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Lesezeit: 3 Minuten

„Freilich Medien GmbH“ kurz vor Prozess gegen Ex-Aula-Chef aufgelöst

Das kommt über­ra­schend. Oder auch nicht: Die 2018 in „Frei­lich Medi­en GmbH“ umbe­nann­te „Aula-Ver­lag Gesell­schaft m.b.H.“ wur­de vor weni­gen Tagen auf­ge­löst. Nun darf spe­ku­liert wer­den, war­um. Fest­steht: Die Ankla­ge gegen den Ex-Aula-Chef ist heftig.

6. Sep. 2025
Die "Freilich Medien GmbH" aufgelöst
Die "Freilich Medien GmbH" aufgelöst

Aus der „Aula” wurde „Freilich”

Der Aula-Skan­dal rund um den Hetz­ar­ti­kel gegen KZ-Befrei­te führ­te 2018 zum Ende des bur­schen­schaft­lich ori­en­tier­ten Maga­zins „Die Aula“ – selbst die damals im Bund mit­re­gie­ren­de FPÖ konn­te der Rechts­au­ßen-Pos­til­le nicht mehr die Stan­ge hal­ten und trenn­te sich mit mehr oder weni­ger gro­ßen Ampu­ta­ti­ons­schmer­zen vom eins­ti­gen „publi­zis­ti­schen Flagg­schiff des Drit­ten Lagers“ (Selbst­be­zeich­nung). Die „Aula-Ver­lag Gesell­schaft m.b.H.“ wur­de mit leich­ten Ände­run­gen der Gesell­schaf­ter zur „Frei­lich Medi­en GmbH“, Hein­rich Sickl, damals FPÖ-Gemein­de­rat in Graz, ersetz­te den bis­he­ri­gen Geschäfts­füh­rer Mar­tin Pfeif­fer, bis FPÖ-Bezirks­rat und stell­ver­tre­ten­der Bezirks­par­te­ob­mann in Graz-St. Leon­hard, und aus der stän­dig am Rand des Neo­na­zis­mus wan­deln­den „Aula“ wur­de das stark neu­rechts ori­en­tier­te „Freilich“-Magazin.

Mit nota­ri­el­ler Beschei­ni­gung vom 1.9.25 wur­de nun die „Frei­lich Medi­en GmbH“ auf­ge­löst. Ein­ge­lei­tet hat­te Hein­rich Sickl als Liqui­da­tor die Löschung Ende Mai 2025, als die Ankla­ge sei­nes Vor­gän­gers bereits klar war. „Die Bücher und Schrif­ten der auf­ge­lös­ten Gesell­schaft wur­den an Herrn DI Hein­rich Sickl zur wei­te­ren Ver­wah­rung über­ge­ben“, heißt es im Auflösungsvertrag.

Bevorstehender Prozess

Ab 15. Sep­tem­ber steht der Sickl-Vor­gän­ger Mar­tin Pfeif­fer u.a. wegen des Ver­dachts auf Wie­der­be­tä­ti­gung vor Gericht. „SOS Mit­mensch” hat­te die die Ermitt­lun­gen mit einer Anzei­ge Ende 2018 ins Rol­len gebracht. Die nun ange­klag­ten Vor­wür­fe sind heftig.

Mar­tin Pfeif­fer soll laut Ankla­ge zumin­dest von 2005 bis Juni 2018 — teil­wei­se auch als Autor der in der Zeit­schrift publi­zier­ten Bei­trä­ge — „natio­nal­so­zia­lis­ti­sche Pro­pa­gan­da-Ste­reo­ty­pe” ver­wen­det haben. Die Ankla­ge lis­tet rund 250 Bei­spie­le auf von Ras­sen­leh­re bis Anti­se­mi­tis­mus. Pfeif­fer, der zu sei­ner Zeit als Chef­re­dak­teur auch FPÖ-Bezirks­po­li­ti­ker in Graz war, soll etwa Ras­sis­mus, Her­ren­ras­sen- und völ­ki­sches Den­ken sowie einen bio­lo­gisch-ras­sis­ti­schen Volks­be­griff und natio­nal­so­zia­lis­ti­sche Ras­sen­theo­rien pro­pa­giert haben. Es wur­den Begrif­fe wie „ras­sisch Min­der­wer­ti­ge” ver­wen­det sowie „Ras­sen­mi­schung” durch Inte­gra­ti­on als Gefahr und „Euro­p­i­de” als Ver­tre­ter einer über­le­ge­nen Ras­se dar­ge­stellt. Per­so­nen­grup­pen wur­den laut Ankla­ge im „Aula”-Jargon als „Neger” oder „Zigeu­ner” bezeich­net. Über sie wur­de vor­wie­gend nega­tiv berich­tet und gehetzt. Sie wur­den pau­schal als kri­mi­nell, arbeits­scheu und min­der intel­li­gent dar­ge­stellt, so der Vor­wurf des Anklägers.

„Aula”-Buchdienst für Lite­ra­tur und Ton- und Bildträger

Wei­ter wur­de das „Jüdi­sche” als Gefahr dar­ge­stellt und vor der „Judai­sie­rung der Welt” gewarnt. Natio­nal­so­zia­lis­mus, Füh­rungs­per­sön­lich­kei­ten und Mit­glie­der der NSDAP, Nazi­kämp­fer und die Nazi-Wehr­macht sol­len ver­tei­digt und glo­ri­fi­ziert wor­den sein. Zudem sei der Geno­zid an den euro­päi­schen Juden (Holo­caust) und ande­ren durch das NS-Regime ver­folg­ten Grup­pen rela­ti­viert und Par­tei für ver­ur­teil­te Holo­caust-Leug­ner ergrif­fen wor­den sein. In der „Aula” soll auch die grau­sa­me Rea­li­tät in den natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Kon­zen­tra­ti­ons­la­gern beschö­nigt wor­den sein.

NS-Pro­pa­gan­da­ma­te­ri­al gleich­kom­men­de Lite­ra­tur und Ton- und Bild­trä­ger über Füh­rungs­per­sön­lich­kei­ten und Mit­glie­der der NSDAP wur­den bewor­ben und über den „Aula”-Buchdienst zum Kauf ange­bo­ten, so die Ankla­ge. Vor­ge­wor­fen wird auch, dass Neo­na­zis, neo­na­zis­ti­schen Grup­pie­run­gen und ver­ur­teil­ten Holo­caust­leug­nern eine Platt­form gebo­ten und Sym­pa­thien für deren Ideo­lo­gie zum Aus­druck gebracht und das Ver­bots­ge­setz unsach­lich kri­ti­siert und des­sen Abschaf­fung gefor­dert wur­den. (APA, 6.9.25)

Dass es Zufall ist, wenn nun just jene GmbH, die zumin­dest indi­rekt mit auf der Ankla­ge­bank sitzt, so knapp vor dem Pro­zess auf­ge­löst wur­de, erscheint unwahr­schein­lich. „Frei­lich“ führt im Impres­sum noch immer die bereits gelösch­te GmbH. Hein­rich Sickl soll­te sich aus recht­li­chen Grün­den spu­ten, das Impres­sum richtigzustellen.

Das "Freilich"-Impressum mit aufgelöster "Freilich Medien GmbH" (Screenshot 6.9.25)
Das „Freilich”-Impressum mit auf­ge­lös­ter „Frei­lich Medi­en GmbH” (Screen­shot 6.9.25)

Update 7.9.25: Das Frei­lich-Impres­sum wur­de kor­ri­giert. Eine „Edi­ti­on Kon­text GmbH” hat die „Frei­lich Medi­en GmbH” ersetzt.

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Schlagwörter: Burschen-/Mädelschaften/Korporationen | FAV | FPÖ | Freilich/AULA | Neonazismus/Neofaschismus | Steiermark | Verbotsgesetz | Wiederbetätigung

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