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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 7 Minuten

Trumps Schergen, seine Lügen und die FPÖ: Das ist doch wunderbar!

Trump lässt ICE schie­ßen, Kin­der als Köder miss­brau­chen und Gewalt zur Rou­ti­ne machen. Die FPÖ jubel­te über die „Schlap­pe für das Sys­tem“, pflegt ihre Kon­tak­te und schweigt zu den Toten von Min­nea­po­lis. Stu­fen der Ent­mensch­li­chung und ihrer Applau­die­rer in Österreich.

5. Feb. 2026
Proteste in Minneapolis am 23. Jänner 26 gegen Trump und ICE: "ICE out" (Wikipedia, Lorie Shaull)
Proteste in Minneapolis am 23. Jänner 26 gegen Trump und ICE: "ICE out" (Wikipedia, Lorie Shaull)

Bei der FPÖ ist Trump längst mehr als ein poli­ti­scher Sym­pa­thie­trä­ger – er ist eine Gebrauchs­an­wei­sung für Macht­po­li­tik gegen „das Sys­tem“. Nach Trumps Wahl­sieg 2024 jubel­te Her­bert Kickl über eine „Schlap­pe für das Sys­tem inklu­si­ve Exper­ten und ver­ei­nig­te Medi­en“ (1) – also genau jene anti­in­sti­tu­tio­nel­le Erzäh­lung, mit der Trump Jus­tiz, Medi­en und demo­kra­ti­sche Kon­trol­le seit Jah­ren delegitimiert.

2025 wur­de dar­aus offe­ne Stra­te­gie: Die FPÖ kün­dig­te an, ihre Kon­tak­te zu US-Repu­bli­ka­nern und zur MAGA-Sze­ne gezielt zu inten­si­vie­ren. Chris­ti­an Hafenecker sprach von „wirk­lich etwas am Ent­ste­hen“ (2), nann­te Fidesz als Ver­mitt­ler und beton­te die inhalt­li­che Nähe bei Migra­ti­on und Russ­land­po­li­tik. Der Kon­takt in Rich­tung MAGA inner­halb der FPÖ wur­de vor allem von Harald Vilims­ky über des­sen regel­mä­ßi­ge Gesprä­che mit Ver­tre­tern der liber­tä­ren Lob­by­or­ga­ni­sa­ti­on „Heart­land Insti­tu­te“ auf­ge­baut und gepflogen.

Gratulationen von den FPÖ-Generalsekretären Hafenecker und Schnedlitz sowie des NÖ-Vizelandeshauptmanns Landbauer an Trump zu dessen Wahlsieg (Screenshots FB 6.11.24)
Gra­tu­la­tio­nen von den FPÖ-Gene­ral­se­kre­tä­ren Hafenecker und Schned­litz sowie des NÖ-Vize­lan­des­haupt­manns Land­bau­er an Trump zu des­sen Wahl­sieg (Screen­shots FB 6.11.24)

Minneapolis: Schüsse, Vertuschung, Staatslügen

In Min­nea­po­lis, im Win­ter­licht, wirkt vie­les nor­mal: ein Schul­weg, ein SUV am Stra­ßen­rand, Atem­wol­ken in der Käl­te. Und dann die­ser Satz, ruhig gesagt, ohne Pathos, fast wie eine Ent­schul­di­gung: “That’s fine, dude, I’m not mad at you.” – „Schon okay, Mann, ich bin nicht wütend auf dich.“ Sekun­den spä­ter feu­ert ein ICE-Agent drei Schüs­se ab. Renée Good, 37, Mut­ter von drei Kin­dern, stirbt im Auto. (3)

Dass ein Mensch so stirbt, ist schon uner­träg­lich. Aber was dar­aus gemacht wur­de, ist das zwei­te Ver­bre­chen: die Lüge als Staats­kom­mu­ni­ka­ti­on. Die Hei­mat­schutz­mi­nis­te­rin erklär­te, Good habe ihr Auto „wea­po­nized“, also „als Waf­fe ein­ge­setzt“, sie habe ver­sucht, ICE-Agen­ten zu über­fah­ren. Trump mach­te dar­aus öffent­lich „dome­stic ter­ro­rism“ (4). Min­nea­po­lis’ Bür­ger­meis­ter Jacob Frey sah das Video und nann­te die Dar­stel­lung der Regie­rung „bull­shit“ (5). Ein­ge­setzt wird tat­säch­lich das Han­dys als „best wea­pon“ (6) im Kampf gegen ICE – um Bil­der der staat­lich abge­seg­ne­ten Gewalt­ta­ten anzu­fer­ti­gen, die den Lügen des Trump-Regimes trotzen.

FPÖ-NR-Abg. Susanne Fürst bei Trumps Inauguration. Herbert Kickl und Fürst jubeln: "Zeitenwende" (Screenshots FB 21./22.1.25)
FPÖ-NR-Abg. Susan­ne Fürst bei Trumps Inau­gu­ra­ti­on. Her­bert Kickl und Fürst: „Zei­ten­wen­de” (Screen­shots FB 21./22.1.25)

Nur weni­ge Tage spä­ter liegt wie­der ein US-Bür­ger, wie­der in Min­nea­po­lis, tot auf dem Asphalt: Alex Pret­ti, im sel­ben Alter wie Renée Good, Inten­siv­pfle­ger, von ICE-Agen­ten einer Hin­rich­tung gleich mit zehn Schüs­sen in den Rücken ermor­det. Wie­der läuft zuerst die Erzähl­ma­schi­ne an. Das „Hei­mat­schutz­mi­nis­te­ri­um“ (DHS) und Trumps Leu­te deu­te­ten an, Pret­ti habe mit einer Waf­fe gedroht. Ste­phen Mil­ler, stell­ver­tre­ten­der Stabs­chef des Wei­ßen Hau­ses und Trumps „Migra­ti­ons­be­ra­ter“, nann­te Pret­ti „Inlands­ter­ro­rist“ und „Bei­na­he-Atten­tä­ter“ (7). Doch eine ers­te inter­ne Über­prü­fung erwähn­te nicht ein­mal, dass er eine Waf­fe gezo­gen hät­te, ein Video zeig­te ihn mit einem Han­dy – und nicht mehr. Sechs Fäl­le, beschreibt Reu­ters (4), in denen das DHS nach Gewalt von Beginn an eine Erzäh­lung kon­trol­lie­ren woll­te, die mit Bewei­sen spä­ter wider­legt wurden.

Wenn Kinder zu Ködern werden und Ältere im Visier stehen

Und wäh­rend Men­schen auf offe­ner Stra­ße erschos­sen wer­den, ent­führt ICE ande­re „nur“. Da ist der erst fünf­jäh­ri­ge Liam: blaue Müt­ze, Spi­der-Man-Ruck­sack, gera­de aus dem Kin­der­gar­ten-All­tag zurück. Mas­kier­te Beam­te neh­men den Vater an der Ein­fahrt fest und ver­su­chen danach, den Jun­gen „as bait“ – „als Köder“ zu benut­zen, um die Mut­ter aus dem Haus zu locken. Eine Zeu­gin beschreibt Liams Gesicht: „fro­zen and para­ly­zed“ – „wie erstarrt und gelähmt“ (8). Dann wird der Bub in einen schwar­zen SUV gesetzt, und das Auto fährt ab.

In Min­ne­so­ta kla­gen Behör­den und Leh­rer­ge­werk­schaft, weil ICE-Ein­sät­ze bis an Schu­len und Schul­bus­se her­an­rei­chen und min­der­jäh­ri­ge Schüler:innen fest­ge­nom­men wur­den – die Angst frisst sich in Klas­sen­zim­mer und Pau­sen­hö­fe. Online-Unter­richt wird orga­ni­siert, weil Kin­der nicht mehr wagen, in die Schu­le zu kom­men. (9)

Herbert Kickl und Susanne Fürst: Trump "zeigt vor, wie man richtig gegen illegale Migranten vorgeht!" (Screenshot FB 28.1.25)
Her­bert Kickl und Susan­ne Fürst: Trump „zeigt vor, wie man rich­tig gegen ille­ga­le Migran­ten vor­geht!” (Screen­shot FB 28.1.25)

Auch Alte, Kran­ke, Unbe­tei­lig­te gera­ten in die­ses bru­ta­le Räder­werk: Aus St. Paul (Min­ne­so­ta) berich­ten Ange­hö­ri­ge des unbe­schol­te­nen 56-jäh­ri­gen US-Bür­gers Chon­gLy Scott Thao, ICE-Leu­te hät­ten die Tür auf­ge­bro­chen, ihn mit vor­ge­hal­te­ner Waf­fe abge­führt – halb nackt, in Unter­wä­sche und Decke in der Käl­te. Bil­der von der Ver­haf­tung gehen um die Welt. Sein Enkel habe alles gese­hen und geweint. Thao sagt: „They didn’t say any­thing. no sor­ry, any­thing.“ – „Sie haben nichts gesagt. Kei­ne Ent­schul­di­gung. Nichts.“ (10)

St. Paul Mayor Kaoh­ly Her, who is a fami­ly fri­end of Chon­gLy “Scott” Thao, cal­led the aggres­si­ve actions of fede­ral immi­gra­ti­on enforce­ment agents unju­s­ti­fia­ble and said she’s livid about what happened.

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— Min­ne­so­ta Star Tri­bu­ne (@startribune.com) 21. Janu­ar 2026 um 03:55

Die faschistische Ästhetik der Einschüchterung

Die Bot­schaft der Bru­ta­li­tät ver­kör­pert Gre­go­ry Bovi­no. Er ist die Figur eines mili­ta­ri­sier­ten Kamp­fes gegen Migra­ti­on, ein­ge­setzt als „com­man­der-at-lar­ge“, direkt der Minis­te­rin unter­stellt, an der Hier­ar­chie vor­bei. Er prä­sen­tiert sich in SS-ähn­li­cher Auf­ma­chung. Der US-His­to­ri­ker Timo­thy Sny­der sag­te dazu, Bovi­no sti­li­sie­re sich „als Himm­ler oder Heyd­rich“ (11).

In Min­nea­po­lis wur­de dar­aus eine Ästhe­tik der Ein­schüch­te­rung: mas­kier­te, schwer bewaff­ne­te Agen­ten in Kon­vois – eine Insze­nie­rung, die bei vie­len nicht mehr „Law & Order“ aus­löst, son­dern das Gefühl: Der Staat tritt dir nicht mehr als Insti­tu­ti­on gegen­über, son­dern als Truppe.

Wenn es in den letz­ten Wochen einen Sound­track zum Leben in Min­nea­po­lis gege­ben hat, dann sind es die schril­len Pfei­fen und Hupen von Tau­sen­den von Men­schen, die Ein­wan­de­rungs­be­am­ten durch die Stadt fol­gen. (…) Sie sind Leh­rer, Wis­sen­schaft­ler und Eltern, die zu Hau­se blei­ben. Sie besit­zen klei­ne Unter­neh­men und Wirts­haus­ti­sche. Ihr Netz­werk ist weit­läu­fig, oft anonym und mit weni­gen all­ge­mei­nen Zie­len, außer Ein­wan­de­rern zu hel­fen, vor her­an­na­hen­den Beam­ten zu war­nen oder Vide­os zu dre­hen, um der Welt zu zei­gen, was gera­de pas­siert. (12)

Die Logistik der Entmenschlichung

Und irgend­wo dar­über – oder genau­er: dahin­ter, dort wo man nicht hin­schaut – lau­fen die „Geis­ter­flü­ge“. Eine Repor­ta­ge von t‑online (13) zeigt den Mann, der ver­sucht, das Unsicht­bar­ma­chen zu stop­pen: Nick Ben­son steht am Park­deck des Flug­ha­fens Min­nea­po­lis-St. Paul und doku­men­tiert mit sei­ner Foto­ka­me­ra Abschie­be­flü­ge, weil die Regie­rung kei­ne ver­läss­li­chen Daten her­aus­gibt. Er beschreibt, was unten am Roll­feld pas­siert, sach­lich, fast flüs­ternd und gera­de des­halb so verstörend:

Ben­son löst sei­ne Kame­ra aus. Klick. Klick. Klick. „Sie sind gefes­selt”, sagt er lei­se, ohne den Blick vom Sucher zu neh­men. „Ket­ten um die Hän­de, Füße, Hüf­te. Alles mit­ein­an­der ver­bun­den.” Wer sie sind, was sie getan haben, ob sie wirk­lich Ver­ge­wal­ti­ger und Schwer­kri­mi­nel­le sind, wie die Trump-Regie­rung regel­mä­ßig behaup­tet, kann kei­ner außer den Anwäl­ten wirk­lich über­prü­fen. Ben­sons Stim­me stockt. Er nimmt die Hän­de von der Kame­ra, blin­zelt, in sei­nen Augen sam­melt sich ein wäss­ri­ger Film. „Sor­ry, aber das treibt mir die Trä­nen in die Augen. Ich weiß nicht, wie man das sehen und nor­mal fin­den kann”, sagt er. (13)

Harald Vilimsky fordert für die EU die Vorganfsweise von Trump: "Trump will jeden abschieben, der "keinen Nettogewinn darstellt" (Screenshot FB 28.11.25)
Harald Vilims­ky for­dert für die EU die Vor­ganf­s­wei­se von Trump: „Trump will jeden abschie­ben, der „kei­nen Net­to­ge­winn dar­stellt” (Screen­shot FB 28.11.25)

Was in den USA vor­an­ge­trie­ben wird, ist ein huma­ni­tä­rer Zustand, in dem Gewalt nicht nur pas­siert, son­dern gerecht­fer­tigt, ver­dreht und nach­träg­lich zu Pro­pa­gan­da ver­ar­bei­tet wird: Tote wer­den zu „Ter­ro­ris­ten“, Kin­der zu „Ködern“, Feh­ler zu „Kol­la­te­ral­scha­den“. Und jedes Mal soll die Öffent­lich­keit ler­nen, weg­zu­se­hen oder zu glau­ben, dass es „schon stim­men wird“, wenn die Regie­rung es sagt. Dar­in liegt die Gefahr: Nicht nur in den Schüs­sen. Son­dern in der Nor­ma­li­sie­rung der Lüge, die sie begleitet.

Oder, um es mit Her­bert Kickl zu sagen: „Das ist doch wun­der­bar!” Zu den Erschie­ßun­gen von Renée Good und Alex Pret­ti schwei­gen die FPÖ-Spit­zen. Anders war es bei Char­lie Kirk: Da kul­ler­ten die ver­ba­len Trä­nen noch reich­lich. Aber der war ja auch ein rechts­extre­mer Het­zer und wur­de nicht von den Trump-Scher­gen ermordet.

Herbert Kickl über Trump: "Das ist doch wunderbar, oder?" (Screenshot FB 29.1.25)
Her­bert Kickl über Trump: „Das ist doch wun­der­bar, oder?” (Screen­shot FB 29.1.25)

Quellen:

1 orf.at, 6.11.24: Gra­tu­la­tio­nen an Trump von vie­len Seiten
2 orf.at, 16.3.26: FPÖ will Kon­tak­te zu US-Repu­bli­ka­nern intensivieren
3 reuters.com, 9.1.26: New video emer­ges of Min­ne­so­ta shoo­ting, fur­ther infla­ming tensions
4 reuters.com, 27.1.26: In six vio­lent encoun­ters, evi­dence con­tra­dicts Trump immi­gra­ti­on offi­ci­als’ narratives
5 reuters.com, 7.1.26: US immi­gra­ti­on agent fatal­ly shoots woman in Min­nea­po­lis, mayor dis­pu­tes govern­ment cla­im of self-defense
6 nytimes.com, 26.1.26: The Best Wea­pon You Have in the Fight Against ICE
7 reuters.com, 28.1.26: US review of Alex Pret­ti kil­ling does not men­ti­on him bran­dis­hing firearm
8 reuters.com, 22.1.26: ICE deta­ins four Min­ne­so­ta child­ren inclu­ding five-year-old, school offi­ci­als say
9 nytimes.com,15.1.26: Min­nea­po­lis Schools Allow Stu­dents to Learn Online Amid ICE Fears
10 cbsnews.com, 27.1.26: ICE arrests under­dres­sed Hmong-Ame­ri­can man insi­de his St. Paul home over mista­ken iden­ti­ty, fami­ly says
11 fuldainfo.de, 31.1.26: Sny­der: Par­al­le­len zwi­schen Trumps Regie­rungs­stil und Nazi-Methoden
12 pbs.org, 29.1.26: Min­nea­po­lis com­mu­ni­ty defies ICE to warn immi­grants of approa­ching agents
13 t‑online.de, 14.1.26: Trumps Logis­tik der Angst

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