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Lesezeit: 3 Minuten

Michael Raml empört sich und vergisst sich und sein eigenes Milieu

Anzei­ge wegen „Bur­schis jagen“, gro­ße Empö­rung über Graf­fi­ti und Schwei­gen zum eige­nen Umfeld: Der Lin­zer FPÖ-Stadt­rat Micha­el Raml bewegt sich seit Jah­ren in einem Netz­werk aus völ­ki­scher Kor­po­ra­ti­ons­po­li­tik, Iden­ti­tä­ren-Andock­stel­len und rech­ter Ver­harm­lo­sung von Gewalt.

7. Feb. 2026
Michael Raml aka "reichsraml" einst auf "Szene 1"
Michael Raml aka "reichsraml" einst auf "Szene 1"

Micha­el Raml, Lin­zer FPÖ-Stadt­rat, will im Vor­feld des Lin­zer Bur­schen­bund­balls Här­te und Opfer­ge­ha­be zei­gen. Anlass ist der Slo­gan „Bur­schis jagen“ bezie­hungs­wei­se „Bur­schis in die Bäl­le tre­ten“ in anony­men Sujets, die Raml ange­zeigt hat. Das Lan­des­amt Staats­schutz und Extre­mis­mus­be­kämp­fung prüft, ob über­haupt ein straf­recht­li­cher Tat­be­stand vor­liegt. Gleich­zei­tig hat das Bünd­nis „Linz gegen Rechts“, das all­jähr­lich zur Demons­tra­ti­on gegen den Bur­schen­bund­ball mobi­li­siert, klar­ge­stellt, man set­ze auf fried­li­chen Protest.

Ein Milieu mit klarer ideologischer Linie

Seit Jah­ren ist das Umfeld, in dem sich der Sicher­heits­stadt­rat Raml bewegt, doku­men­tiert. Die „Armi­nia Czer­no­witz“, Ramls Ver­bin­dung, ver­steht sich als deutsch-völ­ki­sche Kor­po­ra­ti­on mit kla­rer ideo­lo­gi­scher Linie und wird dem rechts­extre­men Milieu zuge­ord­net.

Die his­to­ri­sche Spur ist ein­deu­tig: In einer Fest­schrift aus den 1970ern fin­den sich NS-apo­lo­ge­ti­sche For­mu­lie­run­gen, 1980 taucht die Ver­bin­dung im Komi­tee „Waf­fen­stu­den­ten für Dr. Bur­ger“ auf – also im Umfeld der spä­ter ver­bo­te­nen neo­na­zis­ti­schen NDP. 2007 wur­den bei einem Kom­mers Posi­tio­nen gegen die Straf­bar­keit von Holo­caust­leug­nung bzw. gegen das Ver­bots­ge­setz trans­por­tiert, ohne erkenn­ba­re Distan­zie­rung durch die Einladenden.

Auch spä­ter blieb das Mus­ter sta­bil. 2010 wur­de ein Vor­trag mit dem anti­se­mi­ti­schen Rechts­au­ßen-Publi­zis­ten Richard Melisch ver­an­stal­tet, bewor­ben unter Ver­wen­dung eines NS-Sujets. Ein Ver­fah­ren nach dem Ver­bots­ge­setz wur­de zwar ein­ge­stellt, am poli­ti­schen Befund änder­te das jedoch nichts.

Dazu kamen die Schnitt­stel­len zur Iden­ti­tä­ren Bewe­gung. Die Armi­nia beher­berg­te ein Iden­ti­tä­ren-Zen­trum, iden­ti­tä­re Inhal­te wur­den wie­der­holt offen­siv ver­brei­tet. 2016 fun­gier­te die Ver­bin­dung als Anmel­de­rin der rechts­extre­men Kon­fe­renz „Ver­tei­di­ger Euro­pas“.

Wie eng die Armi­nen und Lin­zer FPÖ per­so­nell ver­zahnt sind, wur­de am Bur­schen­bund­ball 2013 sicht­bar: Auf einem Grup­pen­fo­to wur­den 24 Armi­nen gezählt, 13 mit FPÖ-Bezug; mit zwei wei­te­ren Namen außer­halb des Bil­des erga­ben sich 15 per­so­nel­le Tref­fer. Par­tei und Kor­po­ra­ti­on funk­tio­nie­ren als Per­so­nal­bör­se füreinander.

Vom „Reichsraml“ zur Bombenterror-Verharmlosung

Micha­el Raml ist Nach­fol­ger der poli­tisch mitt­ler­wei­le Ver­bli­che­nen Det­lev Wim­mer und Mar­kus Hein, – bei­de wie Raml eben­falls in der Armi­nia Czer­no­witz kor­po­riert. Raml bringt aller­dings durch­aus auch per­sön­li­che Noten in den rechts­extre­men Dis­kurs ein. 2007 beklag­te er als Obmann des Ring Frei­heit­li­cher Stu­den­ten an der Lin­zer JKU,

dass „unser Volk stirbt ohne Nach­wuchs ange­sichts der Zuwan­de­rung.“ Auf den Vor­halt, das sei „NS-Dik­ti­on“, sag­te Raml: „Bit­te, nicht alles, was damals war, war falsch. Die voest war doch nicht schlecht. Soll die voest des­we­gen abge­ris­sen wer­den? (nachrichten.at, 25.4.13)

In die­ses Bild passt auch eine Epi­so­de auf der Platt­form „Szene1“: Dort wur­de eine Grup­pe „p.c.V! Ost­mark zu Linz“ ein­ge­rich­tet, als Grün­der war der User „reichs­raml“ ein­ge­tra­gen. Dahin­ter steck­te Micha­el Raml, der mit der übli­chen Ver­tei­di­gungs­li­nie kam: Der „reichs­raml“ war nur iro­nisch gemeint. Die Kom­bi­na­ti­on aus NS-naher Sym­bo­lik, nach­ge­reich­ter Ver­harm­lo­sung und poli­ti­scher Opfer­po­se ist in die­sem Milieu Kommunikationsmethode.

2020 erreg­te Raml Auf­se­hen, nach­dem er auf Face­book ein Hetz­pos­ting mit Falsch­in­for­ma­tio­nen ver­öf­fent­licht hat­te. Unzäh­li­ge, auch zu mas­si­ver Gewalt auf­ru­fen­de Kom­men­ta­re folg­ten. Ein Ver­fah­ren gegen Raml wur­de von der Lin­zer Staats­an­walt­schaft – wie­der ein­mal – eingestellt.

Aktu­ell empört sich auch der ober­ös­ter­rei­chi­sche Par­tei­chef Man­fred Haim­buch­ner über sei­ne Nen­nung im DÖW-Rechts­extre­mis­mus-Bericht 2024: „Was hab i denn eigent­lich ange­stellt?“, fragt Haim­buch­ner unschul­dig, um fort­zu­fah­ren: „Ich war bei der Film­pre­mie­re über den Süd­ti­ro­ler Frei­heits­kämp­fer Luis Amplatz. Das hat gereicht, um in die­sem Bericht dif­fa­miert zu wer­den.“ Haim­buch­ner ver­kürzt natür­lich den Grund der Nennung:

In wei­te­rer Fol­ge wur­de der Film [Luis Amplatz] in meh­re­ren öster­rei­chi­schen Städ­ten gezeigt, u. a. am 11. Novem­ber in Linz mit Begrü­ßung durch Stadt­rat Micha­el Raml und Gruß­wor­ten von Lan­des­haupt­mann-Stell­ver­tre­ter Man­fred Haim­buch­ner. Letz­te­rer ver­säum­te dabei nicht, die Urhe­ber des Süd­ti­ro­ler Bom­ben­ter­rors der 1960er Jah­re als „muti­ge […] Frei­heits­kämp­fer“ zu wür­di­gen. (DÖW, Rechts­extre­mis­mus in Öster­reich 2024, S. 185)

Fazit: Bombenterror okay, Sprühereien böse?

Ramls aktu­el­le Anzei­ge ist poli­tisch durch­sich­tig. Nie­mand muss Gewalt­pa­ro­len akzep­tie­ren. Aber wer sich zum öffent­li­chen Ord­nungs­hü­ter sti­li­siert, muss zuerst die eige­ne Ord­nung erklä­ren, die in einem Netz­werk aus völ­ki­scher Kor­po­ra­ti­ons­po­li­tik, iden­ti­tä­ren Andock­stel­len und jahr­zehn­te­lang doku­men­tier­ten Rechts­au­ßen-Bezü­gen gewach­sen ist.

➡️ Bünd­nis „Linz gegen Rechts”

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Schlagwörter: Burschen-/Mädelschaften/Korporationen | FPÖ | Hetze | Identitäre | Oberösterreich | Rechtsextremismus | Südtirol

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