USA: Hitlergruß-Elon & sein MechaHitler-Grok
Elon Musks KI-Chatbot Grok ist Anfang Juli aus dem Ruder gelaufen: Nach einem Update, das „Woke-Filter“ abschwächte, postete Grok auf X offen antisemitische und faschistische Inhalte, nannte sich „MechaHitler“, rechtfertigte Nazi-Konzentrationslager und verbreitete rechtsextreme Verschwörungserzählungen. xAI musste als Reaktion die Textausgabe zeitweise abschalten.
Was daraufhin geschah, ist ein Phänomen, das KI-Forscher seit Jahren kennen: Nutzerinnen und Nutzer versuchen gezielt, eine enthemmte KI zu immer extremeren Aussagen zu treiben. Und Grok machte bereitwillig mit. Der Chatbot reagierte auf provokante Fragen mit radikalen Antworten, die an faschistische Rhetorik erinnerten oder sie direkt übernahmen. (mimikama.org, 9.7.25)
Die Episode passt in ein Muster: Schon zuvor fiel Grok mit hochproblematischen Antworten (etwa zum Mythos eines „Genozids an Weißen“ in Südafrika) auf. Auslöser der jüngsten Eskalation waren laut Berichten interne Leitlinien, die „politisch unkorrekte“ Aussagen ausdrücklich zuließen – flankiert von Musks öffentlicher Kritik an „zu woken“ KIs.
Eine Konsequenz folgte nun sogar in den USA: Die „General Services Administration“ strich Grok aus einem geplanten Bundesrahmenvertrag. Die Entscheidung folgte unmittelbar auf Groks antisemitische Posts, interne E‑Mails würden den Kurswechsel belegen.
CH: Internationale Nazi-Wandergruppe und (gar nicht so) neue Neonazi-Partei
Am Wochenende um den 20./21. Juli ist eine Gruppe von rund 25 Männern in Wehrmachtsuniformen – teils mit Hakenkreuzen und anderen NS-Insignien – durch das Wildhornmassiv im Berner Oberland marschierend gesichtet worden. Die herbeigerufene Polizei kontrollierte die Männer, nahm Personalien auf und wies sie an, die NS-Symbole zu verdecken. Strafrechtliche Folgen hatte der Auftritt allerdings nicht, weil das Tragen solcher Symbole in der Schweiz derzeit noch nicht verboten ist. Laut Polizei reisten die Teilnehmer aus mehreren europäischen Ländern an. Anfragen, ob auch Österreicher bei der braunen Truppe dabei waren, wurden mit dem lächerlichen Verweis auf den Persönlichkeitsschutz, nicht beantwortet.
Recherchen ordneten die Gruppe einem losen Zusammenschluss namens „Project Edelweiss“ zu. Dieser inszeniert nach eigener Darstellung historische „Reenactments“ und bezeichnet sich als „apolitisch“. Gleichzeitig legen die Organisatoren detaillierte Uniformregeln nach Vorbild der Gebirgsjäger fest – inklusive der Darstellung von NS-Symbolen. Wie Stoppt die Rechten feststellen konnte, ist die Website des Nazi-Projekts mittlerweile vom Netz genommen worden. Dort war früher noch zu lesen: „The Project Edelweiss initiative has been promoting a quality reenactment approach to pay — with respect — a tribute to all Gebirgsjägers.“ Einer verbrecherischen Nazi-Einheit zu huldigen (ihr „Tribut zu zollen“), kann wohl kaum als „apolitisch“ bezeichnet werden!

Neue Neonazi-Partei
Schweizer Medien (z.B. „watson“, 28.6.25) berichten indessen von einer „neuen” Neonazi-Partei. Die „Nationalpartei“ habe sich bereits vor längerer Zeit weitgehend im Verborgenen gegründet. Die Formation versteht sich als faktische Nachfolgerin der 2022 aufgelösten PNOS und setzt bewusst auf Anonymität – auch in der Hoffnung, sich als Partei dem Zugriff von Nachrichtendienst und Polizei teilweise zu entziehen.
Als treibende Figur gilt Otto Rölli, früher PNOS, mit Verbindungen zum Neonazi-Netzwerk Blood & Honour. Auf dem Gründungsfoto erscheint zudem Hansjörg F. aus dem Hammerskins-Umfeld. Die Partei tritt öffentlich kaum auf, betreibt aber eine Website.
Offiziell inszeniert sich die Partei als „nationale Oppositionskraft“. In ihren Texten finden sich klassische völkisch-identitäre Codes, die NS-Ideologie „verpackt“ wiedergeben. Das Logo, rote Flamme mit Schweizerkreuz, knüpft an jenes des neofaschistischen MSI in Italien und des französischen „Front National“ an. Die Nazi-Partei zielt vor allem auf die ältere, traditionell neonazistische Szene rechts der SVP, die nach der PNOS-Auflösung heimatlos wurde, während Gruppen wie die „Junge Tat“ jüngere Milieus adressieren. Sichtbare Struktur, Ressourcen und Reichweite wirken derzeit gering – die Risiken liegen in Vernetzungen und in der Normalisierung völkischer Narrative unter parteilichem Deckmantel.
D: GfP-Tagung mit Andreas Thierry und Martin Rutter
Stoppt die Rechten hat bereits im Dezember 2024 aufgedeckt, dass der jahrzehntelang in der neonazistischen Szene verankerte, aus Kärnten stammende Andreas Thierry unter dem Pseudonym „Konrad Reisinger“ beim „Eckart“ verdeckt als „Schriftleiter“ agiert hat und auch für AUF1 tätig war oder noch ist. Das DÖW schreibt in seiner Rubrik „Neues von ganz rechts“ (7.25) unter dem Titel „Abwicklung eines Pseudonyms“, dass Thierry gleich mit seinen zwei Namen für die nächste Jahrestagung der „Gesellschaft für freie Publizistik“ (GfP) als Redner angekündigt wurde: auf der Website noch als „Konrad Reisinger“, im gedruckten Veranstaltungsfolder jedoch mit seinem realen Namen. Wohl um diese Peinlichkeit nicht zu perpetuieren, wurde mittlerweile „Reisinger“ durch „Thierry“ auch auf der Website ersetzt.
Ebenfalls wird laut DÖW der Kärntner Verschwörungsmeister Martin Rutter beim diesjährigen GfP-Event auftreten. Aus Deutschland werden laut Ankündigung u.a. der Szeneanwalt Andreas Wölfel und der Compact-Betreiber Jürgen Elsässer über das Tagungsthema „Medienterror oder Meinungsfreiheit“ referieren.
Die Tagung der geschichtsrevisionistischen, von ehemaligen SS-Offizieren und NSDAP-Funktionären gegründeten GfP soll vom 26. bis 28. September „im Raum Thüringen“ vonstattengehen. Sei 2010 fungiert der aus Deutschland stammende, in Graz lebende Burschenschafter Martin Pfeiffer als deren Vorsitzender. Pfeiffer dürfte davor allerdings von anderen Sorgen geplagt sein: Er wird ab 15. September in Graz wegen des Verdachts auf Wiederbetätigung vor Gericht stehen und kann eventuell gleich aus persönlicher Betroffenheit vom angeblichen „Meinungsterror“ in Österreich berichten.
D: Horst Mahler mit 89 nach Walhall
Horst Mahler, einst Mitgründer der RAF und später einer der bekanntesten Holocaustleugner Deutschlands, ist am 27. Juli 2025 im Alter von 89 Jahren. Sein politischer Weg führte vom RAF-Terrorismus der 1970er-Jahre in den 1990ern in die Neonazi-Szene: Mahler trat der NPD bei, agitierte antisemitisch, leugnete den Holocaust und wurde dafür mehrfach verurteilt. Seine „intellektuelle“ Selbstinszenierung – vom SDS-Anwalt zum völkischen Hetzer – machte ihn zu einer Symbolfigur der extremen Rechten, die ihn als „Renegaten“ hofierte.
Auch in Österreich hatte Mahler Auftritte.
Der FAV Wien, Burgenland und Niederösterreich lud bereits im Herbst 1999 den deutschen Neonazi Horst Mahler zu einem Vortrag nach Wien. Dabei verhehlte dieser nicht seine bis heute andauernde Bewunderung für Hitler: Dieser habe „die nationalrevolutionären und sozialrevolutionären Kräfte dieses Volkes aufgegriffen und gebündelt“. Mahler versuchte in Wien auch, die antisemitische Verfolgung zu legitimieren: „Den Juden wurde der Hass auf andere Völker auferlegt. Die anderen Völker haben diesen Hass nur erwidert.“ Drei Jahre später attestierte Ewald Stadler beim Totengedenken des Wiener Korporationsringes (WKR) am 8. Mai Mahler einen „enttabuisierten Umgang mit unserer Geschichte“, wofür der deutsche Neonazi „entsprechend verfolgt“ werde. Kurz darauf meinte auch Walter Asperl (Olympia), dass Mahler „mit seinen Werten“ dem freiheitlichen Milieu „sehr nahe“ stehe. (Andreas Peham, „Durch Reinheit zur Einheit“; S. 61; doew.at)
Dokumentiert ist auch sein Referat bei der „Politischen Akademie“ der AFP (Aktionsgemeinschaft/Arbeitsgemeinschaft für Politik), einem ab den 1960ern bestehenden Vernetzungsformat der extremen Rechten. 2005 trat Mahler dort mit dem Vortragstitel „Das Deutsche Reich als Europäische Aufgabe“ auf – die Akademie fand in jenem Jahr im oberösterreichischen Offenhausen statt.
Medial bekam Mahler in Österreich durch Andreas Mölzers „Zur Zeit“ eine Plattform. Dort durfte er 1999 seine völkisch-antidemokratischen Positionen ausbreiten.
Gottfried Küssels „corona-querfront“ vermerkte zu Mahlers Tod: „Wir haben soeben die Nachricht vom Tod unseres langjährigen Mitstreiters Horst Mahler erhalten. Ein bedeutender Philosoph, Jurist und kontroverser Denker ist von uns gegangen, dessen Wirken die deutsche Geschichte geprägt hat.“

D: Orchestrierte Demontage: Wie recht(sextrem)e Medien Frauke Brosius-Gersdorf zu Fall brachten und welche österreichischen Medien daran beteiligt waren
Es war in Deutschland wochenlang das Thema Nummer 1: Die von der SPD nominierte Kandidatin für das Bundesverfassungsgericht, Frauke Brosius-Gersdorf, wurde im Juli Ziel einer koordinierten Kampagne aus dem recht(sextrem)en Medien-Ökosystem. Kurz vor der geplanten Wahl im Bundestag am 11. Juli 2025 kippte die Union ihre Zustimmung, und die Wahl wurde von der Tagesordnung genommen. Am 7. August zog Brosius-Gersdorf ihre Kandidatur schließlich zurück.
Die Berliner Denkfabrik „Polisphere“ hat mehr als 40.000 X‑Posts und die mediale Begleitmusik ausgewertet. Demnach starteten die Angriffe am 1. Juli bei Apollo News“ (sofort von Julian Reichelt verstärkt), am 2. Juli folgten NIUS, Tichys Einblick und Junge Freiheit, am 3. Juli AUF1 und am 4. Juli Compact. In den letzten Tagen vor der geplanten Wahl griffen zunehmend auch etablierte Medien, allen voran die „Welt“ (Springer), die Vorwürfe auf und befeuerten sie.
Am Abend vor der geplanten Wahl „streute“ der selbsternannte Plagiatsjäger Stefan Weber seine Hinweise zu angeblichen Unregelmäßigkeiten in Brosius-Gersdorfs Dissertation gezielt in die Medien – exakt in der heißen Phase, die schließlich zur Absetzung der Wahl führte. „Polisphere“ ordnet die Plagiats-/Ghostwriting-Schiene als letzten, massenhaft ausgespielten Frame ein, der in den finalen 24 Stunden zusätzlich zur Mobilisierung diente. Webers Vorstöße gaben diesem Frame den Anstrich „externer Expertise“. Weber war also nicht der Ausgangspunkt der Kampagne, aber ihr entscheidender Katalysator am Schluss.
Inhaltlich kreiste die Kampagne um sechs Erzählrahmen, die Brosius-Gersdorf als „extrem“ markieren sollten: Abtreibung, Impfpflicht, AfD-Verbot, Gendern, Kopftuch und Plagiatsvorwürfe. „Polisphere“ zeigt, dass der Fokus zunächst auf dem AfD-Verbots-Narrativ lag, bevor Abtreibung als stärker mobilisierender Trigger hochgezogen wurde. Besonders aktiv war NIUS mit über 20 Artikeln binnen zehn Tagen. Hinzu kamen KI-„News“ auf TikTok, bezahlte Verbreitung von Inhalten, eine CitizenGo-Petition und Falschvorschläge in Suchfunktionen („Abtreibung bis 9 Monat“).
Neben „AUF1” (das sich multipel in die Kampagne einschaltete), war auch „Report24” bereits am 3. Juli mit am Start der Hetzjagd und setzte mit weiteren Beiträgen nach. Ebenfalls relativ früh war „Zur Zeit“ dran (4. Juli), es folgten de facto mit „Unser Mitteleuropa“, das „Freilich-Magazin”, FPÖ-TV, „unzensuriert”, „exxpress” und „Unterbergers Tagebuch” fast alle österreichischen Desinformationsspreader aus der rechtsextremen Ecke.
Zur Erinnerung: Der damals gerade erst gegründete „Report24” und der Ende 2022 eingestellte „Wochenblick” waren in Tateinheit mit Stefan Weber bereits 2021 während des deutschen Bundestagswahlkampfs massiv an einer Kampagne gegen Annalena Baerbock beteiligt.
Siehe auch ➡️ kobuk.at (18.7.25): Mediale Kampagne gegen Juristin: Wie aus Diffamierung eine Debatte wird
D: Das beste Sommerinterview …
…, das die ARD je mit Faschisten geführt hat.
Alice Weidel ist ausnahmsweise vorbehaltlos zuzustimmen: „Es ist extrem lustig!”
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