„Keine Frage, ein wirklich gutes Underground Festival!“, lobte Hendrik Möbus das Black Metal-Festival Eternal Hate in Tschechien online und strich hervor: „Mit keinerlei PC-Attitüde!“ Black Metal ist eine harte, oft schnelle Variante des Metal, mit anti-christlichen, manchmal satanistischen Anleihen. Und Hendrik Möbus ist der wohl bekannteste rechtsextreme Netzwerker im deutschsprachigen Black Metal-Universum, verurteilter Mörder und Kumpel des verurteilten Wiederholungstäters Manuel E. aus Osttirol.
Jahrelang traten Bands vom rechtesten Rand der Szene aus ganz Europa in Nýrsko auf, faktisch frei von Interventionen der örtlichen Behörden. Der Veranstalter des Festivals gibt tatsächlich nichts darauf, politisch korrekte Bands zu buchen. Ganz im Gegenteil!
Gleich hinter der Staatsgrenze zu Deutschland, nur 80 Kilometer von Österreich entfernt wird Mitte Juli das 23. Eternal Hate Festival über die Bühne gehen. Das Konzertwochenende vereint Black Metal mit Bands bis hin zum deklarierten NSBM (National Socialist Black Metal). Die Symbolik von Seiten der Veranstalter:innen ist eindeutig: Eternal Hate-Merchandise mit Schwarzer Sonne, Runen und NS-Anspielungen, wie einem „Arbeit macht tot“-Aufdruck.

Es verwundert also wenig, dass genau auf diesem Festival alljährlich die Stars des rechtslastigen Undergrounds auftreten. Auch diesen Sommer findet zusammen, was zusammengehört.
Ewiger Hass auf Juden
Mit Inquisition wird im Sommer eine besonders umstrittene Band aus den USA/Kolumbien auf der Bühne stehen. Für das Beiheft eines CD-Samplers ließ sich „Inquisition“ im Jahr 1999 direkt vor einer Hakenkreuz-Fahne ablichten. Der Kopf der Band, Jason Weirbach, aber fühlt sich missverstanden und lässt keine Gelegenheit aus, zu betonen, dass er natürlich kein Neonazi sei. Schwer zu glauben, wo doch sein Soloprojekt 88MM einen Beitrag zur Compilation „Satanic Skinhead. Declaration Of Anti-Semetic Terror“ beigesteuert hat – ein Lied mit dem Titel „14 Showerheads, 1 Gas Tight Door“. In der Szene wirklich umstritten ist die Band aber nicht für seine Neonazi-Ausfälle, sondern wegen einer Verurteilung Weirbachs: 2009 wurde er „wegen der unrechtmäßigen Zurschaustellung sexuell eindeutigen Materials“ verurteilt, in anderen Worten: sexualisierte Gewaltdarstellungen von Kindern.

Auch der zweite diesjährige Headliner in Nýrsko ist nicht gerade der übertriebenen politischen Korrektheit verdächtig: Clandestine Blaze aus Finnland. Hinter der Band steckt der finnische Allrounder Mikko Aspa. Er betreibt ein Musiklabel, mehrere Bands, einen Plattenladen und produziert Musikliteratur.
Mit Clandestine Blaze verbreitet Aspa antisemitische Stereotype und Vernichtungsphantasien: Im Lied „Tearing Down Jerusalem“ etwa ruft er dazu auf das „zionistischen Krebsgeschwür“ zu zermalmen. Passend dazu zeigt das Cover der Platte eine brennende Synagoge. Clandestine Blaze erfreut sich dennoch großer Beliebtheit in einer breiteren Metal-Szene, die gerne beide Augen zudrückt. Noch deutlicher geht es zu bei Aspas Zweitband: Vapaudenristi betitelt seine Songs offen rechtsextrem (auf Deutsch übersetzt: „Blut und Boden“, „Mein Land“ oder „Die Affenjagd“) und trägt das Hakenkreuz im Logo. Und als im Jahr 2016 ein Neonazi in Helsinki den Antifaschisten Jimi Karttunen tötete, war Mikko Aspa zur Stelle, um für den verhafteten Mörder ein Benefizkonzert zu spielen.
Der „Stacheldrahtzieher“ aus Wien …
Zurückhaltender tritt Rostorchester, die Band des Wieners Vedran M., auf. Der in der Szene als Gitarrenvirtuose gefeierte Metaller sucht aber seit langem die Nähe der extremen Rechten:
Einer der seltenen Auftritte der österreichisch-deutsch-schweizerischen Band fand 2019 mit Saalschutz der Hammerskin Nation im italienischen Mailand statt. Es war ein klandestines Konzert von Black Metal-Neonazis: Hitlergrüße, Hakenkreuz-Baumwollbeutel und mitten drin die Band von Vedran M.. Kommt Rostorchester vor allem düster und gruselig daher, ist die Historie ihres Gitarristen aus Wien aber alles andere als unpolitisch.
Bereits vor Jahren sorgte M. mit seinem Black-Metal-Soloprojekt „Totale Vernichtung“ für Aufmerksamkeit – nicht wegen der Musik, sondern allein aufgrund der Texte. Kostprobe: „Bald ist die Zeit gekommen, wenn eure Atmung wieder rasch versagt und ihr bereits in Kürze den Schornstein emporjagt. Dem reinigenden Zyklon folgt ein verkohlter Wind.“ Damit landete M.s Tonträger 2015 auf dem Index für jugendgefährdende Musik in Deutschland. (profil, 25.4.19)
Ein Album der Band wurde mit dem Spruch „Der Stacheldrahtzieher ist wieder da“, hinterlegt mit einem Bild des NS-Vernichtungslagers Auschwitz. Veröffentlicht wurde das Ganze am Musiklabel der rechtsextremen Underground-Drahtziehers Hendrik Möbus aus Deutschland.
… und seine Freunde
Beachtenswert ist auch das Personal, mit dem Vedran M. seine Band Rostorchester bestreitet:
Am Mikrofon steht der Schweizer Sven B., Künstlername „Zwingherr Greif“. Szenebekannt wurde B. mit seinem Ein-Mann-Projekt Eisenwinter, das Alben veröffentlicht mit Titel wie „Armee der arischen Untoten“. Am Cover seiner Split-CD mit der Neonaziband „Aryan Blood“ findet sich ein historisches Foto freudestrahlender Wehrmachtsoldaten nach ihrem Einmarsch 1938 im heutigen Tschechien. Veröffentlicht wurde das Album auf dem polnischen Neonazi-Label „Der Sieg Records“.
In einem Underground-Musikmagazin, das Sven B. selbst herausgab, lobte er die Veröffentlichung einer griechischen Neonaziband mit dem Hinweis: „Judenhasser müssen hier zugreifen.“
Aber auch hinter dem Schlagzeug sitzt auch ein etablierter Black Metal-Musiker: Dave M. aus Dortmund/Deutschland. Schon im Jahr 2001 fand er „lustig“, als ein Musiker wegen antisemitischer Parolen bei einem Konzert rausfliegen sollte, dass dieser eine Pistole zog und einen Konzertbesucher anschoss. Dave M. war damals der Meinung, Menschen zu töten sei ein „normaler Prozess“ und beschrieb seine bevorzugte Art: „Jemanden bei lebendigem Leib mit einem fetten Hammer kaputtschlagen!“ Und auch der Schlagzeuger von Rostorchester war Schreiber bei einem rechtsextremen Underground-Magazin.
Es ist eine Gesellschaft, die Vedran M. zu genießen scheint. Ein Konzertbesucher beschrieb im Jahr 2019 den ersten Auftritt von Rostorchester begeistert: „Eigentlich wurde nur zu Rostorchester gehitlert. Aber massiv.“ Die tschechischen und österreichischen Behörden schauen beim Eternal Hate-Festival bis dato bestenfalls zu. Einzig die deutsche Polizei versuchte sich in der Vergangenheit mit Ausreiseverboten für einzelne Musiker.
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