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Lesezeit: 5 Minuten

AUF1: Kontokündigung als Apokalypse, ein Durchzugskonto und eine Schlusspointe

Am gest­ri­gen Vor­mit­tag erklär­te Ste­fan Magnet die Kün­di­gung des AUF1-Kon­tos in Ungarn zur apo­ka­lyp­ti­schen Sys­tem­at­ta­cke und bewarb als Alter­na­ti­ve einen angeb­lich „unab­hän­gi­gen“ Spen­den­ver­ein. Des­sen Per­so­nal führt ins Magnet-Geflecht. Am Abend mel­de­te AUF1 viel stil­ler ein wei­te­res Aus­weich­kon­to Ungarn.

2. Juli 2026
AUF1 Vereine und GmbH
AUF1 Vereine und GmbH

Vormittag: Kontokündigung als Systemattacke

Ste­fan Magnet setzt die Kün­di­gung sofort in gro­ße Alarm­rhe­to­rik. In der Tele­gram-Ankün­di­gung heißt es: „Eilt +++ AUF1-Bank­kon­to gekün­digt! Ungarn gefal­len! Der Plan wird aus­ge­rollt …“ Dar­un­ter wird der „Ver­ein zur För­de­rung der Infor­ma­ti­ons­frei­heit und Selbst­be­stim­mung“ samt Bank­ver­bin­dung bei der „Ers­te Bank“ in Wien als alter­na­ti­ver Spen­den­weg genannt.

In einer „Son­der­sen­dung“ erklärt AUF1-Chef Magnet, das unga­ri­sche Spen­den­kon­to sei gekün­digt wor­den: „Orbán ist weg und in Ungarn beginnt die Säu­be­rung.“ Das Ziel der Kün­di­gung sei, AUF1 „im Som­mer­loch zu ver­nich­ten, aus­blu­ten zu las­sen“. Der Regie­rungs­wech­sel in Ungarn lie­fert dafür die poli­ti­sche Kulis­se: Nach Orbáns Wahl­de­sas­ter wird das Land von Péter Magyar geführt, der damit beschäf­tigt ist, mit Orbáns Kor­rup­ti­ons­re­gime auf­zu­räu­men. Dazu gehört auch die bis­he­ri­ge AUF1-Bank MBH, die im Eigen­tum des Orbán-Lakai­en Lőrinc Més­zá­ros steht.

Magnet macht aus der Kon­to­kün­di­gung eine EU-gesteu­er­te Ver­fol­gungs­er­zäh­lung. Magyar baue den „Orbán-Staat“ um, der Druck aus der EU sei enorm, das AUF1-Spen­den­kon­to sei die­sem „Fege­feu­er“ zum Opfer gefal­len. Danach folgt die bekann­te Magnet-Eska­la­ti­ons­ket­te: digi­ta­les Gefäng­nis, „Krieg, Ent­eig­nung, Gre­at Reset und Trans­hu­ma­nis­mus“. War­um die unga­ri­sche MHB-Bank das Kon­to gekün­digt hat, erzählt Magnet nicht, er prä­sen­tiert die Ent­schei­dung bloß als Teil eines Fron­tal­an­griffs auf AUF1.

Personelle Verflechtungen und FPÖ-Verbindungen

Der prak­ti­sche Teil der Sen­dung klingt weit weni­ger apo­ka­lyp­tisch. Zah­lun­gen über Kre­dit­kar­te, Pay­Pal und Kryp­to sei­en wei­ter­hin „pro­blem­los mög­lich“, das SEPA-Last­schrift­ver­fah­ren habe sich als „ein­fach, zuver­läs­sig und sta­bil“ erwie­sen. Zusätz­lich bekom­me AUF1 Unter­stüt­zung von einem „unab­hän­gi­gen Spen­den­ver­ein“, der Gel­der ent­ge­gen­neh­me und an AUF1 weiterleite.

Bei dem im Mai 2025 ent­stan­de­nen angeb­lich unab­hän­gi­gen „Ver­ein zur För­de­rung der Infor­ma­ti­ons­frei­heit und Selbst­be­stim­mung“ fun­giert Domi­nik Frim­bich­ler als Obmann, sein Stell­ver­tre­ter ist Jür­gen Fran­ze­lin. Der Ver­ein trägt zwar kei­nen AUF1-Namen, die Per­so­nen füh­ren aber in das Umfeld, das Stoppt die Rech­ten seit Jah­ren dokumentiert.

Vereinsregisterauszug "Verein zur Förderung der Informationsfreiheit und Selbstbestimmung" mit Dominik Frimbichler (Obmann) und Jürgen Franzelin (Obmannstellvertreter)
Ver­eins­re­gis­ter­aus­zug „Ver­ein zur För­de­rung der Infor­ma­ti­ons­frei­heit und Selbst­be­stim­mung” mit Domi­nik Frim­bich­ler (Obmann) und Jür­gen Fran­ze­lin (Obmann­stell­ver­tre­ter)

Bei­de Namen tau­chen auch in ande­ren Kon­struk­tio­nen rund um AUF1 auf: Fran­ze­lin ist seit AUF1-Start in meh­re­ren AUF1-nahen Ver­ei­nen aktiv, Frim­bich­ler scheint zusätz­lich beim „Ver­ein für den Auf­bruch zur unab­hän­gi­gen Medi­en­viel­falt“ als Stell­ver­tre­ter auf. Damit führt das neue Aus­weich­kon­to zu Per­so­nen, die im Ver­eins­netz rund um AUF1 fest ver­wo­ben sind.

Neben dem offi­zi­el­len Trä­ger­ver­ein von AUF1 gibt es Unter­stüt­zungs- und För­der­ver­ei­ne, in denen immer wie­der die­sel­ben Per­so­nen auf­schei­nen: Ste­fan Magnet, Flo­ri­an Magnet, Jür­gen Fran­ze­lin, Andre­as Ret­s­chit­zeg­ger, Roma­na Pal­mets­ho­fer und Domi­nik Frim­bich­ler. Dazu kommt eine zwei­te Ebe­ne aus drei GmbHs, die fest in der Hand von Ste­fan Magnet lie­gen. Die Rol­len wech­seln in Ver­ei­nen und GmbHs – ein­mal Obmann, ein­mal Stell­ver­tre­ter, ein­mal Kas­sier, ein­mal Geschäfts­füh­re­rin dort, dann Geschäfts­füh­re­rin da –, die Schil­der wer­den aus­ge­a­tuscht, die per­so­nel­len Kon­ti­nui­tä­ten bleiben.

Mit Fran­ze­lin, Frim­bich­ler und Andre­as Ret­s­chit­zeg­ger kom­men drei der Ver­eins­funk­tio­nä­re aus dem „Ring Frei­heit­li­cher Jugend“, mit And­re Tasch­ner, Geschäfts­füh­rer einer nach­ge­la­ger­ten AUF1-GmbH, sind es vier mit RFJ-Ver­gan­gen­heit. Jür­gen Frim­bich­ler ist den Par­tei­weg wei­ter­ge­gan­gen und FPÖ-Gemein­de­ver­tre­ter in Hof bei Salzburg.

AUF1: 6 Vereine im Umfeld, 3 GmbHs und Personalia aus der Familie und gemeinsamer Vergangenheit in BFJ und RFJ (Stand 1.7.26; Grafik: SdR)
AUF1: 6 Ver­ei­ne im Umfeld, 3 GmbHs und Per­so­na­lia aus der Fami­lie und gemein­sa­mer Ver­gan­gen­heit in BFJ und RFJ (Stand 1.7.26; Gra­fik: SdR)

Debanking-Empörung zur Spendenmobilisierung

Magnets Unter­gangs­er­zäh­lun­gen nach Kon­ten­kün­di­gun­gen gehö­ren von Beginn an zum AUF1-Kom­mu­ni­ka­ti­ons­kon­zept, er nützt die Empö­rung regel­mä­ßig in ers­ter Linie zur Spendenmobilisierung.

Im März 2025 mach­te Magnet Wir­bel um die Kün­di­gung des ers­ten unga­ri­schen Kon­tos und erklär­te, bis zum Ablauf kaum Ersatz fin­den zu kön­nen. Kurz dar­auf war dann doch eine Lösung da. Im Sep­tem­ber 2025 folg­te die nächs­te Vari­an­te: Ein Medi­en­un­ter­stüt­zungs­ver­ein ohne Vor­ge­schich­te soll­te als Kon­to-Aus­weg bei der Stey­ler Ethik Bank in Deutsch­land die­nen. Tat­säch­lich wur­de der bis dato unbe­kann­te „Ver­ein für Viel­falt und Objek­ti­vi­tät“ von Per­so­nen aus dem Magnet-Geflecht geführt: von Bru­der Flo­ri­an Magnet und Jür­gen Fran­ze­lin. Auf SWR-Nach­fra­ge begrün­de­te die Stey­ler Ethik Bank die Kün­di­gung mit miss­bräuch­li­cher Ver­wen­dung. Par­al­lel funk­tio­nier­ten aber auch damals alter­na­ti­ve Zahlungswege.

Verein als Durchzugskonto

Nach dem unab­hän­gi­gen „Ver­ein für Viel­falt und Objek­ti­vi­tät“, soll’s nun also der unab­hän­gi­ge „Ver­ein zur För­de­rung der Infor­ma­ti­ons­frei­heit und Selbst­be­stim­mung“ rich­ten und Spen­den­gel­der für AUF1 ent­ge­gen­neh­men. Damit wird der Ver­ein funk­tio­nal zum AUF1-Zah­lungs­ka­nal. Ob die „Ers­te Bank“ weiß, dass sie ein Durch­zugs­kon­to für ein Medi­um, das der öster­rei­chi­sche Ver­fas­sungs­schutz jähr­lich in sei­nen Bericht lis­tet und das seit 2026 in Deutsch­land als „als gesi­chert rechts­extre­mis­ti­sche Bestre­bung“ (Ver­fas­sungs­schutz­be­richt 2025, S. 68) geführt wird, bietet?

Wenn’s mit dem aktu­el­len Ver­ein wie­der nicht klap­pen soll­te, stün­de ein wei­te­rer zur Ver­fü­gung: der „Ver­ein für den Auf­bruch zur unab­hän­gi­gen Medi­en­viel­falt“ mit der KAUF1-Geschäfts­füh­re­rin Roma­na Pal­mets­ho­fer und Domi­nik Frim­bich­ler an der Vorstandsspitze.

Die vorläufige Schlusspointe

Noch am Abend ver­kün­de­te AUF1, doch noch über ein „gebüh­ren­frei­es Aus­weich­kon­to“ zu ver­fü­gen. Auf Tele­gram gab’s dazu die Kon­to­num­mer: jene des AUF1-Trä­ger­ver­eins mit Kon­to in Ungarn bei der MBH-Bank.

Update: Der „Stan­dard” (2.7.26) hat die „Ers­te Bank” um eine Stel­lung­nah­me gebe­ten, die lau­tet: „Bezug­neh­mend auf Ihre Anfra­ge müs­sen wir Ihnen mit­tei­len, dass wir dem Bank­ge­heim­nis unter­lie­gen und es uns nicht mög­lich ist, inhalt­lich zu Ihrer Anfra­ge Stel­lung zu bezie­hen. All­ge­mein möch­ten wir jedoch unter­strei­chen, dass wir uns selbst­ver­ständ­lich und ent­lang unse­res Grün­dungs­zwecks von jeder Form extre­mis­ti­schen Gedan­ken­guts distanzieren.“

Update 1.8.26: Die „Ers­te Bank” hat das Kon­to des Tarn­ver­eins gekündigt.

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