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Lesezeit: 5 Minuten

Mélange KW 45/25 (Teil 2): Schüsse am Kinderspielplatz und Hitler-Rede während Gedenkfeier

Ein 12-Jäh­ri­ger schießt mit der Glock sei­nes Vaters auf einem Kin­der­spiel­platz her­um, in Möd­ling ertönt aus einer Woh­nung wäh­rend einer Gedenk­fei­er anläss­lich der Novem­ber­po­gro­me eine Hit­ler-Rede. Gerald Grosz sorgt bei einer AfD-Ver­an­stal­tung in Mün­chen erneut für einen Eklat. Die Zahl jener AfD-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten, deren Immu­ni­tät auf­ge­ho­ben wur­de, weil sie in Ver­dacht ste­hen, Straf­ta­ten began­gen zu haben, hat sich wie­der erhöht.

12. Nov. 2025
Rückblick
Rückblick

Inhalt

Togg­le
  • Ziersdorf/NÖ: 12-Jäh­ri­ger bedroht Kin­der mit Glock-Pistole
  • Mödling/NÖ: Hit­ler-Rede wäh­rend Gedenk­fei­er zu Novemberpogromen
  • Hartberg/Stmk: Van­da­lis­mus im Fußballstadion
  • München/D: Gerald Grosz lie­fert in Bay­ern erneut einen Eklat
  • Ber­lin: Immu­ni­tät von zwei wei­te­ren AfD-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten aufgehoben

Ziersdorf/NÖ: 12-Jähriger bedroht Kinder mit Glock-Pistole

Ein zwölf­jäh­ri­ger Bub hat auf einem Spiel­platz in Ziers­dorf mehr­mals mit einer Pis­to­le in die Luft geschos­sen, wäh­rend ande­re Kin­der anwe­send waren. Aus­lö­ser war laut Poli­zei ein Kon­flikt mit einem Gleich­alt­ri­gen, der sich hin­knien und ent­schul­di­gen muss­te. Nach dem Vor­fall erstat­te­te eine Fami­lie Anzei­ge, wor­auf­hin die Poli­zei den Buben zu Hau­se auf­such­te. Die Schüs­se wur­den zunächst abge­strit­ten, doch bei einer frei­wil­li­gen Nach­schau wur­de eine gela­de­ne, funk­ti­ons­fä­hi­ge Pis­to­le im Zim­mer des Zwölf­jäh­ri­gen gefun­den und sichergestellt.

Er habe die Glock 19 daheim gefun­den und zum Spiel­platz mit­ge­nom­men, der Vater habe die­se sowie wei­te­re Waf­fen, ille­gal beses­sen: Neben Soft­guns soll der Mann außer­dem eine wei­te­re Faust­feu­er­waf­fe und zwei Lang­waf­fen beses­sen haben. Letz­te­re ver­such­te der Vater noch ver­schwin­den zu las­sen: Nach der Haus­durch­su­chung durch die Beam­ten ver­senk­te er die drei Waf­fen im March­feld­ka­nal. Bei einer spä­te­ren Befra­gung gab er aber zu, die­se beses­sen zu haben. Tau­cher des Ein­satz­kom­man­dos Cobra such­ten dar­auf­hin im March­feld­ka­nal nach den Waf­fen und stell­ten sie sicher. (Kurier, 8.11.25, S. 20)

Die Ermitt­lun­gen zur Her­kunft der Waf­fen dau­ern an. Gegen den Vater wird nach dem Waf­fen­ge­setz und wegen Dieb­stahls ermit­telt, gegen den Zwölf­jäh­ri­gen eben­falls nach dem Waf­fen­ge­setz sowie wegen Nöti­gung und gefähr­li­cher Dro­hung. Der Bub befin­det sich nach Anga­ben der Poli­zei nicht mehr bei sei­ner Fami­lie und erhält Betreu­ung durch die Kin­der- und Jugendhilfe.

Mödling/NÖ: Hitler-Rede während Gedenkfeier zu Novemberpogromen

Wäh­rend der städ­ti­schen Gedenk­fei­er zum Novem­ber­po­grom in Möd­ling am Sonn­tag­abend wur­de aus dem Fens­ter einer nahe­ge­le­ge­nen Woh­nung eine Auf­nah­me einer Hit­ler-Rede laut­stark abge­spielt. Über den Zeit­punkt kur­sie­ren unter­schied­li­che Ver­sio­nen: wäh­rend der Rede des 91-jäh­ri­gen Alt­bür­ger­meis­ters Wer­ner Burg (kurier.at, 9.11.25) oder wäh­rend eines ein­ge­spiel­ten Musik­stücks (noe.orf.at, 10.11.25).

Die rund 50 Teilnehmer*innen zeig­ten sich scho­ckiert. Das Fens­ter, aus dem die Hit­ler-Rede drang, konn­te ein­ge­grenzt wer­den, sodass mit einer Iden­ti­fi­ka­ti­on der schul­di­gen Person(en) bald zu rech­nen sein dürf­te. Die Stadt Möd­ling erstat­te­te Anzei­ge, das Lan­des­amt für Staats­schutz und Extre­mis­mus­be­kämp­fung ermit­telt wegen des Ver­dachts auf Wiederbetätigung.

Laut SPÖ-Stadt­rat Ste­phan Schi­ma­no­wa sei dies ein „klas­si­scher Fall von NS-Wie­der­be­tä­ti­gung” gewe­sen. Er gehe von einer geziel­ten Stör­ak­ti­on aus. „Spä­tes­tens heu­te hat sich gezeigt, dass die Nazis zurück sind”, so das Urteil des Stadt­rats. Gleich­zei­tig wur­de aber betont, dass man als Stadt dage­gen­hal­ten will. (heute.at, 9.11.25)

Die Gedenk­fei­er fand – wie jedes Jahr – am Platz vor der ehe­ma­li­gen Syn­ago­ge in der Enzers­dor­fer­stra­ße statt. War­um bei der Gedenk­fei­er kei­ne Poli­zei (und nie­mand vom Ver­fas­sungs­schutz) anwe­send war, wird wohl noch zu dis­ku­tie­ren sein.

Update 12.11.25: Die Per­son, die die Hit­ler-Rede abge­spielt haben soll, wur­de aus­ge­forscht. Im Zuge einer Haus­durch­su­chung sei­en Beweis­ge­gen­stän­de sicher­ge­stellt worden.

Hartberg/Stmk: Vandalismus im Fußballstadion

Zwei Jugend­li­che im Alter von 15 und 16 Jah­ren dran­gen in der Nacht vom 29. auf 30. Okto­ber in das sich im Umbau befind­li­che Sta­di­on Hart­berg ein und ver­ur­sach­ten einen Scha­den von rund 30.000 Euro. Sie hin­ter­lie­ßen unter ande­rem Graf­fi­ti, dar­un­ter ein Haken­kreuz, und zün­de­ten Bau­ma­te­ri­al an.

Die Jugend­li­chen wur­den durch Sicher­heits­ka­me­ras schnell iden­ti­fi­ziert, ver­hört und zeig­ten sich gestän­dig. Sie wer­den wegen schwe­rer Sach­be­schä­di­gung, Ein­bruch­dieb­stahl, Brand­stif­tung, Sach­be­schä­di­gung sowie Ver­sto­ßes gegen das Ver­bots­ge­setz angezeigt.

(Quel­le: kleinezeitung.at, 5.11.25)

München/D: Gerald Grosz liefert in Bayern erneut einen Eklat

Im baye­ri­schen Land­tag ver­an­stal­te­te die AfD-Frak­ti­on kürz­lich einen Vor­trags­abend mit dem Öster­rei­cher Gerald Grosz, der bereits zuvor durch eine belei­di­gen­de Äuße­rung gegen­über Minis­ter­prä­si­dent Mar­kus Söder auf­ge­fal­len war. Die Land­tags­ver­wal­tung hat­te im Vor­feld in einem Schrei­ben aus­drück­lich auf die Wah­rung der Wür­de des Par­la­ments und der Ver­fas­sungs­wer­te hin­ge­wie­sen, doch die­se Mah­nung blieb wirkungslos.

Prompt belei­dig­te Grosz Land­tags­prä­si­den­tin Ilse Aigner. Die­se sei intel­lek­tu­ell limi­tiert, was kein Wun­der sei, „wenn man sich mit Mar­kus Söder eine Gehirn­zel­le teilt“. Der Land­tag ist für ihn ein „soge­nann­tes demo­kra­ti­sches Par­la­ment“, das „Hirn-Ona­nie“ betrei­be, das demo­kra­ti­sche Sys­tem sieht er als „Gou­ver­nan­ten-Demo­kra­tur“, was auch immer das genau hei­ßen mag.
In Land­tags­krei­sen ist man dem Ver­neh­men nach auf­ge­schreckt nach dem Eklat, der bis­lang nicht einer grö­ße­ren Öffent­lich­keit bekannt wur­de. Auch weil Grosz nicht nur
CSU-Poli­ti­ke­rin Aigner anging, son­dern auch den par­tei­un­ab­hän­gi­gen und im poli­ti­schen Mün­chen hoch geach­te­ten Ver­wal­tungs­di­rek­tor des Land­tags. Des­sen Brief vor­ab sei „poli­tisch bös­ar­tig“, gei­fer­te Grosz, der Beam­te mache die „Drecks­ar­beit“ für die „schein­kon­ser­va­ti­ve“ CSU. (sueddeutsche.de, 4.11.25)

Der Vor­fall sorg­te in Land­tags­krei­sen für erheb­li­ches Auf­se­hen, blieb jedoch bis zur Ver­öf­fent­li­chung des Eklats durch die „Süd­deut­sche“ weit­ge­hend außer­halb der Öffent­lich­keit. Das Land­tags­amt prüft nun die getä­tig­ten Äuße­run­gen und berät über mög­li­che Konsequenzen.

Berlin: Immunität von zwei weiteren AfD-Bundestagsabgeordneten aufgehoben

Am 6. Novem­ber hob der Deut­sche Bun­des­tag die Immu­ni­tät des AfD-Abge­ord­ne­ten Rai­mond Schei­rich auf. Die Staats­an­walt­schaft Augs­burg ermit­telt wegen Untreue und Betrugs, es kam zu Durch­su­chun­gen. Mit­be­trof­fen im baye­ri­schen Strang: der Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Andre­as Jur­ca. Hin­ter­grund sind mut­maß­lich zweck­wid­rig ver­wen­de­te Frak­ti­ons­gel­der aus sei­ner Zeit im Augs­bur­ger Stadtrat.

Zudem gibt es wei­te­re Ver­däch­tig­te, so die Staats­an­walt­schaft Augs­burg. Die Ermitt­ler führ­ten meh­re­re Durch­su­chun­gen durch, unter ande­rem in den Abge­ord­ne­ten­bü­ros sowie in den Büro­räu­men der Augs­bur­ger AfD-Frak­ti­on. Beweis­mit­tel sei­en beschlag­nahmt wor­den. (br24.de, 6.11.25)

Jur­ca erlang­te über­re­gio­na­le Bekannt­heit, als er 2023 behaup­te­te, von einer Grup­pe wegen sei­ner AfD-Ange­hö­rig­keit ver­prü­gelt wor­den zu sein. Die Ermitt­lun­gen gegen zwei ver­däch­ti­ge Per­so­nen wur­den jedoch ein­ge­stellt.

Am 6. Novem­ber hob der Bun­des­tag auch die Immu­ni­tät von Arne Raue auf und geneh­mig­te die Durch­füh­rung eines Dis­zi­pli­nar­ver­fah­rens; Details wer­den in der Par­la­ments­mel­dung (6.11.25) nicht genannt.

Die aktu­el­len Fäl­le rei­hen sich in meh­re­re jüngs­te Immu­ni­täts­auf­he­bun­gen gegen AfD-Man­da­ta­re ein: Ste­phan Brand­ner und Mat­thi­as Moos­dorf (Beschlüs­se vom 9.10.25); bei Brand­ner geht es um die Geneh­mi­gung eines Voll­stre­ckungs­ver­fah­rens, bei Moos­dorf um ein Straf­ver­fah­ren wegen des Ver­dachts, im Reichs­tags­ge­bäu­de den Hit­ler­gruß gezeigt zu haben.

Mit Beschluss am 11. Sep­tem­ber wur­de Maxi­mi­li­an Krahs Immu­ni­tät auf­ge­ho­ben und so Ermitt­lun­gen der Gene­ral­staats­an­walt­schaft Dres­den wegen des Ver­dachts auf Bestech­lich­keit und Geld­wä­sche mög­lich gemacht.

Gleich eine gan­ze Rei­he von Ermitt­lun­gen lau­fen gegen Petr Bystron, des­sen Immu­ni­tät bereits vom Bun­des­tag und dann noch­mals 2025, nach Bystrons Wech­sel nach Brüs­sel, auch vom EU-Par­la­ment auf­ge­ho­ben wurde.

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