Die „Aula“ und ihr Hetzbeitrag

Die „Aula“, recht­sex­treme Burschen­schafterzeitschrift, wird von den Frei­heitlichen Akademik­erver­bän­den (FAV) Öster­re­ichs her­aus­gegeben. For­mal keine Teilor­gan­i­sa­tion der FPÖ, ste­hen die FAV mit ihren zahlre­ichen per­son­ellen Ver­flech­tun­gen der FPÖ sehr nahe.

In der „Aula“ vom Juni 2011 pub­liziert der alte Herr der Burschen­schaft Danu­bia in München Fred Duswald den wider­lichen Beitrag „Lügt Klüger?“.

Duswald, der in den 70er Jahren Funk­tionär der NDP des Nor­bert Burg­er und des 1998 behördlich aufgelösten Vere­ins Dichter­stein Offen­hausen war, ist bei den Burschis gern gese­hen­er Ref­er­ent. Dem­nächst in München bei sein­er Danu­bia über den Reich­stags­brand oder zum beliebten Burschi-The­ma: “Kriegsende – Nieder­lage oder Befreiung“ bei der pen­nalen Burschen­schaft Ger­ma­nia im Jahr 2005. Duswald schreibt oft in der „Aula“, auch in Mölz­ers „Zur Zeit“. Dies­mal über den Gedenk­tag für die Opfer des Nation­al­sozial­is­mus und die Rede von Ruth Klüger.

Die Befreiung vom Nation­al­sozial­is­mus und das Gedenken daran geht Duswald gegen den Strich. Deshalb zitiert er gerne Quellen wie den „Zeitzeu­gen“ Hanns Kreczi, „gewe­sen­er Sekretär des Linz­er Ober­bürg­er­meis­ters Lan­goth“. Franz Lan­goth war ille­galer Nazi, Nazi-Bürg­er­meis­ter von Linz und Richter am Volks­gericht­shof – Hanns Kreczi der Mitar­beit­er des Nazi-Bürg­er­meis­ters, der seine Nazi-Erfahrun­gen später als Leit­er des Kul­tur­amts der Stadt Linz noch nutzen durfte. Wahrlich eine unverdächtige Quelle, um die Befreiung vom Nation­al­sozial­is­mus zu dokumentieren!

Duswald fasst seine his­torischen Quellen zu fol­gen­der Aus­sage zusammen:

„Ist die Befreiung von Gefan­genen, die sich im Han­dum­drehen als Land­plage ent­lar­ven, Grund zum Feiern? Doch kein auch noch so flüchtiger Gedanke an die unschuldigen Opfer der Kazetler-Exzesse trübte die Stim­mung, als die Lit­er­atin Ruth Klüger ‚gegen Gewalt und Ras­sis­mus’ im öster­re­ichis­chen Par­la­ment das Wort ergriff.“ (Her­vorhe­bun­gen SdR)

An ander­er Stelle ist von den KZ-Insassen als den „zum über­wiegen­den Teil krim­inellen Elemente(n)“ die Rede, von den „Krim­inellen“, die sich „gar als ‚Ehren­bürg­er’ gebärde­ten“.

Nach dieser unfass­baren Ver­höh­nung der Opfer des Nation­al­sozial­is­mus wen­det sich Duswald Ruth Klüger zu: „Schon frühzeit­ig hat­te Ruth Klüger gel­ernt, Reime zu schmieden.“ Mit diesem beiläu­fi­gen, abw­er­tenden und angesichts der „Umstände“, in denen Klüger ihre Gedichte im Kopf ver­fasste, unglaublich zynis­chen Satz leit­et Duswald seine „Analyse“ der Klüger-Gedichte ein: „Woher aber wusste der Back­fisch, dass zum Stich­tag, an dem sie das Gedicht erdachte, fünf Mil­lio­nen Leichen ver­bran­nt wor­den sind?“

Klüger selb­st gibt in ihrer Gedenkrede dazu Auskunft:

„Es gibt auch gele­gentlich die Unter­stel­lung, dass wir gar nicht wussten, was los war. (Ich schnappte ja sog­ar über­triebene Zahlen auf, wie sie eben hörten: In Auschwitz wur­den ins­ge­samt einein­halb Mil­lio­nen Juden ver­gast, nicht fünf, wie in meinem Gedicht.)“

Duswald inter­essieren Klügers Erk­lärun­gen aber in kein­er Weise. Ihr Satz aus dem Gedicht „Blick zur roten Flamme hin: Einzig wahr ist der Kamin“ wird von Duswald, dem Experten für revi­sion­is­tis­che Geschichts­be­tra­ch­tung, sofort als unsach­liche und unwahre „Phan­tasie“ denunziert:

„In Wahrheit gab und gibt es kein einziges feuer­speien­des Kre­ma, weil Koks ein kurzflam­miger Brennstoff ist, die Flam­men bei der Ver­bren­nung nicht ein­mal bis zur Leiche reichen und daher während des Prozess­es die Muf­fel nicht verlassen.“

Das Mord­w­erkzeug Kre­ma­to­ri­um, von Duswald verniedlichend „Kre­ma“ genan­nt, ist für ihn der Hebel, um eine Neube­w­er­tung des Holo­caust zu erzwin­gen. Das sagt Duswald natür­lich nur indi­rekt: „Aus­sagen von Zeitzeu­gen, die in der Nähe von Kre­ma­to­rien Rauch und Feuer wahrgenom­men haben wollen, sind unwahr.“

Sein Beweis ist der namentlich nicht genan­nte Wal­ter Lüftl, den er so vorstellt:

„Schon (sic!) 1991 kon­nte man im Organ der Öster­re­ichis­chen Bun­desin­ge­nieurkam­mer, der Zeitschrift Kon­struk­tiv, zum The­menge­bi­et Kre­ma­to­rien vom Präsi­dent dieser Kör­per­schaft öffentlichen Rechts fol­gen­des lesen …“

„Schon“ lässt mitschwin­gen, dass die „Erken­nt­nisse“ des „Präsi­den­ten“ Wal­ter Lüftl sei­ther zu ein­er Vielzahl von ähn­lichen „Beweisen“ geführt hät­ten. Die Wirk­lichkeit ist eine andere: Lüftl ist ein sim­pler Holo­caust-Leugn­er und Recht­sex­trem­ist. Eine gute Zusam­men­fas­sung sein­er revi­sion­is­tis­chen und recht­sex­tremen Kar­riere find­et sich auf wik­pe­dia. Dort ist auch zu lesen, dass ein Ver­fahren gegen Lüftl wegen Wieder­betä­ti­gung im Jahr 1994 durch die Ober­staat­san­waltschaft Wien mit ein­er ziem­lich skan­dalösen Begrün­dung eingestellt wurde, aber der Her­aus­ge­ber und Schriftleit­er der „Aula“ wegen eines Bericht­es, der sich auf Lüftls „Gutacht­en“ berufen hat­te, zu ein­er Geld- und Haft­strafe (bed­ingt) verurteilt wurde.

Das erwarten wir auch für Duswalds Het­zschrift. Denn im Ver­bots­ge­setz heisst es:

  • § 3g. Wer sich auf andere als die in den §§ 3a bis 3f beze­ich­nete Weise im nation­al­sozial­is­tis­chen Sinn betätigt, wird, sofern die Tat nicht nach ein­er anderen Bes­tim­mung strenger straf­bar ist, mit Frei­heitsstrafe von einem bis zu zehn Jahren, bei beson­der­er Gefährlichkeit des Täters oder der Betä­ti­gung bis zu 20 Jahren bestraft.
  • § 3h. Nach § 3g wird auch bestraft, wer in einem Druck­w­erk, im Rund­funk oder in einem anderen Medi­um oder wer son­st öffentlich auf eine Weise, daß es vie­len Men­schen zugänglich wird, den nation­al­sozial­is­tis­chen Völk­er­mord oder andere nation­al­sozial­is­tis­che Ver­brechen gegen die Men­schlichkeit leugnet, gröblich ver­harm­lost, gutheißt oder zu recht­fer­ti­gen sucht.

 


Gedenkrede von Ruth Klüger im Par­la­ment (pdf).