Blauer Sommer 2011 – eine Nachlese (IV)Lesezeit: 4 Minuten

Der Som­mer 2011 war ziem­lich ver­reg­net – für die Frei­heit­li­chen. Ein frei­heit­li­cher Skan­dal jag­te den nächs­ten. Wir wol­len sie hier nicht noch ein­mal auf­zäh­len. Statt­des­sen wol­len wir eini­ge pro­mi­nen­te Stim­men zu Wort kom­men las­sen: über die FPÖ, aber auch von FPÖ­lern. Wir fin­den näm­lich, dass nicht alle Wort­mel­dun­gen und Aktio­nen von FPÖ-Spi­t­­zen aus­rei­chend gewür­digt wor­den sind. […]

8. Okt 2011

Ger­ma­ni­scher Frei­heits­wil­le, Bur­schen­schaf­ter und Emanzen

Pres­se: Wie defi­nie­ren Sie den „ger­ma­ni­schen Frei­heits­wil­len”, zu dem sich die Par­tei in ihrem Pro­gramm bekennt?

Kurz­mann: Es gibt his­to­risch einen ger­ma­ni­schen Block in Euro­pa, zu dem der angel­säch­si­sche und skan­di­na­vi­sche Raum sowie Deutsch­land und Öster­reich gehören.

Pres­se: Was ist mit Südtirol?

Kurz­mann: Das ist nicht Aus­land. Es gehört zu Tirol. Die Wie­der­her­stel­lung der his­to­ri­schen Lan­des­ein­heit müss­te für jeden öster­rei­chi­schen Poli­ti­ker ein selbst­ver­ständ­li­ches Ziel sein. (…)
Kurz­mann: Ich habe die Par­tei in der Stei­er­mark stark umge­baut und vie­le Älte­re durch Jun­ge ersetzt.

Pres­se: Dabei ist ein fast homo­ge­ner „Män­ner­klub” entstanden.

Kurz­mann: Das liegt am Rol­len­bild unse­rer Frau­en. Wir haben kei­ne Eman­zen, die sich auf Kos­ten der eige­nen Fami­lie pro­fi­lie­ren wol­len. Für sie steht die Fami­lie im Vordergrund. (…)
Kurz­mann: Die Kor­po­ra­tio­nen waren immer eine wich­ti­ge Säu­le und sind es noch immer. Sie sind ein urde­mo­kra­ti­sches Ele­ment in die­sem Land. Sie als Ewig­gest­ri­ge zu pun­zie­ren, ist hane­bü­chen und ein Unsinn, der nur vom Doku­men­ta­ti­ons­ar­chiv gepre­digt wird.

„Die Pres­se” vom 15.06.2011 (Ger­hard Kurz­mann ist Lan­des­chef der FPÖ und Lan­des­rat in der Stei­er­mark und steht dem­nächst vor Gericht wegen des Ver­dachts der Verhetzung)

In der FPÖ gibt es kei­ne Extremisten?

Thurn­her Ingrid (ORF): Kön­nen Sie zumin­dest sicher sein, dass kei­ne, kei­ne Mit­glie­der der so genann­ten Wiking Jugend und spä­ter bekann­ter Neo­na­zis mit dabei sind, wenn Sie Jour­na­lis­ten ein­la­den. Aber das ist Schnee von ges­tern, ich woll­te nur ger­ne wis­sen, ob Sie das heu­te noch immer betrei­ben und möch­te eigent­lich ganz ger­ne mit Ihnen über die Situa­ti­on Ihrer Par­tei in die­sem spe­zi­el­len Punkt reden. Sie haben ja in einem Inter­view, Zei­tungs­in­ter­view Anfang August gesagt, Sie sind sicher, dass sie kei­ne Extre­mis­ten in der Par­tei haben. Fra­ge: Kön­nen sie das erst sagen, seit Sie Herrn Königs­ho­fer aus­ge­schlos­sen haben? Hal­ten Sie ihn für einen sol­chen Extremisten?

Stra­che Heinz-Chris­ti­an (FPÖ): Nein, bei aller Wert­schät­zung, Frau Thurn­her, ich habe in mei­ner Obmann­schaft und in mei­ner Ver­ant­wor­tung immer sehr, sehr klar gesagt, dass wir mit Extre­mis­mus nichts zu tun haben wol­len und dort, wo ich sol­che Ent­wick­lun­gen erle­be, habe ich in mei­ner Ver­ant­wor­tung auch immer sehr klar gehan­delt und für uns Kom­pe­tenz bewie­sen. Beim Fall Königs­ho­fer, den Sie ange­spro­chen haben, war so eine Situa­ti­on da.

Thurn­her Ingrid (ORF): Er ist ein Extremist?

Stra­che Heinz-Chris­ti­an (FPÖ): Er ist jemand, der immer wie­der mit Ver­bal­in­ju­ri­en auf­ge­fal­len ist. Er ist kein Extre­mist, aber jemand, der mit Ver­bal­in­ju­ri­en per­ma­nent auf­ge­fal­len ist in einer füh­ren­den Funk­ti­on, jemand der per­ma­nent lei­der auch pie­tät­lo­se Ver­glei­che gemacht hat und per­ma­nent pro­vo­ziert und nicht ein­sich­tig ist und per­ma­nent mit sol­chen schäd­li­chen Hand­lun­gen tätig ist und die­se nicht ein­stellt und auch nicht bereit ist, das abzu­stel­len und sich zu ent­schul­di­gen, kann bei uns kei­nen Platz haben. Und das ist ein ent­schei­den­der Punkt, Frau Thurn­her. Wenn man dann die Ent­schei­dung trifft, so para­dox das ist, dann erlebt man, dass das dann auf ein­mal nicht ver­stan­den wird. Dann wird das offen­bar von den Medi­en auf ein­mal zum Vor­wurf gemacht, wenn man sol­chen Ent­schei­dun­gen trifft und sehr kon­se­quent dazu steht.

Thurn­her Ingrid (ORF): Geht es Ihnen eigent­lich auf die Ner­ven, dass Sie immer wie­der die­sen Ver­dacht von Rechts­extre­mis­mus in Ihrer Par­tei kom­men­tie­ren müs­sen oder ist es viel­leicht anders­rum so, dass, dass Sie sagen, man kann sich da auch ein biss­chen was offen las­sen, um auf Men­schen, die so den­ken zu sagen, Ihr habt bei uns einen Platz in der Partei?

Stra­che Heinz-Chris­ti­an (FPÖ): Nein, ich fin­de es unge­heu­er­lich, dass per­ma­nent immer wie­der sehr bewusst von poli­ti­schen Geg­nern, aber auch von man­chen Medi­en immer wie­der sehr bewusst ver­sucht wird, die­ses Bild zu erzeu­gen und ich habe ja heu­te schon die ORF-Skin-Sta­tis­ten in Wie­ner Neu­stadt ange­spro­chen. das waren ja kei­ne Per­so­nen, die dort waren. Es waren ja auch kei­ne ande­ren Glatz­köp­fe dort, son­dern die hat man mit­ge­bracht, die hat man sogar ein­ge­klei­det vom ORF und man hat sie mit­ge­bracht, damit man dann am Schau­platz ein Bild ver­sucht zu erzeu­gen, das in der Rea­li­tät gar nicht vor­han­den ist.

ORF-Som­mer­ge­sprä­che, 23. 8. 2011

Königs­ho­fer auf FPÖ-Linie zur fal­schen Zeit

[N]ur wer zwang­haft auf den demo­kra­ti­schen Cha­rak­ter der FPÖ fixiert ist, könn­te nun mei­nen, mit dem Par­tei­aus­schluss des Schmud­del­ab­ge­ord­ne­ten hät­ten sich die Frei­heit­li­chen von ihrem extre­mis­ti­schen Rand distanziert.

Königs­ho­fer war Spit­zen­kan­di­dat der FPÖ Tirol. Sei­ne frem­den- und spe­zi­ell islam­feind­li­chen Ergüs­se waren über Jah­re hin­durch bekannt, auch sei­ne Kon­tak­te zur neo­na­zis­ti­schen Sze­ne. Der Pro­blem­man­da­tar wur­de jetzt nicht etwa des­halb gefeu­ert, weil er die Par­tei­li­nie ver­letzt hät­te. Er wur­de aus­ge­schlos­sen, weil er die Par­tei­li­nie in einem ziem­lich unge­eig­ne­ten Moment ver­tre­ten hatte.

Anton Pel­in­ka in „Die Zeit“, 4.8.2011

➡️ Blau­er Som­mer 2011 – eine Nach­le­se (I)
➡️ Blau­er Som­mer 2011 – eine Nach­le­se (II)
➡️ Blau­er Som­mer 2011 – eine Nach­le­se (III)

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