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Eternal Hate gleich hinter der Grenze

Mit­te Juli ver­sam­melt sich im angren­zen­den Tsche­chi­en wie­der der rech­te Rand der Black Metal-Sze­ne beim Eter­nal Hate-Fes­ti­val. Mit­ten­drin ein Wie­ner, der seit Jah­ren die Nähe zu Neo­na­zis sucht.

26. Juni 2026
„Meine Ehre heisst Treue“: Neonazi-Tattoo am Eternal Hate-Festival 2024 (Screenshot YT)
„Meine Ehre heisst Treue“: Neonazi-Tattoo am Eternal Hate-Festival 2024 (Screenshot YT)

„Kei­ne Fra­ge, ein wirk­lich gutes Under­ground Fes­ti­val!“, lob­te Hen­drik Möbus das Black Metal-Fes­ti­val Eter­nal Hate in Tsche­chi­en online und strich her­vor: „Mit kei­ner­lei PC-Atti­tü­de!“ Black Metal ist eine har­te, oft schnel­le Vari­an­te des Metal, mit anti-christ­li­chen, manch­mal sata­nis­ti­schen Anlei­hen. Und Hen­drik Möbus ist der wohl bekann­tes­te rechts­extre­me Netz­wer­ker im deutsch­spra­chi­gen Black Metal-Uni­ver­sum, ver­ur­teil­ter Mör­der und Kum­pel des ver­ur­teil­ten Wie­der­ho­lungs­tä­ters Manu­el E. aus Ost­ti­rol.

Jah­re­lang tra­ten Bands vom rech­tes­ten Rand der Sze­ne aus ganz Euro­pa in Nýr­s­ko auf, fak­tisch frei von Inter­ven­tio­nen der ört­li­chen Behör­den. Der Ver­an­stal­ter des Fes­ti­vals gibt tat­säch­lich nichts dar­auf, poli­tisch kor­rek­te Bands zu buchen. Ganz im Gegenteil!

Gleich hin­ter der Staats­gren­ze zu Deutsch­land, nur 80 Kilo­me­ter von Öster­reich ent­fernt wird Mit­te Juli das 23. Eter­nal Hate Fes­ti­val über die Büh­ne gehen. Das Kon­zert­wo­chen­en­de ver­eint Black Metal mit Bands bis hin zum dekla­rier­ten NSBM (Natio­nal Socia­list Black Metal). Die Sym­bo­lik von Sei­ten der Veranstalter:innen ist ein­deu­tig: Eter­nal Hate-Mer­chan­di­se mit Schwar­zer Son­ne, Runen und NS-Anspie­lun­gen, wie einem „Arbeit macht tot“-Aufdruck.

Eternal Hate-Kapu mit Schwarzer Sonne im Logo (Screenshot FB, 18.7.20)
Eter­nal Hate-Kapu mit Schwar­zer Son­ne im Logo (Screen­shot FB, 18.7.20)

Es ver­wun­dert also wenig, dass genau auf die­sem Fes­ti­val all­jähr­lich die Stars des rechts­las­ti­gen Under­grounds auf­tre­ten. Auch die­sen Som­mer fin­det zusam­men, was zusammengehört.

Ewiger Hass auf Juden

Mit Inqui­si­ti­on wird im Som­mer eine beson­ders umstrit­te­ne Band aus den USA/Kolumbien auf der Büh­ne ste­hen. Für das Bei­heft eines CD-Sam­plers ließ sich „Inqui­si­ti­on“ im Jahr 1999 direkt vor einer Haken­kreuz-Fah­ne ablich­ten. Der Kopf der Band, Jason Weir­bach, aber fühlt sich miss­ver­stan­den und lässt kei­ne Gele­gen­heit aus, zu beto­nen, dass er natür­lich kein Neo­na­zi sei. Schwer zu glau­ben, wo doch sein Solo­pro­jekt 88MM einen Bei­trag zur Com­pi­la­ti­on „Sata­nic Skin­head. Decla­ra­ti­on Of Anti-Seme­tic Ter­ror“ bei­gesteu­ert hat – ein Lied mit dem Titel „14 Show­er­heads, 1 Gas Tight Door“. In der Sze­ne wirk­lich umstrit­ten ist die Band aber nicht für sei­ne Neo­na­zi-Aus­fäl­le, son­dern wegen einer Ver­ur­tei­lung Weir­bachs: 2009 wur­de er „wegen der unrecht­mä­ßi­gen Zur­schau­stel­lung sexu­ell ein­deu­ti­gen Mate­ri­als“ ver­ur­teilt, in ande­ren Wor­ten: sexua­li­sier­te Gewalt­dar­stel­lun­gen von Kindern.

Inquisition-Bandfoto vor der Hakenkreuzflagge
Inqui­si­ti­on-Band­fo­to vor der Hakenkreuzflagge

Auch der zwei­te dies­jäh­ri­ge Head­li­ner in Nýr­s­ko ist nicht gera­de der über­trie­be­nen poli­ti­schen Kor­rekt­heit ver­däch­tig: Clan­des­ti­ne Bla­ze aus Finn­land. Hin­ter der Band steckt der fin­ni­sche All­roun­der Mik­ko Aspa. Er betreibt ein Musik­la­bel, meh­re­re Bands, einen Plat­ten­la­den und pro­du­ziert Musikliteratur.

Mit Clan­des­ti­ne Bla­ze ver­brei­tet Aspa anti­se­mi­ti­sche Ste­reo­ty­pe und Ver­nich­tungs­phan­ta­sien: Im Lied „Tearing Down Jeru­sa­lem“ etwa ruft er dazu auf das „zio­nis­ti­schen Krebs­ge­schwür“ zu zer­mal­men. Pas­send dazu zeigt das Cover der Plat­te eine bren­nen­de Syn­ago­ge. Clan­des­ti­ne Bla­ze erfreut sich den­noch gro­ßer Beliebt­heit in einer brei­te­ren Metal-Sze­ne, die ger­ne bei­de Augen zudrückt. Noch deut­li­cher geht es zu bei Aspas Zweit­band: Vapau­den­ris­ti beti­telt sei­ne Songs offen rechts­extrem (auf Deutsch über­setzt: „Blut und Boden“, „Mein Land“ oder „Die Affen­jagd“) und trägt das Haken­kreuz im Logo. Und als im Jahr 2016 ein Neo­na­zi in Hel­sin­ki den Anti­fa­schis­ten Jimi Kart­tu­nen töte­te, war Mik­ko Aspa zur Stel­le, um für den ver­haf­te­ten Mör­der ein Bene­fiz­kon­zert zu spielen.

Der „Stacheldrahtzieher“ aus Wien …

Zurück­hal­ten­der tritt Rostor­ches­ter, die Band des Wie­ners Vedran M., auf. Der in der Sze­ne als Gitar­ren­vir­tuo­se gefei­er­te Metal­ler sucht aber seit lan­gem die Nähe der extre­men Rechten:

Einer der sel­te­nen Auf­trit­te der öster­rei­chisch-deutsch-schwei­ze­ri­schen Band fand 2019 mit Saal­schutz der Ham­mers­kin Nati­on im ita­lie­ni­schen Mai­land statt. Es war ein klan­des­ti­nes Kon­zert von Black Metal-Neo­na­zis: Hit­ler­grü­ße, Haken­kreuz-Baum­woll­beu­tel und mit­ten drin die Band von Vedran M.. Kommt Rostor­ches­ter vor allem düs­ter und gru­se­lig daher, ist die His­to­rie ihres Gitar­ris­ten aus Wien aber alles ande­re als unpolitisch.

Bereits vor Jah­ren sorg­te M. mit sei­nem Black-Metal-Solo­pro­jekt „Tota­le Ver­nich­tung“ für Auf­merk­sam­keit – nicht wegen der Musik, son­dern allein auf­grund der Tex­te. Kost­pro­be: „Bald ist die Zeit gekom­men, wenn eure Atmung wie­der rasch ver­sagt und ihr bereits in Kür­ze den Schorn­stein empor­jagt. Dem rei­ni­gen­den Zyklon folgt ein ver­kohl­ter Wind.“ Damit lan­de­te M.s Ton­trä­ger 2015 auf dem Index für jugend­ge­fähr­den­de Musik in Deutsch­land. (pro­fil, 25.4.19)

Ein Album der Band wur­de mit dem Spruch „Der Sta­chel­draht­zie­her ist wie­der da“, hin­ter­legt mit einem Bild des NS-Ver­nich­tungs­la­gers Ausch­witz. Ver­öf­fent­licht wur­de das Gan­ze am Musik­la­bel der rechts­extre­men Under­ground-Draht­zie­hers Hen­drik Möbus aus Deutschland.

… und seine Freunde

Beach­tens­wert ist auch das Per­so­nal, mit dem Vedran M. sei­ne Band Rostor­ches­ter bestreitet:

Am Mikro­fon steht der Schwei­zer Sven B., Künst­ler­na­me „Zwing­herr Greif“. Sze­n­e­be­kannt wur­de B. mit sei­nem Ein-Mann-Pro­jekt Eisen­win­ter, das Alben ver­öf­fent­licht mit Titel wie „Armee der ari­schen Unto­ten“. Am Cover sei­ner Split-CD mit der Neo­na­zi­band „Aryan Blood“ fin­det sich ein his­to­ri­sches Foto freu­de­strah­len­der Wehr­macht­sol­da­ten nach ihrem Ein­marsch 1938 im heu­ti­gen Tsche­chi­en. Ver­öf­fent­licht wur­de das Album auf dem pol­ni­schen Neo­na­zi-Label „Der Sieg Records“.

In einem Under­ground-Musik­ma­ga­zin, das Sven B. selbst her­aus­gab, lob­te er die Ver­öf­fent­li­chung einer grie­chi­schen Neo­na­zi­band mit dem Hin­weis: „Juden­has­ser müs­sen hier zugreifen.“

Aber auch hin­ter dem Schlag­zeug sitzt auch ein eta­blier­ter Black Metal-Musi­ker: Dave M. aus Dortmund/Deutschland. Schon im Jahr 2001 fand er „lus­tig“, als ein Musi­ker wegen anti­se­mi­ti­scher Paro­len bei einem Kon­zert raus­flie­gen soll­te, dass die­ser eine Pis­to­le zog und einen Kon­zert­be­su­cher anschoss. Dave M. war damals der Mei­nung, Men­schen zu töten sei ein „nor­ma­ler Pro­zess“ und beschrieb sei­ne bevor­zug­te Art: „Jeman­den bei leben­di­gem Leib mit einem fet­ten Ham­mer kaputt­schla­gen!“ Und auch der Schlag­zeu­ger von Rostor­ches­ter war Schrei­ber bei einem rechts­extre­men Underground-Magazin.

Es ist eine Gesell­schaft, die Vedran M. zu genie­ßen scheint. Ein Kon­zert­be­su­cher beschrieb im Jahr 2019 den ers­ten Auf­tritt von Rostor­ches­ter begeis­tert: „Eigent­lich wur­de nur zu Rostor­ches­ter gehit­lert. Aber mas­siv.“ Die tsche­chi­schen und öster­rei­chi­schen Behör­den schau­en beim Eter­nal Hate-Fes­ti­val bis dato bes­ten­falls zu. Ein­zig die deut­sche Poli­zei ver­such­te sich in der Ver­gan­gen­heit mit Aus­rei­se­ver­bo­ten für ein­zel­ne Musiker.

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Schlagwörter: Antisemitismus | Konzert/Musik | Mord/Mordversuch/Totschlag | Neonazismus/Neofaschismus | Rechtsextremismus | Weite Welt | Wien

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