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Lesezeit: 5 Minuten

Nils Wegner als Pseudonym-Arbeiter im Stocker-Verlag

Eine ges­tern gele­ak­te Mail zeigt: Unter dem Pseud­onym „Wer­ner Gut“ arbeitet(e) der rechts­extre­me Publi­zist Nils Weg­ner für den frisch vom FPÖ-nahen Ding­ho­fer-Insti­tut aus­ge­zeich­ne­ten Gra­zer Sto­cker-Ver­lag. Zur Ver­wen­dung des Pseud­onyms sei Weg­ner vom Ver­lags­in­ha­ber ange­hal­ten wor­den, um poli­tisch gemä­ßig­te Ver­lags­au­to­ren nicht abzuschrecken.

14. Nov. 2025
Nils Wegner alias Werner Gut
Nils Wegner alias Werner Gut

Am 11. Novem­ber ver­lieh das FPÖ-nahe Ding­ho­fer-Insti­tut im öster­rei­chi­schen Par­la­ment den Franz-Ding­ho­fer-Medi­en­preis an den Gra­zer Leo­pold-Sto­cker-Ver­lag und sei­nen Ver­le­ger Wolf­gang Dvo­rak-Sto­cker. Natio­nal­rats­prä­si­dent Wal­ter Rosen­kranz trat als Ver­an­stal­ter auf, hielt die Eröff­nungs­re­de und beton­te als Reak­ti­on auf die mas­si­ve Kri­tik an der Ver­an­stal­tung, er habe nicht vor, „irgend­ei­ne Ver­an­stal­tung im Haus abzu­sa­gen“.

Dass das Ding­ho­fer-Insti­tut heu­er den Leo­pold-Sto­cker-Ver­lag ehr­te, ent­spricht genau dem Bild, das Kritiker*innen, dem FPÖ-nahen Insti­tut vor­wer­fen: Der Ver­lag wird gemein­sam mit sei­nem Able­ger Ares-Ver­lag vom Doku­men­ta­ti­ons­ar­chiv des Öster­rei­chi­schen Wider­stan­des (DÖW) seit Jahr­zehn­ten als rechts­extrem eingestuft.

Ein Rechtsextremer als Pseudonym-Arbeiter

Ein aktu­el­ler Arti­kel der „Auto­no­men Anti­fa Frei­burg“ (13.11.25) macht öffent­lich, dass der deut­sche Publi­zist Nils Weg­ner unter dem Pseud­onym „Wer­ner Gut“ als Lek­tor und Pro­jekt­ko­or­di­na­tor für den Sto­cker- bzw. Ares-Ver­lag arbei­tet oder gear­bei­tet hat.

In einer Mail aus dem Jahr 2021 an den FPÖ-nahen pen­sio­nier­ten Rechts­his­to­ri­ker und Bur­schen­schaf­ter Chris­ti­an Neschwa­ra (auch Stamm­gast bei den Ding­ho­fer-Ver­an­stal­tun­gen), die die Frei­bur­ger nun ver­öf­fent­licht haben, stellt sich Weg­ner selbst vor. Er schreibt, Neschwa­ra ken­ne ihn bis­her „als ‚Wer­ner Gut‘ im Diens­te des Leo­pold-Sto­cker- bzw. Ares-Ver­lags“. Die „pseud­ony­me Arbeit“ sei, so Weg­ner, ein aus­drück­li­cher Wunsch von Ver­le­ger Wolf­gang Dvo­rak-Sto­cker, der ver­hin­dern wol­le, „dass poli­tisch eher mit­tig lie­gen­de Autoren (…) sich von einem Nils Weg­ner mit ein­schlä­gi­gen Goog­le-Such­ergeb­nis­sen“ abschre­cken ließen.

Nils Wegner im „gesichert rechtsextremen“ Netzwerk

Im glei­chen Brief lis­tet Weg­ner sei­ne beruf­li­che Lauf­bahn auf: Von März 2015 bis Ende 2017 sei er als Lek­tor, Autor und Über­set­zer für den Ver­lag Antai­os, das Insti­tut für Staats­po­li­tik (IfS) und die Zeit­schrift „Sezes­si­on“ in Schnell­ro­da tätig gewe­sen. Seit Jän­ner 2018 arbei­te er „naht­los“ für den Sto­cker- bzw. Ares-Ver­lag. Er sei aber „mitt­ler­wei­le recht ent­täuscht von der Orga­ni­sa­ti­on wie auch vom Inhalt der Ver­lags­ar­beit“ und wol­le nicht wie sein Vor­gän­ger enden. „Mei­ne rela­tiv schlich­te, wie­wohl ver­trau­ens­vol­le Fra­ge an Sie wäre in die­sem Sin­ne: Ist Ihnen eine Mög­lich­keit bekannt oder zumin­dest denk­bar, im öster­rei­chi­schen aka­de­mi­schen Betrieb (vor­zugs­wei­se im Groß­raum Wien bzw. Nie­der­ös­ter­reich) in zwei­ter oder drit­ter Rei­he, also als Hilfs­kraft o.ä., Fuß zu fas­sen?“ Mit dem ange­streb­ten Job­wech­sel dürf­te es nicht geklappt haben: In einem Ver­lags­fol­der scheint ein „Mag. Wer­ner Gut“ noch im Dezem­ber 2024 als Mit­ar­bei­ter des Leo­pold-Sto­cker-Ver­lags auf.

Werner Gut alias Nils Wegner 2024 im Katalog des Stocker-Verlags
Wer­ner Gut ali­as Nils Weg­ner 2024 im Kata­log des Stocker-Verlags

Weg­ners Weg führt über jene Insti­tu­tio­nen, die der deut­sche Ver­fas­sungs­schutz als zen­tra­le Akteu­re der extre­men Rech­ten beschreibt. In einer Autoren­bio­gra­fie von „Sezes­si­on“ wird er als stu­dier­ter His­to­ri­ker vor­ge­stellt, der von 2015 bis 2017 als Lek­tor bei Antai­os, am Insti­tut für Staats­po­li­tik und für die Zeit­schrift selbst gear­bei­tet habe. Das Insti­tut für Staats­po­li­tik wird seit April 2023 vom Bun­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz als „gesi­chert rechts­extrem“ ein­ge­stuft. Der Ver­fas­sungs­schutz führt die Zeit­schrift „Sezes­si­on“ in sei­nem Bericht 2023 aus­drück­lich unter den „rechts­extre­mis­ti­schen Akteu­ren der Neu­en Rechten“.

Weg­ners Tex­te erschie­nen dort regel­mä­ßig. In „Rech­te Dis­si­denz in den USA“ (Sezes­si­on 69/2015) behan­delt er die US-ame­ri­ka­ni­sche „alter­na­ti­ve right“. Der His­to­ri­ker und Publi­zist Vol­ker Weiß zitiert die­sen Arti­kel in sei­ner Ana­ly­se „Faschis­ten von heu­te?“ (16.10.17, S. 7) als Bei­spiel für neu­rech­te Deu­tun­gen der inter­na­tio­na­len extre­men Rechten.

Nah an der poli­ti­schen Pra­xis der Rechts­extre­men liegt Weg­ners Auf­satz „Meme: kogni­ti­ve Bio­waf­fen im Infor­ma­ti­ons­krieg?“ („Sezes­si­on“ 77/2017), wor­in er eine Art Gebrauchs­an­lei­tung für den Ein­satz von Memes im rechts­extre­men Kul­tur­kampf liefert.

Auch abseits von Schnell­ro­da agiert Weg­ner als Ideo­lo­ge der Neu­en Rech­ten. Sein Blog und Pod­cast „Alt­Wri­te­Weg­ner“ tra­gen den Unter­ti­tel „Kom­fort­zo­nen zu Kampf­zo­nen“ und ver­sam­melt Tex­te und Gesprä­che zu The­men wie „Neue Rech­te“, „Klas­sen­stand­punk­te“ oder rechts­extre­me Popkultur.

Misogynie und Rassismus

Weg­ner wird 2024 im Ver­bands­or­gan „Bur­schen­schaft­li­che Blät­ter“ der Deut­schen Bur­schen­schaft (DB) im Edi­to­ri­al als „Waf­fen­bru­der Nils Weg­ner (L! Darm­stadt­ia Gie­ßen 2008)“ vor­ge­stellt. Im glei­chen Heft lie­fert Weg­ner den Schwer­punkt­ar­ti­kel „Fest­ge­fres­se­ne Gebär­ma­schi­nen“. Er „übt rechts­ra­di­ka­le Kri­tik am rechts­ra­di­ka­len Kon­zept des ‚Gro­ßen Aus­tauschs‘. Für Weg­ner müss­te die kor­rek­te Über­set­zung aus dem Fran­zö­si­schen ‚Gro­ße Erset­zung‘ hei­ßen, denn der Unter­gang des Abend­lan­des ist für ihn irrever­si­bel.“ (autonome-antifa.org, 13.11.25) Weg­ner argu­men­tiert, der demo­gra­fi­sche Wan­del kön­ne nicht durch Ein­wan­de­rung auf­ge­fan­gen wer­den und schluss­fol­gert: „[O]hne deut­sche Kin­der gibt es kei­ne deut­sche Zukunft.“ – eine Paro­le, die zuvor wort­gleich von der Neo­na­zi-Split­ter­par­tei „Der Drit­te Weg“ in einem Fly­er ver­wen­det wurde.

Sein Frau­en­bild for­mu­liert er mit dras­ti­scher Ver­ach­tung. Kin­der wür­den in Zei­ten des Wohl­stands vor allem als Hin­der­nis beim Geld­aus­ge­ben betrach­tet, und er spot­tet: Statt dass sich „die ersehn­ten Gebär­ma­schi­nen mit finan­zi­el­len Auf­wen­dun­gen schmie­ren lie­ßen, fres­sen sie sich dar­an im Gegen­teil wort­wört­lich fest.“ Anschlie­ßend ver­knüpft er pro­na­ta­lis­ti­sche Poli­tik mit Angrif­fen auf das Recht auf Schwangerschaftsabbruch.

Weg­ner taucht auch im vom DÖW erstell­ten Rechts­extre­mis­mus­be­richt als Autor der „Neu­en Rech­ten“ im „Frei­lich-Maga­zin“ und in „Info-Direkt“ auf. Für Micha­el Scharf­mül­lers rechts­extre­me Pos­til­le ver­fasst Weg­ner zwei von Ras­sis­mus durch­drun­ge­ne Stücke.

Ein wei­te­res wie­der­keh­ren­des Motiv ist der Ras­sis­mus. So fragt Nils Weg­ner, der sich 2022 als Über­set­zer von Edward Dut­tons „Und sie unter­schei­den sich doch. Über die Ras­sen der Mensch­heit“ (Ares-Ver­lag) zum Ras­se­glau­ben bekannt hat­te, nach dem „Selbst­be­wusst­sein der Wei­ßen“ und führt aus, dass das „ein­zi­ge nicht weg­dis­ku­tier­ba­re Boll­werk […] die eth­ni­sche Iden­ti­tät“ sei. Dass es sich dabei ledig­lich um eine moder­ni­sier­te Fas­sung des Ras­se­be­griffs han­delt, ver­deut­licht Weg­ner in einer Rezen­si­on von Andre­as Von­derachs „Die Dekon­struk­ti­on der Ras­se“. Der Autor hät­te ent­larvt, „wel­che inter­es­sier­ten Krei­se“ hin­ter dem Angriff auf die „Natur­wis­sen­schaf­ten“ stün­den und „welch dras­ti­sche Wege die Ras­sen­leug­ner zur Durch­set­zung ihrer Zie­le wähl­ten“. (Rechts­extre­mis­mus in Öster­reich 2023, S. 131)

Nun zeigt sich, dass Weg­ner nicht nur für das als „gesi­chert rechts­extrem“ ein­ge­stuf­te Schnell­ro­da-Netz­werk gear­bei­tet und in einer Rei­he wei­te­rer rechts­extre­mer Medi­en publi­ziert hat, son­dern jah­re­lang ver­steckt als Lek­tor und Pro­jekt­ko­or­di­na­tor in einem Ver­lag tätig war (oder noch ist), der von der FPÖ unter Schirm­herr­schaft des ers­ten Natio­nal­rats­prä­si­den­ten mit einem Preis bedacht wird. Dass Weg­ner vor weni­gen Wochen von der Frei­heit­li­chen Jugend Wien als Vor­tra­gen­der gela­den wur­de, ver­wun­dert dann auch nicht mehr.

Nils Wegner bei der Freiheitlichen Jugend Wien (Screenshot Wegner Instagram, 23.10.25)
Nils Weg­ner bei der Frei­heit­li­chen Jugend Wien (Screen­shot Weg­ner Insta­gram, 23.10.25)

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