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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 4 Minuten

Wer steckt hinter AUF1-TV? Teil 2: Die Schwurbelecke

AUF1 star­te­te mit einer „Nachrichten“-Schiene, um das ver­brei­ten, was die „Mainstream“-Medien ver­schwei­gen. Also nichts Neu­es, Des­in­fo­tain­ment, und selbst das eher auf einem Hob­by­ni­veau. An Bord geholt hat Magnet auch einen frü­he­ren Motor­rad­sport­ler und IT-Unter­neh­mer und mit Edith Brötz­ner eine Ober-Schwurb­le­rin aus Linz.

10. Juni 2021

Max J. Pucher ist Auto­renn­fah­rer (Ral­lye­cross) und Unter­neh­mer im IT- und Event­be­reich. Bei AUF1 ver­sucht er sich jedoch in einer ande­ren Bran­che, näm­lich als Wis­sen­schaf­ter und For­scher, der für AUF als Fak­ten­che­cker auf­tritt. In sei­nem bis­lang ein­zi­gen Auf­tritt macht er dem Image, dass Wis­sen­schaf­ter mög­lichst unver­ständ­lich und auch fade sind, alle Ehre. Viel­leicht glaubt Pucher, das müs­se so sein, um glaub­haft und seri­ös rüber­zu­kom­men? Der Ver­such ist jeden­falls gescheitert.

Pucher opfert sich, wie er gleich am Anfang erklärt, weil er es als sei­ne „Bür­ger­pflicht“ emp­fin­de, „der Pro­pa­gan­da der Main­stream-Medi­en, die mit der Poli­tik gleich­ge­schal­tet sind, ein Gegen­ge­wicht zu lie­fern“. Pucher will ech­ten Fak­ten­check betrei­ben und schwa­dro­niert über Wis­sen­schaft – mit wel­cher Qua­li­fi­ka­ti­on, bleibt frei­lich im Dunkeln.

Mag sein, dass sein Unter­neh­men forscht, eine wie auch immer gear­te­te wis­sen­schaft­li­che Qua­li­fi­ka­ti­on weist der HTL-Inge­nieur den­noch nicht auf. Das macht bei AUF1 auch nichts, denn Pucher wischt sein feh­len­des Stu­di­um mit Hin­wei­sen auf Bill Gates, Al Gore und die „Schul­schwän­ze­rin Gre­ta Thum­berg“, weg. Dass die drei nicht als wis­sen­schaft­li­che „Faktencheker/in“ in einer TV-Sen­dung auf­tur­nen, berührt Pucher nicht.

Er, so legt er die Kon­fron­ta­ti­ons­li­nie gleich fest, habe nicht „wie vie­le Poli­ti­ker einen Uni­ver­si­täts­ab­schluss per Betrug erlangt“. Und wei­te­re Trenn­li­ni­en zieht er eben­falls: Sein „kon­ser­va­ti­ves Welt­bild“ ste­he „im Kon­flikt mit einem poli­ti­schen Nar­ra­tiv an den Uni­ver­si­tä­ten, wel­ches kei­ne kon­struk­ti­ve Kri­tik und Dis­kus­si­on mehr erlaubt“. Hier haben wir also die drei dau­er­bren­nen­den Feind­bil­der aus der rechts­extre­men Ecke: Medi­en, Poli­tik und Wissenschaft.

Dann legt Pucher los, natür­lich mit dem The­ma Num­mer 1, „Coro­na“: gegen die tota­li­tä­re Macht­über­nah­me des Staa­tes, gegen die „Glo­ba­lis­ten“ usw.. Die Ideo­lo­gien sind Pucher über­haupt ein Dorn im Auge, vor allem jene, die „Uto­pien“ zum Ziel hät­ten wie CO2-Net-Zero und Zero-Covid. Ein Groß­teil der AUF1-Schauer*innen wird zwar kaum ver­ste­hen, was dar­un­ter gemeint ist, aber Puchers Fest­stel­lung, dass die Anzahl der Opfer sehr hoch sein wür­de, könn­te kle­ben blei­ben. Das reicht als Grund­bot­schaft auch. Und dann geht’s im übli­chen, dem milieuei­ge­nen Jar­gon dahin – mit dem Schwer­punkt Wis­sen­schafts­feind­lich­keit, die Pucher mit­tels irgend­wel­cher ein­ge­streu­ten „The­sen“, die nichts erklä­ren, aber alles ver­ne­beln, zu unter­mau­ern ver­sucht. Logi­scher­wei­se dekli­niert er sei­ne „The­sen“ an zwei Haupt­the­men her­un­ter: am in der Pucher’schen Welt nicht bewie­se­nen Kli­ma­wan­del und an der Nicht-Gefähr­lich­keit des Coro­na-Virus. Damit hat er sich, aber das war nicht anders zu erwar­ten, mit­ten in den Main­stream-The­men der ver­schwö­rungs­ideo­lo­gi­schen Com­mu­ni­ty platziert.

Ein biss­chen ein Rät­sel bleibt, wie Pucher sei­ne ein­gangs gemach­te Ansa­ge, er wer­de immer mit einem posi­ti­ven, opti­mis­ti­schen The­ma auf­hö­ren, ein­löst, aber viel­leicht liegt die dar­in, dass er sei­ne Tele­gram- und Face­book-Adres­se ein­blen­det. Die fir­mie­ren unter „Deep Thought News“. „Tief“ ist in der Tat das geeig­ne­te Adjek­tiv für Puchers Performance.

Volks­tüm­li­cher geht’s bei „Klar­text mit Edith“ zu. Edith, das ist die Ober­ös­ter­rei­che­rin Edith Brötz­ner, die eigent­lich eine Mar­ke­ting-Fir­ma besitzt. Brei­ter bekannt gewor­den ist sie aller­dings als Demo-orga­ni­sie­ren­de Coro­na-Schwur­bel­tan­te, die eini­ge Web­shops mit über­teu­er­ten Pro­duk­ten betreibt und noch viel mehr Anläs­se fin­det, um Spen­den zu sam­meln. Aber immer­hin: Edith bringt „TV”-Erfahrung mit, was mehr wäre als fast alle ande­ren AUF1-Betei­lig­ten. Ihr „Coro­na­auf­klä­rung-TV“ star­te­te Anfang März und ende­te aller­dings nach nur drei Wochen. Seit­her ist Funk­stil­le im „Coro­na­auf­klä­rung-TV“.

Corona-Aufklärung.TV mit Edith Brötzner
Corona-Aufklärung.TV mit Edith Brötzner

Dafür darf Edith nun bei AUF1 Klar­text spre­chen – oder zumin­dest das, was sie dar­un­ter ver­steht. Bis­her nur ein­mal, dafür aber gleich 27 sehr lan­ge Minu­ten lang. Beim Debüt trat der Gmund­ner Volks­mu­si­ker „Flo“ Flo­ri­an Dax­ner auf, der vom „Wochen­blick“ als „ech­tes Gmund­ner Mul­ti­ta­lent“ geprie­sen wird. Flo musi­ziert, betreibt ein Ton­stu­dio und hat Coro­na-Pro­test­lie­der eingesungen.

Bei Edith darf er schwa­dro­nie­ren, dass er bereits im März 2020 nicht dar­an geglaubt hät­te, dass sich Covid so schnell ver­brei­tet: „Des gibt’s net, des hot’s net amol bei der Pest glau­bi gege­ben!“ Flo, der Traun­see-Epi­de­mio­lo­ge, bedau­ert sehr, dass es nur weni­ge Künst­ler (gegen­dert wird natur­ge­mäß nicht) gäbe, die gegen die Coro­na-Maß­nah­men auf­tre­ten, aber das sei dar­auf zurück­zu­füh­ren, dass vie­le, die haupt­be­ruf­lich auch anders­wo tätig sei­en, Kne­bel­ver­trä­ge hät­ten, in denen ein Enga­ge­ment in der Coro­na-Pro­test­sze­ne ver­bo­ten wer­de. Fol­ge­rich­tig lässt sich Flo weder imp­fen noch tes­ten und hofft, dass der Ver­fas­sungs­ge­richts­hof „die­se hirn­ris­si­ge, kom­plett ver­trot­teln­de, men­schen­ver­ach­ten­de, alles zer­stö­ren­de Regel [gemeint sind die drei „g”, Anmk. SdR]“ als recht­wid­rig erklä­ren und auf­he­ben wür­de. Flo trös­tet sich und Edith jedoch final damit, dass „sie (…) die­se Fake-Pan­de­mie und Lüge“ nicht mehr lan­ge auf­recht­erhal­ten kön­nen. „Dein Wort in Got­tes Ohr“, flö­tet Edith abschlie­ßend. Mög­li­cher­wei­se soll­te sie eher an die Ohren und vor allem den Ver­stand jener glau­ben, die sich tes­ten und imp­fen las­sen und damit ermög­li­chen, dass Flo wie­der im Bier­zelt auf­spie­len darf.

➡️ Wer steckt hin­ter AUF1-TV? Teil 1: Brau­ner Untergrund
➡️ Wer steckt hin­ter AUF1-TV? Teil 3: der Häferlsender

➡️ Die FPÖ & Ste­fan Magnet: eine ange­patz­te Liai­son (18.9.21)
➡️ Bun­des­tags­wahl­kampf: Des­in­for­ma­ti­on made in Aus­tria (24.9.21)
➡️ Die Umsturz­träu­me des Ste­fan Magnet (22.11.21)

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