Blauer Sommer 2011 – eine Nachlese (IV)

Der Som­mer 2011 war ziem­lich ver­reg­net – für die Frei­heitlichen. Ein frei­heitlich­er Skan­dal jagte den näch­sten. Wir wollen sie hier nicht noch ein­mal aufzählen. Stattdessen wollen wir einige promi­nente Stim­men zu Wort kom­men lassen: über die FPÖ, aber auch von FPÖlern. Wir find­en näm­lich, dass nicht alle Wort­mel­dun­gen und Aktio­nen von FPÖ-Spitzen aus­re­ichend gewürdigt wor­den sind.

Germanischer Freiheitswille, Burschenschafter und Emanzen

Presse: Wie definieren Sie den „ger­man­is­chen Frei­heitswillen”, zu dem sich die Partei in ihrem Pro­gramm bekennt?

Kurz­mann: Es gibt his­torisch einen ger­man­is­chen Block in Europa, zu dem der angel­säch­sis­che und skan­di­navis­che Raum sowie Deutsch­land und Öster­re­ich gehören.

Presse: Was ist mit Südtirol?

Kurz­mann: Das ist nicht Aus­land. Es gehört zu Tirol. Die Wieder­her­stel­lung der his­torischen Lan­de­sein­heit müsste für jeden öster­re­ichis­chen Poli­tik­er ein selb­stver­ständlich­es Ziel sein.
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Kurz­mann: Ich habe die Partei in der Steier­mark stark umge­baut und viele Ältere durch Junge ersetzt.

Presse: Dabei ist ein fast homo­gen­er „Män­nerk­lub” entstanden.

Kurz­mann: Das liegt am Rol­len­bild unser­er Frauen. Wir haben keine Emanzen, die sich auf Kosten der eige­nen Fam­i­lie pro­fil­ieren wollen. Für sie ste­ht die Fam­i­lie im Vordergrund.
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Kurz­mann: Die Kor­po­ra­tio­nen waren immer eine wichtige Säule und sind es noch immer. Sie sind ein urdemokratis­ches Ele­ment in diesem Land. Sie als Ewiggestrige zu pun­zieren, ist hanebüchen und ein Unsinn, der nur vom Doku­men­ta­tion­sarchiv gepredigt wird.

„Die Presse” vom 15.06.2011 (Ger­hard Kurz­mann ist Lan­deschef der FPÖ und Lan­desrat in der Steier­mark und ste­ht dem­nächst vor Gericht wegen des Ver­dachts der Verhetzung)

In der FPÖ gibt es keine Extremisten?

Thurn­her Ingrid (ORF): Kön­nen Sie zumin­d­est sich­er sein, dass keine, keine Mit­glieder der so genan­nten Wik­ing Jugend und später bekan­nter Neon­azis mit dabei sind, wenn Sie Jour­nal­is­ten ein­laden. Aber das ist Schnee von gestern, ich wollte nur gerne wis­sen, ob Sie das heute noch immer betreiben und möchte eigentlich ganz gerne mit Ihnen über die Sit­u­a­tion Ihrer Partei in diesem speziellen Punkt reden. Sie haben ja in einem Inter­view, Zeitungsin­ter­view Anfang August gesagt, Sie sind sich­er, dass sie keine Extrem­is­ten in der Partei haben. Frage: Kön­nen sie das erst sagen, seit Sie Her­rn Königshofer aus­geschlossen haben? Hal­ten Sie ihn für einen solchen Extremisten?

Stra­che Heinz-Chris­t­ian (FPÖ): Nein, bei aller Wertschätzung, Frau Thurn­her, ich habe in mein­er Obmannschaft und in mein­er Ver­ant­wor­tung immer sehr, sehr klar gesagt, dass wir mit Extrem­is­mus nichts zu tun haben wollen und dort, wo ich solche Entwick­lun­gen erlebe, habe ich in mein­er Ver­ant­wor­tung auch immer sehr klar gehan­delt und für uns Kom­pe­tenz bewiesen. Beim Fall Königshofer, den Sie ange­sprochen haben, war so eine Sit­u­a­tion da.

Thurn­her Ingrid (ORF): Er ist ein Extremist?

Stra­che Heinz-Chris­t­ian (FPÖ): Er ist jemand, der immer wieder mit Ver­bal­in­jurien aufge­fall­en ist. Er ist kein Extrem­ist, aber jemand, der mit Ver­bal­in­jurien per­ma­nent aufge­fall­en ist in ein­er führen­den Funk­tion, jemand der per­ma­nent lei­der auch pietät­lose Ver­gle­iche gemacht hat und per­ma­nent provoziert und nicht ein­sichtig ist und per­ma­nent mit solchen schädlichen Hand­lun­gen tätig ist und diese nicht ein­stellt und auch nicht bere­it ist, das abzustellen und sich zu entschuldigen, kann bei uns keinen Platz haben. Und das ist ein entschei­den­der Punkt, Frau Thurn­her. Wenn man dann die Entschei­dung trifft, so para­dox das ist, dann erlebt man, dass das dann auf ein­mal nicht ver­standen wird. Dann wird das offen­bar von den Medi­en auf ein­mal zum Vor­wurf gemacht, wenn man solchen Entschei­dun­gen trifft und sehr kon­se­quent dazu steht.

Thurn­her Ingrid (ORF): Geht es Ihnen eigentlich auf die Ner­ven, dass Sie immer wieder diesen Ver­dacht von Recht­sex­trem­is­mus in Ihrer Partei kom­men­tieren müssen oder ist es vielle­icht ander­srum so, dass, dass Sie sagen, man kann sich da auch ein biss­chen was offen lassen, um auf Men­schen, die so denken zu sagen, Ihr habt bei uns einen Platz in der Partei?

Stra­che Heinz-Chris­t­ian (FPÖ): Nein, ich finde es unge­heuer­lich, dass per­ma­nent immer wieder sehr bewusst von poli­tis­chen Geg­n­ern, aber auch von manchen Medi­en immer wieder sehr bewusst ver­sucht wird, dieses Bild zu erzeu­gen und ich habe ja heute schon die ORF-Skin-Sta­tis­ten in Wiener Neustadt ange­sprochen. das waren ja keine Per­so­n­en, die dort waren. Es waren ja auch keine anderen Glatzköpfe dort, son­dern die hat man mit­ge­bracht, die hat man sog­ar eingek­lei­det vom ORF und man hat sie mit­ge­bracht, damit man dann am Schau­platz ein Bild ver­sucht zu erzeu­gen, das in der Real­ität gar nicht vorhan­den ist.

ORF –Som­merge­spräche, 23. 8. 2011

Königshofer auf FPÖ-Linie zur falschen Zeit!

„… nur wer zwang­haft auf den demokratis­chen Charak­ter der FPÖ fix­iert ist, kön­nte nun meinen, mit dem Parteiauss­chluss des Schmud­de­lab­ge­ord­neten hät­ten sich die Frei­heitlichen von ihrem extrem­istis­chen Rand distanziert.
 
Königshofer war Spitzenkan­di­dat der FPÖ Tirol. Seine frem­den- und speziell islam­feindlichen Ergüsse waren über Jahre hin­durch bekan­nt, auch seine Kon­tak­te zur neon­azis­tis­chen Szene. Der Prob­lem­man­datar wurde jet­zt nicht etwa deshalb gefeuert, weil er die Parteilin­ie ver­let­zt hätte. Er wurde aus­geschlossen, weil er die Parteilin­ie in einem ziem­lich ungeeigneten Moment vertreten hatte.“

Anton Pelin­ka in „Die Zeit“, 4.8.2011