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Lesezeit: 6 Minuten

Mélange KW 13/25 (Teil 1): Blaue G’schichten und Kubitschek-Freund als Draufgabe

Reagier­ten Poli­zei und der Wie­ner Lan­des­ver­fas­sungs­schutz bei ihrem Vor­ge­hen gegen die „Jüdi­sche öster­rei­chi­sche Hochschüler:innenschaft“ auf Zuruf des FPÖ-Poli­ti­kers Udo Gug­gen­bich­ler? War­um ist der Wel­ser FPÖ-Bür­ger­meis­ter Rabl im Hit­ler­bart-Skan­dal plötz­lich wort­karg gewor­den? War­um hat sich die FPÖ Nie­der­ös­ter­reich gegen­über der „Tages­pres­se“ so spen­da­bel gezeigt? Und ver­kehrt der FPÖ-Freund Götz Kubit­schek gar mit einem Sexualstraftäter?

2. Apr. 2025
Rückblick FPÖ
Rückblick FPÖ

Wien: Staatsanwaltschaft stellte Ermittlungen gegen „JöH“ sofort ein
Wels/OÖ: Hitlerbart und spezielle Grüße

NÖ: FPÖ schenkt der „Tagespresse“ fast 63.000 Euro
D: Götz Kubitscheks Priesterfreund wegen Kindesmissbrauchs verurteilt

 

Wien: Staatsanwaltschaft stellte Ermittlungen gegen „JöH“ sofort ein

Die Staats­an­walt­schaft hat ein Ver­fah­ren wegen „Ver­het­zung“ gegen Akti­vis­ten der Jüdi­schen öster­rei­chi­schen Hochschüler:innenschaft (JöH) ein­ge­stellt. Aus­gangs­punkt war eine Licht­pro­jek­ti­on am Äuße­ren Burg­tor, bei der der Count­down bis zum „Aka­de­mi­ker­ball“ der FPÖ, der als „Nazi­ball“ titu­liert wur­de, zu sehen war – zumin­dest, bis der FPÖ-Gemein­de­rat und Ball­or­ga­ni­sa­tor Udo Gug­gen­bich­ler auf­ge­taucht und offen­bar Anzei­ge wegen „Ver­het­zung“ gelegt und damit die Poli­zei in Gang gesetzt hatte.

In ihrem zwölf­sei­ti­gen Antrag auf Ein­stel­lung hat­te die JöH auch kon­sta­tiert, „dass die Ermitt­lun­gen des LSE (Lan­des­amt Staats­schutz und Extre­mis­mus­be­kämp­fung, Anm.) Wien offen­bar ohne vor­he­ri­ge Anord­nung der Staats­an­walt­schaft geführt” wur­den. Ins­be­son­de­re bei „poli­tisch heik­len Ermitt­lungs­ver­fah­ren wie dem vor­lie­gen­den wäre eine sorg­fäl­ti­ge Prü­fung durch die Staats­an­walt­schaft vor Ein­lei­tung kon­kre­ter Ermitt­lungs­schrit­te ange­zeigt gewe­sen”, heißt es wei­ter. (derstandard.at, 25.3.25)

Die zustän­di­ge Staats­an­wäl­tin stell­te fest, was ohne­hin selbst für Nicht-Jurist*innen schon erkenn­bar war, dass näm­lich die Inhal­te der Pro­jek­ti­on nicht gegen geschütz­te Grup­pen im Sin­ne des Geset­zes (§ 283 StGB) gerich­tet waren.

JöH-Prä­si­dent Alon Ishay kri­ti­sier­te die Poli­zei scharf und schil­der­te, dass die Exe­ku­ti­ve agier­te, als stün­de sie im Dienst von Gug­gen­bich­ler. Die JöH mach­te nach den Iden­ti­täts­fest­stel­lun­gen zudem daten­schutz­recht­li­che Beden­ken gel­tend, da eini­ge Beschul­dig­te Ange­hö­ri­ge einer reli­giö­sen Min­der­heit sind.

Auch der Jurist Bini Gutt­mann äußer­te Beden­ken über mög­li­che ille­ga­le Vor­ge­hens­wei­sen des Wie­ner Ver­fas­sungs­schut­zes, in dem die blaue Per­so­nal­ver­tre­tung eine abso­lu­te Mehr­heit hat, gegen die JöH. Der Grü­ne Natio­nal­rats­ab­ge­ord­ne­te Lukas Ham­mer stell­te eine par­la­men­ta­ri­sche Anfra­ge zu einer mög­li­chen poli­ti­schen Ein­fluss­nah­me durch Gug­gen­bich­ler und frag­te den Innen­mi­nis­ter nach dem Grund für das poli­zei­li­che Eingreifen.

Erfreu­li­che Updates im @joehwien.bsky.social -„Ver­het­zungs­fall”:

Der (zumin­dest der offi­zi­el­le) Ver­such des Aka­de­mi­ker­balls, in die Ermitt­lungs­ak­ten gegen jüdi­sche Aktivist:innen Ein­sicht zu neh­men, wur­de von der Staats­an­walt­schaft ges­tern zurück­ge­wie­sen – mit Ver­weis auf feh­len­de Opferstellung.

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— Bini Gutt­mann (@biniguttmann.bsky.social) 28. März 2025 um 11:55

Der neue für den Ver­fas­sungs­schutz zustän­di­ge SPÖ-Staats­se­kre­tär Jörg Leicht­fried hat gegen­über dem „Stan­dard” (30.3.25) ange­kün­digt: „Ich habe bereits eine lücken­lo­se Prü­fung zu den Hin­ter­grün­den des Vor­falls angeordnet.”

Wels/OÖ: Hitlerbart und spezielle Grüße

Der Hit­ler­bart-Skan­dal, in den (min­des­tens) zwei Bediens­te­te des Wel­ser Magis­trats invol­viert sind, führt nun zu Ermitt­lun­gen der Staats­an­walt­schaft nach dem NS-Ver­bots­ge­setz. Aber nicht nur: Auch jene Auf­nah­me, die eini­ge Mona­te spä­ter von der Magis­trats­weih­nachts­fei­er publik wur­de, wird die Staats­an­walt­schaft nach einem Bericht des ober­ös­ter­rei­chi­schen Ver­fas­sungs­schut­zes beschäf­ti­gen. Im Fokus steht ein Mit­ar­bei­ter, der sich einen Hit­ler­bart auf­kle­ben und damit ablich­ten hat las­sen und dann bei der Weih­nachts­fei­er mit Küh­nen­gruß zu sehen ist. Zu sei­nem Dienst­stel­len­lei­ter kur­sie­ren zwei Vari­an­ten der Hit­ler­bart-Affä­re: die offi­zi­ell ver­brei­te­te, wonach er dem Mann den Bart sofort her­un­ter­ge­ris­sen habe und eine zwei­te, wonach just er es gewe­sen sein soll, der dem Mann den Bart ver­passt und den pas­sen­den Schei­tel gerich­tet hätte.

Der Dienst­stel­len­lei­ter, im Novem­ber gewähl­ter stell­ver­tre­ten­der Orts­par­tei­ob­mann der FPÖ einer Gemein­de im Haus­ruck­vier­tel, ist auch auf dem Weih­nachts­fei­er­fo­to zu sehen: mit dem White-Power-Zeichen.

„Vom Dienst­stel­len­lei­ter haben wir auch mehr­mals gehört, dass er sich in der KZ-Gedenk­stät­te Maut­hau­sen mit Hit­ler­gruß hat foto­gra­fie­ren las­sen”, so Tisch­lin­ger [Lei­ter des ober­ös­ter­rei­chi­schen Lan­des­am­tes für Staats­schutz und Extre­mis­mus­be­kämp­fung] zum STANDARD. Das beschrie­be­ne Foto habe aber bis­her nie­mand als Beweis vor­le­gen kön­nen. (derstandard.at, 26.3.25)

Und was meint der Wel­ser Bür­ger­meis­ter zu all dem? War vor eini­gen Mona­ten das Hit­ler-Imi­tat nach sei­ner Les­art noch ein alko­hol­be­ding­ter Aus­fall, gibt er sich nun wort­kar­ger. „Ich kom­men­tie­re Ver­fah­ren der Behör­den nicht, ich bin auch nicht invol­viert.” (derstandard.at, 26.3.25)

NÖ: FPÖ schenkt der „Tagespresse“ fast 63.000 Euro

Offen­bar hat die FPÖ Nie­der­ös­ter­reich einen Pas­sus jenes Gerichts­ur­teils nach dem fast zwei­jäh­ri­gen Rechts­streit, aus dem die FPÖ sieg­reich her­vor­ging, über­se­hen oder miss­ver­stan­den, der die „Tages­pres­se“ ver­pflich­tet hät­te, Kos­ten für die Wie­der­ga­be des Urteils in nie­der­ös­ter­rei­chi­schen Medi­en zu über­neh­men. Der Wert: 62.757 Euro. Doch die Blau­en ver­pass­ten die Frist, was der „Tages­pres­se“ eine doch beträcht­li­che Erspar­nis einbrachte.

Die „Tages­pres­se“ (26.3.25) reagier­te mit gewohn­tem Humor:

Der in der FPÖ gras­sie­ren­de Analpha­be­tis­mus hat uns 62.757 Euro erspart. Die Tages­pres­se bie­tet der FPÖ Nie­der­ös­ter­reich mit dem gespar­ten Geld kos­ten­lo­se Deutsch­kur­se am WIFI in St. Pöl­ten an, unter dem Mot­to „Deutsch statt Urteil nix ver­ste­hen“. (…) Als Dank für die Unter­stüt­zung schen­ken wir Udo Land­bau­er außer­dem ein Tagespresse-Jahresabo.

D: Götz Kubitscheks Priesterfreund wegen Kindesmissbrauchs verurteilt

Das Amts­ge­richt Mon­ta­baur (Rhein­land-Pfalz) hat den 50-jäh­ri­gen Pries­ter Tho­mas Jäger wegen Kin­des­miss­brauchs zu acht Mona­ten beding­ter Haft ver­ur­teilt. Die ange­klag­te Tat fand 2019 in Liech­ten­stein statt. Der Ver­tei­di­ger kün­dig­te an, in Beru­fung zu gehen. Nach dem Vor­fall hat­te Jäger sei­ne Anstel­lung in Liech­ten­stein ver­lo­ren. Zu einem Ver­hand­lungs­ter­min in Liech­ten­stein war Jäger, der sich nach Deutsch­land abge­setzt hat­te, nicht erschienen.

Jäger wur­de zwi­schen 2000 und 2006 im Bis­tum Lim­burg zum Pries­ter aus­ge­bil­det, er erhielt jedoch kei­ne Pries­ter­wei­he, da Zwei­fel an sei­ner Eig­nung bestan­den. Statt­des­sen zog er nach Liech­ten­stein, wo er geweiht wur­de und als Pfar­rer und Reli­gi­ons­leh­rer in Rug­gell arbei­te­te. Der Vor­fall, der zur Ver­ur­tei­lung führ­te, wur­de von den Eltern des Mäd­chens ange­zeigt. Bei einer Haus­durch­su­chung fand die Poli­zei auf Jägers Han­dy Hin­wei­se auf den Besuch por­no­gra­fi­scher Sei­ten, was 2020 zu einer Geld­stra­fe in Liech­ten­stein führ­te. Die­ses Urteil wur­de spä­ter jedoch auf­ge­ho­ben. Die liech­ten­stei­ni­schen Behör­den ver­häng­ten ein unbe­fris­te­tes Berufs­ver­bot gegen Jäger.

Auf dem Pries­ter-Han­dy fan­den sich nicht nur Hin­wei­se auf sei­ne Kon­tak­te zu Rechts­extre­mis­ten, son­dern auch Hit­lers „Mein Kampf“ und Lis­ten von Neo­na­zis – zu „Stu­di­en­zwe­cken“, wie Jäger angab. Er hat­te bereits wäh­rend sei­nes Stu­di­ums in einem Inter­net­fo­rum sei­ne poli­ti­sche Ein­stel­lung geäu­ßert, wie die „Auto­no­me Anti­fa Frei­burg“ aufdeckte.

Schon wäh­rend sei­ner Stu­di­en­zeit Anfang der 2000er-Jah­re hat Jäger nach SWR-Infor­ma­tio­nen sei­ne poli­ti­sche Ein­stel­lung in dem Inter­net­fo­rum „Tra­Mi­Zu” (Tra­di­ti­on mit Zukunft) zu erken­nen gege­ben — etwa in einem Post aus dem Jahr 2007, der dem SWR von der Auto­no­men Anti­fa Frei­burg über­mit­telt wird: „War­um sol­len nur die Össis (sic), die für den Stän­de­staat ste­hen, Kle­ri­kal­fa­schis­ten sein? Ich möch­te auch dazu gehö­ren.” (tagesschau.de, 26.3.25)

In den letz­ten Jah­ren wur­de Jäger mehr­fach mit Ver­tre­tern der Neu­en Rech­ten gese­hen, zuletzt 2024 bei einem Umtrunk bei Götz Kubit­schek in Schnell­ro­da. Dort hielt er eine Mes­se auf Latein, obwohl ihm dies öffent­lich unter­sagt wur­de. Das Erz­bis­tum Vaduz bestä­tig­te, dass Jäger die öffent­li­che Zele­bra­ti­on von Mes­sen nicht gestat­tet ist.

Mehr zum Fall Jäger gibt’s bei der ➡️ „Auto­no­men Anti­fa Frei­burg“ (27.3.25): Sowas ist im Cartellverband

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