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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 7 Minuten

Mélange KW 27/26 (Teil 1): Antisemitische Attacken beim Lueger-Denkmal

Im Pri­de Month lan­det LGBTIQ-feind­li­che Wer­bung auf Gewis­ta-Flä­chen. Dazu: Hit­ler­gruß und Schlä­ge in Wien, rech­te Chats in der Schü­ler­uni­on, Haken­kreuz-Van­da­lis­mus, ein Poli­zei­be­such im Iden­ti­tä­ren-Kel­ler, anti­se­mi­ti­sche Atta­cken beim Lue­ger-Denk­mal und ein Gut­ach­ten zu Öster­reichs Verpflichtungen.

7. Juli 2026
Rückblick
Rückblick

Inhalt

Togg­le
  • Wien: Gewis­ta und die LGBTIQ-feind­li­che Werbung
  • Wien-Alser­bach: Hit­ler­gruß und Schläge
  • Schü­ler­uni­on hat ein Rechtsextremismus-Problem
  • Möllersdorf/NÖ: Van­da­lis­mus mit Hakenkreuz
  • Wien-Mar­ga­re­ten: Besuch im auf­ge­räum­ten Identitären-Keller
  • Wien-Inne­re Stadt: Poli­zei­ein­satz und wüs­te anti­se­mi­ti­sche Atta­cke beim Lueger-Denkmal
  • Der Staats­ver­trag ver­pflich­tet zu Antifaschismus

Wien: Gewista und die LGBTIQ-feindliche Werbung

Der Monat Juni wird immer unsym­pa­thi­scher – nicht nur wegen der heu­ri­gen Hit­ze. Nach den Rechts­extre­men, die den „Pri­de Month“ der quee­ren Com­mu­ni­ty mit einem „Stolz“-Monat zu kon­ter­ka­rie­ren ver­such­ten und sich dabei lächer­lich mach­ten, weil sie nicht sinn­erfas­send aus dem Eng­li­schen über­set­zen kön­nen, ver­su­chen es jetzt auch noch die katho­lisch ange­hauch­ten Rechts­extre­mis­ten der Gesell­schaft für Tra­di­ti­on, Fami­lie und Pri­vat­ei­gen­tum (TFP) mit einem „Herz-Jesu-Monat“ und nut­zen dafür Wer­be­flä­chen der Gewis­ta, des größ­ten öster­rei­chi­schen Werbeanbieters.

„Bis vor kur­zem fan­den sich aller­dings vor allem in Wien dut­zen­de Pla­ka­te, die Men­schen per QR-Link auf eine LGBTIQ-feind­li­che, katho­lisch-fun­da­men­ta­lis­ti­sche Web­sei­te füh­ren. „Juni ist der Herz-Jesu-Monat” ist auf der Wer­bung zu lesen, mit­samt einem gro­ßen Bild des christ­li­chen Hei­lands“, schreibt der „Stan­dard“ am 30.6.26.

Die Gewis­ta fin­det es anschei­nend ganz in Ord­nung, dass sie damit einer sek­ten­haf­ten rechts­extre­men Grup­pe ihre Wer­be­büh­ne über­lässt, „die auch von der katho­li­schen Kir­che als extre­mis­tisch ange­se­hen wird“ (1). Die in Bra­si­li­en gegrün­de­te TFP hat in ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten rech­te Putsch­dik­ta­tu­ren in Bra­si­li­en, Argen­ti­ni­en und Chi­le unter­stützt und mit ihrer grund­sätz­lich sexu­al­feind­li­chen Hal­tung vor allem gegen Abtrei­bung, Homo­se­xua­li­tät und eine offe­ne Gesell­schaft im All­ge­mei­nen gehetzt. „Zur Ver­tei­di­gung eines höhe­ren Rechts. War­um wir uns gleich­ge­schlecht­li­cher Lebens­ge­mein­schaft, „Homo-Ehe“ und homo­se­xu­el­ler Bewe­gung wider­set­zen müs­sen“, lau­tet der Titel einer TFP-Schrift.

Die Gewis­ta win­det sich in ihrer Anwort an den „Stan­dard:

Gewis­ta räumt zwar ein, dass mit den Pla­ka­ten womög­lich dis­kri­mi­nie­ren­de Posi­tio­nen gegen­über LGBTQIA+-Personen ein­ge­nom­men wer­den – das „wol­le und kön­ne” man aber nicht beur­tei­len. Ihre Auf­ga­be beschrän­ke sich auf dar­auf, Sujets auf „all­fäl­li­ge Rechts­wid­rig­kei­ten oder gro­ße Unver­träg­lich­kei­ten mit den Wer­ten eines demo­kra­ti­schen Rechts­staats zu beur­tei­len”. Und wei­ter: „So, wie es den einen frei­steht, ihre sexu­el­le Ori­en­tie­rung in die Öffent­lich­keit zu tra­gen und für deren Akzep­tanz zu wer­ben, muss es den ande­ren frei­ste­hen, genau dies abzulehnen.”

Im deutsch­spra­chi­gen Raum fin­det die TFP vor allem unter rech­ten Ade­li­gen wie den Olden­burgs (Bea­trix von Storch) und eini­gen aus dem Habs­burg-Clan beson­de­ren Anklang.

1 Kle­men­ty­na Sucha­now, Das ist Krieg. Die gehei­men Stra­te­gien radi­ka­ler Fun­da­men­ta­lis­ten zur welt­wei­ten Abschaf­fung der Men­schen­rech­te. Euro­pa­ver­lag, Ber­lin 2023, S. 241

Wien-Alserbach: Hitlergruß und Schläge

In der Nacht vom 2. auf den 3. Juli eska­lier­te in einem Lokal in der Alser­bach­stra­ße eine zunächst ver­bal geführ­te Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen einem 40-jäh­ri­gen Deut­schen und einem ande­ren Gast und des­sen Lebens­ge­fähr­tin. Der Mann schlug auf die bei­den ein und soll dann auf der Stra­ße noch Hit­ler-Paro­len geru­fen und den Hit­ler­gruß gezeigt haben. Die her­bei­ge­ru­fe­ne Poli­zei stell­te bei ihm eine Alko­ho­li­sie­rung von mehr als zwei Pro­mil­le fest.

Gegen den Deut­schen wur­den ein Betre­tungs- und Annä­he­rungs­ver­bot sowie ein vor­läu­fi­ges Waf­fen­ver­bot aus­ge­spro­chen. Der Mann bestritt die Vor­wür­fe. Nach Rück­spra­che mit der Staats­an­walt­schaft Wien wur­de er auf frei­em Fuß ange­zeigt. (wien.orf.at, 4.7.26)

Schülerunion hat ein Rechtsextremismus-Problem

Der SPÖ-nahen Akti­on kri­ti­scher Schüler*innen wur­den Screen­shots aus einer Chat-Grup­pe mit Mit­glie­dern bzw. Funk­tio­nä­ren der ÖVP-nahen Schü­ler­uni­on zuge­spielt, aus denen ersicht­lich ist, dass sich die Mit­glie­der an sexis­ti­schen, ras­sis­ti­schen und auch rechts­extre­men Sprü­chen und Ges­ten ergöt­zen. Nina Horac­zek gibt im „Falter.maily“ (29.6.26)Pro­ben der degou­tan­ten Kon­ver­sa­tio­nen wieder:

„A Frau ohne Brüs­te ist wert­los”, ist da zu lesen. Oder auch “Wir haben einen ukrai­ni­schen Mit­ar­bei­ter gehabt” – ”Also habts ihr doch Vie­cher daheim?” – “Na, ich schätz die Ukrai­ner sehr, die sind weiß”.

Die „Kro­ne“ (1.7.26) berich­te­te eben­falls über die­se Chat-Grup­pe und ver­öf­fent­lich­te noch dazu ein Foto, in dem meh­re­re Jugend­li­che in einem „ver­stö­ren­den Set­ting“ zu sehen sind:

Auf dem Tisch, hin­ter dem die Schü­ler sit­zen und ste­hen, liegt eine Öster­reich-Flag­ge. Dar­auf ste­hen zwei Ker­zen, ein Kreuz mit Jesus wur­de eben­so dar­auf dra­piert wie ein Sol­da­ten­helm. Zusätz­lich liegt ein Buch am Tisch, das sich bis dato aber nicht iden­ti­fi­zie­ren ließ. Es dürf­te sich jeden­falls um ein altes Buch han­deln – ob es rechts­extre­men Bezug hat oder nicht, ist unklar. Ver­stö­rend: Einer der abge­bil­de­ten Bur­schen zeigt grin­send den „88-Gruß“ (der ach­te Buch­sta­be aus dem Alpha­bet, steht für Heil Hit­ler) in die Kame­ra.

Einer der Jugend­li­chen wur­de als Mit­glied der Schü­ler­uni­on iden­ti­fi­ziert. Er ist der ein­zi­ge, der bis­her eine Kon­se­quenz – den Aus­schluss aus der Schü­ler­uni­on – erfah­ren musste.

Auch das erin­nert sehr an die Affä­re der Akti­ons­ge­mein­schaft, der kon­ser­va­ti­ven Stu­die­ren­den­or­ga­ni­sa­ti­on, in deren Grup­pe es 2017 am Juri­di­cum noch ärge­re Chats, aber kaum Kon­se­quen­zen gab.

Möllersdorf/NÖ: Vandalismus mit Hakenkreuz

Drei Jugend­li­che wer­den ver­däch­tigt, in Möl­lers­dorf (Bezirk Baden) meh­re­re Brän­de gelegt und Autos und Motor­rä­der beschä­digt zu haben.

Die 14- bis 16-Jäh­ri­gen dürf­ten laut Poli­zei eine Müll­in­sel und eine Müll­ton­ne ange­zün­det und bei einem Pkw Feu­er gelegt haben. Außer­dem beschä­dig­ten sie eine Stra­ßen­be­leuch­tung und Fas­sa­den, zer­kratz­ten den Lack von Autos und stie­ßen Motor­rä­der um. Weil in ein Fahr­zeug ein Haken­kreuz geritzt wur­de, wird auch nach dem Ver­bots­ge­setz ermit­telt. (noen.at, 1.7.26)

Die Jugend­li­chen wur­den mitt­ler­wei­le ausgeforscht.

Wien-Margareten: Besuch im aufgeräumten Identitären-Keller

Erst vor weni­gen Wochen erst kam es vor dem Kel­ler­lo­kal der Iden­ti­tä­ren in der Ram­perstorf­fer­gas­se zu einer Gewalt­at­ta­cke, bei der meh­re­re Män­ner auf eine Per­son bru­tal ein­ge­schla­gen haben sol­len. Unter den Anwe­sen­den bei einem zur­vor statt­ge­fun­de­nen Vor­trag von Götz Kubit­schek war der Jour­na­list Felix Kei­ser, der für den Inves­ti­ga­tiv­pod­cast „Dun­kel­kam­mer“ recher­chier­te. Laut sei­nen Auf­zeich­nun­gen wur­den er und die ande­ren Gäs­te im Kel­ler ein­ge­schlos­sen, wäh­rend drau­ßen der Poli­zei­ein­satz zur Gewalt­ak­ti­on lief. Die Poli­zei hat­te den Kel­ler damals nicht betre­ten, obwohl sich die Tat­ver­däch­ti­gen dort hin­ein­ge­flüch­tet haben sollen.

Am 2.7. war beka­men die Iden­ti­tä­ren nun doch Besuch. Der „Stan­dard“ (2.7.26) hat aus­führ­lich über die­se Akti­on und die Vor­ge­schich­te berichtet:

Die Grup­pe Sofort­maß­nah­men der Stadt Wien und die Wie­ner Poli­zei haben das Kel­ler­lo­kal der Iden­ti­tä­ren Bewe­gung (IB) im fünf­ten Bezirk geprüft. Die Magis­trats­di­rek­ti­on bestä­tig­te dem STANDARD und dem Inves­ti­ga­tiv­pod­cast Die Dun­kel­kam­mer, dass am Don­ners­tag­nach­mit­tag eine Kon­trol­le der Immo­bi­lie in der Ram­perstorf­fer­gas­se durch­ge­führt wur­de. Die Grup­pe Sofort­maß­nah­men wird bei einer Viel­zahl von Pro­ble­men aktiv, etwa Lärm­be­läs­ti­gung oder ille­ga­le Ver­an­stal­tun­gen. Sie reagier­te auf zahl­rei­che Beschwer­den von Anrai­ne­rin­nen und Anrai­nern sowie auf Hin­wei­se, dass ille­ga­le Box­wett­kämp­fe orga­ni­siert wurden.

Bei der Prü­fung sol­len Git­ter, die ver­mut­lich für den Box­kä­fig ver­wen­det wer­den, nur ange­lehnt gewe­sen sein. Das Ver­eins­lo­kal sei ordent­lich gemel­det, es gebe kei­ne Umbauten.

Das Foto, das dazu ver­öf­fent­licht wur­de, zeigt einen wun­der­sam auf­ge­räum­ten Kel­ler. Merkwürdig!

Wien-Innere Stadt: Polizeieinsatz und wüste antisemitische Attacke beim Lueger-Denkmal

Zu einem höchst pro­ble­ma­ti­schen Poli­zei­ein­satz und einer wüs­ten anti­se­mi­ti­schen Atta­cke durch Pas­san­ten ist es bei einer künst­le­ri­schen Akti­on des jüdi­schen Künst­lers Alon Ishay gegen das frisch reno­vier­te und um 3,5 Grad gekipp­te Denk­mal des rabia­ten Anti­se­mi­ten und Wie­ner Bür­ger­meis­ters Karl Lue­ger gekommen.

„Scheiß Juden­sau” und Lob für Hit­ler: Am hell­lich­ten Tag ist am Mitt­woch eine Grup­pe rund um den Künst­ler Alon Ishay von Pas­san­ten in Wien anti­se­mi­tisch beschimpft, bespuckt und kör­per­lich ange­grif­fen wor­den.“ (derstandard.at, 3.7.26)

Der Poli­zei­ein­satz zuvor, der mit einer Anzei­ge gegen den Künst­ler und die Vize­rek­to­rin der Uni­ver­si­tät für Ange­wand­te Kunst, Ger­hild Stein­buch, been­det wur­de, war eben­falls bemer­kens­wert. Nach über­ein­stim­men­der Schil­de­rung meh­re­rer Anwe­sen­der soll die Poli­zei den Künst­ler auf­ge­for­dert haben, das Denk­mal an Ort und Stel­le zu reinigen.

„Dazu lie­gen mir kei­ne Infor­ma­tio­nen vor”, sagt ein Poli­zei­spre­cher. Der his­to­ri­sche Kon­text ist bri­sant: Nach dem „Anschluss” Öster­reichs hat­ten Jüdin­nen und Juden auf Befehl der Nazis anti­na­zis­ti­sche Paro­len von den Stra­ßen schrub­ben müs­sen.“ (derstandard.at)

Der Staatsvertrag verpflichtet zu Antifaschismus

Selbst wenn eini­ge der­zei­ti­ge Reprä­sen­tan­ten von Signa­tar­staa­ten des öster­rei­chi­schen Staats­ver­tra­ges aus 1955 anders dar­über den­ken: Der Arti­kel 9 die­ses Ver­trags ver­pflich­tet in sei­ner Zif­fer 2 Öster­reich dazu, alle faschis­ti­schen Bestre­bun­gen und Struk­tu­ren auf­zu­lö­sen und ent­spre­chen­de Rechts­vor­schrif­ten dazu zu erlas­sen. Was das alles bedeu­ten wür­de, das hat der Ver­fas­sungs­recht­ler Heinz May­er in einem Gut­ach­ten für das Maut­hau­sen-Komi­tee (MKÖ), das Doku­men­ta­ti­ons­ar­chiv (DÖW) und das oö. Netz­werk gegen Ras­sis­mus und Rechts­extre­mis­mus ana­ly­siert. Der Staats­ver­trag ist kein unbe­deu­ten­des supra­na­tio­na­les Papier, son­dern Teil der öster­rei­chi­schen Ver­fas­sung, also in die DNA der 2. Repu­blik eingeschrieben.

Die Bestim­mun­gen des Arti­kels 9 sind noch dazu scharf und ein­deu­tig, weil sie sich nicht nur gegen faschis­ti­sche Orga­ni­sa­tio­nen rich­ten, son­dern auch „gegen alle ande­ren Orga­ni­sa­tio­nen, wel­che eine irgend­ei­ner der Ver­ein­ten Natio­nen feind­li­che Tätig­keit ent­fal­ten, oder wel­che die Bevöl­ke­rung ihrer demo­kra­ti­schen Rech­te zu berau­ben bestrebt sind“. Das ist weit mehr als das NS-Ver­bots­ge­setz abdeckt. Der Ver­fas­sungs­ju­rist May­er dazu: „Aus­drück­li­che Rege­lun­gen über die Auf­lö­sung faschis­ti­scher Orga­ni­sa­tio­nen feh­len nach wie vor, sol­che Rege­lun­gen wären nicht nur nach dem Staats­ver­trag gebo­ten, son­dern auch nach der Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on zuläs­sig.“

Das MKÖ hat das Gut­ach­ten zum Down­load zur Ver­fü­gung gestellt.

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Schlagwörter: Antisemitismus | Hitlergruß | Identitäre | Körperverletzung | LGBTQIA+-Feindlichkeit | Niederösterreich | ÖVP | Polizei | Vandalismus/Sachbeschädigung/Schmierereien | Wiederbetätigung | Wien

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