Aus der „Aula” wurde „Freilich”
Der Aula-Skandal rund um den Hetzartikel gegen KZ-Befreite führte 2018 zum Ende des burschenschaftlich orientierten Magazins „Die Aula“ – selbst die damals im Bund mitregierende FPÖ konnte der Rechtsaußen-Postille nicht mehr die Stange halten und trennte sich mit mehr oder weniger großen Amputationsschmerzen vom einstigen „publizistischen Flaggschiff des Dritten Lagers“ (Selbstbezeichnung). Die „Aula-Verlag Gesellschaft m.b.H.“ wurde mit leichten Änderungen der Gesellschafter zur „Freilich Medien GmbH“, Heinrich Sickl, damals FPÖ-Gemeinderat in Graz, ersetzte den bisherigen Geschäftsführer Martin Pfeiffer, bis FPÖ-Bezirksrat und stellvertretender Bezirksparteobmann in Graz-St. Leonhard, und aus der ständig am Rand des Neonazismus wandelnden „Aula“ wurde das stark neurechts orientierte „Freilich“-Magazin.
Mit notarieller Bescheinigung vom 1.9.25 wurde nun die „Freilich Medien GmbH“ aufgelöst. Eingeleitet hatte Heinrich Sickl als Liquidator die Löschung Ende Mai 2025, als die Anklage seines Vorgängers bereits klar war. „Die Bücher und Schriften der aufgelösten Gesellschaft wurden an Herrn DI Heinrich Sickl zur weiteren Verwahrung übergeben“, heißt es im Auflösungsvertrag.
Bevorstehender Prozess
Ab 15. September steht der Sickl-Vorgänger Martin Pfeiffer u.a. wegen des Verdachts auf Wiederbetätigung vor Gericht. „SOS Mitmensch” hatte die die Ermittlungen mit einer Anzeige Ende 2018 ins Rollen gebracht. Die nun angeklagten Vorwürfe sind heftig.
Martin Pfeiffer soll laut Anklage zumindest von 2005 bis Juni 2018 — teilweise auch als Autor der in der Zeitschrift publizierten Beiträge — „nationalsozialistische Propaganda-Stereotype” verwendet haben. Die Anklage listet rund 250 Beispiele auf von Rassenlehre bis Antisemitismus. Pfeiffer, der zu seiner Zeit als Chefredakteur auch FPÖ-Bezirkspolitiker in Graz war, soll etwa Rassismus, Herrenrassen- und völkisches Denken sowie einen biologisch-rassistischen Volksbegriff und nationalsozialistische Rassentheorien propagiert haben. Es wurden Begriffe wie „rassisch Minderwertige” verwendet sowie „Rassenmischung” durch Integration als Gefahr und „Europide” als Vertreter einer überlegenen Rasse dargestellt. Personengruppen wurden laut Anklage im „Aula”-Jargon als „Neger” oder „Zigeuner” bezeichnet. Über sie wurde vorwiegend negativ berichtet und gehetzt. Sie wurden pauschal als kriminell, arbeitsscheu und minder intelligent dargestellt, so der Vorwurf des Anklägers.
„Aula”-Buchdienst für Literatur und Ton- und Bildträger
Weiter wurde das „Jüdische” als Gefahr dargestellt und vor der „Judaisierung der Welt” gewarnt. Nationalsozialismus, Führungspersönlichkeiten und Mitglieder der NSDAP, Nazikämpfer und die Nazi-Wehrmacht sollen verteidigt und glorifiziert worden sein. Zudem sei der Genozid an den europäischen Juden (Holocaust) und anderen durch das NS-Regime verfolgten Gruppen relativiert und Partei für verurteilte Holocaust-Leugner ergriffen worden sein. In der „Aula” soll auch die grausame Realität in den nationalsozialistischen Konzentrationslagern beschönigt worden sein.
NS-Propagandamaterial gleichkommende Literatur und Ton- und Bildträger über Führungspersönlichkeiten und Mitglieder der NSDAP wurden beworben und über den „Aula”-Buchdienst zum Kauf angeboten, so die Anklage. Vorgeworfen wird auch, dass Neonazis, neonazistischen Gruppierungen und verurteilten Holocaustleugnern eine Plattform geboten und Sympathien für deren Ideologie zum Ausdruck gebracht und das Verbotsgesetz unsachlich kritisiert und dessen Abschaffung gefordert wurden. (APA, 6.9.25)
Dass es Zufall ist, wenn nun just jene GmbH, die zumindest indirekt mit auf der Anklagebank sitzt, so knapp vor dem Prozess aufgelöst wurde, erscheint unwahrscheinlich. „Freilich“ führt im Impressum noch immer die bereits gelöschte GmbH. Heinrich Sickl sollte sich aus rechtlichen Gründen sputen, das Impressum richtigzustellen.

Update 7.9.25: Das Freilich-Impressum wurde korrigiert. Eine „Edition Kontext GmbH” hat die „Freilich Medien GmbH” ersetzt.
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