Der Begräbnisredner
Dem „Eckart“, auf dessen Website Burchhart seinen Text veröffentlichte, attestiert das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW) einen „ausgeprägte[n] Hang zu Verschwörungsphantasien, Rassismus, Antisemitismus und Geschichtsklitterung“, das Monatsblatt dient als Medium für völkisch-deutsche Identitätspolitik, geschichtsrevisionistische Erzählungen und Vernetzung nach rechts außen. Der Autor des Textes, Bruno Burchhart, zählt ebenfalls zu diesem Milieu. Er ist Mitglied der Burschenschaft Olympia. Und er ist jene Person, die beim Begräbnis des Olympen und ehemaligen FPÖ-Politikers Walter Sucher das Absingen des „uns von Max von Schenkendort geschenkte Treuelied[s]” (Burchhart beim Begräbnis) angeleitet hat – jenes Lied, das mit leicht verändertem Text als SS-Treuelied in die Geschichte einging und seither als „verbrannt“ gilt.

„Bizarres Sommertheater“: Der Spin
Burchhart titelt sein Pamphlet im „Eckart“ als „Bizarres Sommertheater um den Perschmannhof“. Er behauptet, Antifa und „links-slowenische Minderheiten“ hätten mit einer „beispiellosen Medienkampagne“ versucht, einen völlig normalen Polizeieinsatz in einem „kleinen Anwesen“ in Eisenkappel zur „Staatsaffäre“ aufzublasen. Er macht sich über Begriffe wie „Retraumatisierung“ lustig, setzt „antifaschistisches Bildungscamp“ in Anführungszeichen, spricht von „Hysterie“, von einem angeblich künstlich aufgeblasenen „Nationalheiligtum“. Der Trick ist durchsichtig: Erst wird die Erinnerung delegitimiert, dann werden die Betroffenen pathologisiert und der Skandal als Einbildung erklärt. Das ist Lehrbuchtechnik der extremen Rechten.
Geschichtsumschreibung
Auch den historischen Kern schreibt Burchhart um. Der Peršmanhof ist nicht nur ein „kleines Anwesen“ irgendwo in den Bergen, sondern der Ort eines NS-Massakers. Das war kein Zusammenstoß mit Partisanen nach einem Viehdiebstahl, keine normale „Razzia“, wie Burchhart es framen will. Es war gezielter Terror gegen Kärntner Slowen*innen, ein Endphaseverbrechen der NS-Ordnungspolizei. Heute ist der Peršmanhof Gedenkort für diesen Mord und für den antifaschistischen Widerstand der Kärntner Slowen*innen.
Burchhart tut alles, um genau das zu relativieren. Er beschreibt die Partisan*innen nicht als das, was sie historisch waren – die stärkste bewaffnete antifaschistische Kraft auf heutigem österreichischen Staatsgebiet –, sondern als „titokommunistische Verbände“, deren Ziel bloß ein Abtrennen Südkärntens Richtung Jugoslawien gewesen sei. Er erklärt den Partisan*innenkampf zur fremden Agenda, nicht zur österreichischen Befreiung. Das ist die alte deutschnationale Kärntner Linie: Wer Slowenisch gesprochen hat und gegen die Nazis gekämpft hat, war der Feind. Diese Linie ist politisch nützlich für Rechtsaußen, aber historisch falsch. Ohne den bewaffneten antifaschistischen Widerstand in Südkärnten wäre die Erzählung jenes Österreich, das wir am 26. Oktober jährlich feiern, sehr viel dünner.
Aufarbeitung als Kriegserklärung
Burchhart arbeitet nicht nur mit verdrehten Begriffen, er arbeitet mit Symbolik. Er nennt die Reaktion der Landespolitik auf den Polizeieinsatz scheinbar beiläufig eine „Kommission zur totalen Aufarbeitung“. Das klingt zufällig nach „totaler Krieg“, „totale Mobilmachung“? Das ist nicht zufällig. Diese Wortwahl soll zwei Dinge erreichen: Sie punziert die Aufklärung als übertriebenen Vernichtungsfeldzug der „anderen Seite“ und markiert den Staat, der seinen eigenen Polizeieinsatz überprüfen lässt, indirekt als Feind. Aus der Perspektive dieser Szene ist jede Form von Kontrolle des Gewaltapparats ein Angriff auf die „deutsche Seite Kärntens“. Genau das ist die ideologische Botschaft: Aufarbeitung wird als Kriegserklärung geframt.
Illustration als visuelle Lüge
Der „Eckart” bebildert den Text nicht mit einem Foto des Peršmanhofs, nicht mit dem Gedenkraum, nicht mit den Namen der Ermordeten, nicht einmal mit einem Foto, das mit Österreich zu tun hat. Stattdessen zeigt er eine Straßenszene mit brennenden Müllcontainern, meterhohen Flammen, Vermummten in Schwarz. Das Foto stammt von einer Demonstration gegen einen Naziaufmarsch in Dresden-Neustadt, 13. Februar 2010. Es hat also nicht den geringstens Bezug zum Peršmanhof und auch nicht zu jenen Personen, die beim Bildungscamp im Juli teilgenommen hatten. Die Funktion der Illustration ist offensichtlich: Das Bild soll sagen „Antifa heißt brennende Straßen, Vermummte, Gewalt“. Es emotionalisiert und kriminalisiert. Es erzählt dem Publikum: Das da sind keine Menschen, die an ein Massaker erinnern. Das sind gewalttätige Krawallmacher. Diese visuelle Lüge liefert die Begleitmusik zu Burchharts Text.

Sprachangriff und Germanisierung
Zur Sprache gehört auch die bewusste Verfälschung des Ortsnamens. Burchhart schreibt nicht Peršmanhof, nicht einmal die gängige eingedeutschte Kurzform Persmanhof, sondern „Perschmannhof“ – mit „sch“ und doppeltem „n“. Das ist selbstverständlich Absicht. Das „š“ verschwindet, das Slowenische verschwindet gleich mit, der Hof wird sprachlich germanisiert. Diese Germanisierungspolitik kennen wir aus Kärnten seit Generationen. Sie war ein Werkzeug der Einschüchterung, der Unsichtbarmachung, der Entnationalisierung. Dass Burchhart 2025 noch genauso schreibt, ist kein Anachronismus, sondern Programm. Dazu passt auch, dass er die „Kleine Zeitung“ bezichtigt, „die gesamte slowenisch-kärntnerische ‚Prominenz‘ (…), von Maja Haderlapp bis Bernhard Sadovnik, dem Globasnitzer Bürgermeister mit seiner Äußerung einer ‚Retraumatisierung‘ usw.“ „auffahren“ habe lassen. Savdovnik beteiligte sich an der „totalen Aufarbeitung“, ist Nachfahre jener Familie, die die SS-Einheit im April 1945 fast ausgerottet hat. Und er heißt nicht „Bernhard“, sondern „Bernard“.
Keine Information
Burchhart will nicht informieren, er will die Definitionsmacht zurückholen. Er will festschreiben, wer und was als legitim gilt in Kärnten. „Wir“, damit meint dieses Milieu die deutschnationale Mehrheitsfantasie, sind die Normalität. Die slowenische Minderheit ist „links-slowenisch“. Antifaschistische Bildungsarbeit ist „sogenannt“. Die Empörung über einen rechtswidrigen Polizeieinsatz ist „Sommertheater“. Die Forderung nach Aufklärung ist „totale Aufarbeitung“. Und ein offenbar legales Bildungscamp wird bebildert wie ein Gewaltfeldzug, um es moralisch zu entsorgen.
Unser Beitrag erscheint bewusst heute am Nationalfeiertag, weil Antifaschismus spätestens seit 1945, und ja: auch wegen der Kärntner Partisan*innen, einen Grundpfeiler der Republik bildet, die heute ihre „Freiheit“ feiert. Wer das verwischt oder sogar umkehrt, arbeitet nicht an der Erhaltung dieser Freiheit, sondern am nächsten Übergriff.
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