Die unbescholtenen Bekannten des Detlef Wimmer

Alles hätte so schön sein kön­nen! Schon in jun­gen Jahren Stad­trat, der eine eigens gegrün­dete Sicher­heit­struppe befehli­gen darf. Dann die Ernen­nung zum Leut­nant: stolzes Paradieren in der weißen Aus­ge­hu­ni­form am Polizeiball in Linz. Plöt­zlich: Wie aus heit­erem Him­mel wird Detlef Wim­mer in die Reserve abgeschoben. Und jet­zt taucht in NEWS ein Doku­ment auf, das ihm „eine Gefahr für die mil­itärische Sicher­heit“ bescheinigt.

Detlef Wim­mer, in Linz Stad­trat der FPÖ und Burschen­schafter der Arminia Czer­nowitz, hat schon bessere Tage gese­hen. „Über­rascht“ zeigt er sich in ein­er OTS-Aussendung des Frei­heitlichen Presse­di­en­stes „angesichts der offen­sichtlichen parteipoli­tis­chen Instru­men­tal­isierung des SPÖ-beset­zten Vertei­di­gungsmin­is­teri­ums gegen seine Per­son“. Gle­ichzeit­ig ist er nicht über­rascht, weil ohne­hin schon alles längst bekan­nt ist, was ihm da vorge­wor­fen wird: „alles andere als eine Sen­sa­tion“ (OTS FPÖ, 18.4.2012), beurteilt er die Veröf­fentlichung von NEWS.

Nun ja, einiges ist ihm offen­sichtlich selb­st nicht bekan­nt. Immer­hin hat er noch im Feb­ru­ar 2012 vom Mau­thausen-Komi­tee und von Stopptdierechten.at eine Gegen­darstel­lung und einen Entschädi­gungs­be­trag gefordert. Das Mau­thausen-Komi­tee hat­te in ein­er OTS-Aussendung vom 8.2.2012 geschrieben, dass Detlef Wim­mer 2007 nicht Leut­nant beim Bun­desheer wer­den durfte wegen sein­er recht­sex­tremen Kon­tak­te. Stopptdierechten.at hat diese OTS-Aussendung übernommen.

Dem Mau­thausen-Komi­tee war im Feb­ru­ar 2012 genau­so wenig wie uns bekan­nt, dass Wacht­meis­ter Mag. Detlef Wim­mer mit Urkunde vom 29.8.2011 zum Leut­nant ernan­nt wurde. Unzweifel­haft war Detlef Wim­mer im Feb­ru­ar 2012 Leut­nant. Seit weni­gen Tagen ist er aber von der Miliz „entordert“, d.h. Leut­nant der Reserve. Das ist möglicher­weise für Wim­mer ein Prob­lem, aber nicht das eigentliche. Denn das beste­ht darin, dass sich Offizier­san­wärter, die eine Beruf­s­lauf­bahn beim Bun­desheer anstreben, ein­er Ver­lässlichkeit­sprü­fung unterziehen müssen. Diese Prüf­bescheini­gung war Wim­mer ent­zo­gen wor­den. NEWS schreibt dazu:

In den dazuge­höri­gen Akten des Abwehramtes heißt es, dass man schon 2006 bei Ermit­tlun­gen im Bere­ich Recht­sex­trem­is­mus auf Wim­mer gestoßen sei, dass 2007 Wim­mer zwei Mal ein­ver­nom­men wurde und bei sein­er ersten Befra­gung Angaben gemacht habe, die „nach­weis­lich nicht den Tat­sachen entsprachen“. (OTS News, 18.4.2012)

Wim­mer kon­nte nach dem Entzug der Prüf­bescheini­gung nicht Beruf­sof­fizier wer­den und sat­telte auf die Milizaus­bil­dung um. Für Ange­hörige der Miliz gab es diese Ver­lässlichkeit­sprü­fung bish­er offen­sichtlich nicht. NEWS zitiert aus der Stel­lung­nahme des Heeresab­wehramtes weiter:

Sowohl die teil­weise engen und aufrecht­en per­sön­lichen Kon­tak­te zu Per­so­n­en ver­fas­sungs­feindlich­er bzw. beden­klich­er Organ­i­sa­tio­nen als auch die Bekun­dung des Beschw­erde­führers, in Teil­bere­ichen Zielset­zun­gen dieser Organ­i­sa­tio­nen zu teilen, lassen die erforder­liche Dis­tanz zur Zielset­zung ver­fas­sungs­feindlich­er Bestre­bun­gen ver­mis­sen.

Bei Wim­mer liest sich das etwas anders: „Tat­sache ist auch, dass alle mir so ‚bekan­nten’ Per­so­n­en nach meinem Wis­sens­stand völ­lig unbescholten sind und hier eine ‚Ver­fas­sungs­feindlichkeit’ kon­stru­iert wird, die es ein­fach nicht gibt.“ (OTS FPÖ, 18.4.2012)

Wir kön­nen hier nicht alle Per­so­n­en dur­chack­ern, mit denen Detlef Wim­mer, der Lan­des­ob­mann des RFJ bis 2009 war, jemals bekan­nt war. Aber nehmen wir seinen Stel­lvertreter als Lan­des­ob­mann des RFJ, Ste­fan Haider. Der stellte, wie der Unter­suchungsauss­chuss des Par­la­ments her­aus­fand, einen Auf­nah­meantrag beim neon­azis­tis­chen Bund freier Jugend (BfJ), in dem er als beson­deres Inter­es­sen­ge­bi­et „Lügen der Zeit­geschichte“ ankreuzte. Der Stel­lvertreter von Ste­fan Haider beim RFJ Linz Land, Andreas Retschitzeg­ger dürfte dem Lan­des­ob­mann auch nicht unbekan­nt gewe­sen sein: Auch er war beim BFJ. Und so fie­len uns noch einige andere RFJ- und BfJ-Kam­er­aden ein, die Wim­mer damals „bekan­nt“ gewe­sen sein müssen.

Wir wollen nicht klein­lich sein, aber unter „unbescholten“ sind die Neon­azis vom BfJ nicht einzurei­hen. Wim­mer betont in sein­er OTS-Aussendung, dass er aus seinen Kon­tak­ten zu Per­so­n­en beim BfJ „nie ein Geheim­nis gemacht“ habe. Warum wirft ihm dann das Heeresab­wehramt vor, bei sein­er ersten Befra­gung Angaben gemacht zu haben, die nicht den Tat­sachen entsprachen?