Rechtsextreme Spucke gegen Belphegor

Belphe­gor, das ist nicht nur ein Dämon in der christlichen Mytholo­gie, in anderen Darstel­lun­gen der Furz­gott oder schlicht ein Phan­tom, son­dern auch eine Death-Met­al-Band aus Salzburg. Im Unter­schied zu bes­timmten Ten­den­zen im Black Met­al ist der Death Met­al eher unpoli­tisch — mit Ein­schränkun­gen. Die Death-Met­al-Band Belphe­gor wurde in Rus­s­land von Recht­sex­tremen als so gefährlich betra­chtet, dass ihre Tournee abge­sagt wer­den musste.

Es war eine kurze und ziem­lich uner­freuliche Begeg­nung am Flughafen von St. Peters­burg. Der Koor­di­na­tor der christlich recht­sex­tremen Bewe­gung „Volk­skathe­drale“ (auch „Volk­skonzil“ find­et sich als Über­set­zung) in St. Peters­burg, Ana­toli Artjuch, hat­te sich dort postiert, um die aus Min­sk anreisende Band zu emp­fan­gen – indem er den Sänger von Belphe­gor, Hel­muth Lehn­er anspuck­te. Der revanchierte sich, indem er ein biss­chen zurück­spuck­te und dem recht­sex­tremen Apos­tel emp­fahl, sich zu verdün­nisieren („Schle­ich Di da, Du Wixer!“).


Belphe­gor: Furz­gott, nicht Spuckgott

Die uner­freuliche Begeg­nung war damit noch nicht been­det. Ana­toli Artjuch, der so etwas wie ein rus­sis­ch­er Porno-Humer ist, also ein­er, der über­all die sex­uelle Ver­suchung, den Teufel und die Marx­is­ten sieht, ließ die Gruppe nicht mehr aus den Augen, provozierte und dro­hte weit­er. Der Recht­sex­treme ist ein enger Mitar­beit­er des Region­al­ab­ge­ord­neten Witali Milonow von der Putin-Partei „Vere­intes Rus­s­land“, der sich eben­so gegen das „Belphegor“-Konzert aus­ge­sprochen hat­te. Mit diesem Sup­port im Rück­en dro­hte Ana­toli dem lokalen Konz­ertver­anstal­ter für den Fall eines Auftritts von Belphe­gor ein­fach mit der Schließung des Klubs. Für den Ver­anstal­ter eine klare Sache – er sagte das Konz­ert tat­säch­lich ab.

Witali Milonow, der poli­tis­che Förder­er des spuck­enden Recht­sex­trem­is­ten Artjuch, ist poli­tisch über seine regionale Gren­ze hin­aus bekan­nt, weil er Geset­ze zur Diskri­m­inierung von Homo­sex­uellen ini­ti­iert hat. Als ihn zwei les­bis­che Aktivistin­nen auf einem Kuss-Self­ie mit­fo­tografierten, reagierte er mit üblen Beschimp­fun­gen („Dreck­slud­er“) und der Dro­hung: „Wir treiben die Per­versen aus Sankt Peters­burg heraus.“

Diesen Job hat für Milonow Ana­toli Artjuch über­nom­men. Umfassend! Weil Milch- und Kefirver­pack­ung der Marke „Fröh­lich­er Milch­mann“ 2012 die Regen­bo­gen­far­ben zeigten, wollte er ein Ver­bot bzw. einen Boykott der Pro­duk­te ini­ti­ieren, weil das „offene Pro­pa­gan­da dieses Lasters“ sei. Was macht der Ärm­ste eigentlich, wenn er einen Regen­bo­gen am Him­mel sieht?

Als der Auftritt der öster­re­ichis­chen Band Belphe­gor bevor­stand, holte Artjuch „Exper­tise“ ein. Die APA berichtete am 21. April, dass das Gutacht­en immer­hin 17 Seit­en umfasse und fest­stelle, dass sich in den Tex­ten der Band Belphe­gor „erniedri­gende Charak­ter­is­tiken, neg­a­tive emo­tionale Bew­er­tun­gen und aggres­sive Äußerun­gen sowie Aufrufe zur Gewalt in Bezug auf das Chris­ten­tum“ fän­den. Artjuch kam­pag­nisierte schließlich gegen die „satanis­tis­che“ Gruppe, die mit offe­nen Aufrufen zum Ter­ror ver­suchen würde, die Sit­u­a­tion in Rus­s­land zu destabilisieren.

Dass Death Met­al und damit auch Belphe­gor – szene­typ­isch – Blut, Gewalt, den Antichris­ten und Eso­terik in ihren Songs aufkochen und mix­en, ist bekan­nt. Dass Belphe­gor jet­zt von den rus­sis­chen Recht­sex­trem­is­ten als „Schwule“ und „Sodomis­ten“ beschimpft wer­den, sollte der Gruppe bzw. den Death-Met­al-Fans eigentlich zu denken geben, ver­wen­den sie doch immer wieder selb­st homo­phobe Sprüche und Beschimpfungen.