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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 6 Minuten

Der „Plagiatsjäger” Stefan Weber, die Manipulation und die Demokratie

Ste­fan Weber ist selbst­er­nann­ter Pla­gi­ats­jä­ger. Der Kom­mu­ni­ka­ti­ons­wis­sen­schaf­ter, der sich bei der Suche nach Pla­gia­ten ursprüng­lich auf wis­sen­schaft­li­che Arbei­ten wie Dis­ser­ta­tio­nen in Öster­reich kon­zen­trier­te, hat sei­nen Radi­us mitt­ler­wei­le stark aus­ge­wei­tet. Es ist das Sys­tem, gegen das er jetzt ankämpft. Dafür hat er end­lich den natür­li­chen Ver­bün­de­ten gefun­den: die FPÖ. In den letz­ten Tagen wur­den dadurch gewal­ti­ge Ent­de­ckun­gen gemacht, die das Sys­tem im Inners­ten erschüttern.

6. Feb. 2026
Springerstiefel (Symbolfoto; KI-generiert)
Springerstiefel (Symbolfoto; KI-generiert)

An der Kom­mu­ni­ka­ti­on muss der Kom­mu­ni­ka­ti­ons­wis­sen­schaf­ter Ste­fan Weber noch ein biss­chen arbei­ten. So schreibt er auf dem Blog sei­ner Web­site „Pla­gi­ats­gut­ach­ten“: „Wir sind eine Hand­voll Ein­zel­kämp­fer gegen das Sys­tem.“

Das System

Natür­lich kann man leich­ter Spen­den lukrie­ren, wenn man sich ganz klein macht. Aber es stimmt halt nicht – mit der FPÖ und rabia­ten rech­ten Medi­en wie NIUS auf sei­ner Sei­te! Dem rech­ten Kra­wall­me­di­um NIUS des frü­he­ren Bild-Chef­re­dak­teurs Juli­an Rei­chelt hat Weber schon eini­ge Male zuge­ar­bei­tet, etwa mit Gut­ach­ten über die Jour­na­lis­tin Alex­an­dra Föde­rl-Schmid, zur Ver­fas­sungs­ju­ris­tin Frau­ke Bro­si­us-Gers­dorf und zu Thü­rin­gens Minis­ter­prä­si­dent Mario Voigt, dem dar­auf­hin am 4.2.26 die AfD des Björn Höcke das Miss­trau­en aus­spre­chen woll­te, was miss­lang.

Wie oft und wie viel Hono­rar dafür von wem an Weber geflos­sen ist, ist nicht bekannt. Auch bei sei­nen Assis­tenz­leis­tun­gen für die FPÖ, für die er erst jüngst gegen den Rechts­extre­mis­mus­be­richt des DÖW aus­ge­rit­ten ist. (1) Dass er gleich dar­auf gegen die jähr­li­chen Berich­te der Sek­ten­stel­le pole­mi­sier­te, die der FPÖ eben­falls ein Dorn im Auge sind, passt zum Bild eines ver­bies­ter­ten und nach Rechts­au­ßen abge­rutsch­ten Wis­sen­schaf­ters, der sich – abge­se­hen von der „Hand­voll Ein­zel­kämp­fer“ um ihn – nur mehr von lin­ken Fein­den umge­ben sieht, die ihn und ande­re „Kri­ti­ker“ angeb­lich ver­nich­ten wollen.

Die „lin­ke Mani­pu­la­ti­on“, die Weber über­all sieht, wird vor­wie­gend von „Sys­tem­jour­na­lis­ten“ in „Sys­tem­me­di­en“, eben einer „dum­men Jour­nail­le“ began­gen. Als Beleg dafür muss ein Foto her­hal­ten. Weil Medi­en wie der „Stan­dard“ und der „Kurier“ das durch den Rechts­extre­mis­mus-Bericht doku­men­tier­te Ent­ste­hen einer jun­gen gewalt­be­rei­ten Neo­na­zi-Sze­ne mit einem Foto von Sprin­ger­stie­feln bebil­dern, schlägt Weber Alarm. Das Foto stam­me gar nicht aus Öster­reich, son­dern aus Deutsch­land: „Bild und Text ste­hen für etwas, das es in die­ser Form höchst­wahr­schein­lich gar nicht gibt.“

Wer nur etwas auf­merk­sa­mer als Weber die Medi­en- und Poli­zei­be­rich­te ver­folgt hat, weiß von den geziel­ten Hetz­jag­den auf homo- und bise­xu­el­le Män­ner, die 2025 öffent­lich wur­den, die zum über­wie­gen­den Teil im rechts­extre­men Bereich ein­zu­ord­nen sind.

Wie bebil­dert man sol­che bru­ta­len Vor­fäl­le, bei denen Men­schen quer durch Öster­reich von Dut­zen­den mut­maß­li­chen Rechts­extre­men bzw. Neo­na­zis erpresst, sogar gefol­tert wur­den? Ein Paar Sprin­ger­stie­fel, egal, wo sie foto­gra­fiert wur­den, ist da eine harm­lo­se Illus­tra­ti­on. Für Weber ist das eine „Mani­pu­la­ti­on“ von etwas, das es „höchst­wahr­schein­lich gar nicht gibt“.

Die Manipulation

Kei­ne Mani­pu­la­ti­on ist es für Weber hin­ge­gen, wenn er auf sei­nem Blog in einem Neben­satz zur Debat­te über Social Media-Ver­bo­te fol­gen­des schreibt: „In Deutsch­land tritt die Debat­te zeit­gleich mit einem bös­ar­ti­gen Minis­ter­prä­si­den­ten auf, der sich dafür aus­spricht, regie­rungs­kri­ti­sche Medi­en wie NIUS zu ver­bie­ten.“

Der Unter­griff Webers rich­tet sich gegen Dani­el Gün­ther, CDU-Minis­ter­prä­si­dent von Schles­wig-Hol­stein, der in der Talk-Sen­dung von Mar­kus Lanz im ZDF ein Social Media-Ver­bot für Jugend­li­che, aber kein Ver­bot von NIUS gefor­dert hat. Mit zwei gekonn­ten Schnit­ten des Inter­views hat NIUS sich dann als Ver­bots­op­fer insze­niert (2), was Lanz in einer wirk­lich sehens­wer­ten Ent­zau­be­rung der Bea­trix von Storch (AfD), die in sei­ner Sen­dung die Behaup­tung vom NIUS-Ver­bot wie­der­holt, richtigstellt.

Die Rich­tig­stel­lun­gen erfolg­ten Mit­te Jän­ner, Webers Unter­griff Wochen spä­ter. Weber behaup­tet in einem Blog-Bei­trag (21.1.26) zudem: „Die SPÖ will in Öster­reich die Medi­en­zen­sur wie­der ein­füh­ren.“

Das ist – gelin­de aus­ge­drückt – eine Halb­wahr­heit. Über die Sinn­haf­tig­keit und den Nut­zen eines Social Media-Ver­bots und über die vor­ge­schla­ge­nen Alters­gren­zen kann man durch­aus geteil­ter Mei­nung sein. Fast alle Platt­for­men haben sich selbst Alters­gren­zen für den Zugang auf­er­legt (13 Jah­re). Wer einen Account eröff­net, geht einen Ver­trag mit der jewei­li­gen Platt­form ein. Das Daten­schutz­recht der EU schreibt sogar unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen eine Zustim­mung der Eltern bis 16 Jah­re vor. Ist das schon Zensur?

Die Per­fi­die in Webers Argu­men­ta­ti­on ist, dass er die angeb­li­che „Zen­sur“ nur der SPÖ, im beson­de­rem dem Staats­se­kre­tär Leicht­fried, zuschiebt und ihn in die Nähe von Staa­ten mit voll­stän­di­gem Social Media-Ver­bo­ten stellt: „Es han­delt sich um sechs Dik­ta­tu­ren, zum Teil Militär‑, zum Teil Prä­si­di­al­dik­ta­tu­ren. Das trifft sich gut, denn genau dort wol­len die Sozia­lis­ten ja eigent­lich hin: zur Dik­ta­tur des Pro­le­ta­ri­ats, zur neu­en, ande­ren, eben zu ‚unse­rer Demo­kra­tie‘.“

Rich­tig ist, dass sich in Öster­reich mit Aus­nah­me der FPÖ in Öster­reich alle Par­la­ments­par­tei­en für eine Alters­be­schrän­kung bei Social Media aus­spre­chen. In Frank­reich, das einen Geset­zes­ent­wurf in ers­ter Lesung beschlos­sen hat, ist die Mit­te-Rechts-Koali­ti­on mit Unter­stüt­zung durch das Ras­sem­blem­ent Natio­nal dafür. Die Rea­li­tät schaut also ganz anders aus als bei Weber, der ver­schwö­re­risch mutmaßt:

Ich habe den Ver­dacht, dass die gan­ze Debat­te ledig­lich ein Fei­gen­blatt ist, dass es da um mehr geht: Letzt­lich möch­ten die­se hof­fent­lich bald unter­ge­hen­den bei­den Regie­run­gen in Deutsch­land und Öster­reich Regie­rungs­kri­tik auf Social Media ver­bie­ten. Und die unbe­darf­te Jugend soll dafür ein Test­lauf sein.

Die Demokratie

Apro­pos „ver­schwö­re­risch“: Im Jän­ner 2026 hat Weber nach inten­si­ver Recher­che mit Goog­le Books eine Ent­de­ckung gemacht, die unse­re Repu­blik – wir ver­mei­den bewusst die Anru­fung „Unse­re Demo­kra­tie“ – noch gewal­tig erschüt­tern wird.

Nach Weber ist die For­mu­lie­rung „unse­re Demo­kra­tie“ ein lin­kes Kon­strukt, eine Phra­se, die „gehäuft in mar­xis­tisch-kom­mu­nis­ti­scher Lite­ra­tur der DDR zu fin­den ist“. Zum „Beweis“ führt Weber ein paar Hon­ecker-Zita­te an. Des­halb fol­gert Weber:

Das „Unse­re“ in „unse­re Demo­kra­tie“ meint also nicht die Demo­kra­tie von uns allen, die Demo­kra­tie west­li­cher Indus­trie­staa­ten, die Demo­kra­tie der EU oder Ähn­li­ches. Das „unse­re“ ver­weist auf lin­kes Den­ken, also auf „uns Lin­ke“, in sei­ner extre­men oder oft nur unter­schwel­li­gen Aus­prä­gung auf eine „Demo­kra­tie bes­se­ren Typs“, die nach der sozia­lis­ti­schen Revo­lu­ti­on Wirk­lich­keit wer­den soll.

Dass zu die­ser „Ana­ly­se“ nur ein Blitzgnei­ßer wie Weber imstan­de ist, muss aller­dings demen­tiert wer­den. Schon vor Mona­ten hat auf dem rechts­ge­strick­ten Por­tal „Der Sand­wirt“ ein Micha­el Klein sehr ähn­li­che obstru­se Über­le­gun­gen ange­stellt: „‚Unse­re Demo­kra­tie‘ ist nicht ‚Die Demo­kra­tie‘.“ Klein sagt in ande­ren Wor­ten so ziem­lich das Glei­che wie Weber, nur frü­her: „Die­ser Code, so viel ist sofort klar, wird von Lin­ken ver­wen­det, um damit den Besitz­an­spruch auf die Demo­kra­tie aller auf sich zu ver­en­gen.“ Pla­gi­iert Weber da etwa?

Die Beweis­füh­rung der bei­den beinhal­tet etli­che, wenn nicht sogar gro­ße Lücken bzw. Lügen. Wir grei­fen dafür auf eini­ge gegoo­gel­te Zita­te der letz­ten Tage zurück, in denen unse­re Demo­kra­tie (ohne Anfüh­rungs­zei­chen) beschwo­ren wur­de. Ste­fan Weber wird es ver­mut­lich nicht über­zeu­gen, dass ‚unser‘ Bun­des­kanz­ler Chris­ti­an Sto­cker hart­nä­ckig und wie­der­holt von unse­rer Demo­kra­tie spricht, zuletzt in sei­ner Neu­jahrs­re­de am 30.1..

Im poli­ti­schen Koor­di­na­ten­sys­tem Webers ist Sto­cker mög­li­cher­wei­se schon links­au­ßen. Aber wie wär’s mit Bern­hard Heinz­l­mai­er, der rech­ten Rabiat­per­le von „exx­press“? Der äußer­te dort am 4.2.26: „Zum Glück für unse­re Demo­kra­tie ist Andre­as Babler ein weit­ge­hend antriebs­lo­ser poli­ti­scher Dilet­tant.“

Reicht auch noch nicht? Dann muss Andre­as Möl­zer ran, der Inter­pre­ta­tor von allem Rechts­extre­men: „Und die­ser [der Rechts­extre­mis­mus-Bericht des DÖW] kommt zum Ergeb­nis, dass der Rechts­extre­mis­mus die größ­te Gefahr für unse­re Demo­kra­tie sei.“ (krone.at, 5.2.26)

Das wäre eigent­lich ein schö­nes, wenn auch ver­kürz­tes Schluss­wort zu Webers Geschwur­bel. Aber einer geht noch! Donald Trump spricht sogar, wenn er die Ver­haf­tung von Oba­ma for­dert, von unse­rer Demo­kra­tie: „Oba­ma habe das ‚Ver­trau­en der Ame­ri­ka­ner in unse­re Demo­kra­tie sowie Prä­si­dent Trumps Erd­rutsch­sieg bei der Wahl 2016‘ unter­gra­ben und zer­stört. Der US-Prä­si­dent warf Oba­ma einen ‚Putsch­ver­such‘ vor.“ (zit. nach heute.at, 30.1.26)

Beim Lügen und Het­zen über die Demo­kra­tie, unse­re Demo­kra­tie, sind die Rechts­extre­men Spitze!

Stefan Weber auf seinem Blog: "Unsere Demokratie" als linkes "Kampfvokabel" und Springerstiefel-Illustration als "Medienmanipulation" (Screenshot 21./28.1.26)
Ste­fan Weber auf sei­nem Blog: „Unse­re Demo­kra­tie” als lin­kes „Kampf­vo­ka­bel” und Sprin­ger­stie­fel-Illus­tra­ti­on als „Medi­en­ma­ni­pu­la­ti­on” (Screen­shot 21./28.1.26)

Fußnoten

1 Stel­lung­nah­men des DÖW zu den Anschul­di­gun­gen: „Die FPÖ will Rechts­extre­mis­mus offen­bar klein­re­den“ und Fake News zum Rechtsextremismusbericht
2 Fak­ten­check br.de, 15.1.26: Zen­sur-Vor­wür­fe: Was Dani­el Gün­ther wirk­lich gesagt hat

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Schlagwörter: FPÖ | Rechtsextremismus | Salzburg | Verschwörungsideologien

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