Seit dem November des Vorjahres weiß die Öffentlichkeit, dass eine rechtsextreme Gruppe, die „Sächsischen Separatisten“ mit Aktionen den „Tag X“, also den gewaltsamen Umsturz des demokratischen Systems in Deutschland vorbereiten wollten, um sich dann möglicherweise den „Tag X“ selbst in einem sicheren Versteck anzuschauen. Das sichere Versteck für den „Tag X“ sollte das Forsthaus neben der Ruine Kronsegg bei Langenlois sein. Seit vielen Jahren ein Wohnsitz der Familie Schimanek.
Ende August hat der Journalist Gernot Rohrhofer, der zuletzt Redakteur der „Presse“ war, sein Buch über den „Tag X“ und die „Umsturzfantasien der Rechten“ im Seifert Verlag veröffentlicht. Erst Ende Jänner ist sein umstrittenes Buch über den Fall Pilnacek „Er muss weg!“ erschienen. Für den „Tag X“ hat Rohrhofer zahlreiche Interviews – er schreibt von fast 40 – geführt.
Acht Personen sind mittlerweile (nach Erscheinen des Buches) von der Anklage der deutschen Bundesanwaltschaft erfasst, die Anfang September öffentlich gemacht wurde. Vorgeworfen wird ihnen die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, die Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens und einem von ihnen auch versuchter Mord aus niedrigen Beweggründen.
Jörg Schimanek wird von der Bundesanwaltschaft die Rädelsführerschaft bei der rechtsterroristischen Vereinigung „Sächsische Separatisten“ vorgeworfen. Er ist der älteste Sohn von Hans Jörg Schimanek jun., der in den 90er Jahren als Rädelsführer der „Kameradschaft Langenlois“ und führendes Mitglied der Neonazi-Organisation „Volkstreue Außerparlamentarische Opposition“ zu acht Jahren Haft verurteilt worden war. Auch der zweite Sohn, Jörn Schimanek, war bei den „Sächsischen Separatisten“ aktiv, nur der dritte und jüngste Sohn, gegen den ursprünglich auch ermittelt wurde, ist aktuell nicht von der Anklage erfasst.
Natürlich ist die Familiengeschichte der Schimaneks, bei der auch am Rande der kürzlich verstorbene Hans Jörg Schimanek sen., ein langjähriger FPÖ-Mandatar, gestreift wird, ein zentraler Punkt der Recherche. Rohrhofer kann sich dabei auf umfangreiches Archivmaterial aus den 80er und 90er Jahren stützen und hat auch „Zeitzeugen“ von damals befragt. Trotzdem bleibt seine Recherche in diesem Punkt blass. Warum werden in der Familie Schimanek die einschlägigen politischen Einstellungen über mehrere Generationen hinweg „vererbt“ – und zwar ziemlich umfassend?
Auch die von einem namentlich nicht genannten lokalen Chronisten gestellte Frage, warum so „ein Schatten, der über der Stadt liegt und nicht weggeht“ (S. 119), ausgerechnet über Langenlois liegt, wird nicht ernsthaft angerissen. Dabei wäre hier einiges zu erörtern. Langenlois war eine der ersten Gemeinden in Österreich, in denen sich schon 1923 eine NSDAP-Ortszelle gebildet hatte, die dann bei der Landtagswahl 1932 mit fast 40 Prozent der Stimmen den höchsten Nazi-Stimmenanteil unter den Waldviertler Gemeinden erzielen konnte. Nach der Nazi-Ära leistete sich Langenlois von 1960 bis 1970 einen Bürgermeister, der schon zwischen 1941 und 1945 in Gars/Kamp für die Nazis den Bürgermeister gegeben hatte. Nicht zuletzt wäre da noch die FPÖ Langenlois, die einen wichtigen Teil dieses Schattens über Langenlois in den letzten Jahrzehnten bildet.
Es ist erst zwei Jahre her, dass in Langenlois eine wilde rechtsextreme und von der FPÖ unterstützte Demo stattfand, die sich vorgeblich gegen Pädophilie richtete, aber eigentlich die betagte Mutter von Teichtmeister bedrohte. Zwei Monate später ermordete der FPÖ-Stadtrat, der bei der Demo mitmarschiert war, die mit ihm liierte Frau und beging dann Suizid – im Hintergrund eine rechtsextreme Homebase, die „Granitfestung“. Da gäbe es noch einiges aufzuarbeiten rund um die FPÖ!
Schließlich auch noch der Bruder von Hans Jörg junior, René Schimanek: Der ist Pächter (oder Mieter) des Forsthauses hat erst Wochen nach der Hausdurchsuchung seinen Hauptwohnsitz von Kronsegg nach Langenlois umgemeldet. René Schimanek ist seit 2025 wieder FPÖ-Stadtrat in Langenlois, offenbar, so die Recherche Rohrhofers, gewählt auch mit Stimmen von ÖVP-Gemeinderäten gewählt.
Ausführlich berichtet Rohrhofer über die E‑Mails, in denen sich René Schimanek zwischen 2010 und 2015 mit seinem Bruder, einem deutschen Neonazi, dem User „Großdeutschland“ und anderen ausgetauscht hat. und die von Lukas Hammer, Abgeordnetem der Grünen, in einer parlamentarischen Anfrage an den Nationalratspräsidenten Walter Rosenkranz veröffentlicht wurden. Auch der Sprengstoffexperte A.K., der in den Ermittlungen zu den „Sächsischen Separatisten“ wegen seiner Verbindung zu Jörn eine Rolle spielt, war im Verteiler.
René Schimanek legte unmittelbar nach Veröffentlichung der Mails seine Funktion als Büroleiter von Rosenkranz zurück. Wegen der Mails wird gegen ihn wegen des Verdachts der Verhetzung ermittelt, wegen der Funde im Forsthaus auch wegen des Verdachts der Wiederbetätigung und gegen das Waffengesetz verstoßen zu haben. Aufgrund der Parte für seinen Vater läuft auch noch ein drittes Ermittlungsverfahren.
Das alles wird von Rohrhofer akribisch erfasst und dargestellt. Dazu gibt es eine ausführliche Stellungnahme des Anwalts von René Schimanek, Werner Tomanek, die nicht nur seinen Mandanten weißzuwaschen versucht (was sein Job ist), sondern auch die Ermittlungen der deutschen Bundesanwaltschaft abkanzelt: „Die angebliche Gewaltbereitschaft der Sächsischen Separatisten sehe er nicht.“ (S. 80). Rohrhofer hakt nicht nach, auch nicht bei Walter Rosenkranz, der versichert, dass er „keine schlechten Erfahrungen mit ihm gemacht“ (S. 81) habe.
Hans Jörg Schimanek jun., gegen den wegen der Funde in seiner Wiener Wohnung eine nicht rechtskräftige Anklage nach dem Verbotsgesetz vorliegt, ist ein ganzes Kapitel gewidmet: „Die Sachen von damals würde ich heute nicht mehr machen.“ (S. 130ff) Das grenzt an Litigation-PR.
Hans Jörg Schimanek jun. darf da nicht nur die aktuellen Vorwürfe gegen ihn und seine Söhne zurückweisen, sondern auch die historischen, die schon längst durch Verurteilung und Strafe abgetan wurden. Zur Nation habe er sich damals bekannt, „aber nicht zum Nationalsozialismus“ (S. 132). Auch weist er den Vorwurf, ein Neonazi oder Nazi zu sein, zurück. An anderer Stelle im Buch (S. 98) ist von seiner zunehmenden Distanzierung von Küssel „Mitte der 1990er-Jahre“ die Sprache. Davon ist nichts bekannt – eher im Gegenteil: Beim Kärntner Ulrichsbergtreffen der Alt-und Neonazis und sonstiger Rechtsextremer 2009 marschierten Gottfried Küssel und Hans Jörg Schimanek gemeinsam mit dem Leipziger Neonazi Riccardo Sturm auf, Küssel trat damals auch öffentlich mit Schimanek in Leipzig auf, und 2023 trafen sich Schimaneks Frau samt den drei Söhnen mit Küssel – privat, wie Küssel versichert.
Rohrhofers Buch hat dort seine Stärken, wo er aus den Archiven zitiert oder damalige Zeitzeugen zu den aktuellen Ereignissen um die „Sächsischen Separatisten“ und ihre Langenloiser Connection befragt. Wobei es durchaus gruselig ist, wenn einige von ihnen aus Angst ihre Namen nicht nennen wollen.
Gegen Ende des Buches, in dem die Gruppe der „Sächsischen Separatisten“ und ihre Umsturzfantasien nur wenig vorgestellt werden, aber sehr wohl ihre Langenloiser Bezugspunkte aktuell und in ihrer Vorgeschichte, erlaubt sich Rohrhofer dann noch einen Schnitzer, der entbehrlich gewesen wäre. Er schreibt: „Auch die Sprache von Jörg Schimanek war von radikalen Tendenzen geprägt.“ (S. 161). Bloß Tendenzen? Alles, was über die Sprache des Jörg Schimanek bekannt ist, zeugt von extremer Menschenverachtung und Gewaltbereitschaft. Jörg Schimanek wurde wohl zu Recht als Rädelsführer einer terroristischen Vereinigung angeklagt, auch wenn sein Vater das als „politische Willkür“ abzutun versucht.
Hans Jörg Schimanek jun. ist übrigens von Sachsen, wo er jahrzehntelang gelebt hat, wieder in seine Heimat, nach Langenlois, zurückgezogen. Ins Forsthaus. Schon vor dem Tag X.
Gernot Rohrhofer, Der „Tag X“. Die Umsturzfantasien der Rechten. Seifert Verlag, Wien. 2025. 24 €.

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