Lesezeit: 4 Minuten

Svazek, Vilimsky und Krauss bei elitärer Trump-Spendengala des NYYRCLesezeit: 4 Minuten

Nach 2022 haben die bei­den FPÖ-Poli­­ti­ker Vilims­ky und Krauss nun erneut an einem Event des rechts­au­ßen­ste­hen­den „New York Young Repu­bli­can Club“ (NYYRC) teil­ge­nom­men. Erst­mals dabei war Mar­le­ne Sva­zek, die sich aber zu ihrem Auf­ent­halt beim Trump-Fan-Club nicht äußern mag. Die Teil­nah­me der FPÖ-Leu­­te zeigt eines: wie ver­lo­gen der Anti-Eli­­ten-Dis­­kurs der FPÖ ist. „It was the honor of […]

14. Dez 2023

It was the honor of our life­ti­mes to give Pre­si­dent @realDonaldTrump the New York Satur­day night he deser­ved”, flö­te­te der NYYRC auf sei­nem Twit­ter­ac­count. Gemeint ist eine Spen­den-Gala, die am 9. Dezem­ber im „Cipria­ni Wall Street“, einem im grie­chi­schen Monu­men­tal­stil gehal­te­nem Nobel­re­stau­rant in Man­hat­tan, zu Ehren des Ex-Prä­si­den­ten Trump über die Büh­ne ging.

Wie die „Kro­nen Zei­tung“ (10.12.23) berich­tet, war Mar­le­ne Sva­zek aus der selbst­er­nann­ten Par­tei der klei­nen Leu­te, Salz­bur­ger FPÖ-Che­fin und Lan­des­haupt­mann-Stell­ver­tre­te­rin, beim Event des ultra­rech­ten „New York Young Repu­bli­can Club“, an dem Gel­der für Donald Trumps mög­li­che Wie­der­kan­di­da­tur gesam­melt wur­den, eben­falls zu Gast. Die Ein­tritts­prei­se waren bemer­kens­wert: Die bil­ligs­te Kar­te war um 699 US$ für „Mem­bers“ zu haben, die „Non-Member“-Tickets star­te­ten bei 899 US$, VIP-Tickets gin­gen bis zu einem Preis von 30.000 US$. Gebo­ten wur­den Emp­fang­drinks inklu­si­ve „erst­klas­si­gem Schnaps”, Vor­spei­sen und ein vier­gän­gi­ges fran­zö­si­sches Menü. Und natür­lich als Haupt­gang Donald Trump mit einer Rede.

FPÖ und AfD

Sva­zek muss­te ihren Trip aus Öster­reich nicht allei­ne antre­ten: Mit an Board waren Harald Vilims­ky, FPÖ-Spit­zen­kan­di­dat für die kom­men­de EU-Wahl, der auf der Web­site der NYYRC als Ehren­gast gelis­tet ist, dazu der Wie­ner Maxi­mi­li­an Krauss und der ful­mi­nant geschei­ter­te Prä­si­dent­schafts­kan­di­dat Gerald Grosz. Aus Deutsch­land waren von der FPÖ-Schwes­ter­par­tei Jan Wen­zel Schmidt, Dirk Spa­ni­el, Kay Gott­schalk, Mat­thi­as Moos­dorf und Maxi­mi­li­an Krah, alle­samt Mit­glied der AFD-Frak­ti­on im deut­schen Bun­des­tag, ange­reist. Die AfD-Män­ner wur­den von David Ben­dels, Betrei­ber des rechts­extre­men AfD-nahen „Deutsch­land-Kurier“, nach New York beglei­tet. Ben­dels, für des­sen Medi­um auch Gerald Grosz tätig ist, mein­te im Jän­ner 2023 bei einer Ver­an­stal­tung an Götz Kubit­scheks „Insti­tut für Staats­po­li­tik“ in Schnell­ro­da in reins­tem NS-Jar­gon: Wir müs­sen ein Ver­nich­tungs­feld­zug füh­ren gegen die Altparteien.“

Zu den Red­nern und Gäs­ten in New York zähl­te auch der Trump-Anwalt Rudy Giu­lia­ni, der im August wegen Ver­leum­dung von zwei Wahl­hel­fe­rin­nen ver­ur­teilt wur­de und sich nun mit einer Scha­dens­er­satz­kla­ge von 43 Mil­lio­nen Dol­lar her­um­schla­gen muss. Bei dem eli­tä­ren Event dabei war eben­falls Trumps Chef­stra­te­ge Ste­ve Ban­non, der bereits 2022 wegen Miss­ach­tung des Par­la­ments (noch nicht rechts­kräf­ti­ge) vier Mona­te Haft und eine Geld­stra­fe kas­siert hatte.

Kein Interesse an einer Stellungnahme

Sva­zeks Besuch wur­de durch den deut­schen Par­fum-Influen­cer Jere­my Fra­grance bekannt, der neben sei­ner Affi­ni­tät zu Duft­wäs­ser­chen sei­ne Nase nun auch zum orga­ni­sier­ten Rechts­extre­mis­mus gerich­tet zu haben scheint, ein Sel­fie mit ihr auf Tik­Tok geteilt hat­te. Das Bild ist inzwi­schen jedoch wie­der ver­schwun­den. Sva­zek und ihr Pres­se­spre­cher ver­wei­gern jeg­li­che Stel­lung­nah­me auf die Fra­ge, ob der Gala-Besuch pri­vat oder beruf­lich war. „Man habe ‚kein Inter­es­se‘ an einer Stel­lung­nah­me“, zitiert die „Kro­nen Zei­tung“ Sva­zeks Pres­se­spre­cher. Dass Sva­zek als stell­ver­tre­ten­de Lan­des­haupt­frau kein gestei­ger­tes Inter­es­se auf­weist, wenn ihre offe­ne Unter­stüt­zung für den Anti­de­mo­kra­ten Trump öffent­lich wird, ist aus ihrer Sicht nachvollziehbar.Trump hat laut Washing­ton Post in sei­ner Amts­zeit als US-Prä­si­dent beacht­li­che 30.573 Lügen bzw. irre­füh­ren­de Behaup­tun­gen von sich gege­ben und ist inzwi­schen mit vier Ankla­gen konfrontiert.

Der Faktenchecker der Washington Post zu Trumps Lügen und Falschbehauptungen
Der Fak­ten­che­cker der Washing­ton Post zu Trumps Lügen und Falschbehauptungen

Zwi­schen März und August wur­de gleich vier Mal Ankla­ge gegen den ehe­ma­li­gen Prä­si­den­ten erho­ben: Zuerst in New York im Ver­fah­ren um eine Schwei­ge­geld­zah­lung an die ehe­ma­li­ge Por­no­dar­stel­le­rin Stor­my Dani­els, dann im Juni in Miami wegen Unter­schla­gung von Geheim­do­ku­men­ten, Anfang August in Washing­ton wegen Ver­schwö­rung zu ver­such­ter Wahl­be­ein­flus­sung und schliess­lich Mit­te August in Atlan­ta eben­falls wegen des Ver­suchs der Wahl­ma­ni­pu­la­ti­on. (nzz.ch, 11.12.23)

Vilims­ky, der sich eben­falls im Visier der Jus­tiz befin­det, Krauss und Grosz dür­fen lang­sam als Stamm­gäs­te beim NYYRC bezeich­net wer­den. Alle drei waren bereits bei einem Event im Dezem­ber 2022 anwe­send. Krauss hat­te ein hal­bes Jahr zuvor eine Part­ner­schaft zwi­schen der Frei­heit­li­chen Jugend, deren Bun­des­ob­mann er ist, und den Trump-Anhän­gern des NYYRC geschlos­sen. Ziel die­ser Part­ner­schaft sei, die west­li­che Kul­tur zu schüt­zen und eine Mög­lich­keit­zu haben, sich inter­na­tio­nal mit poli­tisch Gleich­ge­sinn­ten aus­zu­tau­schen und zu ver­net­zen. Wäh­rend blaue Alt­vor­de­re noch durch einen Freund­schafts­ver­trag mit Putins Par­tei „Eini­ges Russ­land“ ver­bun­den sind, der angeb­lich bis 2026 gilt, fühlt sich der Par­tei­nach­wuchs offen­bar zum rechts­extre­men und ver­schwö­rungs­ideo­lo­gi­schen Flü­gel der USA hin­ge­zo­gen. Egal, ob Putin oder Trump: Kaum jemand reprä­sen­tiert im jewei­li­gen Land mehr just jene schma­le, mäch­ti­ge Eli­te, gegen die hier­zu­lan­de die FPÖ bei jeder sich bie­ten­den Gele­gen­heit wet­tert und die viel von sich, aber wenig von Demo­kra­tie und erst recht von den „klei­nen Leu­ten“ hält.

Die Eintrittspreise bei der Wintergala des NYYRC 2023: von 699 bis 30.000 Dollar
Die Ein­tritts­prei­se bei der Win­ter­ga­la des NYYRC 2023: von 699 bis 30.000 Dollar

Verwandte Beiträge

Keine Beiträge mehr verpassen: Email-Benachrichtigung aktivieren
abgelegt unter: Dokumentation