Ok, „mausgerutscht“ könnte auch noch eine Erklärungsvariante sein, wenn die burgenländische Ersatzgemeinderätin meint, es nicht gewesen zu sein. Das soll in ihrem Parteimilieu des Öfteren vorkommen, wie „Stoppt die Rechten“ vor einigen Jahren anhand einiger Fälle dokumentiert hat.
Im April 2019 hat ein Rattengedicht des damaligen Braunauer FPÖ-Vizebürgermeisters Christian Schilcher noch für nationale und internationale Schlagzeilen und den Rücktritt des blauen Politikers gesorgt. Inzwischen sind diffamierende Zuschreibungen aus dem Tierreich für Politiker*innen fast „normal“ geworden. Die FPÖ-Funktionärin Zweng, die sich auf Facebook „Zwerg” nennt, bedient sich aus dem Repertoire, das im Nationalsozialismus zur Dehumanisierung insbesondere von Juden und Jüdinnen und als Vorbereitung des Holocaust gedient hatte, gleich mehrfach. Am 9. Februar 2023 teilt Lydia Zweng ein Sujet mit Fotos von diversen Politiker*innen, das mit Zeckensymbol-Bildern und dem Titel „Parasitus Austriacus Politicus“ garniert ist. Außenminister Schallenberg wird als Ratte dargestellt. Zweng textet dazu: „da fehlen Pam, Hacker u. Ludwig [Zwinker-Smiley]“

Christine J. zieht in dem Kommentar den Schluss, „Die gehören alle in den Mistkübel und entsorgt das währe so schön ‚es kommt für jeden der Tag lieber heute als morgen .“, und erhält dafür ein Like von Zweng.

Wenn Zweng anlässlich einer Wahlwerbungsveranstaltung der FPÖ in Wiener Neustadt am 26.5.24 dann meint, „linkes Ungeziefer, die provoziert u. gehetzt haben“ sei auch dort gewesen, setzt sie ihren dehumanisierenden Stil konsequent fort.

Am 26. Jänner 2021 postet der rechtsextreme Schwurbelkönig Hannes Brejcha ein Sujet mit einem Text über Bundespräsident Van der Bellen und wählt als Hintergrunddeko skelettierte Schädel. Darunter finden sich zahlreiche justiziable Kommentare. Lydia Zweng kommentiert ein montiertes Foto von Van der Bellen mit: „schod das der Hintergrund ka Höllenfeuer is“

Wie eingeschränkt Zwengs Reflexionsvermögen ist, zeigt, dass sie zwar selbst mit der verbalen Dehumanisierungsstrategie des Nationalsozialismus arbeitet, aber gleichzeitig mit ihrem Kommentar „absolut“ ein Posting gutheißt, in dem die Grünen als Nazis bezichtigt werden. (Dass das Posting selbst als Holocaustverharmlosung gedeutet werden könnte, ist Frau Zweng vermutlich auch nicht klar.)

Wir halten fest, dass wir alle hier zitierten Postings/Kommentare gerichtstauglich gesichert haben.
Update 8.4.26: In einer früeren Version haben wir die FPÖ-Ersatzgemeinderätin Lydia Zweng nach ihrem FB-Account als „Lydia Zwerg” bezeichnet. Das wurde nachträglich korrigiert.
➡️ Zur Serie: Tatort Facebook: Täglich 1 FPÖ-Fail
Unabhängige Recherche ermöglichen...
Jetzt unterstützen »

