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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 4 Minuten

Nazi-Tante Maravelia und die FPÖ: Durchgerutscht und hängengeblieben?

Nach den Ver­öf­fent­li­chun­gen von Bawe­koll, RFJ-Watch, Stoppt die Rech­ten, Öster­reich und Stan­dard haben eini­ge Rei­ni­gungs­ar­bei­ten ein­ge­setzt. Aman­da Ali­ce Mara­ve­lia, die über 4.000 Freund­schaf­ten auf Face­book ein­ge­sam­melt hat, muss auf eini­ge pro­mi­nen­te Freun­de aus der FPÖ in Zukunft ver­zich­ten. Die ver­blie­be­nen Kon­tak­te zur FPÖ sind den­noch aus­rei­chend und auch irgend­wie prominent.

28. Sep. 2011

Eini­ge simp­le frei­heit­li­che Gemü­ter ver­such­ten es zunächst noch mit Gegen­pro­pa­gan­da. Die Mara­ve­lia gäbe es gar nicht auf Face­book, mein­ten eini­ge. Wer suchet, der fin­det! Nor­bert Hofer hat sei­ne frü­he­re Face­book-Freun­din gefun­den und öffent­lich erklärt: „Das darf nicht sein. Die ist mir durch­ge­rutscht, ich lösche sie sofort.“

Tat­säch­lich! Nor­bert Hofer ist nicht län­ger befreun­det mit Aman­da. Auch Johann Gude­nus, der Wie­ner Klub­ob­mann der FPÖ und „Umvol­kungs“-Spe­zia­list, der von rfj-watch geoutet wur­de, hat still und heim­lich die Lösch-Tas­te gedrückt. Susan­ne Win­ter, die noch immer von etli­chen Neo­na­zis und Rechts­extre­men auf Face­book umge­ben ist, hat der Face­book-Freun­din eben­falls Ade gesagt.

Wolf­gang Zan­ger (Abg. der FPÖ), Bar­ba­ra Rosen­kranz (Lan­des­rä­tin FPÖ NÖ und Prä­si­dent­schafts­kan­di­da­tin), Johann Tschürtz und Ger­hard Kova­sits (Land­tags­ab­ge­ord­ne­te FPÖ Bur­gen­land), Han­nes Stiehl (FPÖ Gemein­de­rat und Poli­zist), Johann Ertl (Bun­des­rat FPÖ) usw. – also etli­che Frei­heit­li­che, die von Bawe­koll geoutet wur­den, haben in den letz­ten Tagen die Flucht ergrif­fen. Aman­da Ali­ce Mara­ve­lia also frei von frei­heit­li­chen Freun­den? Nicht ganz.

Aber zuvor möch­ten wir noch ein ande­res Erklä­rungs­mus­ter der frei­heit­li­chen Gegen­pro­pa­gan­da auf­grei­fen. Bei dem Face­book-Pro­fil von Aman­da Ali­ce Mara­ve­lia hand­le es sich um ein heim­tü­ckisch von Lin­ken oder Grü­nen ange­leg­tes („gefak­tes“) Kon­to! Ein­mal abge­se­hen davon, dass das Anle­gen eines FB-Kon­tos mit rund 4.000 Freund­schaf­ten eine ziem­lich müh­se­li­ge Ange­le­gen­heit wäre – ver­su­chen wir es mit einer Gegen­fra­ge: War­um flie­gen Neo­na­zis, Rechts­extre­me und Frei­heit­li­che wie die Mot­ten auf einen Account mit einem Nazi-Pro­fil, gefakt oder echt? Weil sie instinkt- oder reflex­mä­ßig nicht anders kön­nen als eine Freund­schafts­an­fra­ge zu beant­wor­ten, wenn ein paar def­ti­ge Nazi-Sprü­che auf der Info-Sei­te auf­tau­chen? Oder weil sie zu allen freund­lich sein wol­len und daher die Nazi-Tan­ten und ‑Onkels ein­fach durchrutschen?

War­um nur braucht es immer zuerst die Ver­öf­fent­li­chung der Freund­schaf­ten, bis sich die frei­heit­li­chen Herr­schaf­ten von ihren Nazi-Bekannt­schaf­ten lösen kön­nen? Was ist eigent­lich mit der Stall­or­der, den eige­nen Account rein zu halten?

Wer­ner Königs­ho­fer kann die Order jetzt nach sei­nem Par­tei­aus­schluss egal sein, er hält Mara­ve­lia unver­brüch­lich die Treue. Aber was ist mit Hen­ri­et­te Frank? Die Land­tags­ab­ge­ord­ne­te der FPÖ Wien hat mit 388 Freun­dIn­nen einen über­schau­ba­ren Stall. Trotz Outing von Aman­da bleibt sie stand­haft bei der Freund­schaft. Na gut, Hans Jörg Jene­wein, Bun­des­rat der FPÖ und ihr Lan­des­par­tei­se­kre­tär in Wien, hält es eben­so. Im „Standard“-Bericht vom 20.9. über Mara­ve­lia und ihre frei­heit­li­chen Freun­de wur­den sie nicht expli­zit erwähnt, aber muss man wirk­lich alle vor den Vor­hang bitten?

Es gibt noch wei­te­re FPÖ-Funk­tio­nä­re bzw. ‑Man­da­ta­re, bei denen wir nicht wis­sen, ob die zacki­ge Mara­ve­lia durch­ge­rutscht oder hän­gen­ge­blie­ben ist.

Franz Ober­mayr, Euro­pa-Par­la­men­ta­ri­er der FPÖ, der im August 2010 mit ande­ren euro­päi­schen Rechts­extre­men am Yasuku­ni-Schrein der „hei­li­gen Krie­ge“ Japans gedacht hat, ist auch ein Freund von Aman­da. So wie Elmar Pod­gor­schek, der Abge­ord­ne­te zum Natio­nal­rat, der sich als „natio­nal­li­be­ral“ bezeichnet.

Pod­gor­schek ist schon im August 2006 als stram­mer Bur­schen­schaf­ter in Braunau/Inn bei der Palm-Kund­ge­bung auf­mar­schiert und war dabei selt­sam fröh­lich, obwohl ihm die Her­ren Gott­fried Küs­sel (dzt. in U‑Haft), Felix Budin (dzt.in U‑Haft) und Ste­fan Magnet (dzt. Pro­ku­rist bei Moser-Media) dicht auf den Fer­sen waren. War das eine Mut­pro­be oder gar die Vor­aus­set­zung, um auf FPÖ-Ticket 2008 in den Natio­nal­rat ein­zie­hen zu können?

Podgorschek, Küssel, Magnet, Budin beim Palm-Gedenken 2006 Braunau
Pod­gor­schek, Küs­sel, Magnet, Budin beim Palm-Geden­ken 2006 Braunau

Nazi-Tan­te Aman­da („Bis zum End­sieg!“) ist noch immer gut ver­sorgt mit FPÖ-Kon­tak­ten, die ver­mut­lich alle­samt ein­fach „durch­ge­rutscht“ sind. „Durch­ge­rutscht“ sind ver­mut­lich auch die zahl­rei­chen ande­ren Freund­schaf­ten, die Mara­ve­lia selbst oder ihre Freun­de im deutsch­spra­chi­gen Raum geschlos­sen haben: mit NPD-Orga­ni­sa­tio­nen und ‑Funk­tio­nä­ren etwa, von Frank Franz über Mat­thi­as Heyder („Jun­ker Jörg“) bis hin zu Jörg Krebs und Jörg Häh­nel.

Auch die „par­tei­frei­en“ Neo- und Alt­na­zis Nor­man Bord­in, Phil­ipp Has­sel­bach, Hem­ma Tif­ner und Karl Heinz Hoff­mann („Wehr­sport­grup­pe Hoff­mann“) fin­den sich unter den Freun­dIn­nen, gleich­be­rech­tigt mit den FPÖ-Orts­grup­pen Offen­hau­sen und Kind­berg.

Eine schö­ne Geselll­schaft! Was darf noch alles sein? Wie vie­le Bei­trä­ge müs­sen noch geschrie­ben wer­den, bis die letz­ten FPÖ-Kame­ra­dIn­nen ihre hän­gen­ge­blie­be­nen Bekannt­schaf­ten mit Neo­na­zis, Nazis und Rechts­extre­men löschen? Vie­le oder unend­lich viele?

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