte und daher auch keine Darstel­lung der Anklage. Auch jet­zt hält sich das öffentliche Inter­esse in engen Gren­zen. Nur die „Bezirk­srund­schau Perg“ berichtet über das Ver­fahren. Die Zeitung hat­te schon im Dezem­ber 2011 berichtet. Unter dem Titel „Wegen Euch sper­ren wir Mau­thausen wieder auf!“ kamen damals einige von dem Jugendlichen wieder­holt beschimpfte und ver­fol­gte Per­so­n­en zu Wort. Die Dro­hun­gen des recht­sex­tremen Jugendlichen waren sehr mas­siv, die Angst der Betrof­fe­nen groß. Die Frauen wur­den als „Scheiß Aus­län­der“, „Huren“, „Schlam­p­en“ beschimpft und mit der „Ver­ga­sung in Mau­thausen“ bedro­ht. „Zu ein­er Frau meinte der Jugendliche, dass sie erschla­gen, ver­graben, zer­stochen und erschossen gehöre“ (Bezirk­srund­schau). Der Ehe­mann ein­er betrof­fe­nen Frau schilderte damals, wie der Jugendliche auf ihn reagiert hat­te: „Warte, ich gehe heim und hole meine 12 Mil­lime­ter und schieß dir das Hirn heraus!“

Die Bedro­ht­en erzählten von etlichen Anzeigen, die bere­its erstat­tet wur­den. Wovon sie nicht bericht­en: wie gehen die Nach­barn, die Gemeinde damit um? Ein Gemein­der­at, der anonym bleibt, berichtet der Bezirk­srund­schau, dass ihm schon seit einiger Zeit auf­falle, „dass bei uns am recht­en Rand was im Gang ist“ (Bezirk­srund­schau, 15.12.2011). Er ver­mutet die Urhe­ber in ein­er Nachbargemeinde.

Warum bleibt der Gemein­der­at anonym? Warum kann ein Jugendlich­er ein Jahr lang seine Umge­bung ter­ror­isieren, bis er dann let­ztlich vor Gericht lan­det? Gibt es als einzige Lösung nur das Gericht? Die Polizei hat­te im Dezem­ber der „Bezirk­srund­schau“ erk­lärt, sie habe die Vor­fälle und Anzeigen ernst genom­men und bei der Staat­san­waltschaft und der Bezirk­shaupt­mannschaft angezeigt. Das oberöster­re­ichis­che Antifa-Net­zw­erk, die Grü­nen und die SPÖ waren davon nicht so überzeugt und hat­ten ein schnelleres Ein­greifen der Exeku­tive gefordert. Der „Bezirk­srund­schau“ hat­te näm­lich ein Polizist erk­lärt, dass das Ganze eine „per­sön­liche Auseinan­der­set­zung“ sei: Der Bursche zucke ein­fach aus, wenn er die Frauen sehe, die aus dem Aus­land stam­men, aber schon längst Öster­re­icherin­nen seien.

Ein Monat später dann die erste Gerichtsver­hand­lung – ohne öffentlich­es Inter­esse. Jet­zt im April die zweite Ver­hand­lung. Der Jugendliche erscheint ohne Begleitung sein­er Eltern vor Gericht. Dem Richter ist es aufge­fall­en, und er fragt den Jugendlichen danach: Sie haben keine Zeit, müssen arbeit­en. Der Vertei­di­ger bit­tet gle­ich zu Beginn um eine milde Strafe und berichtet von der inner­lichen Umkehr des Angeklagten. Der Richter hält dem Angeklagten vor, dass er in sein­er Heimat­ge­meinde Wald­hausen bekan­nt sei „wie ein bunter Hund“. Etwas später erzählt der Richter von den Juden­de­por­ta­tio­nen und Eich­mann. Eich­mann ken­nt der Jugendliche nicht, das KZ Mau­thausen schon: Da war er als Schüler. Mau­thausen liegt in der unmit­tel­baren Nach­barschaft. Der Richter verord­net dem Jugendlichen einen Besuch der Eich­mann-Ausstel­lung im Lan­des­gericht Linz und verurteilt ihn zu weit­eren drei Monat­en bedingt.

In der Berichter­stat­tung und im Ver­fahren gegen den Jugendlichen blieben die poli­tis­chen Bezüge des Jugendlichen aus­ge­blendet. Möglicher­weise waren sie nicht bekan­nt. Aber eigentlich hät­ten sie bekan­nt sein müssen. Die FPÖ Wald­hausen ist näm­lich sehr stolz über ihren RFJ, der schon ein knappes halbes Jahr nach Grün­dung der FPÖ-Orts­gruppe ent­standen ist. Fotos des Grün­dungstr­e­f­fens des RFJ Wald­hausen im Okto­ber 2011 find­en sich auf Face­book: „Ein Meilen­stein in der Geschichte Wald­hausens!“ Bei diesem Meilen- oder Müh­len­stein anwe­send war natür­lich auch der Bezirk­sob­mann des RFJ, Chris­t­ian Aichinger.

Aichinger ist ein­er jen­er RFJ-Funk­tionäre, die auch gute Kon­tak­te zum neon­azis­tis­chen Bund freier Jugend (BfJ) hat­ten. Beim Grün­dungstr­e­f­fen des RFJ Wald­hausen sitzt er neben dem Angeklagten. Einige andere Fotos bele­gen, dass der Jugendliche schon vorher beim RFJ aktiv war. Ein Zufall, wie ihn nur das Leben beim RFJ schreiben kann.

regionaut.meinbezirk.at — Urteil in Prozess nach Todes-Drohungen
derstandard.at — RFJ-Aktivist dro­hte mit „Ver­ga­sung”